Karl Sondermann

deutscher Maler und Grafiker From Wikipedia, the free encyclopedia

Wilhelm Hermann Karl Sondermann (* 29. August 1862 in Düsseldorf; † 8. Januar 1926 in Lübeck) war ein deutscher Maler und Grafiker, der im Hauptberuf als Zeichenlehrer tätig war.

Karl Sondermann

Leben

Herkunft

Karl Sondermann wurde als Sohn des an der Düsseldorfer Jägerhofstraße[1] wohnenden und dem Künstlerverein „Malkasten“[2] angehörenden Malers Hermann Sondermann geboren und wuchs dort auf.

Laufbahn

Schon früh stand auch für ihn aufgrund seiner sich äußernden Begabung fest, dass auch er die Künstlerlaufbahn einschlagen würde. Nach dem Besuch des Gymnasiums studierte Sondermann von 1880 bis 1887 bei Hugo Crola, Heinrich Lauenstein, Peter Janssen dem Älteren und Eduard von Gebhardt an der Kunstakademie Düsseldorf.[3] Anschließend studierte er bei Albert Brendel an der Großherzoglich Sächsischen Kunstschule Weimar. Er wurde mit einem Stipendium der Karl-Alexander-Stiftung ausgezeichnet und war Mitglied im Weimarer Radierverein.

Während seines Studiums kam er in der Garnison seiner militärischen Dienstpflicht als Einjährig-Freiwilliger beim Niederrheinischen Füsilier-Regiment Nr. 39 nach. Während des Jahres wurde er zum überzähligen Gefreiten, 1889 zum überzähligen Unteroffizier und ein Jahr später zum Reserveoffiziers-Aspiranten. Seit dem 1. April 1898 gehörte er dem 2. Aufgebot der Landwehr an.

Sondermann trat am 9. April 1891 in Erfurt am Königlichen Gymnasium als Zeichenlehrer in den öffentlichen Schuldienst, 1893 wechselte er an das Realgymnasium. Als er am 24. Dezember 1895 im Kolloquium in Berlin erfolgreich seine staatliche Zeichenlehrerprüfung ablegte, begann sein Besoldungsdienstalter am 1. April 1895.

Als Maler und Zeichenlehrer war er ab 1892 nebenamtlich an der Städtischen Fortbildungsschule tätig. Mit der Eröffnung der Handwerker- und Kunstgewerbeschule Erfurt 1898 verlagerte sich seine Tätigkeit dorthin.

Katharineum
Scheune mit Hühnern (Radierung, 1888, heute im Rijksmuseum Amsterdam)
Regenwetter an der Ostsee (Lithografie)

Zum 1. April 1904 wurde Sondermann als Zeichenlehrer und Kunstmaler ans Katharineum der Freien und Hansestadt Lübeck berufen, wo er später die Amtsbezeichnung „Oberzeichenlehrer“ erhielt.[4] Im Direktorenzimmer hängen von ihm gezeichnete und der Schule gestiftete Direktorenbildnisse.

Sondermanns kunstpädagogisches Wirken erwies sich für die Stadt als segensreich. Er war der Erste, der die Schüler in die altertümlichen Straßen der Stadt und in die Natur hinaus führte. Dort lehrte er sie sehen, schauen und das Beobachtete mit dem Zeichenstift wiederzugeben. Teilnehmer an seinem „freiwilligen Zeichenunterricht“ wurden darüber hinaus künstlerisch angeregt und gefördert. Manchem späteren bildenden Künstler, wie Erich Dummer, erteilte er den ersten entscheidenden Zeichenunterricht. Jenen Unterricht wusste er besonders fesselnd zu gestalten. Seine einst in Erfurt angelegte Schmetterlingssammlung schenkte er 1905 dem Museum am Dom in Lübeck.[5]

Für Sondermanns Kunst war zunächst die Düsseldorfer Schule, die in der Landschaftsmalerei ihr Hauptgebiet sah, bestimmend. Gerne ging er auch später bei seinen jährlichen malerischen Exkursionen, die er bis in sein letztes Lebensjahr durchführte, in die verträumten Hügelschönheiten nach Mitteldeutschland. Wie schon sein Vater war er Mitglied der Willingshäuser Malerkolonie. Er besuchte die Schwalenberger Malerkolonie[6] und arbeitete in der Künstlerkolonie Gothmund.[7] Nach Lübeck übergesiedelt, entdeckte er die norddeutsche Landschaft für sich. Er fand seine Motive an den Ufern der Wakenitz, und auch die Ostseeküste bei Scharbeutz zog ihn immer wieder an. Er produzierte nicht schnell; neben seiner Berufsarbeit reifte sein Werk zwar langsam, doch dann waren es künstlerisch durchgebildete Aquarelle.

Als Sondermann 1914 in England das Grab seines bei einem Schiffsuntergang ertrunkenen Sohnes besuchte, brach der Erste Weltkrieg aus. Er wurde interniert und war bis 1917 in britischen Gefangenenlagern. Seines vorgerückten Alters wegen durfte er 1917 nach Lübeck zurückkehren. Seine im Internierungslager angefertigten Studien geben seine niedergedrückte Stimmung wieder.

Im Künstlerleben der Hansestadt spielte Sondermann eine nicht zu unterschätzende Rolle. Er verschloss sich nicht dem Neuen in der Kunst und war stets auf den Ausgleich der bestehenden Gegensätze bedacht. Er war Gründungsmitglied im Verein Lübecker bildender Künstler[8] und erfreute sich des Vertrauens aller der sonst in viele Gruppen aufgespaltenen bildenden Künstler. Als Mitglied der Vereinigung Lübecker Künstler wurde er 1925 deren Schriftführer.[9] Für die Weihnachtsausstellung 1925 der Overbeck-Gesellschaft im Behnhaus, die alle Lübecker Künstler vereinigte, verkörperte er die Jury. Von ihm hing in dieser Ausstellung ein größeres Gemälde einer Felderlandschaft, deren kräftige und lockere Malerei des Himmels und des Mittelgrunds auffiel. Der Vorschlag der Gesellschaft, auch von ihm im Rahmen des Ganzen eine kleine Kollektivausstellung seiner besten Arbeiten vorzubereiten, lehnte er mit der Begründung ab, dass er seine Werke, da er nicht üppig produziere, lieber zur Sommerausstellung Lübecker Künstler aufheben wolle. Dazu sollte es jedoch nicht mehr kommen.

Carl Georg Heise, zu jener Zeit Direktor des Behnhauses, fasste nach Sondermanns Tod den Beschluss, schnellstmöglich ebenfalls im Munchraum eine Gedächtnisausstellung zu veranstalten, und beauftragte Dummer mit der Zusammenstellung. Am 17. Juni 1926 wurde sie eröffnet.

Unglück

Am 8. Januar 1926 ging Sondermann die Hüxstraße auf der linken Seite hinunter und wollte diese bei dem heute nicht mehr existierenden Haus der Wagenlackiererei Brede überqueren. Ein Fahrradfahrer kam ebenfalls die Straße Richtung Hüxtertorbrücke heruntergefahren. Ein Wagen der der Linie 11 der Straßenbahn Lübeck kam ihm entgegen. Als der zwischen den Straßenbahnschienen fahrende Radfahrer der entgegenkommenden Straßenbahn ausweichen wollte, fuhr er Sondermann von hinten an und beide stürzten. Der Wagenführer der in diesem Augenblick nur wenige Meter entfernten Straßenbahn bremste, dennoch kamen beide unter dem Wagen zu liegen. Während der Radfahrer wieder hervorkriechen konnte, geriet Sondermann unter die Räumer (Schutzbrett) des Wagens. Nach den Worten des kurz danach an der Unglücksstelle erschienenen Arztes Philipp Pauli war er nach dem Überfahren sofort besinnungslos und starb an seinen Quetschungen.

Da eine Bergung des Verunglückten nur durch Anheben des Straßenbahnwagens möglich war, leitete die alarmierte Feuerwehr sofort die Bergungsarbeiten ein. Infolge der großen Menschenansammlung räumte die Polizei die Straße von der Mauer bis zur Schlumacherstraße und sperrte sie für jeglichen Verkehr. Als der Wagen nach etwa 15 Minuten durch Winden gehoben wurde, konnte der Tote unter dem Wagen hervorgeholt werden.

Nach übereinstimmenden Aussagen von Augenzeugen traf den Straßenbahnführer keine Schuld. Da bei dem Radfahrer die Schuldfrage noch nicht geklärt werden konnte, stellte man seine Personalien fest.

Die Einäscherung von Sondermanns Leichnam fand am 12. Januar 1926 im Krematorium der Vorwerker Friedhofs statt.

Familie

Sondermann war mit Amelie geborene Müller, genannt Meli, verheiratet; beide hatten außer dem auf See gebliebenen Sohn noch drei weitere Kinder: den Sohn Hans Jürgen Sondermann (Bankbeamter) und die Tochter Anneliese, die beide 1926 noch im Haushalt der Eltern lebten, sowie eine weitere Tochter, die in die Familie Rischau eingeheiratet hatte.

Werke

  • 6 Radierungen für die große Radierungsausstellung in Düsseldorf, 1899
  • Landschaften im Weimarschen Kunstverein

Auszeichnungen

Commons: Karl Sondermann – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Literatur

Einzelnachweise

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