Julius Haußmann
deutscher Politiker
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Julius Haußmann (* 27. Juli 1816 in Ludwigsburg; † 29. Juli 1889 in Stuttgart) war ein deutscher Publizist und demokratischer Politiker im Königreich Württemberg.

Herkunft
Julius Haußmann war der Sohn des Ludwigsburger Hof- und Stadtapothekers Karl Friedrich Haußmann (1779–1856) und der Carolina geb. Kausler (1790–1839). Er entstammte einem Zweig der Großfamilie Haußmann aus dem württembergischen Reudern. Seine Großmutter väterlicherseits kam aus der evangelischen Theologenfamilie Osiander.
Leben
Haußmann studierte Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen und war dort seit 1835 Mitglied des Corps Suevia Tübingen.[1] Nachdem er Tübingen ohne Abschluss verlassen hatte, arbeitete er zunächst in der Apotheke seines Vaters in Ludwigsburg.
Im Rahmen seiner politischen Aktivität setzte er sich sehr für die kommunale und staatliche Selbstbestimmung des Volks ein und forderte eine Stärkung der individuellen Rechte und Freiheiten. In den Revolutionsjahren beteiligte er sich an der Gründung von demokratischen Volksvereinen und an der Reichsverfassungskampagne im Mai 1849. Er war einer der Anführer der Reutlinger Pfingstversammlung. Dort wurde eine Beschleunigung der inneren Reformen gefordert. Von den klassischen Liberalen enttäuscht, wandte er sich in der Zeit des Stuttgarter Rumpfparlaments der radikaldemokratischen Bewegung zu, die für eine republikanische Verfassung eintrat.
Während der Niederschlagung der Revolution musste Haußmann in die Schweiz fliehen. Er kehrte freiwillig zurück und wurde nach sieben Monaten in Untersuchungshaft zu zweieinhalb Jahren Festungshaft verurteilt, die er auf der Festung Hohenasperg verbrachte. Im Jahre 1854 wurde er vorzeitig aus dem Gefängnis entlassen. Zusammen mit Karl Mayer und Ludwig Pfau arbeitete er in der Redaktion des Stuttgarter Beobachters und war mit ihnen am 6. Januar 1864 Gründungsmitglied der württembergischen Volkspartei, die den Weg zur kleindeutschen Lösung scharf ablehnte und bald in der (Süd-)Deutschen Volkspartei aufging.
Familie
Haußmann heiratete 1855 in Wildbad die katholische Schweizerin Marie Josephine Stoffel (1827–1857), Tochter eines Gastwirts. Sie starb kurz nach der Geburt der Zwillingssöhne Conrad (1857–1922) und Friedrich (1857–1907), die beide aktive Politiker in der Volkspartei wurden. In zweiter Ehe heiratete er 1861 Anna Leisler (1822–1862), die ebenfalls verwitwet war.
Literatur
- Lothar Albertin: Haußmann, Friedrich Julius. In: Neue Deutsche Biographie. (NDB). Band 8. Duncker & Humblot, Berlin 1969, ISBN 3-428-00189-3, S. 130 (deutsche-biographie.de).
- Friedrich Henning: Die Haußmanns. Die Rolle einer schwäbischen Familie in der deutschen Politik des 19. und 20. Jahrhunderts. Bleicher Verlag, Gerlingen 1988, ISBN 3-88350-520-X.
- Karl Moersch: Julius Haußmann und das demokratische Prinzip. Die Anfänge der Volkspartei. In: Franz Quarthal, Karl Moersch (Hrsg.): Hohenasperg oder ein früher Traum von Demokratie. Gefangenenschicksale aus dem 19. Jahrhundert. DRW-Verlag, Leinfelden-Echterdingen 1998, S. 196–207.
- Verena Schiffmann: Ich stehe hier nur, weil ich es kann. Beitrag zum Schreibwettbewerb 2024/2025 in Leipzig zum Thema „Versammlungsfreiheit“, 22. Februar 2025, abgerufen am 29. November 2025.