Klosterheide

Ortsteil von Lindow (Mark) in Brandenburg From Wikipedia, the free encyclopedia

Klosterheide ist ein Ortsteil der Gemeinde Lindow (Mark) im Landkreis Ostprignitz-Ruppin im Land Brandenburg. Hier lebten im Jahre 2001 179 Einwohner.

Schnelle Fakten Stadt Lindow (Mark) ...
Klosterheide
Koordinaten: 52° 59′ N, 12° 58′ O
Höhe: 50 m ü. NHN
Fläche: 5,7 km²[1]
Einwohner: 179 (Format invalid)[Ohne Beleg]Vorlage:Infobox Ortsteil einer Gemeinde in Deutschland/Wartung/NoEinwQuelle
Eingemeindung: 31. Dezember 2001
Postleitzahl: 16835
Vorwahl: 033933
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Geographie

Klosterheide liegt drei Kilometer nördlich von Lindow (Mark). Der Ort liegt inmitten von Wäldern und landwirtschaftlich genutzten Feldern. Westlich von Klosterheide liegt der Gudelacksee.

Geschichte

Auf einer Halbinsel, etwa zwei Kilometer westlich von Klosterheide gab es eine slawische Siedlung. Funde deuten auf einen Bestand der Siedlung im 11./12. Jahrhundert hin. Die Ortschaft Klosterheide wurde das erste Mal im Jahre 1574 im Lindower Erbregister erwähnt. Der damalige Name war „uff der Kloster Heide“. Im Jahre 1691 gründeten fünf Kolonisten und ein Hirte aus der Schweiz den heutigen Ort. Im Jahre 1752 brannte es im Dorf. Über die Schäden ist nichts weiter bekannt.

Anfang des 20. Jahrhunderts wurde ein Lungensanatorium erbaut. 1953 wurde die LPG Typ I gegründet, die bis 1960 dann in die LPG Typ III „Neues Leben“ umgewandelt wurde. Im Jahre 1967 fusionierte diese LPG mit der LPG „Vorwärts“ aus Lindow (Mark).

Denkmäler

In Klosterheide gibt es mehrere Denkmäler.[2] Vier sind hier aufgeführt

Rosenhof

Der Rosenhof liegt am Gudelacksee in einem Waldgebiet westlich von Klosterheide. Die Anlage Rosenhof besteht aus einem zweigeschossigen Landhaus mit Seitenflügeln und einem Park. Das Haus wurde 1928 von dem Unternehmer Wilhelm Zoellner nach einem Entwurf des Architekten Otto Rudolf Salvisberg erbaut. Zoellner war Mitbegründer und bis 1933 Vorstandsmitglied der Zoellner-Werke AG für Farben- und Lackfabrikation vormals S. H. Cohn in Berlin-Neukölln.

Der in sachlich funktionalen Formen errichtete Bau wurde zu Gunsten eines neobarocken Entwurfs von Maurermeister Otto Rensch aus Lindow nahezu vollständig ersetzt. Diese stilistische Überformung eines modernen Gebäudes der 1920er Jahre ist im Land Brandenburg, soweit bisher bekannt, einmalig. Der neu entstandene, in der Gestaltung des Äußeren an barocker Schlossarchitektur orientierte Bau spiegelt den rückwärts gwandten Geschmack des Opel-Erben. die Einbettung in die Parkanlage steigert seine Wirkung erheblich.[3]

Im Jahre 1936 ging der Besitz an Fritz Jay, Mitinhaber des Rüsselsheimer Automobilwerks Adam-Opel-AG über, der das Haus von 1936 bis 1938 durchgreifend umbauen ließ. Unter dem neuen Rosenhof-Besitzer wurde das bestehende Gebäude, einem Neubau gleichkommend, umgebaut. Zur Ausführung kam der 1936 vorgelegte Entwurf des Lindower Maurermeisters Otto Rensch. Der bis 1938 in neubarockem Stil durch die Baufirma Otto Rensch ausgeführte Bau wurde im Vergleich zum alten Zustand etwas erhöht, zu beiden Seiten verbreitert und auch zur Seeseite vergrößert.[4] Die Fassade ist seitdem im Stil des Neobarock gehalten. Die drei mittleren Achsen bilden einen Risalit, in der Mitte befindet sich der Eingang unter einem Altan mit Säulen. Das Eingangsgewände aus Travertin wurde vom ursprünglichen Bauwerk übernommen.

Ab März 1941 nutzte der im benachbarten ehemaligen Sanatorium ansässige Lebensborn e. V. den Rosenhof. Der Besitz wurde 1945 dem Bodenfonds zugeschrieben und nach der Enteignung der Jay-Erben 1948 der Sozialversicherungsanstalt des Landes Brandenburg übergeben und in die bereits 1947 eingerichtete Tbc-Heilstätte einbezogen. Danach diente der Rosenhof bis 1990 als Schwesternwohnheim. Seit 2003 wurde er instandgesetzt.[5]

Das Anwesen gehört heute Lothar und Nina von Maltzahn († 2022). Der 4 Hektar große Park wurde von der Gartenarchitektin Gabriella Pape gestaltet; in ihm finden sich zahlreiche Skulpturen, unter anderem von Will Ryman, Philippe Berry und Claude Lalanne.[6]

Gedenktafel für die Opfer des Todesmarsches

Gedenktafel an den Todesmarsch

In der Klosterheider Straße an der Ecke Kramnitzer Weg befindet sich eine Gedenktafel für die Opfer des Todesmarschs von Häftlingen des Konzentrationslagers Sachsenhausen, die am 21. April 1945 in Klosterheide umkamen. Die Tafel wurde 1976 aufgestellt. Die Inschrift lautet: „Todesmarsch April 1945 der Häftlinge des KZ Sachsenhausen. Über 6000 wurden auf diesem Marsch durch die SS ermordet. Ihr Vermächtnis lebe in unseren Taten fort.“

Klosterheider Straße 14

Neben Winkel 2 handelt es sich um das älteste Wohnhaus in Klosterheide. Als eines der wenigen, einschließlich seiner ursprünglichen Innenstruktur erhaltenen Ernhäuser in der Region dokumentiert es beispielhaft die dörfliche Bebauung Mitte des 18. Jahrhunderts. Das Wohnhaus und das Stallgebäude Klosterheide Straße 14 stehen unter Denkmalschutz. Das Wohnhaus des ehemaligen Vierseithofes wurde 1752 erbaut. Es ist ein zweigeschossiges, traufständiges Haus mit einem Satteldach. Das Stallgebäude wurde 1890 erbaut.

Klinikum Klosterheide

Das Klinikum Klosterheide vergegenwärtigt einerseits die Entstehung als Sanatorium in der späten Kaiserzeit, andererseits den Ausbau als Entbindungsheim des "Lebensborn" im Nationalsozialismus. Die Korridorbauwerke sind von medizin- und architekturgeschichtlicher Bedeutung. War es vor 1900 wegen der Ansteckungsgefahr üblich, Lungensanatorien in Pavillonbauweise zu errichten, finden hier neue medizinische Erkenntnisse (Penicillin) ihren Niederschlag. Die Anlage ist darüber hinaus ein einzigartiges bauliches Beispiel der Inanspruchname einer vormaligen Wohlfahrtseinrichtung für die rassenideologischen Ziele der NS-Politik und deren Fortführung bis in die letzten Kriegstage hinein. Auf einer Anhöhe errichtet, setzt das Klinikum besonders vom See aus mit seinem kupferverkleideten Turm und dem Schornstein neben der Wäscherei einen weithin sichtbaren landschaftlichen Akzent.

Klosterheide, Klinikum Nordgebäude

Das Klinikum Klosterheide wurde innerhalb eines Waldgebiets ab 1910 als Lungensanatorium durch die Ortskrankenkasse Charlottenburg erbaut. In den 1930er Jahren wurde die Klinik zu einem der ersten Entbindungsheime und wurde ein Hauptort des Lebensborn e. V., einer der SS zugehörigen nationalsozialistischen Organisation, die bei Fürsorgeaktionen mit der NS-Volkswohlfahrt konkurrierte. Ungeachtet bestehender Schutzvorschriften der Reichsgesetzgebung war deren Tätigkeit nach Vorstellungen Heinrich Himmlers auf die biologische "Auslese Hochwertiger" ausgerichtet, die hier zunächst mit der Unterstützung für kinderreiche SS-Familien betrieben wurde. Seit Kriegsbeginn kam die Aufnahme von Waisen oder Halbwaisen Gefallener und für die sogenannte "Eindeutschung" von Kindern aus besetzten Gebieten hinzu. Heinrich Himmler visitierte das Heim im Juni 1938 und unangekündigt am 8. Januar 1941. Seine Ehefrau Margarete Himmler besuchte als "Gemahlin des Reichsführers SS" 1938 das Heim in Klosterheide.[7]

Der Schwerpunkt lag bei der Fürsorge für ledige Mütter und ihre Kinder. Der "Lebensborn e.V." war eine der wichtigsten Institutionen der nationalsozialistischen Rassenpolitik, die sich die "Züchtung" einer vermeintlichen rassischen Elite zum Ziel gesetzt hatte. Grundprinzip der Geburtenpflege war daher die Auslese nach biologischen Vorstellungen. Dazu gehörte eine offensive Geburtenregelung mit staatlicher Sanktionierung, der künstlichen Fremdbefruchtung und die Werbung für eine rassistische "neue Moral" der Kinderzeugung. Bewerberinnen um einen Heimplatz wurden deshalb nach rassischen Maßstäben ausgewählt und die in den Heimen geborenen Kinder in die "SS-Sippengemeinschaft" aufgenommen. (reichsweit blieben schätzungsweise 8000 Kinder in Vormundschaft). Darüber hinaus wurden Kinder mit Geburtsfehlern als "lebensunwertes Leben" in sogenannte "Euthanasie-Anstalten" überwiesen und dort ermordet. Bei Kriegsende wurden die Lebensborn-Heime aufgelöst.

Das Lebensborn-Heim "Kurmark" wurde im September 1937 eröffnet. Anfangs war eine Aufnahme von 28 Müttern und 30 Kindern vorgesehen, später lagen die Zahlen bei 23 Plätzen für Mütter und 48 Betten für Kinder. Nach Kteigsbeginn waren 106 Kinder in Klosterheide, was Ergänzungsbauten notwendig machte.

Heimleiter

  • Dr. Karl Fehl 1937–1938
  • Dr. Werner Laumann 1938–1940
  • Dr. Heinrich Westermann und Almut Eck/Westermann abwechselnd 1940–1945
  • Dr. Gerhard Flemming Dez. 1942
  • Dr. Julius Brod 1944 und 1945

Die Anlage ging 1945 in den Besitz der sozialversicherungsanstalt Brandenburg über, die sie als Tbc-Heilstätte ausbauen ließ. Ab 1969 richtete sich die Orthopädische Klinik des Bezirkskrankenhauses Neuruppin ein. Heute ist das Klinikum eine geriatrische Außenstelle der Ruppiner Kliniken.[8]

Die Häuser B und G wurden 1910 erbaut, die Häuser A, D und F im Jahre 1940.

In Klosterheide geborene Persönlichkeiten

Literatur

  • Ulrike Schwarz, Matthias Metzler und andere (Bearb.): Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Teil 2: Gemeinde Fehrbellin, Amt Lindow (Mark) und Stadt Rheinsberg. (= Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Denkmale in Brandenburg.) Wernersche Verlagsgesellschaft, Worms 2003, ISBN 3-88462-191-2, S. 281–288.
  • Dorothee Neumaier: Das Lebensbornheim 'Kurmark' in Klosterheide. Historische und biografische Rekonstruktionen. BoD-Books on Demand, Norderstedt 2024, ISBN 978-375-971-221-9. S. 37

Einzelnachweise

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