Karl-Hermann Engel
deutscher Agrarwissenschaftler und Hochschullehrer
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Karl-Hermann Engel (* 14. Januar 1928 in Parchim; † 10. Dezember 1985 in Rostock[1]) war ein deutscher Agrarwissenschaftler und Hochschullehrer, der sich besonders mit der Entwicklung moderner Züchtungsmethoden und der Kartoffelzüchtung in der DDR beschäftigte.
Leben
Herkunft und Familie
Karl-Hermann Engel war das dritte Kind des Studienrats Karl Engel (1887–1971) und dessen Ehefrau Luise (* 1893).
Er war verheiratet und hatte drei Kinder. Seine Ehefrau arbeitete als Sachbearbeiterin in der Medizin. Während seiner beruflichen Karriere war die Familie zeitweise in Groß-Lüsewitz ansässig.
Schulausbildung und Kriegserfahrung
Engel besuchte die Schule in Rostock und schloss diese 1945 mit dem Abitur ab.
Im Januar 1944 wurde er als Luftwaffenhelfer eingezogen und erlebte das Kriegsende 1945 als Angehöriger der 12. Armee (Wehrmacht) unter General Walther Wenck.
Frühe berufliche Laufbahn und Fachausbildung
Nach Kriegsende begann Engel im Juni 1945 in Göttingen als Landarbeiter auf einem bäuerlichen Betrieb und einem landwirtschaftlichen Großbetrieb zu arbeiten. 1948 legte er die landwirtschaftliche Facharbeiterprüfung ab. Anschließend war er als Facharbeiter und Verwalter in der Deutschen Saatzucht Gesellschaft (DSG) in Kleinwanzleben und in angeschlossenen Zuchtstationen tätig – eine Tätigkeit, die ihm erste praktische Erfahrungen in modernen Züchtungsmethoden vermittelte.
Universitäre Ausbildung und erste akademische Grade
1949 wurde Engel als Versuchsleiter an das Universitätsgut Bandelstorf in Dummerstorf der Universität Rostock berufen. Parallel zu dieser Tätigkeit begann er sein Studium der Landwirtschaft an der Universität Rostock.[2] 1950 bestand er als Externer an der Universität Halle die Saatzuchtassistentenprüfung. Sein Landwirtschaftsstudium beendete er 1952 mit einem Diplom als Dipl.-Landwirt.
1956 promovierte er an der Universität Rostock mit einer Dissertation über Grundlegende Fragen zu einem Schema für Arbeiten mit Inzuchten bei Kartoffeln* – ein Thema, das züchtungsmethodische Probleme behandelte. 1963 legte er eine Habilitationsschrift vor mit dem Titel Untersuchungen über den Verlauf der Massenzunahme bei Kartoffeln (Sol. tuberosum L.) in Abhängigkeit von Umwelt- und Erbguteinflüssen, die er gemeinsam mit einem Meteorologen erarbeitete – eine der ersten koautorierten Habilitationen in der DDR auf diesem Gebiet. Die Schrift war auch ein Beitrag zur Auswertung phänometrischer Untersuchungen und zur Aufstellung von Modellen über den Verlauf der Massenzunahme bei Pflanzen.
1964 erhielt er den Titel Dr. agr. habil.
Wissenschaftliche Karriere
1952 begann Engel als Leiter der Arbeitsgruppe Züchtungsmethodik am Institut für Pflanzenzüchtung (siehe Julius Kühn-Institut) in Groß-Lüsewitz bei Sanitz der Deutschen Akademie der Landwirtschaftswissenschaften (DAL). 1964 wurde er als wissenschaftlicher Abteilungsleiter der von ihm aufgebauten Abteilung Züchtungsbiologie bestätigt.
Mit seinem Forschungskollektiv errang die Abteilung als erstes Forschungskollektiv der AdL (Akademie der Landwirtschaftswissenschaften der DDR) den Staatstitel "Kollektiv der sozialistischen Arbeit". 1970 wurde das Kollektiv nach wiederholter Titelverteidigung als Schrittmacherkollektiv der 3 Nordbezirke ausgezeichnet. 1965 erhielt Engel die Medaille für ausgezeichnete Leistungen.
Die Abteilung entwickelte sich zum Bereich „Naturwissenschaftliche Grundlagen“, dessen Leitung Engel 1968 übernahm. Dieses multidisziplinäre Kollektiv vereinte landwirtschaftliche, physiologische, ökologische, zytologische, genetische, biochemische, biophysikalische und biomathematische Arbeitsgruppen, die in enger Kooperation an Grundfragen der pflanzlichen Stoffproduktion arbeiteten.
Im Auftrag des Ministeriums für Wissenschaft und Technik erarbeitete Engel ein Projektangebot zu diesem Thema, das 1968 bestätigt wurde. Als stellvertretender Projektleiter koordinierte er die Arbeit von mehr als 100 Wissenschaftlern aus 8 Instituten. Für die Erarbeitung der Prognose zur Entwicklung der biologischen Forschung für den Zeitraum 1970–1980 wurde er vom Minister ausgezeichnet.
Zusätzliche Funktionen und technische Entwicklungen
1966 erfolgte Engels Berufung in die Zentrale Arbeitskonferenz (Z. A. K.) Pflanzenentwicklung und Ertragsbildung durch das Staatssekretariat für Forschung und Technik (siehe Ministerium für Wissenschaft und Technik). Im selben Jahr gründete er den Arbeitskreis "Klimatisierte Einrichtungen", den er bis zu seiner Umprofilierung leitete. Unter seiner Leitung entstand das "Förderungsprogramm für KTLK-Kleintrockenluftkühler" der Firma VEB NEMA in Netzschkau, entwickelt in Abstimmung mit dem Agrophysikalischen Forschungsinstitut in Leningrad sowie mit Partnern aus der CSSR, der Bundesrepublik und Kanada.
Engel war Leiter des Komplexthemas Biologische Grundlagen der pflanzlichen Stoffproduktion und Saatzuchtleiter des VEG (S) in Malchow auf Poel. Diese Forschungsrichtung sollte Prozessalgorithmen für eine prozessgesteuerte, industriemäßige Pflanzenproduktion schaffen.
Institut für Kartoffelforschung
1969 wurde die Forschungsausrichtung aufgrund der Kartoffelsituation in der DDR umprofiliert. Engel wurde in das Institut für Kartoffelforschung in Groß-Lüsewitz versetzt, wo er beim Aufbau einer frühen EDVA (Elektronische Datenverarbeitungsanlage) mitwirkte. Er entwickelte EDV-Programme für die Züchtung und arbeitete an den Voraussetzungen für ein durchgehendes Informations- und Dokumentationssystem im LfK (Institut für Züchtungsforschung an landwirtschaftlichen Kulturen).
Gleichzeitig qualifizierte Engel sich durch intensive Zusatzstudien in marxistisch-leninistischer Philosophie, systematischer Heuristik, Operationsforschung und Programmierung.
Institut für Züchtungsforschung Quedlinburg
1973 wechselte Engel an das Institut für Züchtungsforschung in Quedlinburg. Dort konzipierte er die resistenzgenetische Forschung – ein Forschungsgebiet, das es bis dahin in der DDR nicht gab. Dies war ein innovativer Beitrag zur Züchtungswissenschaft. In nur zwei Jahren entstanden in Kollektivarbeit 3 Teilabschlussberichte zur Resistenzgenetik mit erheblicher praktischer Relevanz für die Pflanzenproduktion.
Institut für Züchtungsforschung Gülzow
1975 wechselte Engel aus familiären Gründen an das Institut für Züchtungsforschung in Gülzow in Mecklenburg, wo er bis zu seinem Tod am Aufbau der Züchtungsforschung mitwirkte. Während seiner gesamten fast 25-jährigen Tätigkeit bei der AdL verfasste er – meist in Kollektivarbeit – mehr als 70 wissenschaftliche Arbeiten. Sein bedeutendstes Werk war Probleme der Ertragsbildung bei den Kulturpflanzen.
Lehrtätigkeit
Von 1953 bis 1970 war Engel als Dozent an der Fachschule für Saatzucht in Groß-Lüsewitz tätig und vermittelte praktisches Wissen an angehende Züchter. 1964 nahm er an der landwirtschaftlichen Fakultät der Universität Rostock die Lehrtätigkeit im Fachgebiet Genetik auf – sowohl im Direkt- als auch im Fernstudium. 1966 wurde er zum nebenamtlichen Dozenten berufen. 1972 erhielt er eine Abberufung aus ihm unverständlichen Gründen. Die Lehrtätigkeit setzte sich danach im Rahmen von Lehraufträgen verstärkt fort, auch für die Weiterbildung von Biologielehrern im Bezirk Schwerin.
Von 1978 bis zu seinem Tod war er Honorardozent für Genetik an der Universität Rostock.
Gesellschaftliche und kulturelle Aktivitäten
Engels gesellschaftlich aktive Mitarbeit für den Sozialismus begann 1947 mit seiner Wahl in die Betriebsgewerkschaftsleitung (BGL). Daraufhin bekleidete er kontinuierlich Funktionen in der Gewerkschaft als Vertrauensmann, Kulturobmann, BGL-Mitglied und Mitglied des Bezirksvorstandes der Gewerkschaft Wissenschaft.
17 Jahre lang leitete Engel einen Betriebschor und erreichte damit zweimal den Titel "Hervorragendes Volkskunstkollektiv". Auf der Insel Poel gründete und leitete er eine Arbeiter-Wohnungsbau-Genossenschaft mit 48 Wohneinheiten. In Quedlinburg initiierte er eine Garagenbau-Gemeinschaft, in der in einem Jahr 26 Garagen fertiggestellt wurden.
Als Elternbeiratsvorsitzender in Groß-Lüsewitz initiierte und realisierte Engel in Zusammenarbeit mit der Gemeinde den vier Kilometer langen Schulweg nach Sanitz. Er wirkte entscheidend am Aufbau der sozialen Einrichtungen in Groß-Lüsewitz mit und engagierte sich mehr als 10 Jahre in Elternvertretungen, wofür er die Verdienstmedaille des Ministeriums für Volksbildung erhielt.
Ideologische Entwicklung und Weltanschauung
Ausgangspunkt für Engels ideologische Entwicklung war seine humanistische und christliche Erziehung. Die intensive Auseinandersetzung mit den gesellschaftlichen Konsequenzen aus der Genetik führte zu seiner Hinwendung zum Marxismus. Sein Studium der marxistisch-leninistischen Erkenntnistheorie konsolidierte diese Überzeugung. Sie äußerte sich in einem marxistisch-dialektischen Verhalten in Forschung und Gesellschaft. Engel verstand sich als parteiloser Marxist.
Schriften (Auswahl)
- Grundlegende Fragen zu einem Schema für Arbeiten mit Inzuchten bei Kartoffeln. 1956.
- Untersuchungen über den Verlauf der Massenzunahme bei Kartoffeln (Sol. tuberosum L.) in Abhängigkeit von Umwelt- und Erbguteinflüssen. 1963.
- Probleme der Ertragsbildung bei den Kulturpflanzen. Berlin, 1963.
Weblinks
- Literatur über Karl-Hermann Engel in der Landesbibliographie MV
- Eintrag im Katalogeintrag und Anhang/Dokumente zu Karl-Hermann Engel im Catalogus Professorum Rostochiensium.