Karl Opfermann

deutscher Bildhauer From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Opfermann (* 28. September 1891 in Rødding Kommune (Nordschleswig); † 7. März 1960 in Ahrensburg) war ein deutscher Holz- und Steinbildhauer sowie Graphiker im Bereich des Holz- und Linolschnittes.

Seelöwe im Hamburger Stadtpark
Ziegen (1956) am Bezirksamt Wandsbek
Drei Köpfe (1921)

Leben

Grabstein auf dem Friedhof Ohlsdorf

Bis 1913 war Opfermann Schüler der Kunstgewerbeschule Flensburg bei Heinz Weddig und Fritz Heit und von 1913 bis 1914 an der Landeskunstschule Hamburg in der Klasse von Richard Luksch. Opfermann war Mitglied der Hamburger Sezession, in der Hamburgischen Künstlerschaft, der Künstlergruppe De Warft und der Novembergruppe.

Der Asket / Verkünder (1920)

Für den Zeitraum nach dem Ersten Weltkrieg bis zur Machtergreifung der Nationalsozialisten sind mindestens 75 Einzelausstellungen sowie Ausstellungsbeteiligungen nachweisbar, darunter sämtliche Ausstellungen der Hamburgischen Sezession mit Ausnahme der sechsten Ausstellung 1926, bei der nur Arbeiten von Dorothea Maetzel-Johannsen und Friedrich Wield gezeigt wurden. Weitere wichtige Ausstellungen waren u. a. die Kunstausstellung Berlin 1920, auf welcher Opfermann als Teil der Novembergruppe ausstellte, die Ausstellung "Der Kunstbund" in der Galerie Commeter 1921, die "I. Internationale Kunstausstellung Düsseldorf" 1922, die Ausstellung "Neuzeitliche Hamburger Kunst" in der Norishalle Nürnberg 1927 sowie die Gruppenausstellung "Junge Hamburger Kunst" in der renommierten Galerie Nierendorf 1928. 1931 organisierte der Hamburger Kunstverein eine Ausstellung in Göteborg, in welcher Opfermann mit drei Skulpturen und 8 Holzschnitten stark vertreten war. Ebenso sei die Repräsentation seines Werks durch das Graphische Kabinett Maria Kunde hervorgehoben.

Bezogen auf seine Skulpturen und insbesondere in Hinsicht auf den Werkstoff Holz und der Schnitztechnik wurde und wird ihm oft eine Nähe zum plastischen Werk Ernst Barlachs nachgesagt; stilistisch und thematisch haben die Positionen beider Künstler aber nur wenig gemein.

In der Zeit des Nationalsozialismus war auch Opfermann Mitglied der Reichskammer der bildenden Künste. Ohne diese Mitgliedschaft hätte er nicht an Ausstellungen teilnehmen können und keine öffentlichen Wettbewerbe oder Aufträge wahrnehmen dürfen. Für diese Zeit ist seine Teilnahme an 27 Ausstellungen sicher belegt[1], darunter die 12. und letzte Ausstellung der Hamburgischen Sezession 1933, die durch eine dem Reichspropagandaministerium zugehörige Stelle polizeilich geschlossen wurde, und in Essen „Westfront 1936. Freie Kunst im neuen Staate“, die der nationalsozialistischen Ideologie nahestand. Wie bei einem Großteil dieser Generation von Kunstschaffenden muss sein Verhältnis zum NS-Staat demnach als zwiegespalten angesehen werden, auch wenn Opfermann bei der zuletzt genannten Ausstellung nur einen als unverfänglich zu betrachtenden weiblichen Torso in Bronze zeigte. 1937 wurden im Rahmen der deutschlandweiten Aktion „Entartete Kunst“ Werke Opfermanns, die nicht dem nazistischen Kunstkanon entsprachen, aus dem Museum für Kunst und Heimatgeschichte Erfurt und der Kunsthalle Hamburg beschlagnahmt und danach vernichtet.[2] Dem gegenüber stehen Werke im öffentlichen Raum Hamburgs, welche stilistisch wohl als "entartet" angesehen worden wären, der Aktion aber anscheinend aus Unachtsamkeit entkamen. Zu nennen wären hier die jeweils zwei Putten links und rechts des Hauptportals des Hindenburghauses (Großer Burstah 31, entstanden für den Umbau 1921), das als Relief gearbeitete Kriegerdenkmal für die Gefallenen des I. Weltkrieges am ehemaligen Schulgebäude in Moorwerder (1921/22, Architekt Fritz Höger) sowie ein expressionistisches Relief an einer Säule im Obergeschoss der Schule am Pachthof (ehem. "Ostlandschule", 1929–34, Architekt Fritz Schumacher).

Karl Opfermann wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg südöstlich von Kapelle 12 im Planquadrat Bh64, 229 beigesetzt.

Werke

1937 als „entartet“ beschlagnahmte und vernichtete Werke

  • Madonna (Skulptur, Birnbaum-Holz, Höhe 75,5 cm)
  • Das Schicksal (Skulptur, Zedernholz, Höhe 138 cm)
  • Schwermut (Holzschnitt, 29 × 22 cm, 1920; Blatt 1 aus Heft 2 der beschlagnahmten originalgrafischen Zeitschrift "Kündigung. Eine Zeitschrift für Kunst")[3]
  • Frauenkopf (Holzschnitt, 31,9 × 27,4 cm, 1921) und Die Genesende (Holzschnitt, 36,2 × 22,6 cm, 1921), Blatt 10 und Blatt 11 aus Heft 9/10 der Zeitschrift "Kündung"[4][5]

Weitere Werke (Auswahl)

  • Stehende Madonna (1914, Buxbaum)
  • Mutter und Kind (1919, Holz)
  • Junge Mutter (1920, Holz)
  • Weiblicher Torso, Kunsthalle Hamburg (Stein)
  • Ehrenmal in Hamburg-Moorwerder, 1921
  • Glockenreliefs für St. Nikolai, Hamburg
  • Ehrenmal in Hamburg-St. Georg
  • Volksschule Langenfort Knabenakt mit Ball und Mädchen mit Mandoline 1927–29, Hamburg
  • Lessingbüste – Universität Hamburg, 1929
  • Bugenhagen-Plakette – Johanneum Hamburg, 1929
  • Mutter u. Kind, 1930, Bronze
  • 6 männliche Monumentalfiguren am Haus des Deutschnat. Handlungsgehilfen-Verbandes (DHV) (heute Brahms Kontor) Hamburg, 1930
  • 4 Jahreszeiten – Deutsches Haus, Flensburg, 1930
  • Mandolinenspielerinnen – Zwei Holzskulpturen auf Säulen, Musikempore des Krematoriums von Fritz Schumacher, Hamburg, 1931
  • Seelöwe 1934/36 (Hamburg, zunächst in Planten un Blomen, dann im Stadtpark)

Literatur

  • Jürgen Ostwald: Der Bildhauer Karl Opfermann. In: Ulrich Schulte-Wülwer (Red.): 100 Jahre Werkkunstschule Flensburg 1890–1990. Ausstellung im Städt. Museum Flensburg 7. Oktober bis 25. November 1990. Städtisches Museum Flensburg, Flensburg 1990, S. 62–68.
Commons: Karl Opfermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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