Julius Doerfler
deutscher nationalsozialistischer Studentenfunktionär und Arzt
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Leben
Julius Doerfler war ein Sohn des Praktischen Arztes Julius Doerfler und der Else von Hueber.
Er besuchte das Erasmus-Gymnasium Amberg und wurde 1923 Mitglied des Hitler-Jungsturms und nach dem Verbot der NSDAP 1924 des Jungnationalen Bundes. Er machte 1930 am Gymnasium bei St. Anna in Augsburg das Abitur. Er studierte Medizin in Erlangen, Innsbruck, Königsberg in Preußen und München. Während seines Studiums war er von 1930 bis 1934 Mitglied der Burschenschaft der Bubenreuther. Er wurde 1935 in Erlangen promoviert und 1936 als Allgemeinarzt bestallt.
Doerfler trat 1930 in den Nationalsozialistischen Deutschen Studentenbund und zum 1. November 1931 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 691.410).[1] In dieser Zeit wurde er Unterscharführer der SS (SS-Nummer 10.868). 1932/33 diente er im SS-Sturm 2/I/37 in Innsbruck, im Sommer 1933 beim Motorsturm der I/18-SS-Standarte in Königsberg. Er leistete im Jahr 1933 drei Monate Wehrdienst in der Stabskompanie des Infanterieregiments I der Reichswehr in Königsberg. Ende 1933 wurde er Führer und 1934 Ältester der Erlanger Studentenschaft. Von 1936 bis 1938 war er Führer der Münchener Studentenschaft und von 1936 bis 1945 Gaustudentenführer im Gau München-Oberbayern. Ab 1936/37 war er Leiter des Amtes der NS-Studentenkampfhilfe in der Reichsstudentenführung. Er war seit 1937 Bereichsführer Süd des Reichsstudentenführers. 1939 trat Doerfler aus der Kirche aus. 1940 wurde er geschäftsführender Leiter des Amtes Politische Erziehung der Reichsstudentenführung. 1941 wurde er SS-Hauptsturmführer. Im Januar 1943 war er neben Gauleiter Paul Giesler einer der Redner bei einer Feier der Ludwig-Maximilians-Universität und forderte die Studentinnen der Universität auf, sich zum Fabrikdienst zu melden.[2] Anfang 1943 erhielt er das Goldene Parteiabzeichen.[2] Im Februar des Jahres 1943 sprach er am Abend der Hinrichtung der Geschwister Scholl im Auditorium Maximum der Universität vor 3000 Studenten und forderte, derartige Hochverräter zukünftig an den nächsten Bäumen aufzuhängen.[3]
Am Zweiten Weltkrieg nahm er ab 1940 als Sanitätsoffizier bei der Luftwaffe im besetzten Frankreich teil. Im Juni 1944 geriet er in Kriegsgefangenschaft und war anschließend bis 1947 in Internierungshaft.
Doerfler wurde von der Spruchkammer als Belasteter eingestuft und zu 5000 Reichsmark Geldstrafe verurteilt. Er absolvierte eine Facharztausbildung als Internist bei Heinrich Kunstmann am Amalie-Sieveking-Krankenhaus in Hamburg und arbeitete ab 1949 als niedergelassener Facharzt für Innere Medizin in Hamburg-Altona. Zuletzt lebte er im Augustinum Hamburg.

Schriften
- Zur Frage der klinischen Brauchbarkeit der Chlorcalciuminjektion als Herzfunktionsprüfung. Medizinische Dissertation Universität Erlangen 1936.
Literatur
- Doerfler, Julius, in: Michael Grüttner: Biographisches Lexikon zur nationalsozialistischen Wissenschaftspolitik. Heidelberg: Synchron, 2004, S. ISBN 3-935025-68-8, S. 39f.
- Helge Dvorak: Biographisches Lexikon der Deutschen Burschenschaft. Band I: Politiker. Teilband 7: Supplement A–K. Winter, Heidelberg 2013, ISBN 978-3-8253-6050-4, S. 248–250.