Kirchenlaibach
Pfarrdorf der Gemeinde Speichersdorf im Landkreis Bayreuth in Bayern
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Kirchenlaibach ist ein Gemeindeteil der Gemeinde Speichersdorf im Landkreis Bayreuth (Oberfranken, Bayern).[3] Die Gemarkung Kirchenlaibach hat eine Fläche von 3,729 km². Sie ist in 858 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Fläche von 4346,28 m² haben.[1][4]
Kirchenlaibach Gemeinde Speichersdorf | |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 53′ N, 11° 46′ O |
| Höhe: | 464 m ü. NHN |
| Fläche: | 3,73 km²[1] |
| Einwohner: | 842 (25. Mai 1987)[2] |
| Bevölkerungsdichte: | 226 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1972 |
| Postleitzahl: | 95469 |
| Vorwahl: | 09275 |
St. Ägidius | |
Lage
Das Pfarrdorf Kirchenlaibach bildet mit Speichersdorf im Osten eine geschlossene Siedlung. Die Staatsstraße 2184 führt zu einer Anschlussstelle der Bundesstraße 22 (0,6 km nördlich), die den Ort nördlich tangiert, bzw. die Bahnstrecke Weiden–Bayreuth überbrückend nach Windischenlaibach (1,6 km südwestlich). Gemeindeverbindungsstraßen führen die B 22 überbrückend nach Zeulenreuth (0,6 km nördlich) und die Bahnstrecke Weiden–Bayreuth unterquerend zu einer Gemeindeverbindungsstraße bei der Hundsmühle (1,3 km südwestlich).[5]
Geschichte
Etymologie
Der Ort wurde früher „Lubin“, „Leuben“, „Leuba“ bzw. „Leiba“ genannt. Eine Ableitung vom slawischen loviba, looba, loiba (=Fang, Jagd, daher Luban oder Loijbany: die Leute im Jagdwald) ist wahrscheinlich und damit ein Hinweis auf wendische Siedler aus Böhmen, die vielleicht schon um 600 nach Chr. vom wildreichen Waldgebiet der Gegend angelockt waren. Andere Wissenschaftler führen den Ortsnamen zurück auf Bach (althochdeutsch bah) und verbinden damit laiba, loiba (slawisch Wald, Laub); somit Waldbach. Oder sie verbinden loiba (Wald) mit dem altdeutschen aha (lateinisch aqua für Wasser) und kommen auf Waldwasser oder Waldbach. Die Beziehung zum Kirlohbach und zum Leimbach liegt nahe. Ein neuer Erklärungsversuch geht von slaw. *Ľubin- 'Siedlung des Ľubъ/Ľuba' aus.[6] In der Nähe sind auch andere Orte slawischen Ursprungs: Selbitz: grün (Grünstreifen im Wald); Nairitz früher „Nagritz“, „Nagoritz“ von gora (Berg, Höhe, Hügel); Kulm (Berg); Lübnitz (bei Gefrees) von lipa (Linde), also bei der Linde. „Kirchenleubach“ und „Windischenleubach“ (windisch Ort der Wenden) werden urkundlich erst im 15. Jahrhundert unterschieden.[7]
Ortsgeschichte
Der Ort wurde im Jahr 1223 als „Lubin“ erstmals urkundlich erwähnt, als Berengar von Guntzendorf dem Prämonstratenserkloster Speinshart ein Gut im Ort schenkte.[8]
Das Kloster Speinshart hatte hier immer mehr Untertanen – eine Urkunde von 1538 zählt 29 Untertanen auf –, die alljährlich an das Kloster den großen und kleinen Zehnten zu leisten hatten. Um 1450 gründete das Kloster eine eigene Pfarrei in Kirchenlaibach. In den Hussitenkriegen bat Abt Jorg von Speinshart bei den Markgrafen Friedrich und Sigmund zu Brandenburg, Stettin und Pommern und Burggrafen zu Nürnberg für sich und seinen konvent – das Kloster war schon 1428 geplündert – und alle Untertanen mit „dem Dorf Kirchenleiben“, Wallenbrunn, Oberschwarzach, Pirk, Göppmannsbühl, „Windischenleiben“, Ramlesreut u. a. um Schutz vor den Feinden. Der Abt erhielt 1434, 1441 und 1486 einen Schutzbrief und verpflichtete sich für das Markgrafengeschlecht Jahresgedächtnisgottesdienste zu halten und zur Plassenburg „jährlich zehen Sümer Habern Culmbacher Maß“ zu bringen.
Kirchenlaibach lag wie das Kloster Speinshart innerhalb des Fraischbezirkes des bayreuthischen Oberamts Neustadt am Kulm.[9]
Infolge des Gemeindeedikts wurde 1808 Kirchenlaibach dem Steuerdistrikt Speichersdorf zugewiesen.[10] Wenig später entstand die Ruralgemeinde Kirchenlaibach.[9] Sie unterstand in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Kemnath und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Kemnath. Am 1. Oktober 1857 wurde die Gemeinde an das Landgericht Weidenberg und dem Rentamt Bayreuth (1919 in Finanzamt Bayreuth umbenannt) überwiesen.[11] Ab 1862 gehörte Kirchenlaibach zum Bezirksamt Bayreuth (1939 in Landkreis Bayreuth umbenannt). Die Gerichtsbarkeit blieb beim Landgericht Weidenberg (1879 in Amtsgericht Weidenberg umgewandelt), seit 1931 ist das Amtsgericht Bayreuth zuständig.[12]
Am 28. August 1859 brach um 22 Uhr in der Scheune des Michael Reiß Feuer aus, das 31 Häuser, 28 Scheunen und 35 Nebengebäude erfasste. Auch die Kirche fiel ihm zum Opfer. Der Pfarrhof brannte auf der Nordseite aus. Der Brandstifter hatte sich in die Flammen gestürzt und „wurde beim Aufräumen als halb verbranntes Gerippe gefunden“. Der Aufbau für die Ortschaft gestaltete sich als schwierig.
Der Erste Weltkrieg forderte 30, der zweite 45 junge Menschenleben. Ihnen setzte die Ortsgemeinde 1924 und 1957 ein Denkmal am Kirchplatz. Mit dem Zuzug der Neubürger, die annähernd die Hälfte der Bevölkerung ausmachten, begann ein neuer hoffnungsvoller Abschnitt. Siedlungshäuser, Wohnblöcke, Wasserleitung, Kanalisation, Straßen mit Asphaltdecke wurden gebaut. Die Landwirte bereinigten ihre Fluren bereinigt. Industrielle Unternehmen veränderten das Gebiet.[13]
Die Gemeinde hatte 1964 eine Gebietsfläche von 3,705 km².[14] Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurde die Kirchenlaibach am 1. Juli 1972 nach Speichersdorf eingemeindet[15][16] und mit der Siedlung Kirchenlaibach am Bahnhof vereinigt.
Baudenkmäler
In Kirchenlaibach gibt es sechs Baudenkmäler:[17]
- Bahnhofstraße 8: Empfangsgebäude des Bahnhofs
- Bayreuther Straße 1: Villa
- Bayreuther Straße 27: Katholische Pfarrkirche Heilige Dreifaltigkeit
- Bayreuther Straße 45, 47: Wohnhaus
- Friedhofstraße 3: Katholische Pfarrkirche St. Ägidius
- Kriegerdenkmal
Bodendenkmäler
In der Gemarkung Kirchenlaibach gibt es ein Bodendenkmal.[17]
Einwohnerentwicklung
Kirchenlaibach Pfarrdorf
| Jahr | 1824 | 1840 | 1852 | 1855 | 1861 | 1867 | 1871 | 1875 | 1880 | 1885 | 1890 | 1895 | 1900 | 1905 | 1910 | 1919 | 1925 | 1933 | 1939 | 1946 | 1950 | 1952 | 1961 | 1970 | 1987 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 297 | 344 | 313 | 296 | 269 | 296 | 300 | 366 | 319 | 324 | 306 | 312 | 347 | 427 | 338 | 347 | 394 | 404 | 362 | 604 | 710 | 775 | 777 | 842 | 795 |
| Häuser[18] | 34 | 40 | 42 | 40 | 42 | 48 | 60 | 88 | 183 | ||||||||||||||||
| Quelle | [9] | [19] | [19] | [19] | [20] | [21] | [22] | [23] | [24] | [25] | [26] | [19] | [27] | [19] | [28] | [19] | [29] | [19] | [19] | [19] | [30] | [19] | [14] | [31] | [2] |
- Kirchlaibach Siedlung
Religion
Kirchenlaibach ist römisch-katholisch geprägt und Sitz einer Pfarrei.[14]
Schule
Die Schule stand um das Jahr 1800 nah an der Südseite der Kirche und war sehr klein. An der Nordseite hatte Leonhard Kraft seine Schmiedewerkstätte und Wohnhaus. Daneben stand an der Kirche die „Kellerruine des Johann Hamann“. Als am 15. Mai 1806 die Winterschule in Kodlitz aufgehoben wurde und die katholischen Kinder von Kodlitz und vom 20. Juni 1807 an auch die katholischen Kinder von Zeulenreuth, Nairitz, Windischenlaibach und Speichersdorf der katholischen Schule Kirchenlaibach zugewiesen wurden, reichten die Gebäude nicht mehr aus. Mit der Pfarrei bauten die Schulverbandsgemeinden im Jahr 1821 gegenüber dem Pfarrhof eine neue Schule. Ähnlich entstand 1903 das heutige Schulhaus. Das erste Schulhaus kaufte 1825 der Nachbar Georg Reiß. Er durfte nach dem Brand von 1859 ebenso wie Kraft und Hamann an und neben der Kirche bauen.
Verkehr
1861 wurde das Bahngleis Bayreuth-Weiden gelegt. Der Bahnhof war beim Friedhof Kirchenlaibach geplant, doch konnte der Platz nicht erworben werden. Das ursprüngliche Bahnhofsgebäude glich dem von Seybothenreuth und musste dem größeren heutigen weichen, als Kirchenlaibach durch den Bahnbau Nürnberg-Eger in Jahren 1875 bis 1878 Bahnknotenpunkt wurde. Wegen dieser Verkehrsvorzüge wurde im letzten Krieg auch ein Flugplatz errichtet.
In Speichersdorf befindet sich der Bahnhof Kirchenlaibach, der Kreuzungsbahnhof der Hauptbahnstrecken Weiden–Bayreuth und Nürnberg–Cheb.
Vereine
Die Freiwillige Feuerwehr Kirchenlaibachs verfügt über Atemschutz und arbeitet im Einsatzfall eng mit der FF Speichersdorf zusammen.
Persönlichkeiten
- Michael Höser (* 12. November 1577 in Kirchenlaibach; † 7. August 1634 in seiner Abtei), Benediktiner und Abt im Kloster Oberalteich, dessen Klosterkirche er baute.
- Kaspar von Ruppert (1827–1895), Reichstags- und Landtagsabgeordneter (Zentrum) aus Kirchenlaibach: Als Abgeordneter vertrat er den Wahlkreis Oberbayern 1 (München I) von 1878 bis 1884 im Reichstag.[38]
Literatur
- Johann Kaspar Bundschuh: Kirchen-Leubach. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 106 (Digitalisat).
- Johann Kaspar Bundschuh: Leiba. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 315 (Digitalisat).
- Dietmar Herrmann, Helmut Süssmann: Fichtelgebirge, Bayerisches Vogtland, Steinwald, Bayreuther Land. Lexikon. Ackermannverlag, Hof (Saale) 2000, ISBN 3-929364-18-2, Sp. 328–331.
- Ernst Eichler u. a.: Beiträge zur slavisch-deutschen Sprachkontaktforschung; Bd. 2: Siedlungsnamen im oberfränkischen Stadt- und Landkreis Bayreuth, Heidelberg 2006 (Slavica. Monographien, Hand-, Lehr- und Wörterbücher, Bd. 4).
- Georg Paul Hönn: Kirchen-Leubach. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 265–266 (Digitalisat).
- Heribert Sturm: Kemnath: Landrichteramt Waldeck-Kemnath mit Unteramt Pressath (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Altbayern. I, 40). Michael Laßleben, Kallmünz 1975, ISBN 3-7696-9902-5 (Digitalisat).
- Richard Winkler: Bayreuth – Stadt und Altlandkreis (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 30). Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 1999, ISBN 3-7696-9696-4.
Weblinks
- Kirchenlaibach in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 6. März 2025.
- Kirchenlaibach in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 6. März 2025.
- Kirchenlaibach im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 6. März 2025.