Kleinaspach
Ortsteil von Aspach
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Kleinaspach (früher Klein-Aspach) ist ein Pfarrdorf und seit 1972 ein Gemeindeteil von Aspach im baden-württembergischen Rems-Murr-Kreis. Der Ort liegt teilweise im Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald.
Kleinaspach Gemeinde Aspach | |
|---|---|
| Koordinaten: | 48° 59′ N, 9° 22′ O |
| Höhe: | 293 m ü. NN |
| Eingemeindung: | 1. Februar 1972 |
| Postleitzahl: | 71546 |
| Vorwahl: | 07148 |
Blick auf Kleinaspach von Sinzenburg aus | |



Geographie
Kleinaspach liegt an der Einmündung des Krummbachs in den Rohrbach.
Umliegende Ortschaften sind Spiegelberg-Nassach im Nordosten, Allmersbach am Weinberg und Rietenau im Osten, Großaspach im Südosten, Rielingshausen und Kleinbottwar im Südwesten, Großbottwar im Westen und Oberstenfeld im Nordwesten.
Gliederung der Altgemeinde
Zur Altgemeinde Kleinaspach gehörend die Weiler Altersberg, Einöd, Hintervöhrenberg, Hornungshof, Röhrach (auch Röhrachhof), Sinzenburg, Steinhausen, Völkleshofen und der Warthof.
Wüstungen
Auf dem Gebiet der Altgemeinde liegen die Wüstung Hetzelhof und die abgegangenen Befestigungsanlagen Burg Wartenberg beim Warthof sowie die Burg Steinhausen westlich des Weilers Steinhausen.[1]
Geschichte
Altertum
Die Gegend von Kleinaspach gehörte während der römischen Zeit zum Dekumatland. Ein mutmaßlich römischer Heerweg, die so genannte Hohe Straße, führte von Steinheim an der Murr nördlich an Sinzenburg vorüber durch Völkleshofen und von dort über Altersberg und Wilhelmsheim bis nach Sulzbach an der Murr. Im Waldgewann Bergreisach bestand in römischen Zeiten ein Steinbruch und eine Steinmetzwerkstätte; es wurden dort Fragmente antiker Mühl- und Schleifsteinen gefunden. Im Weiler Sinzenburg wurde bei Bauarbeiten in den 1970er Jahren römische Keramik entdeckt und ein vollständig erhaltener Krug ausgegraben. Im Zuge des Limesfalls verschwanden die Römer wieder aus der Gegend. Sie wurden von den nachrückenden Alemannen entweder vertrieben oder assimiliert. Die folgenden Jahrhunderte liegen im Dunkeln der Geschichte. Vermutlich wurde die Region erst in der Merowingerzeit wieder systematisch besiedelt.
Mittelalter
Im frühen Mittelalter gehörte das Gemeindegebiet dem Kloster Lorsch und es wurde noch nicht zwischen Groß- und Kleinaspach unterschieden. Nach dem Lorscher Codex übertrug der Abt des Klosters in Jahren 856 bis 864 in pago Murrachgoue in Aspach[2] klösterlichen Besitz an den fränkischen Edelmann Volkwin. Dieser war wohl ein Verwandter des Heiligen Walterich, Gründer des Klosters Murrhardt war. Von dem Namen Volkwin leitet sich wohl der Ortsname von Völkleshofen ab. Im Jahre 1269 wird der Ortsadelige und Ritter Heinrich von Aspach (Heinricus miles de Asbach) erwähnt. In dem Weiler Steinhausen entstand zu dieser Zeit eine Burg, von der sich jedoch nur geringe Reste erhalten haben.[3] 1357 wird Kleinaspach erstmals als Clainen Aspach[2] erwähnt, als die Herren von Lichtenberg ihren Besitz im Dorf an die Württemberger verkauften. Am 21. August 1442 verkaufte auch der Edelmann Swigger Sturmfeder von Oppenweiler seinen Besitz im Ort an das Haus Württemberg.
Während des Deutschen Bauernkriegs kam es auch in der Gegend von Kleinaspach zu Unruhen. 1525 zogen Aufständische aus dem Unterland nach Kleinaspach, stürmten die Burg Wartenberg und zündeten sie an. Dabei verbrannte auch die Burgkapelle St. Laurentius. Die Burg wurde nie wieder aufgebaut. 1535 führte Herzog Ulrich von Württemberg die Reformation in seinem Herrschaftsgebiet ein.
19. Jahrhundert
Bis 1810 gehörte Kleinaspach zum Oberamt Beilstein und wurde danach dem Oberamt Marbach zugeteilt.
Im 19. Jahrhundert lebte man in Kleinaspach von Acker- und Obstbau und von Viehzucht. An Obstbäumen pflanzte man Luikenäpfel, Knausbirnen sowie Steinobst. Der Weinbau war noch sehr beträchtlich. Man pflanzte Silvaner und Elblinge. Die besten Lagen waren die Kelterberge[4]. Der gekelterte Wein wurde nach Stuttgart und in die umliegenden Oberämter verkauft.
1852 gründete Gustav Werner in Kleinaspach eine so genannte Kleinkinderbewahranstalt.
20. Jahrhundert
Im Zuge der Gebietsreform während der NS-Zeit wurde das Oberamt Marbach 1934 in Kreis Marbach umbenannt und 1938 aufgelöst. Kleinaspach fiel an den Landkreis Backnang. Nach dem Zweiten Weltkrieg lag Kleinaspach in der Amerikanischen Besatzungszone und gehörte zum Land Württemberg-Baden. Seit 1952 gehört Kleinaspach zu Baden-Württemberg.
Die Gemeindegebietsreform in den 1970er Jahren sah die Reduzierung kleiner Kommunen und die Bildung von leistungsfähigen Großgemeinden vor. Die neuen Gemeinden sollten über 5000 Einwohner haben. Kleinaspach schloss sich daher zum 1. Februar 1972 mit Allmersbach am Weinberg, Großaspach und Rietenau zur neuen Großgemeinde Aspach zusammen.
Religion
Kleinaspach gehörte im Mittelalter zur Pfarrei Großbottwar und seit dem 13. Jahrhundert zur Pfarrei Oberstenfeld. Im 14. Jahrhundert wurde Kleinaspach zu einer eigenständigen Pfarrei. Seit der Einführung der Reformation ist Kleinaspach wie ganz Altwürttemberg evangelisch-lutherisch geprägt. Die wenigen römisch-katholische Christen haben sich erst nach dem Zweiten Weltkrieg wieder in der Gegend angesiedelt. Viele sind infolge von Flucht und Vertreibung aus den Deutschen Ostgebieten und den ehemaligen Ländern Österreich-Ungarns gekommen. Die in Kleinaspach ansässigen Katholiken sind nach Oppenweiler eingepfarrt.
Politik
Wappen und Flagge

Die Altgemeinde Kleinaspach führte ein Gemeindewappen sowie eine Hiss- und eine Bannerflagge.
Die Blasonierung des ehemaligen Gemeindewappens lautet: „In rotem Wappenschild eine silberne (weiße) Pflugschar vor zwei schräggekreuzten grünen Espenblättern, über der Pflugschar schräglinks ein silbernes (weißes) Senseneisen.“
Das Wappen wurde seit 1927 von der Gemeinde genutzt.
Mit der Auflösung der Gemeinde Kleinaspach im Zuge der baden-württembergischen Gemeindegebietsreform ist das Wappen 1972 erloschen. Es kann jedoch weiterhin von ortsansässigen Vereinen und Privatpersonen zur Traditionspflege benutzt werden, etwa als Abzeichen, Autoaufkleber oder als Wimpel.
Kulturdenkmäler
- Evangelisch-lutherische Pfarrkirche Sankt Nikolaus: Die nach dem Heiligen Nikolaus von Myra benannte Dorfkirche entstand als Saalbau von 1791 bis 1792 nach Plänen des Architekten J. A. Groß. 1966 wurde der Innenraum umgestaltet.
- Evangelisches Pfarrhaus aus dem 17. Jahrhundert. Es wurde in den Jahren 1797 bis 1798 umgebaut.
- Kapelle Sankt Urban: Das schlichte ökumenische Kirchlein ist in neuerer Zeit durch eine private Initiative entstanden.
- Rathaus: Fachwerkbau aus dem 17./ 18. Jahrhundert
- Historische Torkelkelter
- Steinernes Kanapee: Es steht in einem ehemaligen Wildpark, in den Prinz Friedrich von Württemberg gerne Ausflüge unternahm.
- Warthof: Mittelalterliche Burgruine mit neuzeitlichem Herrenhaus. Derzeit wird das Gebäude als Forsthaus genutzt.
Bilder aus Kleinaspach
Persönlichkeiten
Söhne und Töchter der Altgemeinde
- Oswald Seitter (1936–2010), Jurist und von 1984 bis 1996 Präsident der Synode der Evangelischen Landeskirche in Württemberg
Mit Kleinaspach verbundene Persönlichkeiten
- Andrea Berg (* 1966), Schlagersängerin
Literatur
- Karl Eduard Paulus: Beschreibung des Oberamts Marbach. Verlag H. Lindemann, Stuttgart 1866, S. 219f.
- Ludwig Vogelmann: Zur Geschichte von Kleinaspach. 1934.
- Horst Lässing (Hrsg.): Der Rems-Murr-Kreis. Verlag Konrad Theiss, Aalen 1980, ISBN 3-8062-0243-5, S. 280.
- Waldemar Lutz, Erich Scheible (Hrsg.): Kennzeichen WN. Heimatkunde für den Rems-Murr-Kreis. Verlag Waldemar Lutz Lörrach und Ernst Klett Schulbuchverlag GmbH, Stuttgart und Lörrach 1990, ISBN 3-12-258290-2, S. 194.
- Lutz Reichardt: Ortsnamenbuch des Rems-Murr-Kreises. Verlag W. Kohlhammer, Stuttgart 1993, ISBN 3-17011967-2.

