Jules Joseph Gabriel
französischer Theaterdichter und Librettist
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Jules Joseph Gabriel de Lurieu (* 11. Februar 1792 in Paris; † 28. März 1869 ebenda) war ein französischer Theaterdichter, der seine Werke meist unter seinen Vornamen Jules Joseph Gabriel oder unter den Pseudonymen „Jules“, „J. Gabriel“, „Monsieur Gabriel“ und „Monasieur Sapajou“ (in Gemeinschaft mit Armand d’Artois und Francis d’Allarde) veröffentlichte.
Leben
De Lurieu war ein Sohn des Kapitän des Régiment d’Artois dragons und Offiziers des Dragoner-Regiments in Montbrison Jean-Louis Gonyn de Lurieu (1754–1807) und dessen Frau Josephine Françoise Marie (geborene Thoynet; 1773–1806). Er wurde am Collège Henri IV. ausgebildet. Er war einer der populärsten französischen Komödiendichter und Librettisten seiner Zeit. Im Theaterbereich war er unter seinem Vornamen „Gabriel“ bekannt. Neben seiner Tätigkeit als Theaterschriftsteller bekleidete er unter seinem wirklichen Namen de Lurieu wichtige Führungspositionen im Innenministerium und verfasste Verwaltungsschriften. Die meisten seiner Varietés, Theaterstücke und Libretti entstanden in Zusammenarbeit mit anderen Schriftstellern, zwei frühe Werke veröffentlichte er unter dem Pseudonym „Jules“.[1]
1812 debütierte er mit dem Vaudeville Haydn, ou Le Menuet du boeuf, das er gemeinsam mit Alexis-Jacques-Marie Vafflard verfasst hatte.[2] 1815 folgte sein erstes selbständig verfasstes Vaudeville Le Hussard, ou Le Sabre magique. Sein größter Erfolg wurde das Stück Jacquot, das er mit Paul Vermond schrieb.
Insgesamt entstanden im Laufe seines Lebens mehr als 130 Vaudevilles, Komödien und Opernlibretti. Darunter findet sich u. a. Jocko, ou le singe du Brésil, geschrieben mit Claude Louis Marie de Rochefort-Luçay,[3] ein Stück, das als Vorläufer von Edgar Rice Burroughs’ Tarzan anzusehen wird und am 16. März 1825 in Paris in der Vertonung von Alexandre Piccini, 1828 unter dem Titel Zoko, malpa brazylijska in Warschau, komponiert von Józef Damse, aufgeführt wurde. Hippolyte Chelard komponierte nach einem Libretto Gabriels die komische Oper La Table et le logement, die 1829 in Paris uraufgeführt wurde.
Sein Bruder Gabriel Zéphirin Gonyn de Lurieu (1799/1803–1889) war ebenfalls Dramatiker. Ein weiterer Bruder war François Benoit Gonyn de Lurieu (1794–1857).
Werke (Auswahl)
Vaudeville
- Le Mari de la veuve 1832 (Koautoren Auguste Anicet-Bourgeois und Alexandre Dumas dem Älteren).
Dramen
- Victorine ou La Nuit porte conseil Drama in 5 Akten (wurde 1831 erstmals im Théâtre de Saint Martin aufgeführt). Gemeinsam mit Théophile Marion Dumersan und Charles Dupeuty.[4]
- Les deux Mondes Parade in 2 Akten, gemeinsam mit Auguste-Michel-Benoit Gaudichot Masson (wurde erstmals am 26. September 1831 im Théâtre du Palais Royal in Paris aufgeführt).[5]
Libretti
- La Table et le logement (‚Tisch und Logis‘ oder ‚Der Student‘) Komische Oper in einem Akt von André Hippolyte Chelard (wurde am 24. Dezember 1829 in der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt (Text: mit Théophile Marion Dumersan, 1832 in München [in deutscher Übersetzung] und 1833 in London))[6]
- Trois Jours en une heure („Drei Tage in einer Stunde“) von Adolphe Adam (Text: mit Auguste-Michel-Benoit Gaudichot Masson, Uraufführung am 21. August 1830 in der Opéra-Comique)[7]
- Les Porcherons (‚Die Porcherons‘) Komische Oper in 3 Akten von Albert Grisar (wurde am 12. Januar 1850 in der Opéra-Comique in Paris uraufgeführt, Text: mit Thomas-Marie-François Sauvage [1794–1877])[8]
- La Perle du Brésil (‚Die Perle aus Brasilien‘) Komische Oper in 3 Akten von Felicien César Davids (Text: mit Sylvain Saint-Étienne [1807–1880], wurde am 22. November 1851 (1. Fassung) und Februar 1858 (2. Fassung) uraufgeführt).[9]
- Herculanum Große Oper in 4 Akten von Felicien César Davids (wurde am 4. März 1859 uraufgeführt. Text: Gemeinsam mit Eugène de Mirecourt für das ursprünglich geplante Musikstück französisch La Fin du monde ou Le Jugement dernier ‚Das Ende der Welt oder das Jüngste Gericht‘, das nicht zur Aufführung kam).[10]
Schriften
- Essai biographique sur madame Tascher de la Pagerie née desvergers de Sanois mère de S. M. l’impératrice Joséphine aïeule de S. M. l’empereur Napoléon III. Galpin, Paris 1856 (französisch, books.google.de).
Literatur
- Gabriel (Jules Joseph Gabriel de Lurieu, plus connu sous son prénom de). In: La Grande encyclopédie : inventaire raisonné des sciences, des lettres et des arts. H. Lamirault, Paris 1886, S. 331 (französisch, Textarchiv – Internet Archive).
- Lurieu (Jules-Joseph-Gabriel de), pseud. J. Gabriel, Jules-Joseph-Gabriel, Jules et M. Sapajou. In: Catalogue Général des Livres Imprimés de la Bibliothèque National. Band 101: Loyre–Lutgert. Paris 1930, Sp. 1056–1079 (französisch, Textarchiv – Internet Archive – Werke in der Bibliothek National).
Weblinks
- Gabriel 1792–1869 archive.org (Digitalisate)
- Lurieu, Jules Joseph Gabriel (de) francearchives.gouv.fr (Werke)
- Lurieu, Jules Joseph Gabriel de auf den Seiten der Uni Jena