Kindermuseum

Museum, das auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten ist From Wikipedia, the free encyclopedia

Ein Kindermuseum ist ein Museum, das auf die Bedürfnisse von Kindern zugeschnitten ist. Kindermuseen werden seit den 1990er Jahren in vielen Ländern vermehrt gegründet und unter museumspädagogischen Gesichtspunkten speziell auf die Zielgruppe der Kinder und Jugendlichen abgestimmt. Die meisten Kindermuseen widmen sich bestimmten Themen und bieten nochmals altersgruppendifferenzierte Führungen an. Dabei kommen Konzepte wie Learning by doing und Hands on, zu deutsch: Lernen durch Ausprobieren und Begreifen, zur Anwendung. Anders als in den meisten anderen Museen ist Anfassen nicht nur erlaubt, sondern ausdrücklich erwünscht. Ziel ist es, die Neugier und Kreativität der Kinder zu wecken, aber auch Interesse an Technik, Geschichte, Gesellschaft und vielem mehr. Zum Teil unterhalten auch konventionelle Museen eigene Abteilungen für Kinder. Im Gegensatz zum normalen Museum dienen Kindermuseen ausschließlich der Wissensvermittlung und nicht der Archivierung und Katalogisierung. „Kindermuseen für Erwachsene“ (und Kinder) sind die so genannten Science Center.

FRida&freD in Graz (Foto: 2006)
Children's Museum des National Folk Museum of Korea
The Above & Beyond Children's Museum in Sheboygan, Wisconsin

Geschichte

Zwischen 1899 und 1925 entstanden in den Vereinigten Staaten die ersten vier speziell für Kinder konzipierten Museen: das Brooklyn Children’s Museum (1899), das Boston Children’s Museum (1913), das Detroit Children’s Museum (1917) und das Children’s Museum of Indianapolis (1925). Diese Einrichtungen wurden zwar unabhängig voneinander gegründet, wiesen jedoch gemeinsame strukturelle und institutionelle Merkmale auf. Sie standen in engem Zusammenhang mit der progressiven Bildungsbewegung des frühen 20. Jahrhunderts und arbeiteten systematisch mit öffentlichen Schulen zusammen. In allen vier Fällen nahmen Frauen zentrale Leitungsfunktionen ein.[1]

Brooklyn Children's Museum

Brooklyn Children's Museum

Es wurde 1899 eröffnet, kurz nach der Eingliederung Brooklyns als Stadtbezirk von New York City. Träger war das Brooklyn Institute of Arts and Sciences, das sich zu dieser Zeit im Ausbau seines Hauptgebäudes am Eastern Parkway befand. Das Kindermuseum wurde im sogenannten Adams House im Bedford Park (heute Brower Park) in Crown Heights untergebracht. Der Eintritt war kostenfrei. Ziel war die Vermittlung naturwissenschaftlicher Grundlagen zur Unterstützung des Unterrichts an öffentlichen Schulen, insbesondere im Bereich der sogenannten „Nature Study“. Diese pädagogische Strömung legte Wert auf das Lernen anhand lokal verfügbarer Naturgegenstände. Die Sammlungen umfassten die Bereiche Zoologie, Botanik, Mineralogie, Geografie, US-amerikanische Geschichte und Kunst. 1902 trat Anna Billings Gallup als Mitarbeiterin in das Museum ein und wurde 1904 Kuratorin. Unter ihrer Leitung wurden die Sammlungen systematisch erweitert und didaktisch auf Kinder ausgerichtet. Gallup war eine der wenigen Frauen in einer leitenden Museumsposition zu dieser Zeit. 1907 nahm sie an der Jahrestagung der American Association of Museums teil.[1]

Boston Children's Museum

Das Museum wurde 1913 gegründet. Ausgangspunkt war eine Initiative des Science Teachers' Bureau von Boston, das seit 1909 naturkundliche Objekte für den Schulunterricht sammelte. Das Museum befand sich zunächst im Gebäude Pine Bank im Stadtteil Jamaica Plain. Zur ersten Kuratorin wurde Delia I. Griffin berufen, die zuvor das Fairbanks Museum in Vermont geleitet hatte. Die Sammlungen umfassten ethnografische, naturhistorische und historische Objekte. Das Museum verstand sich als Ergänzung zum Schulunterricht und stellte Lehrkräften entsprechende Materialien zur Verfügung.[1]

Detroit Children's Museum

Das Detroit Children's Museum entstand 1917 als Abteilung des Detroit Museum of Art (ab 1927 Detroit Institute of Arts). Kuratorin wurde Gertrude A. Gillmore, eine Lehrerin an der Martindale Normal School. Die Aufgabe des Museums bestand darin, Unterrichtsmaterialien an Schulen zu verleihen und kindgerechte Ausstellungen zu organisieren. Die Sammlungen wurden in direkter Reaktion auf Anfragen von Lehrkräften aufgebaut. Im Jahr 1925 wurde das Museum dem Schulamt von Detroit unterstellt und bezog seinen Sitz in der ehemaligen Farr Residence in der Putnam Street.[1]

The Children's Museum of Indianapolis

The Children's Museum of Indianapolis

Das Museum in Indianapolis wurde 1925 gegründet. Die Initiative dazu ging von Mitgliedern der Indianapolis Progressive Educational Association aus, die einen besseren Zugang von Schulkindern zu Museumssammlungen anstrebten. Eine zentrale Rolle spielte Mary Stewart Carey, die sich nach dem Besuch des Brooklyn Children's Museums für die Gründung einer vergleichbaren Einrichtung in Indianapolis einsetzte. Da es an finanziellen Mitteln für Ankäufe mangelte, wurde die Bevölkerung zur Spende geeigneter Objekte aufgerufen. Die erste Unterkunft war ein Kutschenhaus nahe dem Propylaeum. Später zog das Museum in Careys ehemaliges Wohnhaus an der North Meridian Street um. Erster Kurator wurde 1925 E. Y. Guernsey. Die Sammlungen umfassten unter anderem die Bereiche Geologie, Naturkunde und Regionalgeschichte.[1]

Gemeinsame Merkmale

Alle vier Museen:

  • entstanden zwischen 1899 und 1925,
  • waren eng mit öffentlichen Schulen verbunden,
  • orientierten sich an der progressiven Bildungsbewegung,
  • wurden maßgeblich von Frauen geleitet.
  • nutzten häufig ehemalige Wohngebäude als erste Standorte.

Sie entwickelten Sammlungen mit explizitem Bildungsauftrag für Kinder. Diese Einrichtungen gelten als die ersten dauerhaft etablierten Kindermuseen in den Vereinigten Staaten. Sie bildeten die Grundlage für die spätere Entwicklung des Kindermuseumswesens.[1]

Ähnliche Projekte und Beispiele

1980 wurde in Nürnberg das erste mobile Kindermuseum Deutschlands gegründet: Das Museum im Koffer, das seit 2001 zusätzlich als festes Haus das Kinder- und Jugendmuseum Nürnberg betreibt.

An Universitäten und Fachhochschulen wurde das Modell der Kinderuniversität entwickelt, um Kindern die Wissenschaft einfach und verständlich zu vermitteln.

Zum Landesmuseum Württemberg (Stuttgart) gehört das Junge Schloss. Das Kindermuseum in Stuttgart, das sich seit Oktober 2009 in den ehemaligen Verwaltungsräumen im dritten Stock im Aufbau befindet. Es soll zu einem kultureller Erlebnisort für vier- bis zehnjährige Kinder und ihre Familien werden. Auf rund 300 m² entsteht eine Ausstellungsfläche, die durch Workshopräume und eine Küche ergänzt wird und einen Streifzug durch die Landesgeschichte von Baden-Württemberg bietet. Im Mittelpunkt der Startausstellung Geheimnisvolle Wunderkammer. Schatzsuche im Jungen Schloss steht eine herzogliche Wunderkammer aus der Renaissance. Hands-on Elemente, originale Objekte und weitere interaktive Vermittlungsebenen fordern zum Mitmachen und Ausprobieren auf. Die spielerische Umsetzung von Geschichte und Kultur lässt Vergangenes lebendig werden und weckt so Spaß am Museumsbesuch.

Zum Kindermuseum gehört der Kinderbeirat, eine Gruppe von Kindern ab acht Jahren, der alle zwei Monate seine Vorstellungen von einem Museum für Kinder einbringt. Gemeinsam mit dem Kinderbeirat werden wichtige Themen besprochen, die Ergebnisse werden bei der Planung des Kindermuseums berücksichtigt.

Im Schloss Schönbrunn entstand 2002 das Kindermuseum Schönbrunn unter dem Namen "Schloss Schönbrunn erleben". Ziel dieser Einrichtung ist es, Kindern die Bedeutung des UNESCO-Weltkulturerbes, zu dem das Schloss Schönbrunn seit 1996 zählt, auf eine spielerische und vereinfachte Art und Weise zu veranschaulichen. Mittels eines umfangreichen Angebots in Form von speziellen Führungen, Workshops und anderen Aktivitäten, werden Kinder in Schönbrunn mit dem Alltagsleben eines barocken Kaiserhofs des 18. Jahrhunderts und dem Leben von Kaiserin Maria Theresia vertraut gemacht.

In Bern stiftete der Orthopäde und Implantat-Entwickler Maurice Edmond Müller das Kindermuseum Creaviva als Teil des monografischen Museums Zentrum Paul Klee. Zweck des Museums ist es, Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen auf dem Weg der praktischen Kunstvermittlung einen Zugang zu Kunst und Kultur zu ermöglichen. Im Zentrum der Tätigkeiten und Angebote des 2005 eröffneten Kindermuseums Creaviva steht daher nicht die Sammlung oder Ausstellung von Kunst, sondern die Vermittlung in Workshops, Ateliers und interaktiven Führungen. Dabei bezieht sich das Creaviva in der Gestaltung seiner Angebote auf die Werke, Techniken und Ideen Paul Klees und weiterer ausgestellter Künstlerinnen und Künstler im Zentrum Paul Klee.

Siehe auch

Literatur

  • Gabriele König: Kinder- und Jugendmuseen – Genese und Entwicklung einer Museumsgattung. Impulse für besucherorientierte Museumskonzepte. (= Berliner Schriften zur Museumskunde, Band 16). Leske und Budrich, Opladen 2002, ISBN 978-3-8100-3299-7.
  • Yvonne Leonard (Hg.) Kindermuseen - Strategien und Methoden eines neuen Museumstyps, transcript Verlag 2012, Bielefeld. ISBN 978-3-8376-2078-8

Einzelnachweise

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