Kloster Stablo

Benediktinerkloster bei Lüttich From Wikipedia, the free encyclopedia

Kloster Stablo (lat. Stabelacus, Stabelaus, Monasterium Stabulensis u. ä.) war eine Benediktinerabtei in Stablo (Stavelot) nahe Lüttich im heutigen Belgien. Es war Teil der Reichsabtei Stablo-Malmedy.

Ansicht des Klosters Stablo (um 1730–1740)
Ruine der Klosterkirche (2012)
Barocke Bauten der Abtei (2005)

Geschichte

Das Kloster wurde im Jahr 648 von Remaclus gegründet und während der Französischen Revolution Ende des 18. Jahrhunderts aufgelöst.

Dem damaligen Abt der Abtei Solignac, Remaclus, wurde von König Sigibert III. das Recht gewährt, eine Abtei zu gründen. Dieser begründete darauf sogar zwei Klöster auf dem zugewiesenen Terrain: 648 Stablo und 650 Malmedy. Remaclus wurde in Stablo begraben, der Schrein steht heute in der Kirche Saint Sébastien in Stavelot. Unter den Äbten Odilo (936–954) und Poppo (1020–1048) wurde das Kloster zu einem der wichtigsten Zentren der von Cluny ausgehenden Reformbewegung. Kaiser Heinrich IV. (11. Jahrhundert) unterstellte Malmedy der Vorherrschaft Stablos. Abt Wibald (1131–1158) sorgte für eine reiche Ausstattung des Klosters mit liturgischen Gegenständen.

Stablo und Kloster Malmedy waren seit ihrer Gründung in Personalunion miteinander verbunden und gehörten seit der Frühen Neuzeit als Fürstabtei zum Niederrheinisch-Westfälischen Reichskreis. 1795 wurde das Gebiet ein Teil des französischen Départements Ourthe, ab 1796 erfolgte die Säkularisation der Abteien und Klöster; die Besitzungen der Abtei wurden nach und nach verkauft und die Kirche nach dem Verkauf abgerissen. Nach dem Wiener Kongress fiel Stavelot an die Niederlande und 1830 an Belgien.

Bauten

Der Neubau der Klosterkirche wurde am 5. Juli 1040 von Abt Poppo in Anwesenheit von Kaiser Heinrich III. geweiht.

Die Kirche wurde unter der französischen Besatzung aufgehoben, verkauft und schließlich ab 1795 abgetragen.

Ehemalige Ausstattung

Zeichnung des Remaklus-Retabels, 1666

Die aus dem 11. Jahrhundert stammende Bibel von Stavelot befindet sich im British Library in London.

Mehrere Kunstwerke können mit dem Abt Wibald in Verbindung gebracht werden: Das Kopfreliquiar Papst Alexanders I. (Alexanderreliquiar) gelangte ebenso wie der Tragaltar von Stavelot in die Sammlungen der Königlichen Museen für Kunst und Geschichte in Brüssel. Das Remaklusretabel ist bis auf Fragmente verloren; dazu gehören ein Medaillon heute im Kunstgewerbemuseum in Berlin, ein zweites im Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main. Die Staurothek aus Stavelot (Stavelot-Triptychon) wird heute in der Pierpont Morgan Library in New York verwahrt.

Ein vergoldetes Antependium um 1160–1170 befindet sich heute im Musée Cluny in Paris.

Der Schrein des Hl. Remaclus aus dem 13. Jahrhundert befindet sich heute in der Kirche St. Sebastian in Stavelot, ebenso die Reliquienbüste des Abtes Poppo von Stablo von 1626.

Literatur

  • Joseph Halkin, Charles-Gustave Roland: Recueil des chartes de l’Abbaye de Stavelot-Malmedy. 2 Teile, Brüssel 1909–1930.
  • Ursgmer Berlière: Monasticon belge. Band II: Province de Liège. Maredsous 1928, S. IX–XVI. 58–105.
  • Eberhard Linck: Sozialer Wandel in klösterlichen Grundherrschaften des 11. bis 13. Jahrhunderts. Studien zu den familiae von Gembloux, Stablo-Malmedy und St. Trond (= Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte. Band 57). Vandenhoeck & Ruprecht, Göttingen 1979, ISBN 3-525-35368-5.
  • Thomas Vogtherr: Der König und der Heilige. Heinrich IV., der Heilige Remaklus und die Mönche des Doppelklosters Stablo-Malmedy (= Schriften des Historischen Kollegs. Vorträge 25). Oldenbourg, München 1990 (Digitalisat).
  • Lex Bosman: Architektur und Klosterreform. Die Zusammenhänge zwischen Stablo, Brauweiler und St. Maria im Kapitol. In: Zeitschrift des deutschen Vereins für Kunstwissenschaft. Band 41, 1988, S. 3–15.
  • Susanne Wittekind: Altar – Reliquiar – Retabel. Kunst und Liturgie bei Wibald von Stablo (= Pictura et poesis. Band 17). Böhlau, Köln u. a. 2004, ISBN 3-412-13102-4.
  • Claire Pascaud: L'abbaye de Stavelot. Band 1: Histoire et représentations des édifices (= Études et Documents, Archéologie. Band 25). Service public de Wallonie, Namur 2013.
  • Holger Kempkens: Abt Wibald von Stablo und Corvey und seine Kunststiftungen. In: Holger Kepkens, Christiane Ruhmann (Hrsg.): Corvey und das Ende der Antike. Kaiser, Klöster und Kulturtransfer im Mittelalter. Imhof, Petersberg 2024, ISBN 978-3-7319-1425-9, S. 555–569.

Siehe auch

Commons: Kloster Stablo – Sammlung von Bildern

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