Klaus Bechstein

deutscher Toningenieur From Wikipedia, the free encyclopedia

Klaus Bechstein (* 17. Januar 1933 in Gera) ist ein deutscher Toningenieur, der von 1956 bis 1991 beim Rundfunk der DDR an der Produktion von über 180 Hörspielen im Funkhaus Nalepastraße mitwirkte und maßgeblich an der Einführung der Stereofonie und Kunstkopfstereofonie beteiligt war. Darüber hinaus hat er sich an der Seite von Gerhard Steinke für die hörfunkbezogene Einbindung und Fortentwicklung des Subharchords engagiert.

Leben

Klaus Bechsteins Heranwachsen ist vor allem durch die als Lehrerin und Malerin künstlerisch tätige Mutter Marie Bechstein geprägt. Früh bereits war der Vater, Studienrat für Deutsch und Geschichte, durch die Einberufung zur Wehrmacht abwesend; er ist im Zweiten Weltkrieg gefallen. Grund- und Oberschule absolvierte Klaus Bechstein in Gera, wo er 1951 im Zabel-Gymnasium sein Abitur ablegte, und entwickelte sein musikalisches und technisches Interesse in außerschulischen Kontakten zu den Bühnen der Stadt Gera, zum Betriebsfunkstudio des VEB Kondensatorenwerk sowie dem Radio DDR angeschlossenen Studio Gera in dessen damaligen provisorischen Räumen in der Dimitroff-Straße.

Klaus Bechstein machte eine Ausbildung zum Elektromechaniker im Kondensatorenwerk Gera, wo er nach seinem Facharbeiterabschluss 1954 in der Versuchswerkstatt für Forschung und Entwicklung eingesetzt wurde. Mangels einer sozialen Herkunft als Kind einer Arbeiter- und Bauernfamilie blieb ihm ein Hochschulstudium verwehrt.

Sein Fachschulstudium Elektrische Nachrichtengeräte von 1955 bis 1958 und Abschluss der Ingenieurschule für Elektrotechnik, Mittweida, die eine wichtige Ausbildungsstätte für DEFA, Fernsehen und Hörfunk darstellte, ermöglichte ihm Praktika beim Deutschen Fernsehfunk in Berlin-Adlershof sowie in der Abteilung Musik- und Hörspielproduktion im Funkhaus in der Berliner Nalepastraße. Als er dort eingestellt wurde, war die ursprünglich beim Staatlichen Komitee für Rundfunk angesiedelte Abteilung Produktionsdienst per 1. Juli 1956 dem Bereich Studiotechnik der Deutschen Post zugeordnet. In der DDR gehörte die Gerätetechnik von Hörfunk und Fernsehen zur Deutschen Post, daher waren die sie bedienenden Mitarbeiter Angehörige der Deutschen Post-Studiotechnik Hörfunk bzw. Fernsehen. 1966 begann Klaus Bechstein ein mit seinem Schichtdienst abgestimmtes Sonderstudium an der Hochschule für Musik „Hanns Eisler“ Berlin Fachrichtung Tonmeister mit dem Abschluss Musiktoningenieur, dessen erfolgreicher Abschluss 1970 einem Diplom gleichgestellt war.

Gemeinsam mit den Toningenieuren Hans-Jürgen Wollermann, Eva Lau und Jürgen Meinel war Klaus Bechstein Anfang der 1960er Jahre aktiv an der Einführung der Stereofonie in die Hörspielproduktion beteiligt und engagierte sich in den 1970er und 1980er Jahren zusammen mit dem Regisseuren Albrecht Surkau, Werner Grunow und Horst Liepach für aufwändige Produktionen in Kunstkopf-Technik. Ab 1978 bis 1989 war Klaus Bechstein als Sektorenleiter Wortproduktion tätig und mit der Vorbereitung digitalisierter Aufnahmetechnologien und digitaler Pilotproduktionen befasst.

1995 wurde Bechstein die Berechtigung zum Führen des Diplom-Ingenieur-Grades-Fachhochschule im Ergebnis einer mindest dreijährigen einschlägigen Berufstätigkeit nach Abschluss an der Ingenieurschule Mittweida durch das sächsische Staatsministerium für Wissenschaft und Kunst bestätigt.

Hörspiele als Toningenieur (Auswahl)

  • 1962: Manfred Bieler: Drei Rosen aus Papier; Regie: Werner Grunow
  • 1963: Ephraim Kishon: Der Blaumilchkanal, Regie: Helmut Hellstorff
  • 1964: Kurt Tucholsky: Schloss Gripsholm, Regie: Hans Knötzsch
  • 1964: Roger Richard: Kleine Suite des Wartens, Regie: Edgar Kaufmann (erstes Stereohörspiel der DDR, zusammen mit Wolfgang Hoeg)
  • 1966: Sidney Gordon, Ted Allan: Arzt auf der Kontinenten (3 Teile), Regie: Fritz-Ernst Fechner
  • 1968: Aristophanes/ Peter Hacks: Der Frieden, Regie: Wolf-Dieter Panse
  • 1969: Bertolt Brecht: Der Ozeanflug, Regie: Kurt Veth
  • 1969: Erasmus Schöfer: Mitten in deinem Herz; Athen, Musik: Mikis Theodorakis, Regie: Kurt Veth
  • 1969: Robert Louis Stevenson: Die Schatzinsel, Regie: Theodor Popp, LITERA-Langspielplatte
  • 1970: Prudencio de Pereda: Fiesta in Mozares, Regie: Fritz Göhler und Werner Grunow
  • 1971: Günter Kunert: Mit der Zeit ein Feuer, Regie: Wolfgang Schonendorf
  • 1973: William Shakespeare: Hamlet, Prinz von Dänemark, Regie: Fritz Göhler
  • 1974: Anna Seghers: Das wirkliche Blau, Regie: Regie: Wolf-Dieter Panse
  • 1976: Leszek Porok: Die schlanke Stimme, Regie: Albrecht Surkau (erstes Kunstkopf-Hörspiel der DDR, zusammen mit Jürgen Meinel)
  • 1978: Bertolt Brecht: Die Tage der Commune; Regie: Barbara Plensat und Joachim Staritz
  • 1989: Horst Liepach: Die Hörspiel-Nacht, Hörspiel-Technik-Nacht mit Wolfgang Lau, Jürgen Meinel u. a.

Zitat

„Geplant war, dass in die Nalepastraße ein elektronisches Studio kommt, und das sollte ich dann übernehmen. Dazu ist es dann aufgrund politischer Umstände nie gekommen, weil diese ganze Richtung, das weiß eigentlich jeder, - die war der Partei nicht so ganz genehm.“

Klaus Bechstein: Interview Mai 2006[1]

Literatur

  • Gerhard Steinke: Mit den Ohren sehen – mit den Augen hören. Ansprüche und Wege zum optimalen Hörerlebnis – Beiräge zur Hörkunst, Akustik und Audiotechnologie. Verlag Kopie & Druck Adlershof, Berlin 2009, ISBN 978-3-9811396-5-5
  • Gisela Herzog, Gerhard Steinke: Der Raum ist das Kleid der Musik. Musik-Aufnahmesäle und Hörspielstudios im Funkhaus Berlin-Nalepastrasse sowie weitere Aufführungs- und Hörräume. Raumakustische Eigenschaften. Aufnahmetechnologische Bedingungen. Verlag Kopie & Druck Adlershof, Berlin 2012, ISBN 978-3-9811396-8-6
  • Manfred Miersch: Subharchord. Die Geschichte des Klangerzeugers „SUBHARCHORD“. (4 Teile, veröffentlicht im Magazin Keyboards in den Heften 8 – 11, 2003)
  • Matthias Thalheim: Dramaturgisch inszenatorische Konsequenzen der Kunstkopf-Stereophonie in funkdramatischen Produktionen. 7. Aufl. Neoepubli Verlag, Berlin 2016, ISBN 978-3-7375-9781-4 (Diplomarbeit, Humboldt-Universität zu Berlin 1985, Sektion Kulturwissenschaften und Ästhetik, Bereich Theaterwissenschaft)

Einzelnachweise

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