KAGfreiland

Non-Profit-Organisation From Wikipedia, the free encyclopedia

KAGfreiland ist eine Non-Profit-Organisation, die sich seit 1972 für die artgerechte Haltung von Nutztieren in der Schweiz einsetzt. Sie gehört zu den kleineren aber ältesten Tierschutz-Organisationen in der Schweiz und führte 1972 das erste Label für Eier aus tierfreundlicher Produktion ein. Noch heute steht das Prädikat für die strengsten Tierhaltungsrichtlinien der Schweiz. Die Organisation ist politisch und konfessionell neutral. Im Mittelpunkt der Tätigkeiten stehen Tierwohlprojekte und Kampagnen zur Verbesserung der Haltungsbedingungen von Nutztieren.

Gründung1972
SitzAarau Schweiz Schweiz
SchwerpunktTierschutz
Schnelle Fakten Gründung, Sitz ...
KAGfreiland
Logo
Gründung 1972
Sitz Aarau Schweiz Schweiz
Schwerpunkt Tierschutz
Methode Projekte, Kampagnen, Lobbying, Öffentlichkeitsarbeit
Aktionsraum ganze Deutschschweiz sowie vereinzelt Kanton Tessin und Romandie
Personen Stefan Schürmann (Präsident)[1]
Website www.kagfreiland.ch
Schließen
Das erste Logo der KAG

Geschichte

Die Konsumenten-Arbeitsgruppe zur Förderung tierfreundlicher und umweltgerechter Nutzung von Haustieren (KAG) wurde 1972[2] eher zufällig gegründet. Die Kunstmalerin Lea Hürlimann entdeckte beim Zubereiten einer gekauften Kalbslunge einen faustgrossen Eiterpfropfen. Aus Ärger und Neugier führte sie private Recherchen durch, die zur Erkenntnis führten, dass Krankheiten aufgrund nicht artgerechter Kälbermast keine Seltenheit sind. Hürlimann informierte die Öffentlichkeit und begann Protestaktionen in Zürich. Ein kurzer Zeitungsartikel verhalf ihr unverhofft zu breiter Unterstützung.

In den folgenden Jahren wurden einerseits Richtlinien für die Produzenten erstellt. Andrerseits setzte sich der Verein politisch ein für die Abschaffung der Käfighaltung von Hühnern und die irreführende Eier-Deklaration wie «Landeier» oder «frisch ab Bauernhof». 1973 lancierte der Verein Freilandeier, die unter dem neu geschaffenen KAG-Label verkauft wurden. Ab 1975 wurde auch KAG-Fleisch angeboten, später auch Milchprodukte.

1992 erreichte der Verein, dass in der Schweiz die Käfighaltung von Hühnern in Legebatterien zur Eierproduktion verboten wurde. 1999 begann er, mit eigenen Forschungsprojekten Verbesserungen in der Nutztierhaltung zu erreichen. Im gleichen Jahr wurde der Name von KAG in KAGfreiland[2] geändert.

Seit 2008 führt die Organisation auch Kampagnen durch, in denen sie gegen Missstände in der Tierhaltung kämpft und die Öffentlichkeit sensibilisiert. Mit der Kampagne «Stopp Käfigfleisch» erreicht KAGfreiland im selben Jahr, dass Kaninchenfleisch aus Käfighaltung deklariert werden muss. 2016 wurde die Abkürzung KAG umgedeutet zu «Konsequent Artgerecht Gehalten».

Aktivitäten

Der Verein setzt sich auf breiter Front für die artgerechte Haltung von Nutztieren ein. Sie führt Kampagnen und Projekte durch, betreibt Aufklärungsarbeit und produziert und vertreibt in Zusammenarbeit mit rund 100 Landwirtschaftsbetrieben KAGfreiland-Produkte.

Tierprojekte

Mit den Tierprojekten werden praxistaugliche Alternativen für eine tierfreundliche und wirtschaftliche Nutztierhaltung erarbeitet.

2017 wurde mit «Has im Gras» eine artgerechte, praxistaugliche und wirtschaftliche Kaninchenhaltung im Freiland entwickelt. Das Projekt «Alpsäuli» (2017) zeigte auf, dass Schweine auch auf der Alp artgerecht gehalten werden können und so einen wertvollen Beitrag zur Ökonomie und Ökologie der Alpwirtschaft leisten können.

Im Jahr 2020 lancierte KAGfreiland das Projekt «Lebwohl». Mit dem Projekt möchte KAGfreiland auf die Probleme der Schlachttiertransporte und Schlachtbetriebe aufmerksam machen und die Hoftötung als schonende Alternative fördern. Dazu unterstützt KAGfreiland interessierte Betriebe beim Einstieg in die Hoftötung administrativ und finanziell. Bis heute konnten dank dem Projekt schon über 70 Betriebe dazu animiert werden, auf Hoftötung umzusteigen.

Im Projekt «Für Mutter und Kalb» (2024) erarbeitete KAGfreiland in Kooperation mit anderen Organisation ein Leitpapier, welches Betrieben Vermarktungsmöglichkeiten aufzeigt und somit den Einstieg in die Mutter-Kalb-Haltung erleichtern kann. Zudem unterstützte KAGfreiland die Plattform «Huhn und Hahn» (2024) und half so mit, Betriebe zu motivieren, auf Zweinutzungshühner umzusteigen.

Seit 2023 läuft das Projekt «Zuhause gross werden», welches in Zusammenarbeit mit Bio Luzern die Antibiotika-Reduktion bei Kälbern fördert.

Im Jahr 2024 lancierte KAGfreiland in Zusammenarbeit mit dem FiBL das Projekt «Bis zum letzten Flügelschlag», welches schonendere Ausstallmethoden und die schonendere Schlachtung von Geflügel direkt auf dem Hof fördert.

Mit dem Projekt «Im Grunze gut» fördern KAGfreiland und das FiBL innovative Haltungssysteme für mehr Tier- und Bodenwohl in der Schweinehaltung. Dabei wird der Einsatz von Wühlarealen in Schweineställen erforscht. Ausserdem kommt der Sau Caravan zum Einsatz, mit diesem können Schweine im Freiland gehalten werden und der Boden wird trotzdem geschont.[3]

Kampagnen & Politik

Seit 2008 leistet KAGfreiland Kampagnenarbeit. Sie thematisiert von der Tierhaltung bis zum Konsum von tierischen Produkten fast alle Aspekte rund um das Nutztier. So macht «Sauwohl!?» (2018) auf Missstände in der heutigen Schweinehaltung aufmerksam. Sie zeigt, wie Schweine heute gemästet werden und was eine artgerechte Haltung ausmacht. Eine hohe Wertschätzung für das Nutztier findet auch darin Ausdruck, dass es nach der Schlachtung möglichst vollständig und hochwertig verwertet wird. Diesem Umstand trägt die Kampagne «All of it – Genuss mit Hirn und Herz» Rechnung, die 2015 mit Informationen, Rezepten von Spitzenköchen, Restaurantwochen und Eat-Ins Konsumenten sensibilisierte. Zudem war KAGfreiland an der Einführung der Freilandbeiträge beteiligt (RAUS) und engagierte sich für eine betäubungslose Ferkelkastration, welche seit 2010 verboten ist.

Im Jahr 2022 hat der Verein zusammen mit anderen Organisationen eine Werbekampagne für weniger Fleischkonsum durchgeführt.[4] Die Kampagne «Weniger Fleisch, dafür aus tiergerechter Haltung» hat darüber informiert, wie man als Konsument zu mehr Tierwohl beitragen kann. In den Jahren 2024 und 2025 fand die KAGfreiland-Webinarreihe «Ein Blick hinter die Stalltüren» statt. Mit dieser Webinarreihe möchte KAGfreiland die Konsumenten über die Nutztierhaltung in der Schweiz aufklären und so ein bewussteres Einkaufs- und Konsumverhalten fördern. Sämtliche Webinare wurden aufgezeichnet.

KAGfreiland war unterstützende Organisation der eidgenössischen Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz (Massentierhaltungsinitiative)». KAGfreiland ist Mitglied der Agrar-Allianz und der Allianz gegen Massentierhaltung.[5]

Seit 2025 gehört KAGfreiland zu den Trägerschaftsorganisationen der neuen Auslauf-Initiative.[6]

Label

Das Label KAGfreiland hat schweizweit die strengsten Tierhaltungsrichtlinien und wird nur an Betriebe vergeben, welche bereits nach den Richtlinien von Bio Suisse produzieren. Die KAGfreiland-Betriebe werden mit unangemeldeten Hofkontrollen von unabhängiger Stelle, seit 2018 vom Kontrolldienst STS, auf die Einhaltung der Richtlinien überprüft.[7]

Siehe auch

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI