Kantow
Ortschaft im Land Kreis Ostprignitz-Ruppin, Land Brandenburg
From Wikipedia, the free encyclopedia
Kantow ist ein Straßéndorf und Ortsteil der Gemeinde Wusterhausen/Dosse im Landkreis Ostprignitz-Ruppin in Brandenburg.
Kantow Gemeinde Wusterhausen/Dosse | ||
|---|---|---|
| Koordinaten: | 52° 55′ N, 12° 37′ O | |
| Einwohner: | 64 (31. Dez. 2022)[1] | |
| Eingemeindung: | 31. Dezember 1997 | |
| Postleitzahl: | 16845 | |
| Vorwahl: | 033979 | |
Lage von Kantow in Brandenburg
| ||
Dorfkirche Kantow (2016) | ||
Geographie
Kantow ist der östlichste Ortsteil von Wusterhausen und grenzt im Norden an Blankenberg und im Westen an Lögow sowie an die Gemeinden des Amtes Temnitz Walsleben im Osten und Märkisch Linden (Ortstel Gottberg) sowie Temnitztal (Ortsteil Kerzlin) im Süden.
Der Ort liegt nordöstlich des Kernortes Wusterhausen/Dosse an der Kreisstraße 6806. Östlich verlaufen weit außerhalb der Gemarkung die A 24 (durch Walsleben) und südlich die B 167.
Kantow wird im Westen durch den Strenkgraben, im Süden durch die Temnitz und im Osten durch einen weiteren etwa drei Kilometer langen Graben begrenzt. Diese Fließgewässer verlaufen durch flache Grünlandflächen, welche zur Mitte der Feldmark hin ansteigen. Hier verläuft in NW-SO-Richtung ein ackerbaulich genutzter Grundmoränenstreifen. Dieser wird nach Norden zu immer breiter und nimmt etwa ab 1,3 km nördlich des Dorfes fast die gesamte Breite der Gemarkung ein. Ganz im Norden und an einem Hang im Nordwesten gibt es auf sandigem Boden Waldflächen. Der höchste Punkt der Gemarkung befindet sich auf dem hier die Nordgrenze markierendem Weg von Blankenberg nach Walsleben mit 54,3 m NHN. Das Grünland befindet sich meist unterhalb der 40-Meter-Höhenlinie, welche auch am Ostrand des Dorfes verläuft. Die tiefsten Punkte befinden sich mit etwa 37 m NHN in der Nähe der Temnitz.[2]
Nordwestlich erstreckt sich das rund 217 ha große Naturschutzgebiet Feuchtgebiet Schönberg-Blankenberg.
Geschichte
Der Ort bestand mit Sicherheit schon, als 1365 in Neuruppin ein Hinrich Kantow erwähnt wird. Erst 1491 wird Cantouw näher beschrieben: Dem v. Zernikow zu Kantow, von Wittstruck zu Kantow und Redern gehören je vier Bauern, dazu kommt ein freier Schulze mit 2 Hufen Land, insgesamt zählt die Feldmark 27 Hufen. Die Redern gehörenden Bauern gingen vermutlich bald darauf in die Hände der von Zernikow über, die hier auch einen Wohnhof hatten. Ein anderer Wohnhof war 1524, als Kantow nach dem Aussterben der Grafen von Lindow-Ruppin zur Mark Brandenburg gelangte, in Hand der Reiche bzw. Ricke zu Kantow, denen zudem noch 2 Hufen, 1/3 der Wiesen und der Holzung und Besitz auf der Feldmark Dannenfeld gehörten. 1540 gab es weiterhin drei adlige Wohnhöfe: von Zernikow, von Wittstruck und Reiche. Neben den 12 Bauern werden ein Schulze und ein Kuhhirt genannt. Bei Einführung der Reformation besaß Kantow eine Mutterkirche, der 1541 die Tochterkirche Paalzow zugeordnet war (bis 1551). Der Schulzenhof wurde um 1582 von Zernikow und Wittstruck ausgekauft. 1598 wurde von Wittstruck mit dem erkauften Besitz der Reiche belehnt. 1602 wird ein Küsterhäuschen erwähnt.1624 umfasste die Gemarkung 19 Bauernhufen, welche sich auf 12 Bauernhöfe und zwei halbe Kossätenstellen aufteilten, 9 Hufen der Herrschaft und 2 Pfarrhufen. Kein Land besaßen der Hirt und die Schäferknechte sowie der Laufschmied.
1638 wurde Kantow durch die Söldner des Generals Gallas niedergebrannt und alle Bewohner getötet oder vertrieben. Die beiden verwüsteten Güter gingen 1648 für etwa 50 Jahre in den Pfandbesitz des Mandelberg über, 1652 waren ein v. Wittstruck mit einem Hausmann die einzigen Bewohner. Noch 1687 waren alle Bauernstellen wüst und keine Untertanen vorhanden. Ein Kuh- und Schweinehirt sowie ein Pachtschäfer des Mandelberg nutzten die Feldmark. In der Temnitz wurde „Fußfischerei“ betrieben. 1697 konnten von Wittstruck und etwa zur gleichen Zeit von Zernikow ihre Güter wieder einlösen. 1716 war Kantow wiederaufgebaut und zählte 8 Hüfner, 3 Kostknechte, 1 Kuhhirt mit Vieh und ein Paar Tagelöhner sowie eine Feldmark von nur noch 19 Hufen. Kossäten gab es nicht mehr. 1749 waren nur noch 7 Hüfner und 2 Kostknechte ansässig. Für das Jahr 1800 werden angegeben: 8 Ganzbauern, 2 Büdner, 13 Einlieger, 1 Zimmermann, Schmiede, Krug, insgesamt 17 Feuerstellen. Die Feldmark gliederte sich in 19 Bauern- und 15 Ritterhufen.
Die Eigentumsverhältnisse der beiden Rittergüter hatten sich im 18. Jahrhundert mehrfach verändert. Das Wittstrucksche Gut gelangte 1748 an den Postmeister Gulbert zu Fehrbellin, von diesem 1766 an von Köppen, dann 1771 an von Kraut und schon 1772 an von Schaetzel, der im selben Jahr auch das Zernikowsche Gut übernahm und damit beide Anteile vereinte.
Eingemeindungen
Am 31. Dezember 1997 wurde Kantow in die Gemeinde Wusterhausen/Dosse eingemeindet.
Sehenswürdigkeiten
- In der Liste der Baudenkmale in Wusterhausen/Dosse ist für Kantow die Dorfkirche Kantow, eine barocke Saalkirche, als einziges Baudenkmal aufgeführt.
Persönlichkeiten
- Erich Kärger (* 1929), Politiker und Funktionär der DDR-Blockpartei DBD, LPG-Vorsitzender in Kantow
Literatur
- Lieselott Enders: Kantow, in Historisches Ortslexikon für Brandenburg Teil II Ruppin = Veröffentlichungen des Staatsarchivs Potsdam, Bd. 7, Herrmann Böhlhaus Nachf., Weimar, 1970, S. 110–111
- Volkhard Paris: Der Kossät von Kantow, BBG-Verlag, 2. Auflage 2025 (2022), ISBN 978-3-945402-31-3 (der Form nach ein Roman, welcher aber auf gründlichen Recherchen des Autors in Kirchen- und anderen Archiven zur Familiengeschichte beruht und die Verhältnisse im Ort im 17. Jahrhundert teilweise dokumentarisch schildert)
Weblinks
- Kantow auf der Website der Gemeinde Wusterhausen/Dosse

