Karl Schellhass
deutscher Historiker
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Karl Emanuel Schellhass (* 24. Februar 1862 in Bremen; † 18. September 1942 in München) war ein deutscher Historiker.[1]
Leben und Wirken
Nach dem Abitur in Bremen studierte Karl Schellhass Geschichte und Klassische Philologie, zunächst ab 1881 an der Eberhard Karls Universität Tübingen. 1883 wechselte er an die Universität Berlin und promovierte dort 1885 zum Dr. phil. bei dem Historiker Julius Weizsäcker. Ab 1886 war er Mitarbeiter an der "Edition der Reichstagsakten" des Reichstags des Heiligen Römischen Reiches; die Arbeitsstelle befand sich bei der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften in München. Hierfür hielt er sich u. a. in Rom zu Archiv- und Quellenstudien auf. 1890 wurde er Mitarbeiter der Preußischen Historischen Station in Rom, die zu der Zeit von Ludwig Quidde geleitet wurde. Zeitweise hatte er als dienstältester Mitarbeiter die Geschäftsführung dieser Forschungsstelle inne, wenn die Leitung vakant war. 1926 trat er in den Ruhestand. Während seiner Amtszeit oblagen ihm mehrere Quelleneditionen, insbesondere der "Nuntiaturberichte aus Deutschland" von 1573 bis 1576, die er mit sehr großer Detailkenntnis ausführte, außerdem war er Redakteur der von der Station herausgegebenen Zeitschrift "Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken". 1903 wurde ihm der Professorentitel verliehen. Seit 1923 war er außerordentliches Mitglied der Historischen Kommission der Bayerischen Akademie der Wissenschaften.[2]
Veröffentlichungen (Auswahl)
- Das Königslager vor Aachen und vor Frankfurt in seiner rechtsgeschichtlichen Bedeutung (= Historische Untersuchungen, Bd. 4). Gaertner, Berlin 1887 (= Teilw. Dissertation Universität Berlin).
- Die Stadt Frankfurt a. M. während der Mainzer Bisthumsfehde 1461–1463. In: Archiv für Frankfurts Geschichte und Kunst, Bd. 3 (1888), H. 1, S. 202–223.
- (Hrsg., mit John Meier): Eine Kaiserreise im Jahre 1473. In: Archiv für Frankfurter Geschichte, Bd. 3 (1894), S. 161–211.
- (Bearb.): Die süddeutsche Nuntiatur des Grafen Bartholomäus von Portia (= Nuntiaturberichte aus Deutschland, Abt. 3, Bde. 3–5). Bottega d'Erasmo, Torino 1896/1903/1909 (Reprint 1972).
- (Hrsg.): Akten zur Reformthätigkeit Felician Ninguarda's insbesondere in Baiern und Oesterreich während der Jahre 1572 bis 1577. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, Bd. 1 (1898), S. 39–108 u. S. 204–260.
- Zur Geschichte der Gegenreformation im Bistum Konstanz. In: Zeitschrift für die Geschichte des Oberrheins, Bd. 71 (1917), S. 3–43, S. 187–240, S. 375–413, S. 493–514, Bd. 72 (1918), S. 316–347, S. 449–495, Bd. 73 (1919), S. 145–181 u. S. 273–299.
- Gegenreformation im Bistum Konstanz im Pontifikat Gregors XIII. 1572–1585. Braun, Karlsruhe 1925 (Volltext).
- Wissenschaftliche Forschungen unter Gregor XIII. für die Neuausgabe des Gratianischen Dekrets. In: Albert Brackmann (Hrsg.): Papsttum und Kaisertum. Forschungen zur politischen Geschichte und Geisteskultur des Mittelalters. Paul Kehr zum 65. Geburtstag dargebracht. Verlag der Münchner Drucke, München 1926, S. 674–690.
- Die Franziskanerobservanten Johannes Nasus und Michael Alvarez und die Gründung ihrer Ordensprovinz Tirol im Jahre 1580. In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, Bd. 18 (1926), S. 274–310.
- Der Dominikaner Felician Ninguarda und die Gegenreformation in Süddeutschland und Österreich 1560–1583 (= Bibliothek des Deutschen Historischen Instituts in Rom, Bd. 17 u. 18). W. Regenberg, Rom 1930/1939.
Außerdem weitere Beiträge, vor allem in den "Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken".
Literatur
- Klaus Unterburger: Karl Schellhass und die Nuntiatur Feliciano Ninguardas in Süddeutschland (1580–1583). In: Quellen und Forschungen aus italienischen Archiven und Bibliotheken, Bd. 87 (2007), S. 186–223 (Volltext) (u. a. mit biografischen Daten zu Karl Schellhass und Würdigung seiner Arbeit).