Kapsid-Inhibitoren

antiretrovirales Arzneimittel gegen HIV-1 From Wikipedia, the free encyclopedia

Kapsid-Inhibitoren richten sich bei der HIV-Therapie gegen das Kapsid von HIV-1 und zählen zu den sogenannten antiretroviralen Arzneimitteln (ARTs). Ziel der Behandlung ist es, den Replikationszyklus von HIV zu unterbrechen, indem sie die Stabilität des Viruskapsids beeinträchtigen.

Hintergrund

3D-Modell des HIV-Kapsids

HIV enthält ein konisches Kapsid, das durch die Kapsidproteine p24 aufgebaut ist. Darin befinden sich das virale Genom und verschiedene Enzyme wie die reverse Transkriptase (RT) oder Integrase. Nach Eindringen des Virus in die Wirtszelle wird die Kapsel geöffnet bzw. „enthüllt“. Auch wenn nicht genau geklärt ist, wann dies geschieht, so ist der Vorgang für den frühen und späten Replikationszyklus von HIV essentiell.[1][2]

Therapeutika gegen diesen Prozess (bzw. die die Stabilität oder die Morphologie der Kapsidhülle beeinträchtigen) werden als Kapsid-Inhibitoren bezeichnet.[1]

Therapeutika

Strukturformel von Lenacapavir

2022 wurde Lenacapavir als erste Substanz in dieser Klasse (first-in-class) in den USA, Kanada und Europa zugelassen für Erwachsene mit einer multiresistenten HIV-1-Infektion, bei denen kein anderes supprimierendes, antivirales Regime zusammengestellt werden kann. Es wird subkutan appliziert, wodurch sich über 6 Monate ein ausreichend hoher Wirkspiegel ausbilden kann.

Der genaue Wirkmechanismus ist nicht bekannt. Vermutlich werden verschiedene Schritte des Replikationszyklus in unterschiedlichem Ausmaß gehemmt.[3]

Forschung

GS-CA1

Strukturformel von GS-CA1

GS-CA1 ist ein in klinischer Prüfung befindlicher Kapsid-Inhibitor, der Lenacapavir stark ähnelt und als dessen Vorläufer gilt.[4]

Es bindet direkt am Kapsid und stabilisiert dessen Struktur so weit, dass ein Enthüllen inhibiert wird. Zudem unterdrückt er die Reifung neuer Kapside einer befallenen Wirtszelle.

VH-280

Strukturformel von VH-280

Bei VH-280 (VH4004280)[5] handelt es sich um einen experimentellen Wirkstoff, der oral alle 2 Monate verabreicht wird.[4] Er befindet sich ebenfalls in klinischer Prüfung.

Literatur

Einzelnachweise

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