Knetzgau
Gemeinde im Landkreis Haßberge in Deutschland
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Knetzgau ist eine Gemeinde im Landkreis Haßberge im Osten des bayerischen Regierungsbezirks Unterfranken.
| Wappen | Deutschlandkarte | |
|---|---|---|
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| Basisdaten | ||
| Koordinaten: | 49° 59′ N, 10° 33′ O | |
| Bundesland: | Bayern | |
| Regierungsbezirk: | Unterfranken | |
| Landkreis: | Haßberge | |
| Höhe: | 238 m ü. NHN | |
| Fläche: | 61,57 km² | |
| Einwohner: | 6446 (31. Dez. 2024)[1] | |
| Bevölkerungsdichte: | 105 Einwohner je km² | |
| Postleitzahl: | 97478 | |
| Vorwahlen: | 09527, 09529, 09528 | |
| Kfz-Kennzeichen: | HAS, EBN, GEO, HOH | |
| Gemeindeschlüssel: | 09 6 74 163 | |
| LOCODE: | DE ZKU | |
| Gemeindegliederung: | 9 Gemeindeteile | |
| Adresse der Gemeindeverwaltung: |
Am Rathaus 2 97478 Knetzgau | |
| Website: | www.knetzgau.de | |
| Erster Bürgermeister: | Stefan Paulus (SPD/CWG) | |
| Lage der Gemeinde Knetzgau im Landkreis Haßberge | ||
Geographie
Lage
Die Gemeinde liegt am nördlichen Rand des Naturparks Steigerwald auf einer Höhe von etwa 238 m ü. NHN. Sie liegt am Main, etwa fünf Kilometer südöstlich von Haßfurt am Rande der Haßberge. Innerhalb der Gemeinde liegen unter anderem folgende Berge: Hollacher Berg (409 m ü. NHN), Kleiner Knetzberg (447 m ü. NHN), Großer Knetzberg (488 m ü. NHN), Böhlberg (485 m ü. NHN) sowie der Gangolfsberg (469 m ü. NHN). Durch die Gemeinde fließt mit dem Stöckigsbach, der auch Böhlbach genannt wird, ein Zufluss des Mains durch die Gemeinde.[2]
Nachbargemeinden
Die Nachbargemeinden sind (von Norden beginnend im Uhrzeigersinn): Haßfurt, Zeil am Main, Sand am Main, Oberaurach, Donnersdorf und Wonfurt.
Gliederung
Es gibt neun Gemeindeteile (in Klammern ist der Siedlungstyp angegeben):[3][4]
- Eschenau (Kirchdorf)
- Hainert (Kirchdorf)
- Knetzgau (Pfarrdorf)
- Neuhaus (Einöde)
- Oberschwappach (Kirchdorf)
- Unterschwappach (Kirchdorf)
- Westheim (Pfarrdorf)
- Wohnau (Kirchdorf)
- Zell a.Ebersberg (Pfarrdorf)
Naturschutz
Die Wälder im südlichen Teil der Gemeinde liegen innerhalb der Schutzzonen des FFH-Gebiets Buchenwälder und Wiesentäler des Nordsteigerwalds sowie des Vogelschutzgebiets Oberer Steigerwald. Außerdem liegt mit dem Naturwald Knetzberg-Böhlgrund ein großes und bedeutendes Waldschutzgebiet in Knetzgau. Ebenfalls im Gemeindegebiet liegen die beiden geschützten Landschaftsbestandteile Kalkgrube und Eichelberg bei Westheim.[2]
Geschichte
Knetzgau ist eine Gemeinde mit einer über 1200-jährigen Geschichte. Die erste schriftliche Erwähnung des Ortes erfolgte um das Jahr 780 in der sogenannten Ilbicschen Schenkungsurkunde, in der Knetzgau unter dem Namen Knetzcegewe genannt wird. Diese frühe Nennung belegt die Besiedlung des Gebietes bereits zur Zeit der Karolinger und macht Knetzgau zu einem der ältesten dokumentierten Orte der Region. Die günstige Lage am Main, die Nähe zu fränkischen Handelswegen und die fruchtbaren Böden begünstigten die Entwicklung des Dorfes als landwirtschaftlich geprägte Siedlung.
Im Mittelalter war Knetzgau Teil des Amtes Zeil des Hochstifts Bamberg, das ab 1500 zum Fränkischen Reichskreis gehörte. Die Bevölkerung lebte überwiegend von der Landwirtschaft, wobei der Weinbau, der Getreideanbau und die Viehzucht zentrale Erwerbszweige darstellten. Die kirchliche Bindung prägte das Dorf stark: Die Pfarrkirche St. Bartholomäus, deren Ursprünge vermutlich im 12. Jahrhundert liegen, bildete das religiöse Zentrum und wurde im Laufe der Jahrhunderte mehrfach umgebaut und erweitert. Sie war nicht nur ein Ort des Glaubens, sondern auch ein Symbol für die soziale und kulturelle Identität der Dorfgemeinschaft.
Ein besonders markantes Bauwerk war die sogenannte Kirchenburg, eine befestigte Anlage rund um die Pfarrkirche, die sakrale und wehrhafte Architektur vereinte. Sie diente der Bevölkerung als Zufluchtsort bei kriegerischen Auseinandersetzungen und Überfällen. Die Anlage bestand aus Wehrmauern, Türmen, Speichern und einem zentralen Kirchbau und war ein typisches Beispiel für die Verbindung von religiöser und defensiver Bauweise in ländlichen Regionen Frankens. Im Jahr 1525 wurde die Kirchenburg im Zuge des Deutschen Bauernkriegs zerstört. Sie wurde nach ihrer Zerstörung nicht wieder aufgebaut. Heute befindet sich an ihrer Stelle die Pfarrkirche St. Bartholomäus, die mehrfach umgestaltet wurde. Vom ursprünglichen Befestigungscharakter sind keine sichtbaren baulichen Reste mehr erhalten, doch ihre historische Bedeutung bleibt ein zentraler Bestandteil der Ortsgeschichte.
Ebenfalls im Bauernkrieg wurde die Burg Knetzgau, eine mittelalterliche Wasserburg nordöstlich der Dorfmitte (heutige Adresse: Schloßweg 12), zerstört. Sie wurde später als Wasserschloss wieder aufgebaut, verfiel jedoch bereits Mitte des 18. Jahrhunderts und ist heute nicht mehr erhalten. Diese Burg war ein bedeutendes Herrschaftszentrum und prägte die Ortsstruktur über mehrere Jahrhunderte hinweg.
Während des Dreißigjährigen Krieges (1618–1648) wurde Knetzgau wie viele Orte in Franken stark in Mitleidenschaft gezogen. Plünderungen durch durchziehende Truppen, Seuchen und Hungersnöte führten zu einem drastischen Rückgang der Bevölkerung und zu wirtschaftlicher Not. Der Wiederaufbau nach dem Krieg erfolgte nur langsam und wurde maßgeblich von kirchlichen Institutionen und lokalen Grundherren begleitet.

Im 18. und 19. Jahrhundert war Knetzgau ein regionales Zentrum des Baus der Schelche, traditioneller fränkischer Flachbodenboote, die auf dem Main eingesetzt wurden. Diese handwerkliche Spezialisierung trug zur wirtschaftlichen Bedeutung des Ortes bei und ist ein bemerkenswerter Aspekt der lokalen Kulturgeschichte.[5]
Im Zuge des Reichsdeputationshauptschlusses fiel Knetzgau im Jahr 1803 zunächst an Bayern. Durch Grenzbereinigungen kam es 1810 mit dem Amt Zeil zum Großherzogtum Würzburg, das unter der Herrschaft des Großherzogs Ferdinand von Toskana stand. Nach dem Wiener Kongress fiel das Gebiet 1814 endgültig an das Königreich Bayern.
Im 19. Jahrhundert erlebte Knetzgau im Zuge der allgemeinen gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Umbrüche eine Phase der Modernisierung. Die Einführung neuer landwirtschaftlicher Techniken, der Ausbau der Infrastruktur und die zunehmende Einbindung in die bayerische Verwaltung führten zu einer schrittweisen Veränderung des Dorflebens. Auch das Vereinswesen entwickelte sich in dieser Zeit, mit Gründungen von Gesangs-, Sport- und Schützenvereinen, die bis heute das kulturelle Leben prägen.

Nach dem Ersten Weltkrieg wurde 1927 ein Kriegerdenkmal errichtet, das an die gefallenen Soldaten erinnert und Ausdruck des kollektiven Gedenkens der Dorfgemeinschaft ist. Während des Zweiten Weltkriegs blieb Knetzgau von größeren Zerstörungen verschont, erlebte jedoch wie viele ländliche Gemeinden die Auswirkungen von Flucht, Vertreibung und wirtschaftlicher Umstellung in der Nachkriegszeit. In den 1950er und 1960er Jahren setzte eine Phase des Wachstums ein, die durch Zuzug, Neubaugebiete und die Modernisierung der Infrastruktur geprägt war.
Im Zuge der Gebietsreform in Bayern wurden mehrere umliegende Gemeinden in die Gemeinde Knetzgau eingegliedert: Am 1. Juli 1972 schlossen sich Oberschwappach und Unterschwappach an, am 1. Januar 1973 folgte Wohnau, am 1. Juli 1974 kamen Eschenau, Westheim bei Haßfurt und Zell am Ebersberg hinzu. Größere Gebietsteile der aufgelösten Gemeinde Hainert wurden schließlich am 1. Januar 1976 eingemeindet. Dadurch wuchs Knetzgau nicht nur flächenmäßig, sondern auch in seiner kulturellen und sozialen Vielfalt.
Die Gemeinde engagiert sich aktiv in der Pflege ihrer Geschichte. Historische Bauwerke wie das barocke Schloss Oberschwappach, das Kriegerdenkmal, mehrere denkmalgeschützte Fachwerkhäuser und die Pfarrkirche St. Bartholomäus zeugen von der reichen Vergangenheit des Ortes. Knetzgau verbindet heute Tradition und Moderne und ist ein lebendiges Beispiel für die historische Entwicklung fränkischer Gemeinden. Die Gemeinde legt großen Wert auf kulturelle Identität, bürgerschaftliches Engagement und nachhaltige Entwicklung und präsentiert sich als attraktiver Wohn- und Lebensort in der Region Mainfranken.[6.1]
Die Ketzgauer Sage vom lebendigen Skelett
An einem Feiertagsabend saßen mehrere Männer aus Knetzgau im Wirtshaus beisammen, darunter auch der Dorfschmied. Das Gespräch kam auf das Beinhaus am Friedhof, in dem die Knochen aus alten Gräbern gesammelt wurden. Besonders ein Skelett sorgte für Unruhe: Es wollte einfach nicht zerfallen, klapperte bei Wind und schien wie zusammengeleimt. Die Dorfbewohner vermuteten, mit diesem Skelett stimme etwas nicht. Als die Männer über das Fürchten und den Friedhof sprachen, lachte ein junger Bursche sie aus und wettete um zehn Maß Bier, dass er das Skelett noch in dieser Nacht ins Wirtshaus bringen würde. Gesagt, getan – er holte das Gerippe und stellte es in eine Ecke des Gastraums. Die Stimmung war gespannt, die Öllampe flackerte, und um Mitternacht geschah das Unfassbare: Das Skelett begann sich zu bewegen und sprach. Es offenbarte, einst ein Müller gewesen zu sein, der viel Unrecht getan habe. Er sei in Feindschaft mit den Dorfbewohnern gestorben und könne deshalb keine Ruhe finden. Besonders bat er um Vergebung – auch vom Schmied, denn mit dessen Urgroßvater habe er im Streit gelebt, und dieser habe ihm ewige Unruhe im Grab geschworen. Die Männer, tief erschüttert, gaben dem Skelett die Hand – auch der Schmied. In dem Moment zerfiel das Gerippe zu einem Haufen Knochen. Man brachte es zurück ins Beinhaus, und seitdem, so heißt es, herrscht wieder Frieden auf dem Friedhof.[6.2]
Einwohnerentwicklung
Im Zeitraum 1988 bis 2018 stieg die Einwohnerzahl von 5585 auf 6518 um 933 Einwohner bzw. um 16,7 %. Im Jahre 2004 hatte die Gemeinde 6612 Einwohner. (Quelle: BayLfStat)
Politik

Gemeinderat
Bei den Kommunalwahlen der vergangenen Jahre ergab sich jeweils folgende Sitzverteilung:
| Partei / Liste | Sitze 1996 | Sitze 2002 | Sitze 2008 | Sitze 2014 | Sitze 2020 |
|---|---|---|---|---|---|
| CSU | 7 | 8 | 6 | 6 | 6 |
| SPD | 3 | 3 | 3 | 3 | 2 |
| Christliche Wählergemeinschaft | 5 | 4 | 5 | 5 | 4 |
| Junge Liste | 2 | 2 | 2 | 2 | 2 |
| WG InteressierteR | 1 | 1 | – | – | - |
| Mündige Bürger | 1 | 2 | 2 | – | - |
| FDP | – | – | 2 | 3 | 3 |
| Grüne/Ökologische Liste | – | – | – | 1 | 3 |
| Gesamt | 20 | 20 | 20 | 20 | 20 |
Bürgermeister
- 1972–1990 Franz Hofmann (CSU)
- 1990–2008 Werner Schneider (CSU)
- seit 2008 Stefan Paulus (SPD/CWG)
Wappen
| Blasonierung: „Unter rotem Schildhaupt, darin ein silberner Schelch (= hölzerner Lastkahn), in Silber über einem grünen Dreiberg nebeneinander ein grünes Buchenblatt und eine grüne Weintraube.“[7] | |
| Wappenbegründung: Der Dreiberg und das Buchenblatt stellen die geografische Lage der Gemeinde am Main und an den Ausläufern des Steigerwaldes dar. Typisch für die einstigen Mainschiffe ist der so genannte Schelch, ein Kahn aus Holz für den Lastentransport. Knetzgau war im 18. und 19. Jahrhundert bekannt für die Herstellung derartiger Kähne. Viele Bewohner lebten vom Schiffbau oder als Schiffer und Flößer. Alle Mainschiffer zwischen Lichtenfels und Würzburg benutzten solche Schelche. Mitte des 19. Jahrhunderts verlor dieses Gewerbe an Bedeutung. Die Weintraube weist auf den seit langem betriebenen Weinbau im Gemeindegebiet hin.[7]
Dieses Wappen wird seit 1974 geführt.[7] |
Gemeindeteile mit Einwohnerzahlen
| Gemeindeteil | Einwohner 2008* | Einwohner 2006* | Einwohner 2019* |
|---|---|---|---|
| Knetzgau | 3520 | 3568 | 3793 |
| Eschenau | 180 | 193 | 202 |
| Hainert | 338 | 337 | 406 |
| Oberschwappach | 542 | 543 | 552 |
| Unterschwappach | 163 | 172 | 155 |
| Westheim | 869 | 885 | 885 |
| Wohnau | 99 | 98 | 100 |
| Zell am Ebersberg | 765 | 786 | 797 |
| Gesamt | 6476 | 6582 | 6890 |
* jeweils 31. Dezember
Einwohner der Gemeinde Knetzgau am 1. Juli 2015: 6770. Einwohner der Gemeinde Knetzgau am 31. Dezember 2019: 6890.
Gemeindepartnerschaft
Seit 1990 pflegt Knetzgau eine Partnerschaft mit dem Ortsteil Gleichamberg der Gemeinde Römhild im Landkreis Hildburghausen, Thüringen.
Bildung, Kultur und Soziales

Knetzgau verfügt über folgende Einrichtungen:
- fünf Kindertageseinrichtungen
- Dreiberg-Schule – Grundschule[8]
- Dreiberg-Schule – Mittelschule[9]
- Volkshochschule und Gemeindebücherei
- Kirchengemeinden in Eschenau und Westheim für evangelisch-lutherische Gläubige und in Knetzgau für Katholiken
- eine Einrichtung für ältere Menschen mit 82 Plätzen und 72 Bewohnern (Stand 2020)[10] sowie
- für Freizeit und Sport eine Mehrzweckhalle und ein Hallenbad.
- sieben Freiwillige Feuerwehren (Knetzgau, Zell am Ebersberg, Hainert, Westheim, Oberschwappach, Unterschwappach und Wohnau) sowie eine Löschgruppe in Eschenau (zugehörig zur Feuerwehr Westheim)
- BRK Bereitschaft Knetzgau (u. a. Sanitätsdienst, Blutspende, SEG Transport, SEG Behandlung)
- Jugendverkehrsschule (JVS)[11]
Bau- und Bodendenkmäler
- Schloss Oberschwappach
- Steigerwaldrand
- Mainschleuse Knetzgau
- Pfarrkirche St. Bartholomäus, Knetzgau
- Siechkapelle
- Böhlgrund Zell am Ebersberg
- Schloßberg Zell am Ebersberg, Weinlage mit Mauerresten einer Burg
- Eindrücke aus Knetzgau und seinen Gemeindeteilen
- Die Hauptstraße in Knetzgau
- Fachwerkhaus in Knetzgau
- An der Abzweigung nach Wonfurt
- Schelchdenkmal, Mainbrücke bei Knetzgau
- St. Wendelin
- St. Michael und St. Jakob Westheim
- Eschenau
- St. Barbara Oberschwappach
- St. Joseph Hainert
- St. Wendelin Wohnau
Verkehrsverbindungen
- Knetzgau liegt südlich des schiffbaren Flusses Main.
- Drei Kilometer sind es bis zur B 26.
- Die Autobahn A 70 (Bayreuth–Schweinfurt) verläuft einen Kilometer entfernt (eigene Abfahrt).
- Fünf Kilometer sind es bis zur Bahnstrecke Bamberg–Rottendorf (Bahnhof Zeil); ebenso weit ist es zum Bahnhof Haßfurt, jedoch verkehrstechnisch günstiger.
Besondere Ereignisse
- Im August 1957 streikten Bauarbeiter, um ihren Lohnforderungen beim Bau der Staustufe Knetzgau Nachdruck zu verleihen. Erst als der Bauherr, die Rhein-Main-Donau AG die Stundenlöhne um 10–12 Pfennige erhöhte, setzten sie die Arbeit fort.[12]
- Im Jahre 2009 fand in Knetzgau das Bayern-3-Dorffest statt.
Der Missbrauchsskandal im Gemeindeteil Eschenau
2006 kam eine in Eschenau aufgewachsene und später ausgewanderte Frau aus den USA zurück und erstattete Anzeige gegen einen Mann in dem Dorf, der sie als Kind notorisch sexuell missbraucht hatte: das erste Mal, als sie vier Jahre alt war, und dann zehn weitere Jahre, bis sie wegzog. Der Missbrauchsskandal sorgte für breite Aufmerksamkeit. Eine weitere Frau aus dem Ort schloss sich der Anzeige an. Es stellte sich heraus, dass der Kindesmissbrauch durch mehrere Männer Jahrzehnte lang angedauert hatte, also systemisch war. Die Mehrheit der Einwohner des Orts, auch Kirchenvertreter, sahen in den Strafanzeigen eine Unruhe, die von außen nach Eschenau gebracht wurde, und mieden den Kontakt zu den missbrauchten Frauen. Einige stempelten die Opfer zu Täterinnen. 2007 kam es am Landgericht in Bamberg zum Prozess gegen einen der Täter. Dieser wurde zu vier Jahren Haft verurteilt. Zu weiteren Verfahren kam es wegen Verjährung nicht. Ein tatverdächtiger Landwirt nahm sich 2007 das Leben. Seine Familie übte noch während des Strafprozesses Druck auf die Hauptklägerin aus, nicht gegen den Mann auszusagen. Einheimischen, die sich auf die Seite der Missbrauchsopfer stellten, wurden noch Jahre später Autoreifen zerstochen und Eier gegen die Fenster geworfen.[13][14][15]
Literatur
- Karl Bosl: Knetzgau im Widerspiel der herrschaftlichen und gesellschaftlichen Kräfte, vor allem in der frühen Neuzeit. Gemeinde Knetzgau, Knetzgau 1980.
- Rainer Wailersbacher: 1200 Jahre Knezcegewe – Knetzgau. Haßfurt 1980.
- Rainer Wailersbacher: Aus dem Inhalt der Turmkugel-Urkunden von 1817 Dr. Johann Heinrich Keßler und seine Zeit: „Kurze Beschreibung der wichtigsten Ereignisse, welche sich zur Zeit der Wiedererbauung des Knetzgauer Kirchenturmes zugetragen haben“. Gemeinde Knetzgau, Knetzgau 1980.
- Rainer Wailersbacher: Siebenhundert Jahre Swapach – Eschenawe – Wunnawe Ober-, Unterschwappach, Eschenau, Wohnau. Gemeinde Knetzgau, Knetzgau 1986.
- Rainer Wailersbacher: Schloß Oberschwappach. Hausmüller, Zeil a. Main 1992.
- 750 Jahre Pfarrei St. Bartholomäus Knetzgau 1244–1994. Hrsg.: Kath. Pfarramt Knetzgau. Red.: William Thomas; Manfred Glass. Pfarrei Sankt Bartholomäus, Knetzgau 1994.
- Rainer Wailersbacher: Der Bauernkrieg im Knetzgau. Gemeinde Knetzgau, Knetzgau 2000.
- Rainer Wailersbacher: Der Knetzgauer Friedhof und seine Kreuzweg-Stationen. Gemeinde Knetzgau, Knetzgau 2001.
- Rainer Wailersbacher, Leo Maag: Die Knetzgauer Straßennamen – eine Heimatgeschichte. Gemeinde Knetzgau, Knetzgau 2002.
- Rainer Wailersbacher: Die Knetzgauer Erstbeurkundung von 911. Gemeinde Knetzgau, Knetzgau 2005.
Weblinks
- Gemeinde Knetzgau
- Knetzgau: Amtliche Statistik des Bayerischen Landesamtes für Statistik
- Knetzgau in der Ortsdatenbank von bavarikon.

