Karsten Wiegand

deutscher Dramaturg, Regisseur und Intendant From Wikipedia, the free encyclopedia

Karsten Wiegand (* 1972 in München) ist ein deutscher Opernregisseur und Intendant des Staatstheaters Darmstadt.

Ausbildung und Wirken

Wiegand studierte Germanistik, Politikwissenschaft und Betriebswirtschaftslehre[1] an der Ludwig-Maximilians-Universität München und der Freien Universität Berlin.[2] Bei seinen Studien wurde er durch das Begabtenförderungswerk Studienstiftung des deutschen Volkes gefördert.[2] 1994 begann Wiegand seine Theaterlaufbahn als Dramaturg für die Sparten Schauspiel und Musiktheater am Hans Otto Theater in Potsdam und wirkte danach zunächst als freier Schauspielregisseur. Am Deutschen Nationaltheater Weimar inszenierte er unter anderem gemeinsam mit Julia von Sell Goethes Faust I, wofür sie 2001 mit dem Bayerischen Theaterpreis ausgezeichnet wurden. 2004 debütierte Wiegand als Opernregisseur mit Glucks Orfeo ed Euridice an der Oper Krakau.[1] In den Jahren 2004 bis 2006 erhielt Wiegand ein Regiestipendium der Akademie Musiktheater heute.[2] Mit Wiegands Inszenierung von Schillers Schauspiel Die Jungfrau von Orleans wurde 2006 am Theater Aachen das Theatertreffen Nordrhein-Westfalen eröffnet. Von 2008 bis 2013 war er Operndirektor am Deutschen Nationaltheater Weimar.[1]

Seit 2014 ist Wiegand Intendant des Staatstheaters Darmstadt,[2] wo er weiterhin mit Erfolg inszeniert.[3] Im Jahr 2016 inszenierte Wiegand die Uraufführung der Oper Koma von Georg Friedrich Haas für die Schwetzinger Festspiele und das Staatstheater Darmstadt, die im Fachmagazin Opernwelt zur Uraufführung des Jahres gekürt wurde.[4]

Im Pandemiejahr 2020 thematisierte Wiegand gemeinsam mit Tanzkünstlerin Nadia Beugré in der Musik- und Tanzcollage Atem/Souffle die Fragilität menschlichen Lebens mit Verweis auf die COVID-19-Pandemie und die Proteste infolge des Todes von George Floyd.[5] Die spartenübergreifende Produktion entstand mit der Unterstützung des Institut français und des französischen Ministeriums für Kultur.[5][6]

In Reaktion auf den Terrorangriff der Hamas auf Israel 2023 verlegte Wiegand die Premiere seiner Inszenierung von Elektra, die für den 27. Januar geplant war, an dem international der Opfer des Holocaust gedacht wird, um an diesem Datum seine Neuinszenierung der Kammeroper Pnima ... ins Innere von Chaya Czernowin zu eröffnen, worin er Ereignisse des radikalislamistischen Angriffs thematisierte.[7]

Anlässlich des 80. Holocaust-Gedenktags im Jahr 2025 schuf Wiegand mit der Veranstaltung zum Gedenken an die Befreiung des KZ Auschwitz für den Vorabend ein viel beachtetes Programm, in dem Gideon Kleins Streichtrio, Schostakowitschs Streichquartett Nr. 8 und Wiegands eigene Inszenierung von Morton Feldmans Rothko Chapel den für den Anlass in Auftrag gegebenen Liederzyklus Letters to Fred/Briefe an Fred der Komponistin Bracha Bdil umrahmten,[8] der anhand von Briefen an den Holocaustüberlebenden Fritz „Fred“ Herzberg vom Schicksal Detmolder Familien erzählt.[9][10]

Als Intendant betrieb Wiegand eine Veränderung der Ausrichtung des Staatstheaters auf das Bildungsbürgertum hin zu einem „Theater für alle“.[3] Dazu wurden kostenfrei zugängliche Spielstätten erschlossen, wie etwa der Georg-Büchner-Platz, der Vorplatz des Theaters, auf dem das Staatsorchester Darmstadt und Mitglieder des Opernensembles regelmäßig kostenlose Freiluftkonzerte anbieten,[11] und es wurden Darbietungen jenseits der klassischen Kultur in das Programm integriert, etwa Hip-Hop-Acts[3] und künstliche Intelligenz.[11] Anlässlich der Verlängerung von Wiegands Intendanz bis 2029 ließ das hessische Kultusministerium wissen, dass sowohl das Land Hessen als auch die Stadt Darmstadt die künstlerische Entwicklung des Staatstheaters unter Wiegand als sehr positiv beurteilt haben.[12]

Wiegand ist seit dem Jahr 2018 der Vizepräsident der Hessischen Theaterakademie.[13]

Inszenierungen (Auswahl)

Schauspiel

Quelle: [2]

Musiktheater

Quelle: [15]

Veröffentlichungen

  • 2018: Zeitgenössisches Musiktheater: auf der Höhe der Zeit? Musik & Ästhetik, Band 22, Heft 85, „Forum: Zeitgenössisches Musiktheater“, S. 67–76. Kosch Theater[16]

Einzelnachweise

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