Karl Wilhelm Isenberg
deutscher Missionar und Linguist (1806-1864)
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Karl Wilhelm Isenberg (* 5. September 1806 in Barmen; † 10. Oktober 1864 in Stuttgart), auch bekannt unter den Namen Carl Wilhelm Isenberg sowie Charles William Isenberg, C. W. Isenberg, Carl W. Isenberg oder Charles Isenberg, war ein deutscher Missionar der Church Mission Society in Ostafrika und im westlichen Teil Indiens. Er war auch als Linguist tätig.[1][2][3][4] Isenberg stellte ein Wörterbuch und eine umfassende Grammatik der amharischen Sprache zusammen, einschließlich mehrerer Aufstellungen zum Wortschatz in den Sprachen Afar und Oromo. Außerdem übersetzte er das anglikanische Book of Common Prayer ins Marathi und ins Amharische und half bei der Überarbeitung von Bibelübersetzungen in diese Sprachen. Seine Schwiegertochter Marie war die Mutter von Hermann Hesse.[1][2][3]
Herkunft
Isenberg stammte aus einer evangelischen Blechschmiedefamilie. Seine Eltern W. Isenberg († 1827) und Luise Isenberg geb. Stahl waren fromme Leute und gehörten zur Erweckungsbewegung in Barmen.
Ausbildung
Isenberg musste 1820 bei einem Klempner in die Lehre gehen, hatte jedoch den Wunsch, evangelischer Missionar zu werden. Um in das gewünschte Missionshaus eintreten zu können, lernte er die Sprachen Latein, Griechisch und Englisch. Am 8. Dezember 1824 trat er der Basler Mission bei. Nach Abschluss seiner Ausbildung arbeitete er einige Zeit als Lehrer für die altgriechische Sprache der Bibel, welche auf der Koine beruht und im 19. Jahrhundert auch als Bibelgriechisch bezeichnet wurde. Nach seiner Ausbildung am Seminar der Basler Mission in der Schweiz reiste er 1830 nach England und studierte dort Aramäisch und Arabisch. Nach seinem Beitritt zur anglikanischen Kirche, verbunden mit 1832 erfolgten sakramentalen Weihen, wurde er zur Church Mission Society (CMS) versetzt. Ab Januar 1833 war er in Kairo.[5] Später wurde er von der Church of England zum Priester geweiht.[1][2][3]
Missionsarbeit
In Ostafrika
Die CMS entsandte bereits 1826 ihre ersten Missionare, darunter Samuel Gobat, einen Schweizer Lutheraner, und den Württemberger Christian Kugler (1801–1830), nach Abessinien (dem heutigen Äthiopien) in Ostafrika. Als Kugler am 29. Dezember 1830 in der Provinz Tigray an den Folgen eines Jagdunfalls starb, beschloss die CMS, seinen Platz durch Isenberg als CMS-Rekrut zu ersetzen. Als Isenberg im Januar 1833 in Kairo eintraf, befand sich Gobat auf der Rückreise nach Europa. In Ägypten lernte Isenberg neben Aramäisch und Arabisch auch Amharisch.[1][2][3]
1834 schloss Isenberg sich in Äthiopien der Missionsstation in Adua an, wo er und die Missionare bis 1838 blieben; jedoch musste Gobat aufgrund seines schlechten Gesundheitszustands in Tigray die Mission verlassen. Nach Gobats Abreise kamen 1837 Isenbergs Verlobte Henriette Geerling sowie die beiden lutherischen Missionare Karl Heinrich Blumhardt und Johann Ludwig Krapf hinzu. Sie unterrichteten und bekehrten einige Jungen, die daraufhin vom äthiopisch-orthodoxen Klerus ausgeschlossen wurden. Isenberg verbrachte die Jahre zwischen 1834 und 1838 in Adua und Tigray. Im Gegensatz zu Gobat, mit dem er ursprünglich in Äthiopien tätig war, hielt er soziale und kulturelle Distanz zu den Äthiopiern.[1][2][3][6]
Ab 1838 stießen Isenberg und seine Mitmissionare auf Widerstand seitens der einheimischen Geistlichkeit, insbesondere aufgrund der unterschiedlichen Glaubensvorstellungen und Praktiken der Äthiopisch-Orthodoxen Kirche, die in unverblümten Worten beschrieben wurden. Dies empfanden die orthodoxen Geistlichen als beleidigend. Im März 1838 wurde Isenberg, der Gobats Rat bezüglich des Standorts der Mission nicht akzeptieren wollte, aus dem Land ausgewiesen, da er sich mit den Geistlichen der äthiopisch-orthodoxen Kirche nicht einigen konnte. Isenberg verlegte 1839 zusammen mit seinen neuen Mitmissionaren Johann Ludwig Krapf und Carl Heinrich Blumhardt die Missionsstation nach Shewa in Äthiopien, wo er vier Monate verbrachte, bevor er nach London aufbrach. In London kümmerte er sich im Jahre 1840 um den Druck seiner Werke, nämlich der Grammatik, des Lexikons, des Lesebuchs, des Heidelberger Katechismus, der Geographie, Weltgeschichte, Bibel- und Kirchengeschichte und der englischen Liturgie jeweils in amharischer Sprache. In London traf er 1840 auch seinen Landesherrn, den preußischen König Friedrich Wilhelm IV. Dieser interessierte sich sehr für die Ergebnisse der Missionsarbeit in Äthiopien und erfuhr auch von den Schwierigkeiten, die dort zu bewältigen waren.
Als Isenberg 1842 nach Shewa zurückkehrte, wurde seiner Mission die Einreise verweigert, sodass er sich wieder Tigray zuwenden musste. Im Jahr 1843 war er für die endgültige Ausweisung der Mission aus Äthiopien verantwortlich. Seine Ausweisung im Juni 1843 beendete die Aktivitäten der CMS in Äthiopien.[1][2][3]
Im westlichen Teil von Indien
Da eine Rückkehr nach Äthiopien nicht möglich war, wurde er 1843 zur CMS-Mission in Bombay (heute Mumbai) im Westen Indiens – Bombay Presidency – versetzt. In Bombay widmete er den größten Teil seiner missionarischen Arbeit einer Siedlung für befreite afrikanische Sklaven, von denen einige nach ihrer Ausbildung als Evangelisten nach Afrika zurückkehrten.[1][2] Er eröffnete am 1. Mai 1845 eine Schule mit 123 Knaben und Jünglingen.
Im Sommer 1852 kehrte Isenberg mit seiner Frau und vier in Indien geborenen Kindern in die Heimat nach Düsseldorf zurück, wo er eine Erkrankung auskurierte. Seine insgesamt sechs Kinder brachte er nach Korntal bei Stuttgart und reiste sodann 1854 wieder mit seiner Frau nach Indien. Er fuhr gewöhnlich in einem Ochsenkarren durch das Land und hielt meistens unter Bäumen vor den Dörfern, um entweder dort mit den Leuten in Kontakt zu kommen oder sich auf den jeweiligen Marktplatz zu begeben und dort zu predigen. Mit wachsender Sorge nahm er wahr, dass es in Teilen der Bevölkerung gegen die britische Kolonialisierung und gegen die Christianisierung rumorte. Zum Glück erstreckte sich der 1857 ausgebrochene Sepoyaufstand nicht auf die Region um Bombay.
Nachdem bei ihm eine unheilbare Tumor-Erkrankung diagnostiziert worden war, verließ er Indien 1864 und reiste nach Stuttgart, wo ihn sein ältester Sohn an seinem 58. Geburtstag am 5. September 1864 am Bahnhof in Empfang nahm. Isenberg starb wenige Wochen später am 10. Oktober 1864 in Stuttgart und wurde auf dem Friedhof in Korntal bestattet.[1][2]
Familie
Isenberg heiratete Henriette Geerling aus Wesel. Aus der Ehe gingen mehrere Kinder hervor. Bei der ersten Reise nach Indien ließ das Ehepaar Isenberg 1843 die erstgeborene Tochter und den erstgeborenen Sohn in Düsseldorf zurück. Auf der Reise nach Indien starben bei einer Zwischenstation in Aden zwei seiner Kinder, ein kleines Mädchen und ein dort neu geborenes Kind. Während der ersten Missionszeit in Indien kamen vier weitere Kinder zur Welt. Die älteste Tochter heiratete später den Missionar A. Davidson in Sharanpur. Der Sohn Charles Wilhelm Heinrich (* 29. November 1840; † 19. Februar 1870 in Korntal) heiratete am 10. November 1865 Marie Gundert, die spätere Mutter des Schriftstellers und Nobelpreisträgers Hermann Hesse. Der Wirtschaftswissenschaftler Gerhard Isenberg war ein Urenkel von Karl Wilhelm Isenberg.
Werke
Während seines Aufenthalts in London veröffentlichte Karl Wilhelm Isenberg zwischen 1840 und 1842 eine Reihe kleiner Wörterbücher in mehreren äthiopischen Sprachen wie Afar (Danakil), Amharisch und Oromo (Galla). Das Oromo-Wörterbuch basierte jedoch auf einem deutschen Manuskript von Krapf. Diese Wörterbücher gelten als die ersten Wörterbücher dieser Sprachen.[2]
Im Jahr 1841 veröffentlichte er das Wörterbuch der amharischen Sprache und 1842 eine umfassende Grammatik. Darüber hinaus veröffentlichte er mehrere Bücher, die in zukünftigen Missionsschulen verwendet werden sollten, die seine Mission in Äthiopien zu gründen versuchte. Die Texte, die Isenberg in amharischer Sprache verfasste, spielen eine wichtige Rolle in der frühen amharischen Literatur. Um die Einheimischen zu evangelisieren, übersetzte er 1842 das anglikanische Book of Common Prayer ins Marathi und Amharische, einschließlich seiner missionarischen Bemühungen, Bibelübersetzungen in die lokalen Sprachen der jeweiligen Missionsstationen – Marathi und Amharisch – zu überarbeiten.[1][2]
Im Jahr 1843 veröffentlichte er zusammen mit seinem Kollegen Johann Ludwig Krapf in London eine Abhandlung über seine Zeit in Äthiopien mit dem Titel Journals of Isenberg and Krapf, in der er ihre Aktivitäten im Königreich Shewa und ihre Reisen in andere Teile Abessiniens in den Jahren 1839, 1840, 1841 und 1842 detailliert beschrieb. Dieses Tagebuch enthält Informationen über die theologischen Kontroversen, die zu dieser Zeit in der äthiopischen Kirche tobten, einschließlich Details über die Menschen, die Politik und die Geografie des Landes.[2][3][7]
- Grammar of the Amharic language.
- Dictionary of the Amharic language.
- A small vocabulary of the Dankali language.
- Dictionary of the Amharic Language in Two Parts, Amharic and English, and English and Amharic.
- Regni Dei In Terris Historia Amharic. Londini : Impensis Ecclesiae Anglicae societatis ad religionem Christianam in Africa et Oriente expandendam institutae, 1841
- Journals of the Rev. Messrs. Isenberg and Krapf, missionaries of the Church missionary society: detailing their proceedings in the kingdom of Shoa, and journeys in other parts of Abyssinia, in the years 1839, 1840, 1841, and 1842.
- Vocabulary of the Galla Language.[7][8][9]
- Abyssinia and the Evangelical Missions, deutsch: Abessinien und die evangelische Mission, 1844.
Während seiner ersten Tätigkeit in Indien gab er mit großem persönlichem Einsatz die monatlich erscheinende Zeitschrift Bombay Record heraus, um möglichst weite Kreise für sein Missionswerk zu erreichen. Das Erscheinen dieser Zeitschrift stellte er aus Gründen der Überlastung Ende des Jahres 1851 ein.
Literatur
- Karl Friedrich Ledderhose: Isenberg, Karl Wilhelm. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 14, Duncker & Humblot, Leipzig 1881, S. 614–618.
Weblinks
- Liturgia, seu Liber Precum Communium, et Administrationis Sacramentorum, Aliorumque Rituum et Cæremoniarum Ecclesiæ, juxta Usum Ecclesiæ Anglicanæ et Hibernicæ unà cum Psalterio, seu Libro Psalmorum cui accedit Forma et Modus Creandi, Ordinandi, et Consecrandi Episcopos, Presbyteros, et Diaconos – Isenbergs im Jahre 1842 vorgenommene Übersetzung des Book of Common Prayer, digitalisiert durch Richard Mammana
- Eclectic magazine: foreign literature, Volume 7; Volume 70 – Autoren: John Holmes Agnew, Walter Hilliard Bidwell – p. 405
- Journals of the Rev. Messrs. Isenberg and Krapf, missionaries of the Church – Autoren: Charles William Isenberg, Johann Ludwig Krapf, James MacQueen, Church Missionary Society