Knochennadel
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Erste Knochennadeln stammen aus dem Jungpaläolithikum, (Aurignacien (40.000 bis 31.000) und Gravettien). Prähistorische Nadeln wurden aus Elfenbein, Geweih oder Knochen hergestellt. Für hölzerne Nadeln fehlen die Belege. Nadeln aus dem Magdalénien treten zwischen Frankreich und Sibirien auf. Die dekorierte Knochennadel vom Abri Lartet wird auf etwa 32.000 v. Chr. datiert.



Bis zum jüngsten Forschungsstand waren die Knochenwerkzeugfunde im regionalen Früh- und Frühjungpaläolithikum einzig. Dies änderte sich mit Knochenwerkzeugen, darunter auch zwei Nadeln in den jungpaläolithischen Fundkomplexen der Strashnaya-Höhle in Sibirien. Ein proximal-mediales Fragment mit Öse wurde im unteren Teil der jungpaläolithischen Ablagerung (Schicht 33) gefunden. Der zweite Fund, ein distales Fragment, stammt aus Schicht 31a im oberen Bereich des Profils. Aufgrund der Radiokohlenstoffdaten lassen sich die Knochennadeln aus der Strashnaya-Höhle in den Zeitraum von 44.000 bis 19.000 Jahren einordnen.
Prähistorische Knochennadeln wurden bevorzugt aus den Mittelfußknochen des Rentiers und den Unterschenkelknochen des Hasen hergestellt, da diese stabil und elastisch sind. Im Magdalénien ist der Schneehase ein häufiger Knochenlieferant. Die gespaltenen Knochen dienten als Rohmaterial für Späne, aus denen Nadeln geschnitzt wurden. Ob sie geschliffen wurden, ist fraglich, die Polituren an den Fundstücken (z. B. Buhl Woman, Cairnpapple Hill, Dolmen auf dem Dösabacken, Rothesteinhöhle, Steinkirche Scharzfeld) können Gebrauchsspuren sein. Aus dem Hohler Fels stammt ein Schleifstein, der der Größe nach dazu gedient haben könnte. Das Öhr kann durch beidseitiges Bohren, Einschneiden oder eine Kombination beider Techniken entstehen.
Die Knochennadeln des Magdalénien sind zwischen 30 und 100 mm lang. Da sie brachen und nachgearbeitet wurden, sind die Längenunterschiede wohl primär auf die Nutzungsdauer zurückzuführen.
Sowohl die Knochennadeln von Herxheim als auch die Knochennadel vom Abri Lartet legen nahe, dass Knochennadeln nicht nur als Werkzeuge, sondern auch als Schmuck verwendet wurden. Sie haben möglicherweise als Gewandschließen oder Haarnadeln fungiert.
Knochennadeln wurden in Europa mindestens bis ins Mittelalter verwendet, in außereuropäischen Kulturen bis ins 19. und 20. Jahrhundert.
Literatur
- Lutz Fiedler, Gaëlle und Wilfried Rosendahl (Hrsg.): Altsteinzeit von A bis Z. Publikationen der Reiss-Engelhorn-Museen, Band 44, WBG, Darmstadt, 2011, S. 266
- Joachim Hahn: Erkennen und Bestimmen von Stein- und Knochenartefakten. Archaeologica Venatoria, Band 10, Tübingen, 1991, S. 289