Kembs

französische Gemeinde im Elsass From Wikipedia, the free encyclopedia

Kembs [kɛms] (deutsch auch Großkems) ist eine französische Gemeinde mit 5834 Einwohnern (Stand 1. Januar 2023) im Département Haut-Rhin in der Region Grand Est (bis 2015 Elsass).

Schnelle Fakten
Kembs
Kembs (Frankreich)
Kembs (Frankreich)
Staat Frankreich Frankreich
Region Grand Est
Département (Nr.) Haut-Rhin (68)
Arrondissement Mulhouse
Kanton Brunstatt-Didenheim
Gemeindeverband Saint-Louis Agglomération
Koordinaten 47° 41′ N,  30′ O
Höhe 222–255 m
Fläche 16,45 km²
Einwohner 5.834 (1. Januar 2023)
Bevölkerungsdichte 355 Einw./km²
Postleitzahl 68680
INSEE-Code
Website www.kembs.fr

Mairie (Bürgermeisteramt) von Kembs
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Geografie

Cambete oder Cambes lag in römischer Zeit an der Straße von Augusta Raurica nach Argentovaria und wird bereits im Itinerarium Antonini genannt.[1][2] Das heutige Kembs liegt im Dreiländereck Deutschland–Frankreich–Schweiz und ist bekannt für das 1932 am Rheinseitenkanal in Betrieb gegangene Wasserkraftwerk Kembs. Bei Kembs mündet der Rhein-Rhône-Kanal (früher Canal de Huningue) in den Rheinseitenkanal. Zwei Außengebäude der Schleuse Kembs-Niffer wurden von dem bekannten Architekten Le Corbusier gestaltet.

Die Nachbargemeinden sind Rosenau im Süden, Bartenheim im Südwesten, Sierentz, Geispitzen und Schlierbach im Westen und Niffer im Norden. Im Osten grenzt Kembs an Deutschland; der alte Rhein bildet dort die Landesgrenze. Rechts des Rheines liegt auf deutscher Seite das Dorf Kleinkems, welches seit 1974 Teil der Gemeinde Efringen-Kirchen ist.

Die umliegenden größeren Städte sind Mülhausen (20 km nordwestlich), Lörrach (30 km südöstlich), Saint-Louis (15 km südlich) und Basel (20 km südlich).

Zu Kembs gehören die südlich des Kernortes liegenden Ortsteile Schaeferhof (Schäferhof), Loechlé (Löchle) und Richardshaeuser (Richardshäuser).

Geschichte

Kirche Saint-Jean-Baptiste in Kembs

Beim römischen Cambete traf die vom Mittelmeer kommende, über Epomanduodurum (Mandeure) den Sundgau erreichende Rhônetalstraße auf die Rheintalstrecke, die von Augst (Augusta raurica) in Richtung Breisach (Mons Brisiacus) und weiter nach Argentorate (Straßburg) zog. Die militärisch wichtige Rheinbrücke, von der 1950 ein Brückenpfeiler entdeckt wurde, vermittelte den Übergang ins Dekumatenland. Auf der berühmten Peutingertafel aus dem 4. Jahrhundert ist Cambete verzeichnet, und im Itinerarium Antonini aus dem 3. Jahrhundert wird der Ort erwähnt.

Auf der Gemarkung wurden eine spätantike Nekropole, zahlreiche Alemannengräber aus dem 5. Jahrhundert und ein merowingerzeitliches Gräberfeld entdeckt. Im Mittelalter war das Basler Sankt-Alban-Kloster im Ort begütert. Kembs wurde von den spätmittelalterlichen Heimsuchungen der Region nicht verschont, etwa den Überfällen durch die marodierenden Söldnertruppen der Wilden Engländer, die während des Hundertjährigen Krieges zeitweise unbeschäftigt waren und der Armagnaken, die von den Habsburgern im Kampf gegen die Eidgenossen ins Land gerufen worden waren. Auch im Dreißigjährigen Krieg wurde das Dorf verwüstet.

Kembs gehörte bis zum Westfälischen Frieden 1648 zu Vorderösterreich und kam dann mit dem ganzen habsburgischen Besitz im Elsass an die französische Krone. Von 1871 bis zum Ende des Ersten Weltkrieges gehörte Kembs als Teil des Reichslandes Elsaß-Lothringen zum Deutschen Reich (Kreis Mülhausen, Bezirk Oberelsaß) und hieß Großkems. Zu Beginn des Zweiten Weltkriegs wurden die Einwohner im September 1939 in den Südwesten Frankreichs evakuiert (Département Landes). Nach dem Waffenstillstand im Juni 1940 war eine Rückkehr in das von den Deutschen besetzte Elsass möglich. Der Ort erlitt schwere Kriegsschäden. Kembs wurde zum Ende des Zweiten Weltkriegs am 9. Februar 1945 durch Truppen der französischen 1. Armee unter General de Lattre de Tassigny von der Naziherrschaft befreit. Dies geschah im Zuge der Endoffensive der Alliierten gegen den von den Deutschen noch immer hartnäckig verteidigten Brückenkopf Elsass (poche de Colmar).

Ab 1680 war Kembs Poststation.1830 wurden Teile der aufgelösten Gemeinde Neuweg (Schäferhof, Löchle und Richardshäuser) eingemeindet. Diese Weiler gehen auf unter Ludwig XIV. angelegte Feldschanzen und Wachtposten zurück. Im selben Jahr konnte der Hüninger Kanal eröffnet werden. 1932 war das Wasserkraftwerk fertiggestellt. Es wurde im Zweiten Weltkrieg beschädigt und 1946 bis 1949 wieder hergestellt.

Bevölkerungsentwicklung

1910 1962 1968 1975 1982 1990 1999 2006 2018
1116[3]17022009221125753016373942105376

Bauwerke

Die Johannes dem Täufer geweihte, einst vom Friedhof umgebene Pfarrkirche wurde 1786 fertiggestellt. Ein erstes Gotteshaus erscheint in den Urkunden bereits im 12. Jahrhundert. Spätbarocke Innenausstattung.

Die Kirche Mariä Mutterschaft (N.D.-de-la-maternité) ersetzt eine Ende des 19. Jahrhunderts erbaute und bei der Errichtung eines Gefallenendenkmals 1974 abgebrochene Kapelle. Mit dem Neubau wurde 1939 begonnen. Nach dem Krieg erfolgte die Fertigstellung 1957, die Weihe 1964.

Schleusenanlage bei der Abzweigung des hier verbreiterten Rhein-Rhône-Kanals vom Rheinseitenkanal (Grand Canal d' Alsace): Die 1960 errichteten Gebäude stammen von Le Corbusier und Le Jeanneret.

Das Wasserkraftwerk (Usine hydroélectrique) und die Schleuse (Écluse) wurden zwischen 1928 und 1932 errichtet. Es ist das erste französisch-deutsche Kraftwerk am Rhein. Das Stauwehr (Barrage) von Kembs reguliert die Wasserzufuhr vom Rhein zum Grand Canal d’ Alsace.


Die Mairie: Ambitionierte moderne Architektur.

Ansässige Unternehmen

In Kembs besteht seit über 50 Jahren das international tätige Unternehmen Barrisol. Gegründet 1967 durch Fernand Scherrer vertreibt es PVC-Folien für Spanndecken.[4]

Literatur

  • Le Patrimoine des Communes du Haut-Rhin. Flohic Editions, Band 2, Paris 1998, ISBN 2-84234-036-1, S. 1124–1127.

Siehe auch

Commons: Kembs – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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