Kerckerinck
Adelsgeschlecht
From Wikipedia, the free encyclopedia
Kerckerinck ist der Name eines alten münsterländischen Adelsgeschlechts.
Es besteht aus zwei Linien:
- von Kerckerinck zur Borg, mit dem Stammsitz Haus Borg in Rinkerode und
- von Kerckerinck zu Stapel, mit dem Stammsitz Haus Stapel bei Havixbeck.
Der vermutlich gemeinsame Ursprung der beiden Linien konnte bisher nicht geklärt werden; beide gehörten zu den traditionellen münsterschen Erbmännern.
Wegen des namensähnlichen und ebenfalls aus Westfalen stammenden, wohl aber nicht stammesverwandten münsteraner Erbmännergeschlechts und lübischen Patriziergeschlechts, das sich in Westfalen auch nach ihrem Gut Tilbeck bei Havixbeck benannte, siehe unter Kerkring.
Die Kerckerinck insgesamt stellten ab 1239 von allen Erbmännerfamilien die meisten, nämlich vierundzwanzig, Ratsherren von Münster, davon erreichten zehn das Amt des Bürgermeisters. Johannes Kerckerick z. B. hat eines der beiden Bürgermeisterämter 1371 übernommen und – trotz starker Kritik aufgrund des zweiten Ausbruchs der Pest 1382 – ununterbrochen bis 1387 ausgeübt.[1] Als städtische Patrizier besaßen sie in Münster um 1350 einen Erbmannshof am Alten Steinweg, bis 1730 zwei Häuser östlich der Bolandsgasse, ab 1486 einen Erbmannshof und vor 1408 bzw. 1425 zwei Häuser an der Salzstraße.[2]
An Landgütern besassen sie – außer den für die Familienzweige namensgebenden Gütern – zeitweilig auch Haus Getter in Amelsbüren, Gut Uhlenbrock bei Nienberge und Haus Brock bei Roxel.
von Kerckerinck zur Borg

Vermutlich dem Münster-Meinhoevel’schen Sippenverband zugehörig – was edelfreie Herkunft bedeuten würde – tritt das Geschlecht unter dem münsterschen Erbmännertum mit Hermanus Kericherinc am 26. Mai 1264 urkundlich zuerst auf.[3] Dominus Albertus Kerchering erscheint 1292 bis 1295 als Domherr zu Münster und Gottfried Kercherinc um 1380 (liber feudorum des Bischofs Florenz von Muenster) als Burgmann zu Horstmar. Sie erwerben die Immunität Bispinghoff binnen Muenster mit hoher Gerichtsbarkeit 1420.[4] Margaretha von Kerckerinck auf dem Bispinghof heiratete Johann V. Droste zu Hülshoff (1421–1462).[5]
Der reichs- und erbländisch-österreichische Freiherrenstand wird in Wien am 25. Juni 1710 Jobst Stephan von Kerckerinck zur Borg, auf Borg, Alvinghoff usw., Kurfürstlich Kölnischer Geheimer Rat, Kriegsrat und Oberhofmarschall des Kurfürsten Clemens August aus dem Hause Wittelsbach, verliehen. Durch Preußen wird der Freiherrenstand lt. Min.-Reskr. vom 20. Januar 1835 für Maximilian Klemens Freiherrn von Kerckerinck zur Borg, königlich preußischer Regierungsrat in Trier, anerkannt.
Die Familie geriet unter dem Nachfolger Jobst Stephans, Kaspar Nikolaus, in eine schwere Schuldenkrise und schließlich, 1749, in Konkurs. Erst 1782, unter dem Sohn Caspar Nikolaus’, Clemens August, konnte das Konkursverfahren beendet werden.[6]
Die freiherrliche Familie besteht fort und hat Mitglieder in Deutschland und im Ausland aufzuweisen. 1978 wurde der Besitz Haus Borg, der sich seit 1466 im Familienbesitz befand, an den Industriellen Dreier aus Dortmund verkauft. Die Familie ist heute – neben den Bischopinck und den Droste zu Hülshoff – eines von nur drei noch blühenden Erbmännergeschlechtern.
Wappen
Kerckerinck zur Borg: In Blau ein silberner schräg-rechts Balken, mit drei gold-besamten roten Rosen belegt. Auf dem Helm mit blau-silbernen Decken ein kleiner Schild mit dem Schildbild zwischen einem silbernen und einem blauen Büffelhorn.
von Kerckerinck zu Stapel


Die freiherrliche Familie ist 1880 ausgestorben. Der Stamm wird von Bürgerlichen als Sprickmann Kerkerinck weitergeführt, auch Kerkering ist als Familienname noch bekannt. Ältester bekannter Vorfahr ist Godike von Kerckerinck, der Haus Stapel 1467 erwarb und 1481 starb. Sohn Bernhard (* 1462; † 1538), verheiratet mit Margaretha, einer Tochter von Johann IV. Droste zu Hülshoff,[7] und Enkel Mathias (* 1515; † 1591) vermehrten den Besitz um Haus Giesking. Mathias’ älterer Sohn Bernhard (* 1552) erbte Stapel, sein Bruder Bertold (* 1554; † 1625) Giesking. Es teilte sich die Linien vorübergehend. Ihr Besitz Haus Stapel mit seiner bedeutenden Schlossanlage ist von allen ehemals erbmännischen Besitzungen das größte und am besten erhaltene Gut.
Wappen
Kerckerinck zu Stapel: In Grün ein silberner schräg-rechts Balken, mit drei gold-besamten roten Rosen belegt. Auf dem Helm mit grün-silbernen Decken ein offener Adlerflug, belegt mit dem Schildbild.
Der Stapelsche Zweig
Bernhards Sohn Mathias (* um 1598; † 1661) blieb unverheiratet, hatte aber fünf Söhne. Als uneheliche Söhne mussten sie bürgerliche Berufe ergreifen. Ein Enkel von Matthias, Franz Bernhard Kerckerinck (* um 1670), wurde Stiftssekretär zu Nottuln. Sein Sohn Franz Hermann (* 1700; † 1769) war Sekretär des Domkapitels zu Münster und Gograf zu Bakenfeld; dessen Tochter Marianne Kerckerinck (* 1743; † 1791) ehelichte Dr. jur. Anton Matthias Sprickmann, einen westfälischen Dichter und Rechtsprofessor.
Deren Sohn Christoph Bernhard Sprickmann Kerkerinck (* 1776; † 1852), ebenfalls Juraprofessor in Münster, war der Spitzenahn der heute noch existierenden Familien Sprickmann Kerkerinck. Westfälischem Brauch entsprechend durfte er wegen des Landbesitzes seiner Mutter – sie war die Letzte ihres Stamms – deren Namen an den seinen anfügen. Sein Enkel Rudolph Sprickmann Kerkerinck (* 1848; † 1905) war Bürgermeister von Rheine. Das c in der Namensmitte von Kerckerinck war inzwischen verlorengegangen.
Der Gieskingsche Zweig
Bertolds Sohn Bernhard (* 1596) hatte einen Sohn Matthias (* 1628; † 1684), Amtmann von Kastellaun, der von seinem unverheirateten Onkel Mathias (s. o.) nach dessen Tod Haus Stapel zurückerhielt.
Sein Sohn Johann Ludwig von Kerckerinck zu Stapel (* 1671; † 1750) war der eifrigste Verfechter des münsterschen Erbmännerstreits, der über mehrere Jahrhunderte dauerte und somit als wohl längster Rechtsstreit Deutschlands in die Geschichte einging. Er wurde erst 1709 durch Urteil Kaiser Josephs I. in Wien zugunsten der Erbmänner entschieden. Die Erbmännerfamilien Kerckerinck waren von Anfang an Mitführer der Prozessgemeinschaft. Bertold Kerckerinck (zu Giesking) und Johann Kerckerinck (zur Borg) vertraten 1597 mit elf anderen Familien (darunter Schenckinck sowie Droste zu Hülshoff) den Prozess erfolgreich gegen Ritterschaft und Stift, nachdem die römische Rota 1573 zwar erneut zu ihren Gunsten entschieden hatte, die Gegenseite aber nicht nachgeben wollte und Revision verlangte. 1607 mussten die Erbmänner ihrerseits erneut klagen und auch der Dreißigjährige Krieg (1618–1648) brachte den Streit nicht zum Erliegen. 1681 ging es wieder zur Sache und am 30. Oktober 1685 entschied das Reichskammergericht zu Speyer nach 88 Jahren allein vor dieser Instanz erneut zugunsten der Erbmänner. Jedoch gingen ihre Gegner dagegen in Revision. Um die dennoch mögliche vorläufige Vollstreckung des Urteils zu erreichen, verpfändeten zur Sicherheitsleistung 1686 zwölf Erbmänner alle ihre Güter für den Fall des Unterliegens. Die Revision des „Kurfürstlichen Kollegiums“ wurde schließlich 1707/1708 auf dem Reichstag zu Regensburg behandelt, allerdings ohne Ergebnis, sodass Kaiser Joseph I. als höchstrichterliche Instanz am 19. Dezember 1709 in Wien die Sache vorgelegt bekam und am 10. Januar 1710 – unter Mitwirkung von Prinz Eugen – endgültig zugunsten der Erbmänner entschied und schon am 25. Juni 1710 Jobst Stephan von Kerckerinck zur Borg in den Stand des Reichsfreiherrn erhob.
Johann Ludwig von Kerckerinck zu Stapel besorgte beim kaiserlichen Hofe in Wien sowohl für sich als auch für seinen entfernten Verwandten auf Haus Borg den erblichen Titel als Reichsfreiherr; er ließ danach auf seinem Sitz Haus Stapel den prächtigen Torturm errichten. Sein Sohn war Franz Hermann Freiherr von Kerckerinck zu Stapel (* 1713; † 1778, Domherr), dessen Sohn Johann Franz (* 1739; † 1792, Domherr). Dessen Tochter Maria Theresia Freiin von Kerckerinck zu Stapel (* 1786; † 1870) heiratete im Jahr 1801 – erst fünfzehnjährig – Ernst Konstantin von Droste zu Hülshoff (* 1770; † 1841), den Bruder von Annettes Vater Clemens-August II. von Droste zu Hülshoff. Die Eheleute nannten sich nun von Droste-Kerckerinck zu Stapel und hatten 22 Kinder, von denen keines (legalen) Nachwuchs hatte. Annette berichtet in ihren Briefen gelegentlich von den ungeliebten Stapeler Cousinen, denen sie Unterricht erteilen musste. Die letzte Nachkommin der Kerckerincks, Ludovica Freiin von Droste-Kerckerinck zu Stapel, verstarb 1880, womit dieser adelige Kerckerinck-Zweig erlosch und Haus Stapel an die Familie Droste zu Hülshoff zurückfiel.[8]
Eine Tochter aus der 22-köpfigen Stapeler Kinderschar soll der Überlieferung nach um 1820 von einem Knecht aus Havixbeck geschwängert worden sein; das Kind – ein Sohn – wurde heimlich an eine Pflegefamilie in Nottuln abgegeben, und es gibt Hinweise, dass dessen Nachkommen heute in Lothringen leben – mit einem Familiennamen, der auf die Abkunft von Droste schließen lässt.
Bekannte Familienmitglieder
- Albert Kerckerinck, Domherr in Münster
- Johann von Kerckerinck zu Stapel (1627–1700), Domvikar in Münster
- Matthias von Kerckerinck zu Stapel (1628–1684), Amtsdroste in Bruchsal und Kurmainzer Rat
- Heinrich Hermann von Kerckerinck zu Stapel (1632–1684), Kanoniker und Dekan im Dom zu Fritzlar
- Bertold von Kerckerinck zu Stapel (1640–1709), markgräflicher Hofmeister und Kammerjunker sowie Domdekan
- Wilhelm Lambert von Kerckerinck zu Stapel (1645–1676), Hofkavalier in Baden-Baden und Hessen sowie Kanoniker in Aschaffenburg
- Johann Ludwig von Kerckerinck zu Stapel (1671–1750), Vertreter der Ritterschaft im Landtag des Hochstifts Münster und Mitstreiter im Erbmännerprozess
- Jobst Stephan von Kerckerinck zur Borg (1679–1735), Oberhofmarschall des Kölner Kurfürsten Clemens August
- Kaspar Nikolaus von Kerckerinck zur Borg (1713–1746), Domherr in Münster
- Clemens August von Kerckerinck zur Borg (1720–1755), Kurkölnischer Kämmerer und Domherr in Münster
- Maximilian von Kerckerinck zur Borg (1829–1905), preußischer Landrat
- Engelbert von Kerckerinck zur Borg (1872–1933), deutscher Rittergutsbesitzer, Politiker der Zentrumspartei sowie landwirtschaftlicher Interessenvertreter
Literatur
- Wilderich von Droste zu Hülshoff: 900 Jahre Droste zu Hülshoff. Verlag LPV Hortense von Gelmini, Horben 2018, ISBN 978-3-936509-16-8
- Wilderich von Droste zu Hülshoff: Annette v. Droste-Hülshoff im Spannungsfeld ihrer Familie. C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1997, ISBN 3-7980-0683-0
- Genealogisches Handbuch des Adels, Adelslexikon Band VI, Band 91 der Gesamtreihe, C. A. Starke Verlag, Limburg (Lahn) 1987, ISSN 0435-2408
- Rudolf Lückmann: Haus Giesking – Geschichte und Baudenkmale, Teil 1 in: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld 15. Jg. 1990. S. 81 ff.; Teil 2 in: Geschichtsblätter des Kreises Coesfeld. 16. Jg. 1991. S. 43 ff.
- Sven Solterbeck: Blaues Blut und rote Zahlen. Westfälischer Adel im Konkurs 1700–1815. Waxmann Verlag, Münster 2018, ISBN 978-3-8309-3869-9.
Quellen
- Familienarchiv Sprickmann Kerkerinck