Kariedeln

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Das sogenannte Kariedeln (auch Karideln, Karrideln, Kariln) ist ein traditioneller Brauch, der, soweit bekannt, unter diesem Namen nur in der Umgebung der Städte Luckenwalde und Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming, sowie Treuenbrietzen im Landkreis Potsdam-Mittelmark im Süden des Bundeslands Brandenburg ausgeübt wird.[1]

Franz Müller-Münster: Das „Karideln“ in der Mark. in Die Gartenlaube, Heft 5, 1896

Einmal im Jahr, traditionell am Faschingsdienstag, regional abweichend aber auch am Rosenmontag, Aschermittwoch oder danach, ziehen dabei die Kinder im Grund- und Vorschulalter in Begleitung von Eltern und/oder Erziehern bzw. Lehrern, ähnlich wie an Halloween, von Haustür zu Haustür und erbitten durch Aufsagen eines kurzen Gedichts oder Sprüchleins kleine Gaben.[2]

Dabei tragen sie bunt angemalte oder geschmückte Äste, an welche von den so „Überraschten“ die vorbereiteten kleinen Geschenke und Süßigkeiten gehängt werden.[3]

So haben zum Beispiel früher auch die ärmeren Kinder einmal von den reicheren Händlern, die sich natürlich vor der Kundschaft nicht blamieren konnten und wollten, etwas ergattern können und die Ladengeschäfte sind daher auch heute noch beliebtes und bevorzugtes Ziel, da die Türen auf jeden Fall offen stehen und jemand anwesend ist.[4]

Geschichte und Herkunft

Der Brauch wird als regionaler Heischebrauch eingeordnet, bei dem Kinder zu einem festgelegten Termin von Haus zu Haus ziehen, Sprüche aufsagen und dafür kleine Gaben erhalten.[5]

Das Kariedeln ist vor allem in der Umgebung der Städte Luckenwalde und Jüterbog im Landkreis Teltow-Fläming überliefert und steht traditionell im zeitlichen Zusammenhang mit dem Ende der Fastnachtszeit.[6] Es findet vor allem am Tag nach Rosenmontag statt.

Kariedelbrunnen

Der alte Brunnen

Der alte Kariedelbrunnen mit moderner Kunstinstallation (2015)

In der Stadt Luckenwalde erinnert der sogenannte Kariedelbrunnen an den regionalen Brauch des Kariedelns. Der ursprüngliche Brunnen wurde vom damaligen Architekten im Stadtbauamt Luckenwalde Paul Backes projektiert[7][8] und wurde am 27. Juni 1928 eingeweiht.[9]

Kurz vor Kriegsende wurde nebst weiteren Denkmälern am Haag auch die Figur der Kariedelkinder von den Nationalsozialisten demontiert. Da es ein Gerücht gab, dass ein Luckenwalder Bürger die Figur gerettet und versteckt haben könnte, rief die Stadtverwaltung in der Märkischen Volksstimme vom 7. Januar 1953 die Bürger auf, danach zu suchen.

Es stellte sich dann aber leider bald heraus, dass sie zusammen mit den anderen Denkmälern als kriegswichtiges Buntmetall eingeschmolzen worden war; der Beweis in Form des Anlieferungsscheins befindet sich heute im Archiv des Heimatmuseums. Der Brunnen wurde dann nicht wieder instandgesetzt und die gemauerte Umrandung des Beckens wurde als Einfassung für ein Blumenbeet verwendet.

Im Rahmen der Stadtmodernisierung mit Mitteln des URBAN-II-Förderprogramms der EU wurde von der Stadt am 1. September 2003 ein anonymer Kunstwettbewerb zur Neugestaltung des Brunnens initiiert. Es wurden 19 Vorschläge eingereicht und am 17. Dezember 2003 entschied sich die Jury einstimmig für den Entwurf des Bildhauers Stefan Kox[10] (* 1969, Berlin) aus Velten.

Die Preisverleihung erfolgte im Rahmen der Eröffnung einer Ausstellung, in der vom 3. bis zum 17. März 2004 alle Entwürfe zu besichtigen waren. Die Arbeit mit dem Titel „9 aus 45“ erstreckt sich über den Brunnen hinaus und besteht aus 9 unterschiedlich hohen Säulen, die aus insgesamt 45 Bausteinen mit quadratischem Grundriss gebildet werden.[11]

Der neue Brunnen

Der neue Kariedelbrunnen (2019)

In der zentralen Fußgängerzone der Breiten Straße, die im Volksmund auch Boulevard genannt wird, entstand eine um etwa 1/3 größere Reproduktion des alten Kariedelbrunnens. Sie wurde 1980 eingeweiht und im Jahr 2016 erfolgte eine umfassende Sanierung.

Die Plastik stellt zwei Jungen mit Ästen dar, auf deren Zweige Fastenbrezeln und anderes Backwerk gesteckt sind, und nimmt damit Bezug auf die Tradition, bei der Kinder während des Kariedelns von Haus zu Haus ziehen und kleine Gaben sammeln.[12] Der Entwurf der originalen Statue stammt wahrscheinlich von Werner Hahmann; der Entwerfer der neuen Figur ist derzeit nicht bekannt.

Literatur

Ingeburg Grabow: Kariedeln. Ein Fastnachtsbrauch in Treuenbrietzen. in Zwischen Havelland und Fläming, Jahrgang 2002

Einzelnachweise

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