Julia Jäkel

deutsche Managerin und Verlegerin From Wikipedia, the free encyclopedia

Julia Jäkel (* 13. November 1971 in Mainz; bürgerlich Julia Jäkel-Wickert) ist eine deutsche Managerin und Verlegerin.[1]

Julia Jäkel (2020)

2012 wurde Jäkel in den Vorstand des Verlagshauses Gruner + Jahr berufen.[2] Sie war von 2013 bis 2021 dessen Vorstandsvorsitzende und Chief Executive Officer.[3][4] Unter ihrer Führung wurde der Verlag umgebaut und transformiert,[5] insbesondere durch den Ausbau digitaler Angebote, die im Jahr 2019 30 % des – in ihrer Amtszeit allerdings stark reduzierten – Umsatzes erbrachten.[6] Jäkel war Mitglied im Group Management Committee von Bertelsmann und Vorsitzende der Bertelsmann Content Alliance, die die inhaltlichen Geschäfte des Konzerns in Deutschland koordiniert.[7][8]

Herkunft

Jäkel wurde 1971 in Mainz in eine Arztfamilie geboren.[9][10] Nach dem Abitur an der Gutenbergschule in Wiesbaden studierte Jäkel Geschichte, Politikwissenschaften und Volkswirtschaft an der Ruprecht-Karls-Universität Heidelberg und der Harvard University. 1996 schloss sie ihr Studium mit einem Master of Philosophy[11] in International Relations[12] der University of Cambridge ab.[13]

Karriere

1997 durchlief Jäkel das Bertelsmann Unternehmertumprogramm und wechselte in diesem Rahmen zu Gruner + Jahr.[14][15] 1999 zählte sie zum Gründungsteam der Financial Times Deutschland und wirkte dort in Leitungspositionen zunächst in der Redaktion, ab 2001 im Verlag.[16] Nach fünf Jahren bei der Financial Times Deutschland wechselte Jäkel 2004 wieder zum Mutterkonzern an den Baumwall und wurde Verlagsleiterin der Brigitte-Gruppe.[17] 2008 übernahm sie die Leitung einer der vier Verlagsgruppen des Unternehmens[18][19] und war unter anderem für Zeitschriften- und Digital-Marken wie National Geographic Deutschland, Chefkoch.de, Essen & Trinken, Schöner Wohnen und für das Corporate Publishing Geschäft verantwortlich.[20][21] Im Zuge einer Reorganisation von Gruner + Jahr im Jahr 2012 stieg die Zahl der Medienmarken im Verantwortungsbereich Jäkels auf über 20 an und umfasste ab diesem Zeitpunkt auch Brigitte, Gala, Grazia und 11 Freunde.[22]

2012 wurde Jäkel in den Vorstand von Gruner + Jahr berufen und übernahm die Verantwortung für das gesamte deutsche Geschäft, zu dem etwa der Stern, die Geo-Gruppe, Capital und eine 25%ige Beteiligung am Spiegel-Verlag gehörten.[23] Eine von Jäkels ersten Entscheidungen als Vorstand war die Einstellung der defizitären Financial Times Deutschland, die sie selbst mit gegründet hatte.[24] Ein halbes Jahr nach ihrem Amtsantritt übernahm sie Anfang 2013 den Vorsitz des Vorstands von Gruner + Jahr.[25][26] In der Folgezeit lancierte sie zahlreiche neue Magazine und baute die Digitalaktivitäten von Gruner + Jahr in Deutschland und Frankreich (mit dem Tochterunternehmen Prisma Media) deutlich aus. Zudem stieß sie kleinere Auslandsgeschäfte ab.[27][28] Während ihrer Amtszeit halbierte sich der Umsatz des Unternehmens.[29] Nach dem Wechsel der Rechtsform von Gruner + Jahr in eine GmbH Anfang 2015 übernahm Jäkel die Geschäftsführung.[30]

Bertelsmann fasste ab Anfang 2018 seine deutschen Mediengeschäfte in der Bertelsmann Content Alliance zusammen, wobei Julia Jäkel den Vorsitz übernahm.[31] Der Content Alliance gehören die Mediengruppe RTL, die Fernsehproduktionsfirma UFA, die Buchverlagsgruppe Penguin Random House, das Musikunternehmen BMG und die Verlagsgruppe Gruner + Jahr an.[32]

2021 verließ sie Gruner + Jahr und Bertelsmann. Jäkels Nachfolger wurden Stephan Schäfer und Oliver Radtke.[33][34]

Ab März 2023 leitete sie im Auftrag der Rundfunkkommission der Länder den Rat für die zukünftige Entwicklung des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, der im Januar 2024 einen ersten Bericht vorlegte.[35] 2024 gründete Jäkel gemeinsam mit Peer Steinbrück, Thomas de Maizière und Andreas Voßkuhle unter der Schirmherrschaft von Frank-Walter Steinmeier die Initiative für einen handlungsfähigen Staat.[36][37]

Mandate

Jäkel ist Mitglied im Aufsichtsrat der Münchener Rück,[38] Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck,[39] Non-Executive Director (Aufsichtsratsmitglied) von Adevinta und Mitglied bei Google LLC im European Advisory Board von Google Cloud.[40] Sie gehört dem Kuratorium des Universitätsklinikums Eppendorf an sowie dem Aufsichtsrat und dem Beirat der Elbphilharmonie Hamburg,[41][42] sitzt im Kuratorium der DFL Stiftung (Bundesliga-Stiftung) und im Aufsichtsrat der dpa (Deutsche Presse-Agentur).[43] Sie leitete als Vorsitzende den von der Rundfunkkommission der Länder eingesetzten sog. „Zukunftsrat zur Reform des Öffentlich-Rechtlichen Rundfunks“.[44] Mit ihrem Mann gründete sie die Ulrich Wickert Stiftung bei Plan International.[45] Sie ist seit Juni 2025 Mitglied im Senat der Deutschen Nationalstiftung.[46]

Positionen

Neben ihren operativen Aufgaben profilierte sich Jäkel durch Texte und Interviews als frühe Kritikerin des Einflusses der digitalen Plattformen auf die Gesellschaft.[47][48][49]

Auszeichnungen

2016 wurde Jäkel von Kress als Medienmanagerin des Jahres ausgezeichnet.[50] Horizont verlieh ihr die Auszeichnung Medienfrau des Jahres 2017.[51] Beim Deutschen Mediapreis 2018 wurde sie als Mediapersönlichkeit des Jahres geehrt.[52]

Privates

2003 heiratete Jäkel den damaligen Moderator der Tagesthemen, Ulrich Wickert.[53][54] Aus der Beziehung gingen im Jahr 2012 Zwillinge hervor.[55]

Literatur

Interviews
Podcasts

Einzelnachweise

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