Kandadji
Dorf in Dessa, Niger
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Geographie
Das von einem traditionellen Ortsvorsteher (chef traditionnel) geleitete Dorf liegt am linken Ufer des Flusses Niger. Es befindet sich rund 13 Kilometer nordwestlich des Hauptorts Dessa der gleichnamigen Landgemeinde, die zum Departement Tillabéri in der gleichnamigen Region Tillabéri gehört. Zu den Siedlungen in der näheren Umgebung von Kandadji zählen Kougoumoussey und Sanguilé im Nordwesten sowie Gabou und Tadoum Bousse im Südosten.[1]
Es herrscht das Klima der Sahelzone vor, mit einer durchschnittlichen jährlichen Niederschlagsmenge zwischen 300 und 400 mm.[2] Kandadji ist Teil der Pufferzone des Kandadji-Naturreservats,[3] eines 1207 km² großen Naturschutzgebiets, das am 20. Juli 2017 gegründet wurde.[4]
Geschichte


Eine Gruppe um den französischen Kapitänleutnant Émile Hourst, der eine hydrographische Expedition auf dem Fluss Niger durchführte, näherte sich Kandadji am 19. März 1896. Die Bevölkerung ließ Hourst jedoch aus Angst nicht ins Dorf, da sie gehört hatte, dass im Jahr zuvor ein anderer französischer Offizier, Georges Toutée, in Sinder viele Menschen getötet hatte. Der Ortsvorsteher von Kandadji traf Hourst schließlich vor dem Dorf und stellte ihm auch lokale Führer für die Weiterreise zur Verfügung.[5]
Kandadji lag ursprünglich auf einer Insel im Fluss Niger (Position).[1] Im Zuge der Errichtung der Kandadji-Talsperre über den Fluss wurde das Dorf Mitte der 2010er Jahre wie andere Siedlungen im künftigen Überschwemmungsgebiet an einen anderen Standort verlegt.[6] Das neue bewässerungsfeldwirtschaftliche Areal von Kandadji wurde bereits 2012 geschaffen.[7] Der staatliche Stromversorger NIGELEC elektrifizierte Kandadji im Jahr 2018.[8]
Bei einem mutmaßlich von der Terrorgruppe Islamischer Staat in der Größeren Sahara verübten Schusswaffenangriff am 19. Februar 2020 wurde die Schule in Kandadji in Brand gesteckt.[9] Über 1100 Bauern hatten sich im Juni 2020 nach Kandadji geflüchtet. Sie waren wegen der unsicheren Lage in der Region gezwungen gewesen ihre angestammten Dörfer zu verlassen.[10] Laut einer Erhebung vom September 2022 lebten in Kandadji 2128 interne Vertriebene aus 304 Haushalten.[11]
Am 28. September 2023 kam es bei Kandadji zu einem terroristischen Angriff auf die Streitkräfte Nigers. Es starben sieben Soldaten bei Kampfhandlungen und fünf Soldaten bei einem Verkehrsunfall im Zusammenhang mit der Abwehr. Sieben weitere Soldaten wurden verletzt und in das Armeekrankenhaus in Niamey gebracht. Auf Seiten der Angreifer wurden etwa 100 Personen getötet. Es wurden mehrere Militärfahrzeuge sowie Fahrzeuge und Waffen der Angreifer zerstört.[12] Nach dem Militärputsch vom 26. Juli 2023 war es wieder zu mehr Fällen politisch motivierter Gewalt gekommen.[13] So waren bereits am 15. August 2023 in Koutougou 17 Soldaten getötet worden.[14]
Die Songhai-Gemeinschaften von Kandadji, Issili, Séno und ihre Verbündeten und die Fulbe-Gemeinschaften von Daya Peulh und Daya Sédentaire unterzeichneten am 30. August 2024 einen Vertrag, mit dem ein gemeinsames Komité zur Friedenserhaltung ins Leben gerufen wurde. Dies zielte darauf, Spannungen zwischen den Gemeinschaften zu entschärfen, insbesondere bei Konflikten um die Ressourcennutzung. Dem Abkommen traten am 29. Juli 2025 die Dörfer Dessa, Famalé, Gabou, Gaïgorou, Sanguilé und Tomaré bei.[15]
Eine 2025 durchgeführte Untersuchung der nigrischen Regierung mit Unterstützung des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen stufte Kandadji als einen der 1285 Orte in Niger ein, die in Hinblick auf die Ernährungssicherheit äußerst verwundbar waren.[16]
Bevölkerung
Wirtschaft und Infrastruktur
Das bewässerungsfeldwirtschaftliche Areal von Kandadji erstreckt sich über eine Fläche von 226 Hektar. Hier wird Reis angebaut. Das Areal wird von einer Kooperative verwaltet.[7] Am Fluss wird Fischerei betrieben.[19] Eine klimatologische Messstation wurde 1986 in Betrieb genommen.[20] Mit einem Centre de Santé Intégré (CSI) ist ein Gesundheitszentrum im Ort vorhanden.[21] Es gibt eine Grundschule.[22] Durch Kandadji verläuft die asphaltierte Nationalstraße 1, die mit 1601,7 Kilometern längste Fernstraße Nigers.[23]
Literatur
- Monographie du village de Kandadji. Ministère du Plan, Niamey 2003.
- Boubacar Abdou: Evaluation de la situation socioéconomique des déplacés involontaires de la première vague du barrage de Kandadji. Masterarbeit. Université Senghor, Alexandria 2021 (dicames.online [PDF]).
Weblinks
- Étude sur l’expérience du conseil agricole dans les périmètres nouveaux (Kandadji, Famalé et Gabou) et anciens (Namardé Goungou et Konni) au Niger. (PDF) CESAF Consult, März 2017 (französisch).
- Programme Kandadji de Régénération des Ecosystèmes et de Mise en Valeur de la Vallée du Niger. Etude d’Impact Environnemental et Social (EIES) Actualisée. Rapport final. (PDF) Agence du Barrage de Kandadji, Présidence de la République du Niger, November 2008 (französisch).
- Sani Issaka: Caractéristiques de la réserve de Kandadji. Centre d’Echange d’Informations sur la Biodiversité du Niger, 29. April 2019, archiviert vom am 27. September 2022 (französisch).

