Karsten Thormaehlen

deutscher Fotograf und Kurator From Wikipedia, the free encyclopedia

Karsten Thormaehlen (* 1965 in Bad Kreuznach) ist ein deutscher Fotograf, Gestalter und Herausgeber.[1] Er ist vor allem bekannt durch seine Fotoporträts von Hundertjährigen und Seniorensportlern.

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Leben

Nach dem Abitur am Stefan-George-Gymnasium in Bingen am Rhein, einer Berufsausbildung zum Bankkaufmann und dem Zivildienst, begann Thormaehlen 1988 ein Studium der Philosophie, Kunstgeschichte und Politikwissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Kurz darauf wechselte er an die Fachhochschule Wiesbaden um Kommunikationsdesign zu studieren, das er 1993 mit Auszeichnung abschloss. Im Wintersemester 2015/2016 war er als Lehrbeauftragter dort tätig.

Seine berufliche Tätigkeit begann er zunächst als Gestalter und freier Fotograf bei Werbeagenturen, nach dem Studium als Art- und später Creative Director bei einer Werbeagentur mit Dependancen u. a. in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, der Schweiz und den USA. Mitte der 1990er Jahre lebte und arbeitete er in New York, wo er mit namhaften Fotografen, darunter Hans Hansen, Jim Rakete oder Carter Smith, Werbekampagnen entwickelte und realisierte. Dabei traf und fotografierte er Persönlichkeiten wie Willy und Sônia Bogner, Mimi Fiedler, Emma Heming-Willis, Djimon Hounsou, Wolfgang und Jette Joop, Heidi Klum, Diane Kruger, Christine Neubauer, Sir Alan William Parker oder Isabella Rossellini.

Werk

Karsten Thormaehlen: Dressurreiter Hiroshi Hoketsu, aus der Serie Silver Heroes, Aachen 2009

Thormaehlens künstlerisches Werk befasst sich mit demografischen und soziokulturellen Auswirkungen alternder Gesellschaften. Für die beiden Porträtsammlungen 100 Jahre Lebensglück recherchierte und besuchte er über hundert Hundertjährige, darunter den Schauspieler Lukas Ammann (Graf Yoster gibt sich die Ehre, Fernsehserie 1967–1976), die französische Schauspielerin Gisèle Casadesus (Das Labyrinth der Wörter, Film 2010), die Künstler Anthony Eyton, Karl Otto und seine Frau Karin Götz, sowie Morrie Markoff (1914–2024),[2] den ältesten Mann der Vereinigten Staaten,[3] für dessen 2017 erschienene Biografie Keep Breathing er das Vorwort schrieb.

Das Buch Aging Gracefully – Portraits of People Over 100[4] (dt. 100 Jahre Lebensglück – Weisheit, Liebe, Lachen) erschien 2017. Im Jahr 2025 erschien unter dem Titel 100 Jahre Lebensglück – Beeindruckende Biografien voller Kraft und Weisheit eine Fortsetzung mit weiteren fünfzig Fotoporträts Hundertjähriger.[5] Rezensionen und Bildstrecken über seine Arbeit erschienen im Stern,[5][6] im Spiegel,[7] in GEO,[8] brand eins,[9] der Frankfurter Allgemeinen Zeitung[10] und der Süddeutschen Zeitung[11] sowie in internationalen Publikationen wie Du,[12] Harvard Business Review[13] The Japan Times,[14][15] Kinfolk oder The New York Times.[16]

Das Fotoprojekt Silver Heroes, das Porträts betagter Athleten wie z. B. Heidi Biebl, Schwester Madonna Buder, Nick Bollettieri, Sir Chris Bonington, Wilfried Erdmann, Jürgen Grabowski, Hans Herrmann, Ernst Hinterseer, Hiroshi Hoketsu oder Hideo Ochi in einem gleichnamigen Bildband vereint, wurde als Bildstrecke im Stern (Ausg. 13/2010)[17] veröffentlicht und 2013 von der Robert Bosch Stiftung für den Deutschen Alterspreis nominiert.[18] Die Serie inspirierte die Weltgesundheitsorganisation zu einer Kampagne gegen Altersdiskriminierung.[19]

2014 entstand im Auftrag des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB) die vom Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend geförderte Ausstellung Aktiv in die Zukunft – 2730 Jahre in 16 Bildern, die ebenfalls in mehreren deutschen Städten gezeigt wurde.[20] Unter dem Titel Wer rastet, der rostet! realisierten die Marie-Luise und Ernst Becker Stiftung zusammen und Karsten Thormaehlen eine weitere Ausstellung mit sportlich aktiven Seniorinnen und Senioren, die am 7. Juni 2022 im Foyer des Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend von Ministerin Lisa Paus eröffnet wurde.[21]

Der japanische Papierhersteller Tokushu Tokai Paper und die Supermarktkette COOP Sapporo konzipierten 2015 zwei Kampagnen in Tokio und Sapporo mit zwanzig Porträts über hundertjähriger Japaner und Deutscher, die Thormaehlen in Sapporo, Berlin und Brandenburg fotografierte. Die Ausstellungen, die von der Agentur Hiromura Design Office gestaltet und umgesetzt wurden, erhielten zahlreiche Preise, darunter Auszeichnungen beim Tokyo TDC und den ADC Global Awards in New York City.[22]

Anlässlich des 100-jährigen Firmenjubiläums realisierte das Bielefelder Modeunternehmen Seidensticker zusammen mit der Designagentur Bel Epok und Thormaehlen 2018 eine Testimonial-Kampagne mit über hundertjährigen Protagonisten.[23] Insgesamt nahmen acht Damen und Herren, alle zwischen 99 und 103 Jahren alt, aus Kronberg, Berlin und Potsdam teil.

2019 entstand im Auftrag von SAGE und des amerikanischen Residenzenbetreibers Watermark Retirement Communities die Kampagne zur Sensibilisierung der Öffentlichkeit Not Another Second, die sich mit Belangen von LGBTQ+ Seniorinnen und Senioren auseinandersetzt. Die gleichnamige, mithilfe von AR-Technologie präsentierte Ausstellung wurde wegen der COVID-19-Pandemie verschoben. Die Eröffnung fand im Januar 2021 in der Galerieräumen der Residenz Watermark at Brooklyn Heights statt, eine zweite Präsentation war 2023 im Art Pavillon des Watermark at Westwood Village in Los Angeles zu sehen.[24]

Young at Heart ist der Titel eines 2021 entstandenen Ausstellungs- und Buchprojekts, das die Gerontologin und Direktorin der 2019 gegründeten Abteilung Geriatrie an der Universitätsmedizin Göttingen, Christine von Arnim, zusammen mit Thormaehlen und dem Verleger Gerhard Steidl initiierte.[25] Der gleichnamige Bildband mit Fotoporträts und Textbeiträgen von Jörg Albrecht, Asfa Wossen Asserate, Peter Bieri, Erwin Neher, Roger M. Nitsch, Katharina von Salis, Konstantin Wecker und Muhammad Yunus erschien 2022 im Steidl Verlag.

Karsten Thormaehlens Arbeiten sind in zahlreichen institutionellen, öffentlichen und privaten Sammlungen vertreten, u. a. im Museum der Weltkulturen in Frankfurt am Main, dem Design Museum London, der Allianz-Kunstsammlung, der Agaplesion Bethesda Klinik in Ulm, dem Pfalzklinikum Klingenmünster, dem Institut für Regenerative Medizin (IREM) der Universität Zürich, dem Lebensspuren-Museum in Wels oder der Freien Universität Amsterdam.

Rezeption

Die Pharmakologin und Gastforscherin an der Universität Kopenhagen Laura Berliocchi sieht in Thormaehlens Porträtsammlungen „eindrucksvolle Beispiele für Resilienz und gesundes Altern, (...) eine intime, freudvolle Sicht auf das Leben älterer Menschen.“ In ihrem Textbeitrag in dem Bildband 100 Jahre Lebensglück – Beeindruckende Biografien voller Kraft und Weisheit beschreibt sie seine Arbeit als „stillen, eindrücklichen Aufruf, das Altern als natürlichen, bedeutungsvollen Teil des Lebens zu akzeptieren und unseren eigenen Weg mit weniger Angst, mehr Neugier, Hoffnung und Akzeptanz zu betrachten.“

„Karsten Thormaehlen setzt neue Maßstäbe,“ schrieb der 99-jährige Psychoanalytiker und Altersforscher Helmut Luft in einer Eröffnungsrede.[26] „Er bricht mit dem Tabu, dass man von alten Menschen besser wegschaut, um nicht an sein eigenes Altern erinnert zu werden. Im Gegenteil macht er auf die Gesichter sehr alter Menschen aufmerksam und erinnert daran, dass Jung und Alt aufeinander angewiesen sind. (…) Thormaehlen will nicht die äussere, puppenhafte Schönheit zeigen, die moderne Kosmetik zustande bringt, sondern lebendige Gesichter – mit Runzeln und Falten. Nicht die starre Maske, sondern den Menschen dahinter, die Person, ist das Wesentliche. Die Gesichter, wie Thormaehlen sie aufnimmt, zeigen die Person, erzählen ihre Geschichte, teilen uns etwas mit.“

Die Kunst- und Kulturhistorikerin Sabine Kampmann schrieb zu der Serie Jahrhundertmensch (2006–2008)[27][28] „Thormaehlens Greisinnen und Greise scheinen in einigen Aspekten mit Lievens Bildschöpfungen verwandt. Besonders auffällig ist dabei die Anwendung einer nahezu barocken Lichtregie, die auch von Rembrandt und den Caravaggisten bekannt, mit dramatische Helldunkelzonen arbeitet und uns dabei im hellsten Licht besonders realistisch wiedergegebene Körperpartien präsentiert. (…) Der Künstler nutzt das Potential der Fotografie, um einen enormen Detailreichtum wiederzugeben, wenn er durch große Tiefenschärfe die spezifische Textur der Faltenwürfe, Hautporen und Altersflecken zu sehen gibt (…). Die barock anmutende Chiaroscuro-Ästhetik erreicht er auch dadurch, dass er seine Modelle an der natürlichen Lichtquelle eines Fensters positioniert und die Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung nutzt, um das Spiel von Hell und Dunkel herauszuarbeiten sowie dem Inkarnat seinen warmen, lebendigen Farbton zu geben.“

„Thormaehlens Fotos von Hundertjährigen sind geeignet, immer wieder kritisierte, hartnäckig haftende Altersbilder durch reale Gegenbilder subversiv in Frage zu stellen“, schrieb der Publizist Henning von Vieregge.[29] „Unser Gesicht ist mehr als eine Oberfläche. Wir versuchen aus ihm über den Menschen herauszulesen, der unser Gegenüber ist. Fotograf Karsten Thormaehlen suchte Gesichter, aus denen man ein ganzes Jahrhundert herauslesen kann“, moderierte Tom Buhrow in den Tagesthemen.[30] „In Thormaehlens Porträts von Hundertjährigen auf der ganzen Welt ist das Älterwerden eine Sache der Schönheit“, titelte die Huffington Post[31] und das Online-Magazin BuzzFeed schrieb: „So sieht das Glück mit 100 Jahren aus. Die Porträts des Fotografen Karsten Thormaehlen lassen den Alterungsprozess charmanter erscheinen.“[32] „Dass auch der betagte Körper Erstaunliches vollbringen kann, zeigen die Bilder des Fotografen Karsten Thormaehlen, der fitte Menschen im Rentenalter porträtiert hat“, schrieb der Stern über das Ausstellungs- und Buchprojekt Silver Heroes.[33]

Die Weltgesundheitsorganisation WHO produzierte für den Weltgesundheitstag 2012 mit Motiven aus der gleichen Serie erstmalig eine Kampagne gegen Altersdiskriminierung.[34] Die Ausstellung Mit hundert hat man noch Träume, mit freistehenden, überlebensgroßen Porträts und gerahmten Arbeiten von über Hundertjährigen in der Stadtkirche Jena, besuchten zwischen September und November 2014 über 15.000 Menschen.[35]

Thormaehlens Projekte finden regelmäßig breites Medienecho. Er war in Podcasts wie Gelassen älter werden[36], bei rbb Radio 3,[37][38] SWR Kultur[39] WDR 3[40] und im Deutschlandfunk[41][42] zu hören und trat in Fernsehdokumentationen auf, darunter in den Reportage-Reihen arte TWIST (Folge Forever Young: Wollen wir unsterblich werden?[43]), SWR betrifft: (Folge 100 Jahre jung[44]), Kunscht! – Kultur im Südwesten[45] und 37 Grad (Folgen Mit 100 ist noch nicht Schluss[46] und 100 Jahre Leben: Was wirklich zählt[47]) sowie in der ZDF-Produktion Forever Young – Wie können wir das Altern stoppen?[48]

Mitgliedschaften

Ausstellungen (Auswahl)

Einzelausstellungen

Karsten Thormaehlen: Erika E. (* 1910), Berlin 2011

Ausstellungsbeteiligungen

Preise und Auszeichnungen (Auswahl)

Publikationen (Auswahl)

Literatur (Auswahl)

  • Portrait of Britain Vol. 8. 1854 Media, London: Bluecoat Press, 2025, ISBN 978-1-908457-79-0
  • Yvonne Salzmann (Hrsg.), Guido Strohmenger (Hr.): Die Farbe der Würde, Einert & Krink Verlag, Braunschweig 2022, ISBN 978-3-947803-13-2.
  • Portrait of Humanity Vol. 1-4. 1854 Media, London: Hoxton Mini Press, 2019–2022, ISBN 978-1-910566-52-7, ISBN 978-1-910566-73-2, ISBN 978-1-910566-94-7, ISBN 978-1-914314-25-4.
  • Paddy Johnson: Vorwort in: Not Another Second – LGBT+ seniors share their stories, Watermark Retirement Communities (Hr.), Tucson, Arizona, USA 2020, ISBN 978-0-578-80580-1.
  • Hanna Baro: +/- 100: Old Age and New Photography. In: Cultural Perspectives on Aging, Hrsg. Andrea von Hülsen-Esch, S. 130., De Gruyter, Berlin 2021, ISBN 978-3-11-068304-2.
  • Hans Prömper (Hrsg.), Robert Richter (Hr.): Werkbuch neue Altersbildung: Praxis und Theorie der Bildungsarbeit zwischen Beruf und Ruhestand, wbv-Publikation, Bielefeld 2017, ISBN 978-3-7639-5332-5.
  • Morrie Markoff: Keep Breathing – Recollections from a 103-Year-Old, Beverly Palm Books, Los Angeles 2017, ISBN 978-1-4834-6801-3.
  • Alice Yoo (Hrsg.), Eugene Kim (Hrsg.): For Love: 25 Heartwarming Celebrations of Humanity., San Francisco: Chronicle Books, 2016, ISBN 978-1-4521-3984-5.
  • Masaaki Hiromura (Hrsg.): From Design To Design, Art Design Publishing Company, Tokio 2015, ISBN 978-4-903348-47-6.
  • Aagje Swinnen: Das Bild der Hundertjährigen: Liv Caré Mortensens – 100 Light Years. In: Querformat, Nr. 7/2015, S. 37/38., Köln: Transcript Verlag 2015, ISBN 978-3-8376-2751-0.
  • Taylor Wessing Photographic Portrait Prize 2011., National Portrait Gallery Publications, London 2011, ISBN 978-1-85514-453-8.
  • Sabine Kampmann: Porträt des Alters? – Greise Gesichter zwischen Barockmalerei und Gegenwartsfotografie. In: Barock – Modern?, hrsg. von Victoria von Flemming und Alma-Elisa Kittner, S. 17–28, Salon Verlag, Köln 2010, ISBN 978-3-89770-377-3.

Einzelnachweise

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