Julian Reade

britischer Archäologe und Assyriologe From Wikipedia, the free encyclopedia

Julian Reade (* 1938) ist ein britischer Vorderasiatischer Archäologe und Assyriologe, der sich insbesondere auf die Archäologie und Kunst des alten Mesopotamien, mit einem Schwerpunkt auf das neuassyrische Reich, spezialisiert hat. Der Großteil seiner Karriere war mit dem British Museum in London verbunden, wo er als Kurator für die umfangreichen vorderasiatischen Sammlungen verantwortlich war.

Akademischer Werdegang und Karriere

Julian Reade erhielt seine frühe Erziehung zwischen 1943 und 1952 an einer Reihe renommierter privater Vorbereitungsschulen in England, darunter Thornbury Preparatory, Francis Holland, Eaton House, Hordle House und schließlich Summerfields in Oxford. Als begabter Schüler setzte er seine Ausbildung von 1952 bis 1957 als King's Scholar am Eton College in Windsor fort. Anschließend wurde er 1957 als Foundation Scholar am King’s College der University of Cambridge aufgenommen. Dort absolvierte er sein Bachelor-Studium in Klassischen Altertumswissenschaften sowie Orientalischen Sprachen mit den Fächern Arabisch und Persisch. Nach seinem Master-Abschluss 1964 vertiefte er seine Studien als Forschungsstudent in den Orientalischen Studien in Cambridge und spezialisierte sich auf Assyriologie und Vorderasiatische Archäologie. Diese Phase war geprägt durch Stipendien, Feldforschung im Irak und die Arbeit an seiner Dissertation, die er 1970 erfolgreich mit der Promotion (Ph.D.) über das "Design und die Dekoration neuassyrischer öffentlicher Gebäude" ("The Design and Decoration of Neo-Assyrian Public Buildings") abschloss.

Nach seiner Promotion setzte Julian Reade seine akademische Karriere von 1971 bis 1974 am Lehrstuhl der Vorderasiatischen Archäologie an der University of Oxford fort. Bereits 1973 wurde er in die Society of Antiquaries of London aufgenommen, eine Gemeinschaft, der er als Fellow bis heute angehört. Den zentralen und prägenden Teil seiner Laufbahn begann er 1975, als er Kurator für Westasiatische Altertümer (Keeper of Western Asiatic Antiquities) im British Museum in London wurde. Diese Position bekleidete er 25 Jahre lang bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2000 und schrieb umfangreich über die Geschichte der vorderasiatischen Sammlung und die Umstände ihrer Entstehung, insbesondere durch Austen Henry Layard.

Parallel zu seiner Museumsarbeit war er immer wieder auch in der Lehre tätig, unter anderem 1981 als Gastprofessor an der Universität Kopenhagen und 1982/83 als vertretende Dozent am Londoner Institute of Archaeology. Zudem übernahm er ehrenamtliche Führungsaufgaben in wissenschaftlichen Gesellschaften, so war er von 1985 bis 1990 Schatzmeister der Society for Arabian Studies und von 1994 bis 1996 Ehrenbibliothekar der Royal Asiatic Society. 2003 kehrte er als Gastprofessor nach Kopenhagen zurück, und ist seit 2004 als außerplanmäßiger bzw. affiliierter Professor für Nahost-Studien fest mit dem Institut für Cross-Cultural and Regional Studies tätig.

Neben seiner musealen und akademischen Tätigkeiten unternahm Reade archäologische Feldarbeit. Sein erstes Projekt führte ihn 1961 nach Corbridge und Cheddar in England. Danach begannen verschiedene Arbeiten im Nahen Osten wie z. B. 1962–63 in Nimrud (das antike Kalhu im Irak), 1963-4 in Can Hasan (Türkei), 1964–71 in Tell al-Rimah (Irak), 1967–73 Tell Taya (Irak), 1987–92 Ras al-Hadd (Oman) und ab 2008 in Dangeil (Sudan).

Forschungsschwerpunkte und Beiträge

Julian Reades Werk zeichnet sich durch eine umfassende Analyse archäologischer Funde im Kontext von Geschichte, Kunst und Ideologie aus. Seine wichtigsten Forschungsbeiträge umfassen die Skulpturen und Palastreliefs in Nimrud und deren Verherrlichung oder Darstellung königlicher Macht und religiöser Symbolkraft. Ein anderer Schwerpunkt seiner Forschung ist das Zusammenspiel von Archäologie und Philologie (materiellen Hinterlassenschaften mit den schriftlichen Quellen).

Julian Reade gilt als eine der integralen Figuren der Assyriologie und vorderasiatischen Archäologie des 20. Jahrhunderts. Durch seine jahrzehntelange Arbeit am British Museum hat er nicht nur die wissenschaftliche Forschung vorangetrieben, sondern auch generationenübergreifend Studierende, Kollegen und die breite Öffentlichkeit durch Ausstellungen und publikumsorientierte Schriften für die altorientalischen Kulturen begeistert. Seine präzisen und ideenreichen Interpretationen assyrischer Kunst bleiben Standardwerke in der Fachwelt.

Publikationen (Auswahl)

Reade ist Autor zahlreicher wissenschaftlicher Artikel, Aufsätze und Bücher. Zu seinen bedeutendsten Werken zählen:

  • Assyrian Sculpture (1983 & 1998, zweite Auflage): Ein einflussreicher und weit verbreiteter Überblick über die Entwicklung der assyrischen Reliefkunst, publiziert vom British Museum Press.
  • Mesopotamia (1991, zweite Auflage 2000): Teil der Reihe "British Museum Introductions to..." bietet das Buch eine prägnante Einführung in die Geschichte und Archäologie Mesopotamiens.
  • (Hrsg.): Indian Ocean in Antiquity (1996): Eine Sammlung von Essays zum antiken Handel und kulturellen Austausch im Indischen Ozean.
  • (Hrsg.): The Charles Collection of Cypriote Antiquities (1986).
  • Zahlreiche Aufsätze in Fachzeitschriften und Sammelbänden, z. B. zu den Eroberungen der assyrischen Königin Semiramis, zur Lage der Gartenanlagen in Ninive (die oft mit den Hängenden Gärten von Babylon in Verbindung gebracht werden) und zur Interpretation einzelner Reliefszenen.

Literatur

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