Kehlnbach
Ort in der Stadt Gladenbach
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Kehlnbach ist ein Weiler im Hessischen Hinterland und als solcher der kleinste Stadtteil der Stadt Gladenbach im mittelhessischen Landkreis Marburg-Biedenkopf.
Kehlnbach Stadt Gladenbach | |
|---|---|
| Koordinaten: | 50° 46′ N, 8° 34′ O |
| Höhe: | 279 (278–290) m ü. NHN |
| Fläche: | 2,06 km²[1] |
| Einwohner: | 89 (31. Dez. 2024)[2] |
| Bevölkerungsdichte: | 43 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1974 |
| Postleitzahl: | 35075 |
| Vorwahl: | 06462 |
Ansicht aus dem Zillertal | |
Geographie
Der Ort liegt im Gladenbacher Bergland und damit im Naturpark Lahn-Dill-Bergland am Schlossberg 1,5 km westlich an Gladenbach anschließend.
Geschichte
Ortsgeschichte
Die älteste bekannte schriftliche Erwähnung von Kehlnbach erfolgte unter dem Namen Kelembach im Jahr 1324.[1]

Die Statistisch-topographisch-historische Beschreibung des Großherzogthums Hessen berichtet 1830 über Kehlnbach:
„Kehlnbach (L. Bez. Gladenbach) evangel. Filialdorf; liegt 1⁄4 St. von Gladenbach, und es hat dieser wohlhabende Ort 12 Häuser und 80 Einwohner, die evangelisch sind und sich vom Feldbau nähren.“[3]
Im Jahr 1898 erhielt Kehlnbach eine eigene Bürgermeisterei.
- Hessische Gebietsreform (1970–1977)
Zum 1. Juli 1974 erfolgte im Zuge der Gebietsreform in Hessen durch Landesgesetz der Zusammenschluss der Stadt Gladenbach mit den Gemeinden Bellnhausen, Diedenshausen, Erdhausen, Friebertshausen, Frohnhausen b. Gladenbach, Kehlnbach, Mornshausen a. S., Rachelshausen, Römershausen, Rüchenbach, Sinkershausen, Weidenhausen und Weitershausen zu heutigen Stadt Gladenbach.[4][5] Für alle ehemals eigenständigen Gemeinden und die Kernstadt Gladenbach wurden Ortsbezirke mit Ortsbeirat und Ortsvorsteher nach der Hessischen Gemeindeordnung gebildet.[6]
Verwaltungsgeschichte im Überblick
Die folgende Liste zeigt die Staaten und Verwaltungseinheiten,[Anm. 1] denen Kehlnbach angehört(e):[1][7][8]
- vor 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach
- ab 1567: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Marburg, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach[9]
- 1604–1648: strittig zwischen Hessen-Kassel und Hessen-Darmstadt (Hessenkrieg)
- ab 1604: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Kassel, Amt Blankenstein
- ab 1627: Heiliges Römisches Reich, Landgrafschaft Hessen-Darmstadt, Oberfürstentum Hessen, Amt Blankenstein, Untergericht Gladenbach[10][11]
- ab 1806: Großherzogtum Hessen,[Anm. 2] Fürstentum Oberhessen, Amt Blankenstein, Land- und Rügengericht[12]
- ab 1815: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Amt Blankenstein
- ab 1821: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Landratsbezirk Gladenbach[Anm. 3]
- ab 1832: Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
- ab 1848: Großherzogtum Hessen, Regierungsbezirk Biedenkopf
- ab 1852:Großherzogtum Hessen, Provinz Oberhessen, Kreis Biedenkopf
- ab 1867: Norddeutscher Bund[Anm. 4], Königreich Preußen,[Anm. 5] Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf (übergangsweise Hinterlandkreis)[11]
- ab 1871: Deutsches Reich, Königreich Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
- ab 1918: Deutsches Reich (Weimarer Republik), Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Kreis Biedenkopf
- ab 1932: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Dillenburg
- ab 1933: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Hessen-Nassau, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf
- ab 1944: Deutsches Reich, Freistaat Preußen, Provinz Nassau, Landkreis Biedenkopf
- ab 1945: Amerikanische Besatzungszone,[Anm. 6] Groß-Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf
- ab 1946: Amerikanische Besatzungszone, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf
- ab 1949: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Wiesbaden, Landkreis Biedenkopf
- ab 1968: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Darmstadt, Kreis Biedenkopf
- ab 1974: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Kassel, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Gladenbach[Anm. 7]
- ab 1981: Bundesrepublik Deutschland, Hessen, Regierungsbezirk Gießen, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Stadt Gladenbach
Gerichte seit 1821
Die Rechtsprechung ging 1821 im Rahmen der Trennung von Justiz und Verwaltung auf die neu geschaffenen Landgerichte über. „Landgericht Gladenbach“ war von 1821 bis zur Abtretung an Preußen 1866 die Bezeichnung für das erstinstanzliche Gericht in Gladenbach. Für die Provinz Oberhessen wurde das Hofgericht Gießen als Gericht der zweiten Instanz eingerichtet. Übergeordnet war das Oberappellationsgericht Darmstadt.
Nach der Abtretung des Kreises Biedenkopf an Preußen infolge des Friedensvertrags vom 3. September 1866 zwischen dem Großherzogtum Hessen und dem Königreich Preußen wurde der Landgerichtsbezirk Gladenbach preußisch.[13] Im Juni 1867 erging eine königliche Verordnung, die die Gerichtsverfassung im vormaligen Herzogtum Nassau und den vormals zum Großherzogtum Hessen gehörenden Gebietsteilen neu ordnete. Die bisherigen Gerichtsbehörden wurden aufgehoben und durch Amtsgerichte in erster, Kreisgerichte in zweiter und ein Appellationsgericht in dritter Instanz ersetzt werden.[14] Im Zuge dessen erfolgte am 1. September 1867 die Umbenennung des bisherigen Landgerichts in Amtsgericht Gladenbach. Die Gerichte der übergeordneten Instanzen waren das Kreisgericht Dillenburg und das Appellationsgericht Wiesbaden.[15]
Vom 1. Oktober 1944[16] bis 1. Januar 1949[17] gehörte das Amtsgericht Gladenbach zum Landgerichtsbezirk Limburg, danach wieder zum Landgerichtsbezirk Marburg. Am 1. Juli 1968 erfolgte die Aufhebung des Amtsgerichts Gladenbach[18], das fortan als Zweigstelle des Amtsgerichts Biedenkopf fungierte.[19] Am 1. November 2003 wurde diese Zweigstelle aufgelöst.[20]
Bevölkerung
Einwohnerstruktur 2011
Nach den Erhebungen des Zensus 2011 lebten am Stichtag dem 9. Mai 2011 in Kehlnbach 105 Einwohner. Darunter waren keine Ausländer. Nach dem Lebensalter waren 21 Einwohner unter 18 Jahren, 45 zwischen 18 und 49, 12 zwischen 50 und 64 und 27 Einwohner waren älter.[21] Die Einwohner lebten in 42 Haushalten. Davon waren 9 Singlehaushalte, 9 Paare ohne Kinder und 15 Paare mit Kindern, sowie 6 Alleinerziehende und keine Wohngemeinschaften. In 12 Haushalten lebten ausschließlich Senioren/-innen und in 21 Haushaltungen leben keine Senioren/-innen.[21]
Einwohnerentwicklung
| Quelle: | Historisches Ortslexikon[1] |
| • 1502: | 3 Männer |
| • 1577: | 7 Hausgesesse |
| • 1630: | 6 Hausgesesse (1 dreispänniges, 1 zweispänniges, 3 einspännige Ackerleute, 1 Einläuftige) |
| • 1742: | 14 Haushalte |
| • 1791: | 73 Einwohner[22] |
| • 1800: | 73 Einwohner[23] |
| • 1806: | 46 Einwohner, 12 Häuser[12] |
| • 1829: | 80 Einwohner, 12 Häuser[3] |
| Kehlnbach: Einwohnerzahlen von 1791 bis 2020 | ||||
|---|---|---|---|---|
| Jahr | Einwohner | |||
| 1791 | 109 | |||
| 1800 | 73 | |||
| 1829 | 80 | |||
| 1834 | 79 | |||
| 1840 | 76 | |||
| 1846 | 85 | |||
| 1852 | 69 | |||
| 1858 | 83 | |||
| 1864 | 83 | |||
| 1871 | 76 | |||
| 1875 | 90 | |||
| 1885 | 94 | |||
| 1895 | 84 | |||
| 1905 | 85 | |||
| 1910 | 92 | |||
| 1925 | 93 | |||
| 1939 | 93 | |||
| 1946 | 153 | |||
| 1950 | 137 | |||
| 1956 | 100 | |||
| 1961 | 103 | |||
| 1967 | 100 | |||
| 1980 | ? | |||
| 1990 | ? | |||
| 2000 | 100 | |||
| 2006 | 115 | |||
| 2011 | 105 | |||
| 2015 | 106 | |||
| 2020 | 94 | |||
| Datenquelle: Historisches Gemeindeverzeichnis für Hessen: Die Bevölkerung der Gemeinden 1834 bis 1967. Wiesbaden: Hessisches Statistisches Landesamt, 1968. Weitere Quellen: [1]; Ab 2000 Stadt Gladenbach webarchiv[24]; Zensus 2011[21] | ||||
Historische Religionszugehörigkeit
| Quelle: | Historisches Ortslexikon[1] |
| • 1829: | 80 evangelische (= 100 %) Einwohner[3] |
| • 1885: | 94 evangelische (= 100 %) Einwohner |
| • 1961: | 90 evangelische (= 87,38 %), 13 römisch-katholische (= 12,62 %) Einwohner |
Historische Erwerbstätigkeit
| • 1961: | 33 Erwerbspersonen in der Land- und Forstwirtschaft, 18 im produzierenden Gewerbe, 12 in Handel und Verkehr, zwei bei Dienstleistungen und Sonstigem.[1] |
Literatur
- Literatur über Kehlnbach nach Register nach GND In: Hessische Bibliographie
Weblinks
- Unsere Stadtteile im Kurzportrait! In: Webauftritt der Stadt Gladenbach.
- Kehlnbach, Landkreis Marburg-Biedenkopf. Historisches Ortslexikon für Hessen. In: Landesgeschichtliches Informationssystem Hessen (LAGIS).

