Klapperralle
Art der Gattung Rallus
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Die Klapperralle (Rallus crepitans) ist eine mittelgroße, bodenlebende Vogelart aus der Familie der Rallen. Sie bevorzugt Lebensräume in der Nähe von Meeresküsten und ist vor allem in Salz- und Brackwassermarschen der Tropen und Subtropen zu finden. Selten kommt sie in Süßwassermarschen vor. Ihr Verbreitungsgebiet erstreckt sich entlang der gesamten Ostküste der Vereinigten Staaten, der Ostküste von Mexiko, dem nordöstlichen Teil von Mittelamerika mit der Halbinsel Yucatán und auf den Inseln der Karibik.[1][2][3][4][5][6]
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Klapperralle (Rallus crepitans) auf der Insel South Ambergris Caye in Belize | ||||||||||
| Systematik | ||||||||||
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| Wissenschaftlicher Name | ||||||||||
| Rallus crepitans | ||||||||||
| Gmelin, 1789 |



Merkmale
Die Klapperralle erreicht eine Gesamtlänge von circa 31 bis 42 cm[4][5][6] und ein Gewicht in einer Bandbreite von 200 bis 400 g. Das Männchen ist mit durchschnittlich 320 g etwas schwerer wie das Weibchen mit 270 g.[2][5][6] Allgemein ist sie eine unscheinbare Ralle, deren Gefiederfärbung jedoch je nach Standort variiert. Individuen der Klapperrallen an der Atlantikküste sind insgesamt matt graubraun mit einem weniger kontrastreichen Muster gefärbt. An den Flanken sind sie schwach grau-weiß gebändert und haben einen hellorangefarbenen,[3][6] länglichen und leicht nach unten gebogenen Schnabel.[5] Die Population an der Golfküste besitzt ein auffälligeres Gefieder mit einem orangefarbenen Hals, einer helleren Bänderung an den Flanken und mit weniger kontrastreichen dunklen Streifen auf dem Rücken.[3]
Verwechselungen sind mit der Königsralle (Rallus elegans) möglich. Manchmal hybridisiert die Klapperralle mit der Königsralle in Gebieten, in denen Süß- und Salzwasser aufeinandertreffen und beide Arten nebeneinander vorkommen. Eine genaue Artbestimmung ist dann schwierig.[3]
Verbreitung
Das Verbreitungsgebiet der Klapperralle erstreckt im Norden von der Küste in Maine über die gesamte Ostküste der Vereinigten Staaten und Florida. Weiter wird die gesamte Küste des Golf von Mexiko mit der Halbinsel Yucatán bis zur südlichen Verbreitungsgrenze in der Küstenregion von Belize besiedelt. Im westlichen Bereich werden weitgehend alle Inseln der Karibik bis zur westlichsten Verbreitungsgrenze in Barbados besiedelt. Vorkommen wurden für Anguilla, Antigua und Barbuda, Bahamas, Barbados, Belize, Kaimaninseln, Kuba, Dominica, Dominikanische Republik, Guadeloupe, Haiti, Martinique, Mexiko, Montserrat, Panama, Puerto Rico, St. Kitts und Nevis, St. Lucia, St. Vincent und die Grenadinen, Turks- und Caicosinseln, Britische Jungferninseln, Amerikanische Jungferninseln und den Vereinigten Staaten aufgezeichnet. Das Vorkommen auf den Bermudainseln wurde als Raststation auf dem Zug in die Brutgebiete bestätigt.[1] In Puerto Rico ist sie eine häufig vorkommende und auf den Jungferninseln eine lokal vorkommende Vogelart.[5] Für Haiti wurden Vorkommen entlang des größten Teils der Nordküste von Caracol und bis mindestens nach Sabana de la Mar in der Dominikanischen Republik gemeldet. Es bestehen ebenso in der Küstenprovinz La Altagracia nahe Bávaro im Osten und am Lago Enriquillo im Westen der Dominikanischen Republik Vorkommen der Klapperralle. Weiter wurden Funde in der Bucht von Port-au-Prince, den Marschgebieten der Artibonite-Mündung bis zum nördlich gelegenen Hafen von Gonaïves in Haiti aufgezeichnet. Klapperrallen kommen auch auf den vorgelagerten Inseln Cayemites, Île à Vache und Île de la Gonâve in Haiti vor.[6]
Lebensraum
Besiedelt werden von der Klapperralle bevorzugt Habitate wie Salzwiesen und Mangrovenwälder.[1][5] Zur Brutzeit werden zusätzlich Marschgebiete im Inland besiedelt.[1][2][3][4] Sie kommt nicht in Binnensümpfen mit Süßwasservorkommen vor. Hier wurde sie durch die Königsralle ersetzt.[3] Für die Brut werden auch Meeresküsten und Dünengebiete mit dicht bewachsener Vegetation und angrenzten Wattflächen angenommen.[2] Im natürlichen Lebensraum erreicht die Klapperralle ein durchschnittliches Lebensalter von zwei,[2] nach anderen Angaben von circa fünf Jahren.[1] Für einzelne Individuen wurde ein Alter von sieben bis acht Jahren beobachtet.[2]
Lebensweise
Der Klapperralle ist eine tagaktive[2], nach anderen Informationen einen dämmerungsaktive Vogelart.[4] Normalerweise ist sie ein scheuer Vogel, der zwischen den Stängeln der Mangroven schwer zu entdecken ist.[5] Sie kann jedoch regelmäßig dabei beobachtet, wie sie am Rand von Wasserflächen nach Nahrung sucht.[3] Ihre Nahrung besteht aus pflanzlichen und tierischen Bestandteilen. Es werden Mollusken, Egel, Krebstiere, Wasserinsekten, Grashüpfer, Spinnen, kleine Fische, Kaulquappen, Frösche und Mäuse erbeutet. Zur pflanzlichen Nahrung gehören Samen, Beeren, grüne Pflanzenteile und Wurzelknollen.[2][6] Zur Nahrungsaufnahme stochern Klapperrallen bei Ebbe mit ihren langen Schnäbeln im schlammigen Grund nach Nahrung und manchmal tauchen sie kurz ab um die Nahrung zu erbeuten.[2]
Fortpflanzung
Klapperrallen erreichen ihre Geschlechtsreife nach einem Lebensjahr. Das Nest ist napf- oder muldenförmig und wird oberhalb des Wasserstandes bei Hochwasser auf dem Boden, meist auf Mangrovenwurzeln, angelegt. Als Nistmaterial für die in dichter Vegetation verborgenen Nester werden Binsen, Riedgras und Material von Sumpfpflanzen verwendet.[2] Klapperrallen sind monogam und für die Brutzeit an einen Partner gebunden.[1][2] Das Gelege besteht aus zwei oder bis zu sechzehn Eiern und es wird meist eine Brut pro Jahr durchgeführt.[2] Die Eier haben cremeweiße Farbe mit einem Fleckenmuster. Die Brutzeit in Haiti und der Dominkanischen Republik findet von April bis Juli statt.[6] Ein zweites Gelege kann angelegt werden, wenn das Gelege zerstört oder die Eier von Prädatoren erbeutet wurden. Nach einer Brutzeit von 18 bis 29 Tagen schlüpfen die Küken. Als Nestflüchter verlassen sie das Nest unmittelbar nach dem Schlüpfen.[2]
Lautäußerungen
Der Ruf der Klapperralle besteht aus einer Reihe scharfer „kek-kek-kek-kek“-Laute oder aus lauten, kratzenden und grunzenden Tönen.[3][5] Nach anderen Informationen können eine Reihe von Tönen, die sich beschleunigen und dann verlangsamen, vorkommen.[4][5][6] Das Rufen einer Klapperralle löst oft einen Chor von anderen Klapperrallen aus.[6]
Gefährdung
Von der Weltnaturschutzunion IUCN wird die Klapperralle in der Roten Liste gefährdeter Arten geführt und mit dem Status als nicht gefährdet
(Least Concern) eingestuft. Diese Einstufung erfolgte aufgrund des sehr großen Verbreitungsgebietes. Die Gesamtpopulation konnte aufgrund der Aufteilung in drei eigenständige Vogelarten nicht bestimmt werden. Der Populationstrend wurde mit abnehmend veröffentlicht. Durch den Verlust und die Zerstörung ihres Lebensraums in den besiedelten, küstennahen Feuchtgebieten ist eine Abnahme der Gesamtpopulation anzunehmen. Weitere Gefährdungen für die Klapperralle sind die Sportjagd und das Sammeln von Exemplaren zur Herstellung von Tierpräparaten. Teilweise wird sie gefangen und lokal oder national als Nahrungsmittel verwendet. Besondere Schutzmaßnahmen wurden nicht durchgeführt. Die Klapperralle kommt in mehreren Schutzgebieten in ihrem großen Verbreitungsgebiet vor.[1]
Ein internationaler Handel mit dieser Vogelart wurde in keiner der überprüften Handelsdatenbanken ersichtlich.[1]
Literatur
- Norman Arlott, Ber van Perlo: Collins Birds of the World. 1. Auflage. William Collins, London 2021, ISBN 978-0-00-817399-9, S. 176 & 178.
- Raffaele, Herbert A.: Birds of Puerto Rico and the Virgin Islands (Princeton Field Guides, 153). 3. Auflage. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2021, ISBN 978-0-691-21167-1, S. 82 & 83.
- Eladio Fernandez, Allan Keith, Steven Latta, Kent McFarland, Herbert Raffaele, Christopher Rimmer & James Wiley: Birds of the Dominican Republic and Haiti (Princeton Field Guides). 1. Auflage. Princeton University Press, Princeton, New Jersey 2006, ISBN 0-691-11891-4, S. 66 & 189–190.
Weblinks
- Rallus crepitans Eintrag in der Global Biodiversity Information Facility, abgerufen am 1. Januar 2026
- Klapperralle (Rallus crepitans) bei Avibase
- Klapperralle (Rallus crepitans) auf eBird.org
- xeno-canto: Tonaufnahmen – Klapperralle (Rallus crepitans)
- Rallus crepitans in der Roten Liste gefährdeter Arten der IUCN 2025.2. Eingestellt von: BirdLife International, 2018. Abgerufen am 1. Januar 2026.