Ken Gorbey

neuseeländischer Museumsdirektor und Kultur-Berater From Wikipedia, the free encyclopedia

Kenneth Coulton Gorbey CNZM, (* 1942), genannt Ken Gorbey, ist ein neuseeländischer Museumsdirektor und Kulturberater. Er konzipierte und realisierte maßgebend das Nationalmuseum Neuseelands, Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa, und das Jüdische Museum in Berlin.

Ken Gorbey, 2014

Frühe Jahre

Gorbey wurde 1942 geboren und wuchs in Maungatautari, in der Waikato-Region der neuseeländischen Nordinsel auf.[1][2] Sein Grundstudium der Anthropologie und Kulturgeographie der Universität von Auckland beendete er mit einem Doppelabschluss, gefolgt von einem Master of Arts in Archäologie.[3]

Gorbey begann seine berufliche Karriere 1968 beim New Zealand Historic Places Trust mit der Durchführung einer archäologischen Untersuchung für die Kapuni-Erdgaspipeline und ging danach nach Hamilton. Von 1971 bis 1983 war er Direktor des Waikato Museums in Hamilton.

Museumsprojekte

Bereits während seiner Zeit in der Waikato-Region stellte er traditionelle Museumsvorstellungen – das Museum als Trophäen-Sammlung, als eindimensionaler (spät-)kolonialer Geschichtsort – infrage.[2] Gorbey erwarb sich den Ruf eines unorthodoxen Museumsleiters und -pädagogen, eines ‘Bulldozers, Zirkusdirektors, Unangepassten und Radikalen’,[4] der ihn auch bei späteren Projekten in Wellington und Berlin begleitete. Gorbeys Mut mit verstaubten Museumskonzepten zu brechen, leistungsfähige Teams zusammenzustellen und gute Ideen zur Realität zu machen, trug ihm unter Mitarbeitern und Museumsbesuchern, aber auch einigen Kulturpolitikern, Anerkennung und Bewunderung ein. Er brachte Ideen des Geschichtenerzählens, des magischen Theaters und kundenorientierter Institutionsarbeit in seine Konzepte ein, die darauf abzielten, „die 60 Prozent der Menschen anzulocken, die sich sonst einen Dreck um Museen und Sammlungen scheren.“[3]

Schon früh war Gorbey ist ein begeisterter Freund der Literatur. In großen Romanautoren fand er Geschichtenerzähler, die Konzepte durchdachten und unterschiedliche Interpretationsperspektiven eröffneten, Erzählungen über alternative Zukunftszustände entwickelten und die Kraft der Geschichte erkannten, tiefe Emotionen hervorzurufen. All dies trug zu Gorbeys progressiven Museumsideen bei und half ihm, sich von einer der Vergangenheit verhafteten Bindung an Archäologie und statischen Formen der Repräsentation der Geschichte zu lösen.

Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa

Nach seiner Zeit im Waikato wurde er als Direktor des Museumsprojekts und Leiter der Ausstellungsplanung für das neue Museum of New Zealand Te Papa Tongarewa (Te Papa) nach Wellington berufen, wo er mit Cliff Whiting, Jock Phillips, Cheryl Sotheran und Nigel Cox zusammenarbeitete.[5] Diese Position hatte er 15 Jahre lang inne. Te Papa, „Our Place“ (‘unser Ort’) wurde zu einem Spiegelbild des Selbstverständnisses der Neuseeländer – einem Ausdruck pluriformer kollektiver Geschichte, Lebenserfahrungen und Visionen – ein Museum, das sich nach Gorbeys Vorstellung ständig weiterentwickeln und nicht statisch und unveränderlich sein soll. In einem Habermas’schen Sinne werden an diesem Gemeinschaftsort und Reservoir kultureller Schätze Gegenwarts- und Zukunftsidentitäten permanent neu ausgehandelt. Das Museum trug in wichtiger Funktion zum postmodernen 'Nationbuilding' (Formierung nationaler Identitäten) in Neuseeland bei. Das Nationalmuseum Te Papa erlangte durch seine transparenten Inszenierungen und Diskussionsangebote und interaktive Technologie schnell internationales Ansehen und wurde bereits im ersten Jahr mit über zwei Millionen Besuchern zum meist besuchten Museum Australasiens – und übertraf damit alle Erwartungen.[6]

Jüdisches Museum Berlin

1999 wurde Gorbey von W. Michael (‘Mike’) Blumenthal mit der Gestaltung der Ausstellungen für das Jüdische Museum Berlin beauftragt, wo er Projektleiter und stellvertretender Präsident wurde. Blumenthals jüdische Familie stammte aus Berlin und war vor den Nazis in die USA geflohen, wo er es bis zum Finanzminister brachte. Nach der Wende setzte sich Blumenthal als Ideengeber und Mäzen für eine demokratische Entwicklung der Berliner Kultur ein.

Im Austausch mit jüdischen Freunden entwickelte Gorbey den Plan, ein Berliner Museum zu schaffen, das sich nicht ausschließlich auf den Holocaust konzentriert, sondern jüdische Geschichte mithilfe von Geschichten und als „magisches Theater“, als nacherlebbare Inszenierungen, erzählt.[7] Zu diesem Zweck engagierte er seinen alten neuseeländischen Freund und Mitarbeiter von Te Papa, den Schriftsteller Nigel Cox, als Mitgestalter.[8]

Dabei handelte es sich um eine Verlagerung des interpretativen Fokus der deutsch-jüdischen Geschichte hin zu gesellschaftlichen Beziehungen zwischen verschiedenen Kulturen und Religionen – das heißt, jüdische Kultur und Judentum als Teil einer multikulturellen deutschen und europäischen Gesellschaft zu begreifen.[9]

Kulturberatung

Nach seiner Berliner Zeit arbeitete Gorbey als internationaler Kultur-, Bibliotheks- und Tourismusberater und auch weiterhin an Museumskonzepten. Gorbey ist ein Mitglieder der New Zealand Society of Authors (PEN).[10]

Auszeichnungen

Werke (Auswahl)

  • Designdefinitionen. Architecture New Zealand. Sonderausgabe: 20–21. Februar 1998
  • Te Papa to Berlin. The making of two museums. Otago University Press, 2020. ISBN 978-1-98859237-4
Commons: Ken Gorbey – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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