Klaus Viertbauer
österreichischer Philosoph und Theologe
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Klaus Viertbauer (* 6. August 1985 in Salzburg) ist ein österreichischer Philosoph und römisch-katholischer Theologe. Seine Forschung betrifft Religionsphilosophie und Systematische Theologie. Gegenwärtig arbeitet er als Akademischer Rat an der Pädagogischen Hochschule Weingarten.[1]
Leben
Viertbauer studierte von 2006 bis 2011 Philosophie, Katholische Theologie und Religionspädagogik an der Universität Salzburg. 2015 wurde er dort im Fach Philosophie promoviert. 2021 folgte eine zweite Promotion im Fach Katholische Theologie an der Universität Wien. Die Habilitation erfolgte 2026 an der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt.[2]
Seit 2013 war Viertbauer als wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Universitäten tätig, darunter an der Katholischen Privat-Universität Linz, der Universität Innsbruck sowie der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt. 2025 wurde er zum Akademischen Rat auf Lebenszeit an der Pädagogischen Hochschule Weingarten ernannt.[2]
Forschung
Viertbauers Forschung betrifft Religionsphilosophie und Fundamentaltheologie. Charakteristisch für seine Arbeiten ist der Versuch, Ansätze der analytischen und der kontinentalen Philosophie miteinander zu verbinden und für gegenwärtige religionsphilosophische Fragestellungen fruchtbar zu machen.
In der Studie Gott am Grund des Bewusstseins? interpretiert Viertbauer die Selbstanalyse von Søren Kierkegaard als dialektische Weiterführung des von Friedrich Schleiermacher beschriebenen Gefühls schlechthinniger Abhängigkeit. Dabei wird Kierkegaards Verständnis des Selbst als eine Form präreflexiven Selbstbewusstseins rekonstruiert. Manfred Frank beschreibt Viertbauers Kierkegaard-Interpretation in einem Geleitwort als die „lichtvollste Deutung dieser dunklen Anfangspassage der Krankheit zum Tode.“[3] Die Studie wurde u. a. in der Theologischen Literaturzeitschrift[4] und in der Theologisch-Praktischen Quartalsschrift[5] rezensiert.
In der Studie Religion und Lebensform befasst sich Viertbauer mit der Frage, wie religiöse Überzeugungen in normative Geltungsansprüche überführt werden können. Ausgangspunkt ist dabei die von Jürgen Habermas entwickelte Übersetzungsthese. Daran anschließend entwickelt Viertbauer Überlegungen zu einer Zwei-Stufen-Epistemologie religiöser Überzeugungen. Die Studie wurde mit dem Dissertationspreis der Universität Wien[6] ausgezeichnet und u. a. in der Theologisch-Praktischen Quartalsschrift,[7] in der Zeitschrift für Theologie und Philosophie[8] oder der Theologischen Revue[9] rezensiert.
Viertbauer ist Autor von über fünfzig Aufsätzen und Herausgeber von mehr als 15 Büchern und Sondernummern. Er publiziert in deutscher und englischer Sprache, u. a. im European Journal for Philosophy of Religion,[10] The Monist[11] oder der Zeitschrift für Theologie und Philosophie.[12]
Schriften (Auswahl)
Monografien
- Religion und Lebensform. Religiöse Epistemologie im Anschluss an Jürgen Habermas (= ratio fidei 74). Friedrich Pustet, Regensburg 2022, ISBN 978-3-7917-3374-6.
- Gott am Grund des Bewusstseins? Skizzen einer präreflexiven Interpretation von Kierkegaards Selbst (= ratio fidei 61). Friedrich Pustet, Regensburg 2017, ISBN 978-3-7917-2888-9.
Herausgeberschaft
- Stefan Lang / Klaus Viertbauer (Hrsg.): Friedrich Schleiermacher’s Philosophy of Religion: Historical and Contemporary Perspectives. Routledge, New York / London 2025, ISBN 978-3-95743-305-3.
- Reinhart Kögerler / Klaus Viertbauer (Hrsg.): Genome Editing. Über die normativen Dimensionen von Eingriffen in die menschliche Keimbahn (= ethica 41). Mentis, Paderborn 2025, ISBN 978-3-95743-305-3.
- Martin Breul / Klaus Viertbauer (Hrsg.): Über das Unverfügbare. Im Gespräch mit Julian Nida-Rümelin (= QD 329). Herder, Freiburg im Breisgau 2023, ISBN 978-3-451-02329-3.
- Tobias Holischka / Klaus Viertbauer / Christian Preidel (Hrsg.): Digitalisierung als struktureller Wandel. Phänomenologische, ethische und theologische Perspektiven. J.B. Metzler, Heidelberg 2022, ISBN 978-3-662-65349-4.
- Martin Breul / Klaus Viertbauer (Hrsg.): Der Glaube und seine Gründe. Beiträge zur Religiösen Epistemologie (= Religion in Philosophy and Theology 117). Mohr Siebeck, Tübingen 2022, ISBN 978-3-16-161169-8.
- Klaus Viertbauer / Stefan Lang (Hrsg.): Gott nach Kant? Meiner, Hamburg 2022, ISBN 978-3-7873-4147-4.
- Klaus Viertbauer / Georg Gasser (Hrsg.): Handbuch Analytische Religionsphilosophie. Akteure – Diskurse – Perspektiven. J.B. Metzler, Stuttgart 2019, ISBN 978-3-476-04734-2.
- Klaus Viertbauer / Reinhart Kögerler (Hrsg.): Neuroenhancement. Die philosophische Debatte (= stw 2285). Suhrkamp, Berlin 2019, ISBN 978-3-518-29885-5.
- Klaus Viertbauer (Hrsg.): Präreflexives Selbstbewusstsein im Diskurs. Karl Alber, Freiburg im Breisgau 2018, ISBN 978-3-495-48964-2.
- Klaus Viertbauer / Franz Gruber (Hrsg.): Habermas und die Religion. Darmstadt 2017, ISBN 978-3-534-26888-7.
- Klaus Viertbauer / Florian Wegscheider (Hrsg.): Christliches Europa? Religiöser Pluralismus als theologische Herausforderung. Herder, Freiburg im Breisgau 2017, ISBN 978-3-451-37693-1.
- Klaus Viertbauer / Tobias Hanke (Hrsg.): Subjektivität denken. Anerkennungstheorie und Bewusstseinsanalyse. Meiner, Hamburg 2017, ISBN 978-3-7873-4757-5.
- Klaus Viertbauer / Heinrich Schmidinger (Hrsg.): Glauben denken. Zur philosophischen Durchdringung der Gottrede im 21. Jahrhundert. WBG, Darmstadt 2016, ISBN 978-3-534-26773-6.
- Klaus Viertbauer / Reinhart Kögerler (Hrsg.): Das autonome Subjekt? Eine Denkform in Bedrängnis (= ratio fidei 54). Friedrich Pustet, Regensburg 2014, ISBN 978-3-7917-2588-8.
Beiträge
- Über Anschauung und reines Bewusstsein. Ein Gesprächsangebot an Thomas Metzinger. In: Zeitschrift für Theologie und Philosophie. Nr. 148, 2026, S. 89–108.
- Kierkegaard and Schellenberg on Divine Hiddenness. In: Heiko Schulz und Roman WinterTietel (Hrsg.): Religionsphilosophie nach Kierkegaard. Das in Wahrheit Christliche und die Wahrheit des Christentums. J.B. Metzler, Heidelberg 2025, ISBN 978-3-662-70512-4, S. 381–398.
- Religious Convictions and Public Reason: On the Way to a Two-Stage Epistemology of Religion. In: Herta Nagl-Docekal und Waldemar Zacharasiewic (Hrsg.): Religion in a Secular Age. DeGruyter, Berlin/Boston 2023, ISBN 978-3-11-124744-1, S. 279–296.
- Christliches Europa? Eine Kritik an der Europa-Interpretation von Joseph Ratzinger. In: Martin Kirschner (Hrsg.): Europa (neu) erzählen: Inszenierungen Europas in politischer, theologischer und kulturwissenschaftlicher Perspektive. Nomos, Baden-Baden 2022, ISBN 978-3-8487-8484-4, S. 363–378.
- mit Sebastian Hübsch: Anti-Climacus and the Demoralization of Sin. In: The Monist. Nr. 105, 2022, S. 369–387.
- mit Stefan Lang: Editorial: Self-Consiousness Explained - Mapping the Field. In: Review of Philosophy and Psychology. Band 13, 2022, S. 257–276.
- Jürgen Habermas on the way to a postmetaphysical reading of Kierkegaard. In: European Journal for Philosophy of Religion. Nr. 11, 2019, S. 137–162.
- Das Selbst bei Kierkegaard. Ein Konzept zwischen Fichte und Hölderlin. In: Archiv für Begriffsgeschichte. Band 60, 2019, S. 241–250.
- Befinden wir uns auf dem Weg zu einer säkularen Spiritualität? Eine Einordnung der jüngsten Vorschläge von Ronald Dworkin und Thomas Metzinger. In: Theologie und Philosophie. Band 93, 2018, S. 241–256.
- Holm Tetens und der nicht-reduktive Idealismus. In: Zeitschrift für Katholische Theologie. Band 140, 2018, S. 1–18.
- Ist Religion opak? Zu einer missverständlichen Formulierung von Jürgen Habermas. In: Cahiers d'études Germaniques (Presses Universitaires de Provence). Band 74, 2018, S. 37–48.
- Der Mensch als Selbst. Zum Begriff des präreflexiven Selbstbewusstseins in Kierkegaards Krankheit zum Tode (1849). In: Kierkegaard Studies Yearbook. 2017, S. 79–100.
- Kierkegaards Menschenbild, oder: lässt sich der Subjektgedanke existenzialisieren? In: Salzburger Jahrbuch für Philosophie. Band 62, 2017, S. 49–68.