Militürk
Lied von Gabi Delgado-López
From Wikipedia, the free encyclopedia
Militürk (Kebabträume) ist ein Lied von Gabi Delgado-López, das er zuerst 1979 mit der Band Mittagspause und im Jahr darauf mit seiner Formation Deutsch Amerikanische Freundschaft aufgenommen hat. Bekannt geworden ist Militürk in der Version der Fehlfarben, enthalten auf ihrem Debütalbum Monarchie und Alltag.
| Militürk (Kebabträume) | |
|---|---|
| Mittagspause | |
| Veröffentlichung | 1979 |
| Länge | 4:00 |
| Genre(s) | Deutschpunk, Neue Deutsche Welle |
| Text | Gabi Delgado-López |
| Musik | Mittagspause |
| Produktion | Mittagspause |
| Verlag(e) | Freundshaft Musik |
| Label | Pure Freude |
| Album | Mittagspause |
| Coverversionen | |
| März 1980 | DAF |
| Oktober 1980 | Fehlfarben |
Entstehung
Laut Gabi Delgado ist der Text zu Militürk/Kebabträume infolge einer deutsch-deutschen Autofahrt entstanden. Am 11. August 1978 fuhr die neu gegründete Band Mittagspause, die aus Mitgliedern der Band Charley’s Girls (Franz Bielmeier, Peter Hein, Gabi Delgado und Markus Oehlen) hervorgegangen war, zum „Mauerbaufestival“ nach West-Berlin.[1] Im Kreuzberger Club SO36 sollte im Rahmen eines Punkfestivals auf ironische Weise an den 17. Jahrestag des Mauerbaus vom 13. August 1961 erinnert werden. Die Autofahrt von Westdeutschland über Helmstedt nach West-Berlin führte zwangsläufig auf der Transitstrecke durch die Deutsche Demokratische Republik. Losungen wie „Es lebe die Deutsch-Sowjetische Freundschaft!“ inspirierten den 20-jährigen Delgado zum Bandnamen Deutsch-Amerikanische Freundschaft. In Kreuzberg fand die Band inmitten von Kebabläden ein ungewohntes Milieu vor:
„Das war ja eine einzigartige Situation, umgeben von Stacheldraht, inmitten eines kommunistischen Staates diese Türk-Kültür vorzufinden in voller Blüte.“
Auf der Bühne des SO36 aßen Delgado und die übrigen Bandmitglieder einen Döner.[3] Die Eindrücke dieser Berlin-Reise verarbeitete Delgado in einem kompakten Liedtext ohne Adjektive und weitgehend ohne Verben.
Mittagspause veröffentlichten Militürk im Jahr 1979 auf der einzigen regulären Mittagspause-Veröffentlichung.[4] Zwei Liveversionen sind auf dem Livealbum Punk macht dicken Arsch (1982) erschienen.[5]
DAF-Version

Der Musikjournalist Bob Giddens hatte die Deutsch-Amerikanische Freundschaft im Februar 1979 auf dem „Into the Future“-Konzert in Hamburg gesehen und sich sofort als Manager angeboten. Auf Wunsch der Band reiste man zu den Cargo Studios nach England, wo bereits Bands wie Gang of Four, Joy Division und OMD aufgenommen hatten, und nahm unter der Leitung von John Brierley erste Songs für eine Single auf.[6.1]
„Wenn du dir Kebabträume genauer anhörst, merkst du, wie die Sequencer langsamer und schneller werden. Es gab Timing-Schwankungen. Die Korg-Sequencer konnten die englische Spannung nicht ab, ganz abgesehen davon, dass die Dinger ohnehin schwer zu bedienen waren. Chrislo hat damals zwischen den Liedern per Hand die verschiedenen Sounds eingestellt, das alte Equipment war weder timing- noch stimm-stabil.“
Die Debütsingle Kebabträume/Gewalt erschien im März 1980 auf dem Musiklabel Mute Records (Mute 005) von Daniel Miller.[7] Eine Neu-Aufnahme der Kebab-Träume (jetzt mit Bindestrich) erschien auf dem 1982er Album Für immer (Virgin). Die Texte beider Versionen sind identisch, nur heißt es auf der Single-Version „Hürriyet für die Sowjetunion“ anstatt „Milliyet für die Sowjetunion“.
Personal:
- Gesang: Gabi Delgado-Lopez
- Schlagzeug: Robert Görl
- Sequenzer: Chrislo Haas
- Gitarre: Wolfgang Spelmanns
- E-Bass: Michael Kemner
- Produzent: Bob Giddens
- Toningenieur: John Brierley
Fehlfarben
Sänger Peter Hein und Gitarrist Thomas Schwebel von Mittagspause sowie Michael Kemner, der Bassist von DAF, gründeten 1979 die Band Fehlfarben. Songs wie Militürk und Ernstfall brachten sie aus der Mittagspause mit und nahmen sie für das Debütalbum Monarchie und Alltag neu auf.
„Der Text von Kebabträume ist komplett von Gabi. Wir hatten das bei Mittagspause auch schon gespielt, die Musik war von Franz und Thomas Schwebel. Aber wie das immer so ist: Als wir das mit Fehlfarben gemacht haben, gab es das bei DAF meines Wissens noch gar nicht […] Ich fand das Stück immer gut, fand den Text super, für mich ist es der Mittagspause-Kontext, deshalb habe ich es mit zu Fehlfarben gebracht. Dort heißt es Militürk, damit wir nicht alle denselben Titel hatten, aber es ist das gleiche Stück.“
Die Version der Fehlfarben endet nach den vielen Wiederholungen der Aussage „Wir sind die Türken von morgen“ mit einem saloppen „naja“.
Rezeption
Laut taz-Redakteur Ulrich Gutmair ist Militürk ein „Klassiker des deutschen Punks“ (eigentlich des Punkrocks) und „auch einer der ersten Punksongs, in denen auf Deutsch gesungen wurde“.[8] In einem Essay für die Zeitschrift Merkur (Heft 864) bezeichnete Gutmair, der sich ausgiebig mit dem Lied beschäftigt hat, Militürk/Kebabträume „als popmusikalische Gründungsurkunde des Einwanderungslands Almanya“.[9]
Veröffentlichungen
- 1979: Mittagspause – Militürk (Doppel-7-Inch)
- 1980: DAF – Kebabträume (Singleversion)
- 1980: Fehlfarben – Militürk (Monarchie und Alltag)
- 1981: Mittagspause – Militürk (Liveversion auf der LP Punk macht dicken Arsch)
- 1981: O.R.A.V.s (Liedermachos) / Deutschland Terzett – Militürk (Split-LP)
- 1982: DAF – Kebab-Träume (Albumversion: Für immer)
Literatur
- Jürgen Teipel: Verschwende Deine Jugend. Ein Doku-Roman über den deutschen Punk und New Wave. Suhrkamp, Frankfurt/Main 2001, ISBN 3-518-39771-0.
- Ulrich Gutmair: Kebabträume in der Mauerstadt. In: Merkur, Heft 864, Mai 2021, Jahrgang 75.
- Ulrich Gutmair: Wir sind die Türken von morgen. Neue Welle, neues Deutschland. Tropen, Stuttgart 2023, ISBN 978-3-608-50167-4.
Weblinks
- Militürk-Lyrics bei Genius.com
- Kebabträume im Songlexikon
- DAF: Kebab-Träume auf YouTube
- Fehlfarben: Militürk auf YouTube