Kaitzbach

Nebenfluss der Elbe From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Kaitzbach, früher auch Kaiditzbach,[1] ist ein im Süden Dresdens gelegener linker Nebenfluss der Elbe. Seine Länge beträgt gegenwärtig 11,92 Kilometer, die mittlere Durchflussmenge beläuft sich auf etwa 35 Liter pro Sekunde. Benannt wurde er nach dem Dorf und jetzigen Dresdner Stadtteil Kaitz.

Schnelle Fakten
Kaitzbach
Der Kaitzbach zwischen den seitlichen Rückhaltebecken des Hugo-Bürkner-Parks oberhalb von Strehlen

Der Kaitzbach zwischen den seitlichen Rückhaltebecken des Hugo-Bürkner-Parks oberhalb von Strehlen

Daten
Lage Dresden, Sachsen, Deutschland
Flusssystem Elbe
Abfluss über Elbe Nordsee
Quelle oberhalb des Bades von Kleinnaundorf
50° 59′ 48″ N, 13° 41′ 4″ O
Mündung am Terrassenufer unterhalb des östlichen Endes der Brühlschen Terrasse in die Elbe (nicht mehr sichtbar)
51° 3′ 13″ N, 13° 44′ 47″ O

Länge 11,9 km
Abfluss MQ
35 l/s
Sandsteinbrücke im Dorfkern von Mockritz

Sandsteinbrücke im Dorfkern von Mockritz

Kaitzbach in Mockritz

Kaitzbach in Mockritz

Mündung des Kaitzbachs

Mündung des Kaitzbachs

4. Brunnenhaus am Kaitzbach

4. Brunnenhaus am Kaitzbach

Schließen

Verlauf

Die beiden schwimmfähigen „Parkmöbel am Kaitzbach“ Welt-Icon von Joachim Manz im Hugo-Bürkner-Park befinden sich in einer begrünten Wanne, die dem Kaitzbach im Rahmen des Dresdner Hochwasser­schutzes als Flutbecken dient.
Auf dem Kreisel des Gustav-Adolf-Platzes erinnerte die „Innere Mitte“ Welt-Icon von Kerstin Franke-Gneuß an das unterirdische Flussbett zwischen Wasaplatz und Großem Garten, bevor sie 2017 verkehrs­planungs­bedingt (ebenfalls kaitzbachnah) nach Altstrehlen Welt-Icon versetzt wurde.
Westlich des Georg­platzes markiert das mehrteilige Kunstwerk „Haltepunkte“ Welt-Icon Welt-Icon von B.K.H. Gutmann den ursprüng­lichen Verlauf des Kaitzbachs in der Nähe des Neuen Rathauses.
Nördlich des Pirnaischen Platzes deutet Angela Hampels stählerne Halbkugel „Treibgut“ Welt-Icon auf einen weiteren Punkt des Verlaufs.
Der neunte und letzte von Christa Donners „Musensteinen“ Welt-Icon befindet sich nahe dem Rathenauplatz vor dem Gebäude der ehemaligen Reichsbank.
„Aqualux“ Welt-Icon von Kirsten Kaiser – Neun bei Nacht beleuchtete Acrylglas­segmente auf der Wiese am früheren Gondelhafen am Hasenberg markieren den Verlauf des Kaitzbachs an der Neuen Synagoge kurz vor der Mündung in die Elbe.

Der Kaitzbach entspringt 190 Meter westlich des ehemaligen Freibades von Kleinnaundorf bei 261 m NN. Er fließt Richtung Osten durch den Kaitzgrund und Kaitz (hier Zufluss des Zschaukebaches) nach Mockritz. Kurz vor dem Naturbad Mockritz nimmt er den von links kommenden Schäferbach auf. Kurz vor der Gemarkungsgrenze mit Leubnitz-Neuostra mündet der von rechts kommende Nöthnitzbach in den Kaitzbach. Von hier aus fließt er weiter durch die Dresdner Stadtteile Leubnitz-Neuostra und Strehlen. Teile seines Laufes sind unterirdisch gelegt, so am Bahnhof Strehlen. Danach erreicht er in dieser Form den Großen Garten, wo er sich verzweigt. Seit 2008 wurde ein Teil des Kaitzbaches freigelegt und der Hochwasserschutz verbessert. Früher floss der Kaitzbach in die Kanalisation. Nun fließt der Bach sichtbar im Großen Garten und versickert am Rodelbergbrunnen. Der alte Verlauf wird südlich an der Parkseite des Dresdner Zoos entlang geleitet, der andere Zweig speist den Carolasee und den mit ihm verbundenen Neuteich im nördlichen Teil des Großen Gartens. Als Kaitzbach-Flutgraben verlässt das kanalartig ausgebaute Gewässer an der Stübelallee den Großen Garten, wo es unterirdisch in nördliche Richtung abgeführt wird.[2]

Der Kaitzbach fließt durch die Parkanlage Bürgerwiese in der Pirnaischen Vorstadt, wo er zeitweilig die Wasseranlagen im Park des nicht mehr erhaltenen Prinzen-Palais speiste. In der Bürgerwiese mündete ein kleiner Wasserlauf in den Kaitzbach, der vom Elbtalhang am Zelleschen Weg unterhalb von Räcknitz aus seinen Verzweigungen Wasser heranführte.

Am nordwestlichen Ende der Bürgerwiese speiste der Kaitzbach den künstlich angelegten und 1849 zugeschütteten Jüdenteich am heutigen Körnerdenkmal und mündete in den vormaligen Festungsgraben der alten Stadt. In weiter zurückliegenden Jahrhunderten verzweigte er sich im Bereich der mittelalterlichen Stadt kanalartig und war neben einigen Röhrenleitungen (Wasser der Weißeritz und des Heiligen Borns) die Hauptwasserversorgung Dresdens.[3][4][5]

Unweit des Rathauses und am früheren Brühlschen Garten ist der Verlauf nur noch unterirdisch vorhanden. Nahe der Synagoge wird der Verlauf durch nachts leuchtende Glaselemente angezeigt. Der Kaitzbach mündet am Terrassenufer unterhalb des östlichen Endes der Brühlschen Terrasse in die Elbe. Er ist einer der wenigen in die Elbe mündenden Bäche, deren Lauf zunächst parallel zur Elbe und zudem im Kaitzgrund nach Südosten, also elbaufwärts, gerichtet ist.

Auf eine Initiative der Dresdner Sezession 89 entstand ab dem Jahr 2000 der WasserKunstWeg Mnemosyne, der den Kaitzbach an seinem innerstädtisch nicht mehr sichtbaren Verlauf künstlerisch begleitet. Eine Besonderheit stellen Christa Donners neun „Musensteine“ dar (nach den Töchtern der Mnemosyne), die dem WasserKunstWeg nicht nur seinen Namen gaben, sondern von der Kaitzbachquelle bis zum innerstädtischen Rathenauplatz in der Nähe der Mündung verteilt sind.[6]

Geschichte

Aus Grabungsfunden ist eine frühe slawische Besiedlung des Kaitzgrundes (unterhalb von Coschütz) nachgewiesen. Der Ursprung des Dorfes Kaitz ist ein slawischer Rundweiler. In der Zeit um 1200 befanden sich am damals auch Grundbach (vor allem der Oberlauf des Baches) genannten Fließ etwa fünf Wassermühlen, die teilweise bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts Bestand hatten. Die erste am Wasserlauf und noch zu Cunnersdorf gehörende Mühle war die Ehrlichsmühle, später nach der Nutzung Guts-, Knochen- oder Kuchenmühle genannt. Sie wurde zwischen 1953 und 1955 beim Anlegen der Absetzbecken für die Uranaufbereitungsanlage (Fabrik 95) der Wismut AG abgerissen. Die Reste verschwanden unter dem Absetzbecken der Fabrik. Die weiteren drei Mühlen lagen alle auf Kaitzer Flur. Die mittlere davon war die Adamsmühle, die im Weiteren nach ihren späteren Besitzern auch Claus-, Walters- oder Herrmannsmühle hieß. Diese musste 1955 bei der Erweiterung des östlichen Dammes des Absetzbeckens weichen. Die nächste weiter talwärts liegende Mühle war die Köhler- oder Zschachlitzmühle. Sie wurde 1955 als Vorsichtsmaßnahme abgerissen. Man fürchtete eine Zerstörung bei einem eventuellen Dammbruch der Uranaufbereitungsanlage (Fabrik 95) der Wismut AG. Im weiteren Verlauf des Baches (Bewohner des Kaitzgrundes sagen „die Bach“), etwa 330 m oberhalb der Einmündung des Zschaukebaches in den Kaitzbach in Altkaitz, liegt die Grundmühle, später Hofemühle. Zu Beginn des 17. Jahrhunderts war der Salzkassenverwalter Walter Lehmann deren Besitzer. Letztere ist eine der Keimzellen des Amtslehngutes und damit des Dorfs Kaitz und auf dem Grundstück Altkaitz 6 zu großen Teilen erhalten. Auf Mockritzer Flur befand sich schließlich unterhalb des Münzteichs die Mockritzer Mühle, später ein Ausflugslokal (Münzteichweg 23). Eine weitere Mühle am Kaitzbach – die Strehlener Mühle – stand in Strehlen (Dohnaer / Mockritzer Straße). Die Wassermühle in der Dohnaer Straße 18 (Dresden-Strehlen) wurde 1870 zur Dampfmühle umgebaut.[7]

Ab 1682 speiste der Kaitzbach ein Jahrhundert lang ein großes Gondelbecken im Blüherpark und wurde zwischen 1783 und den späten 1920er Jahren durch diesen Bereich umgeleitet. Während der Schlacht um Dresden im August des Jahres 1813 gehörte der Kaitzgrund mit seinen Hängen und umgebenden Höhen zu den wichtigen strategischen Lagen und war aus diesem Grunde mehrfach hart umkämpft.

Mitte des 19. Jahrhunderts entwickelte sich der Kaitzgrund zu einem beliebten Naherholungsgebiet der Dresdner. Das führte zu einer großen Zahl von Ausflugsgaststätten. Nach 1930 wurde in Kleinnaundorf der Teich der sich an der damaligen Hauptstraße, heute Steigerstraße, befand in ein Freibad umgebaut. Das beliebte Bad wurde 1995 geschlossen. Die Anlagen wurden abgerissen und der ursprüngliche Teich wiederhergestellt. Ein 1850 am Ende der Cunnersdorfer Straße in der Flur Großburgk am Kaitzbach erbautes Wohnhaus wurde 1882 als Talschänke bekannt. Auch hier speist der Kaitzbach einen Teich zur Karpfenzucht. Das Lokal wurde 1956 geschlossen.

Im Jahr 1887 wurde am Kaitzbach zwischen Talschänke und Cunnersdorfer Straße erstmalig ein Wasserwerk erwähnt. In der Äquidistantenkarte Sachsen, Section Dresden erscheint dazu ein Gebäude an der Stelle des heute als Ruine erhaltenen Technikgebäudes. Im Jahr 1890 wird an der Stelle des heute als Ruine erhaltenen Brunnenwärterhauses Cunnersdorfer Straße 45 ein Gebäude mit Brunnen errichtet. Im Zeitraum zwischen 1910 und 1915 werden die Brunnenhäuser 1 und 3 errichtet. Sie dienten der Felsenkeller Brauerei zur Wasserversorgung. Zwischen 1925 und 1930 wurden weitere drei Brunnenhäuser errichtet. 1924 wurde auf den Mauern des alten Brunnenwärterhauses ein neues Gebäude als ständigen Wohnsitz des Brunnenwärters errichtet. Der Brunnen 2 wurde schon Ende der 1950er Jahre aufgegeben und das Brunnenhaus abgerissen. Er lag nur ca. 200 Meter vom Schlammteich entfernt. Die Brunnenhäuser 4 und 5 sind heute noch in Betrieb.

1925 wurde vor dem Zufluss des Nöthnitzbaches das Naturbad Mockritz (damals Familienbad Dresden-Mockritz) eröffnet. Zu dieser Zeit wurde auch mit dem damals radioaktiven, angeblich heilenden Wasser des Baches geworben. 19289 wurde der durch das Bad fließende Kaitzbach kanalisiert. Das Bad wurde 2011 umfassend saniert.[8]

Ab 1953 wurde das Kaitzbachtal durch zwei Dämme abgeriegelt um die Aufbereitungsrückstände der Fabrik 95 der Wismut AG/SDAG aufzunehmen. Der Süddamm erreichte eine Höhe von 22 Metern und der Norddamm 37,5 Meter. Beide Dämme liegen am Fuß 630 Meter auseinander. Der Kaitzbach wurde nur übertunnelt. Da die Sohle des Absetzbeckens nicht abgedichtet wurde gelangten säurehaltige und radioaktive Abwässer in den Kaitzbach. Eine weitere Belastung mit eisenhaltigen und radioaktiven Wässern stellte die Einleitung der Grubenwässer des Bergbaubetriebes Willy Agatz im Bereich der Talschänke dar. Die anfallende Wassermenge betrug im Durchschnitt 48 m³/h. Durch die zunehmende Zerstörung des Kaitzbachtunnels unter dem Schlammteich durch aggressive Wässer der Aufbereitungsrückstände drohte ein Durchbruch der radioaktiven Schlammmassen. Im Jahr 1960 wurde deshalb für den Kaitzbach mit dem Bau eines 805,7 Meter langen Umleitungsstollns begonnen, der im Mai 1961 in Betrieb genommen wurde. Zwischen 1974 und 1988 diente der Schlammteich als Mülldeponie der Stadt Dresden. Von 1989 bis 1993 wurde die Deponie mit Kraftwerksasche abgedeckt. Im Zuge der Sanierung des Betriebsgeländes der Fabrik 95 und nachfolgend Betriebsgelände des VEB Reifenwerkes ab 1993 wurde auch der große Schlammteich saniert und 2012 der Öffentlichkeit übergeben. Auf dem ehemaligen Schlammteich entstand der Aussichtspunkt Kaitzer Höhe und am Fuß des Süddammes wurde der dort ehemals vorhandene Teich wieder ausgeformt.

Der Gondelteich Carolasee im Großen Garten wird vom Kaitzbach gespeist. Anfang der 1990er Jahre wurde dieser Teich in einer aufwändigen Aktion von radioaktiv kontaminiertem Schlamm des Kaitzbaches befreit.

„In Dresden mieteten meine Eltern die erste Etage des Tepmannschen Hauses, das vor dem Seetore in der „Halben Gasse“ gelegen war.[…] diese führte ihren Namen mit der Tat, denn sie erfreute sich nur einer Reihe Häuser, die eben deswegen freie Aussicht auf die gegenüberliegenden Gärten gewährten.[…] Aus dem Hofe trat man in den Garten, der von der Katzbach, einem schmalen, aber tiefen Wasser durchschnitten war. Diesseits des Wassers war ein ausgedehntes Gemüsewesen, jenseits Wiesen, Obstbäume und Gebüsch.[…] daneben führte ein Pförtchen aufs Feld hinaus und zu den Höhen von Räcknitz und Plauen.“

Wilhelm von Kügelgen: Jugenderinnerungen eines alten Mannes[9]

Hochwasser

Die unteren Lagen des Kaitzgrundes galten immer als hochwassergefährdet. Die Bürger von Kaitz und Altmockritz erwarteten früher alle sieben bis zehn Jahre ein größeres Hochwasser mit einer Durchflussmenge von 750 bis 1500 Liter pro Sekunde. Eines der größeren gab es im August 1984, hervorgerufen durch einen Sturzregen sowie das von der damaligen LPG betriebene großflächige Rapsfeld am Hang südlich von Kaitz in Richtung Nöthnitz mit einem hohen Abflusswert, da glattflächig gedrillt wurde. In den Gärten am Kaitzbach stand damals das Wasser hüfthoch und, nachdem es abgeflossen war, der Schlamm 10 bis 15 Zentimeter. Nach weiteren zwei Wochen war der blühende Raps einen Meter hoch.

Während des August-Hochwassers im Jahr 2002 trat der Kaitzbach bei einer maximalen Durchflussmenge von 2000 Liter pro Sekunde über die Ufer und richtete in Altmockritz und Strehlen schwere Schäden an (Hochwassermarke am Grundstück Altmockritz 2). Im Großen Garten verursachte er damals eine größere Überflutung. Aus diesem Grund wurden im Zuge des Baus der Bundesautobahn 17 seit dem Jahr 2002 Maßnahmen zum Hochwasserschutz getroffen. Dazu gehörten die Bereinigung, Befestigung und teilweise Verlegung des Bachbettes, die Ergänzung der Uferbepflanzung sowie die Anlage von Überlauf- und Tosbecken und von bepflanzten Zonen im Verlaufe des Baches.

Zwei weitere Teilstücke der unterirdisch verlaufenden Bereiche des Bachs sind 2006 im Stadtteil Strehlen wieder offengelegt worden. Das in der Nähe des S-Bahn-Haltepunkts Strehlen endende Teilstück ist durch seine landschaftliche Eingliederung (neu gebaute Brücke, neues Tosbecken, Natursteinbefestigungen der Ufer mit Geländern) eine Ergänzung der Naherholungszone dieses Stadtteils geworden.

Literatur

  • Geschichtsverein Kaitz e. V. (Hrsg.): Der Kaitzbach von der Quelle bis nach Kaitz. In: Kaitz 1206–2006, Eine Chronik.
  • Geschichtsverein Kaitz e. V. (Hrsg.): Belastung des Kaitzbaches durch Bergbau und Uranerz-Aufbereitung.
  • Kai Tempel: Dörfer in Dresden von A – Z. Hille, Dresden 2007, ISBN 978-3-939025-09-2.
  • Landeshauptstadt Dresden: Stadtkarte 2007 – Oberirdische Gewässer.
  • Günter Albrecht, Frank Frenzel: Der Kaitzbach in Dresden: Ein Weg mit dem Wasser. Hille, Dresden 2002, ISBN 3-932858-63-8.
  • Frank Frenzel, Silke Reichmann: Bachbilder und andere Ideen. Ergebnisse und Perspektiven planerischer Tätigkeit entlang des Kaitzbachs. In: WasserKultur. Urbanität-Technik-Ökologie Zeitschrift des BMFT-Forschungsprojektes WasserKultur, Nr. 5/6, Kassel 1996, 35–39.
  • Landeshauptstadt Dresden, Umweltamt; Glück Auf, Dresden, Von der Kohle zum modernen Gewerbe in Coschütz/Gittersee, Dresden 2015, ISBN 978-3-95498-184-7
Commons: Kaitzbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

Related Articles

Wikiwand AI