Kocborowo
Ortsteil in Polen
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Kocborowo (auch Kucborowo, deutsch Konradstein oder Conradstein)[1] ist ein nördlicher Ortsteil von Starogard Gdański im Powiat Starogardzki der polnischen Woiwodschaft Pommern, und gleichzeitig Name des psychiatrischen Krankenhauses, das sich hier über ein sehr großes, von Mauern umgebenes Gelände mit zahlreichen Backsteingebäuden erstreckt.
Die Provinzial-Irrenanstalt Konradstein entstand ab 1893 auf dem Gelände des Ritterguts Konradstein[2][3] als die dritte Landesanstalt für psychisch Kranke von Westpreußen. Im Jahr 1900 zählte der Ortsteil nur 160 Einwohner, ohne die über 1000 Insassen der gleichnamigen psychiatrischen Anstalt Kocborowo mit zu zählen. Genaueres findet man auf der polnischen Wikipediaseite über Kocborowo.
Im Zweiten Weltkrieg wurde die Anstalt von den Deutschen besetzt und im Reichsgau Danzig-Westpreußen zur zentralen Gau-Heil- und Pflegeanstalt Konradstein. Während andere Pflegeheime dieses neuen Reichsgaues zu Kriegszwecken umfunktioniert wurden und deren Patienten nach Konradstein und anderswohin verlegt wurden, behielt nur diese Anstalt ihre Funktion, allerdings unter nationalsozialistischen Bedingungen und Gesetzen.
Im Hintergrund des großen Anstaltsgeländes befindet sich außerhalb der Anstaltsmauern noch ein großer Patientenfriedhof, der heute überwaldet ist. Dort erinnern mehrere Denkmäler an die Patienten, die hier während der deutschen Besetzung zwischen 1939 und 1945 ermordet wurden, u. a. auch an 500 Kinder aus der „Kinderfachabteilung“. In verschiedenen Friedhofsfeldern der Kriegsjahre sind zahlreiche namenlose Gräber dieser Zeit eng an eng im Boden zu erkennen, die die hohe Sterberate dieser Zeit zeigen. Unter den Opfern, die hier auf dem Anstaltsfriedhof begraben wurden, waren auch viele umgesiedelte „Volksdeutsche“ aus dem östlichen Europa,[4] die im besetzten Polen angesiedelt werden sollten und nicht den Auslesekriterien[5] entsprachen.
Im östlich von Kocborowo gelegenen großen Waldgebiet von Szpengawsk befindet sich eine große Grab- und Gedenkanlage aus dieser Zeit. In einem der 39 Massengräber, die man im Wald fand, liegen auch die polnischen Patienten und Patientinnen der Anstalt Konradstein, die im Herbst 1939 mit LKW hierhin gefahren und an den Gräbern erschossen wurden.