Jürgen Hart

deutscher Kabarettist From Wikipedia, the free encyclopedia

Jürgen Hart (* 20. September 1942 in Treuen; † 9. April 2002 in Leipzig) war ein deutscher Kabarettist, Sänger, Autor und Mitbegründer des academixer. Bekannt wurde er vor allem durch seine inoffizielle Sachsenhymne Sing, mei Sachse, sing und sein tragikomisches Lied Der schönste Platz.

Werdegang

Jürgen Hart unternahm bereits während seiner Schulzeit in Auerbach/Vogtl. erste Kabarettversuche. Von 1963 bis 1967 absolvierte er zunächst an der Karl-Marx-Universität Leipzig ein Diplomlehrstudium (entspricht dem heutigen Studiengang Lehramt an Gymnasien) in den Fächern Deutsch und Musik und arbeitete anschließend bis 1970 als Lehrer.

Im Jahr 1966 gründete Hart zusammen mit Christian Becher, Gunter Böhnke und Bernd-Lutz Lange das Studentenkabarett academixer, das zunächst als freie Gruppe auf Tournee ging. Bis 1976 war er Leiter des Poetischen Theaters der Universität und wurde dann 1977 – als das Studentenkabarett in ein Berufskabarett umgewandelt wurde – Leiter der academixer, die in der Folge zu einem der beliebtesten Kabaretts der DDR wurden. Er verfasste 40 Kabarettprogramme, die zum Teil auf Schallplatten erhalten sind. Viele seiner Szenen wurden von anderen Kabaretts nachgespielt, so von der Leipziger Pfeffermühle. 1979 gelang ihm dann auch der Durchbruch als Sänger und Liedschreiber mit der späteren inoffiziellen Sachsenhymne Sing, mei Sachse, sing und dem tragikomischen Lied Der schönste Platz, die beide in Zusammenarbeit mit Arndt Bause entstanden und im gleichen Jahr beim Plattenlabel Amiga als Single erschienen, sowie auch auf der LP Hart auf Hart enthalten waren.

Ab 1990 trat Hart, bis es dessen Gesundheitszustand nicht mehr zuließ, in Soloprogrammen zusammen mit seiner Frau auf. Er wirkte als Theaterschauspieler, so spielte er am Münchner Volkstheater den Theaterdirektor Emanuel Striese in Franz und Paul von Schönthans Komödie Raub der Sabinerinnen und die Hauptrolle in Augen zu und durch – die unernste Geschichte Sachsens, seinem eigenen Stück am Schauspielhaus Chemnitz. Zudem war er von 1995 als bis zu seinem Tod als Autor verschiedener Monografien (Aus der Wichtelrepublik, Die Oma im Kühlschrank, Ostproben) aktiv.

Privatleben

Jürgen Harts Grabstein auf dem Leipziger Südfriedhof (2009)

Jürgen Hart war bis zu seinem Tod mit der Kabarettistin Katrin Hart (* 1950) verheiratet, die auch nach seinem Tod weiterhin Mitglied der academixer blieb.[1] Auch seine aus der Ehe hervorgegangenen beiden Töchter Angelika (* 1965) und Elisabeth Hart (* 1985) traten dort auf.[2]

Im Oktober 2001 erkrankte Hart an Knochenkrebs und starb ein halbes Jahr später im Alter von 59 Jahren an den Folgen der Erkrankung. Sein Grab befindet sich auf dem Leipziger Südfriedhof an seinem Wunschplatz neben dem der sächsischen Mundartdichterin Lene Voigt.[3]

Ehrung

Im März 2002 wurde Hart mit dem Sächsischen Verdienstorden geehrt. Wolfgang Schaller, der Chef des Dresdner Kabaretts „Herkuleskeule“, sagte: „von manch einem Jahrhundertdichter kennt niemand mehr eine Zeile, von Jürgen Hart dagegen bleibt sein Sing, mei Sachse, sing, das zum Volkslied geworden ist.“

Diskografie

  • Sing, mei Sachse, sing (Single) – 1979
  • Der schönste Platz (Single) – 1979
  • Hart auf Hart (LP) – 1979
  • Arbeitswut (Single) – 1985
  • Ieberall sin Sachsen (EP) – 1989
  • Ieberall sin Sachsen (Compilation) – 1990
  • Hart an der Grenze (LP) – 1991
  • Ieberall sin Sachsen (Compilation) – 1997

Bibliografie

  • 1995: Die unernste Geschichte Sachsens, Weymann Bauer, Leipzig
  • 1996: Aus der Wichtelrepublik, Eulenspiegel Verlag
  • 1996: Felix aus der Asche, Eulenspiegel Verlag
  • 1999: Die Oma im Kühlschrank – Ein Sommerkrimi, Eulenspiegel Verlag
  • 2002: Ostproben, Hohenheim-Verlag

Theater (Autor)

  • 1982: Dichtung für Dämmerstunden – Regie: Christoph Bruck (Berliner Ensemble – Probebühne)

Hörspiel

  • 1991: Gerhard Rentzsch: Szenen aus deutschen Landen, eingeleitet und mit Zwischenberichten versehen über die Reise eines Mannes mit Pappkarton – Regie: Walter Niklaus (Hörspielreihe: Augenblickchen Nr. 4 – DS Kultur/BR)

Filmdokumentation

Literatur

Einzelnachweise

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