Kochertalbahn
ehemalige Stichbahn von Waldenburg nach Forchtenberg in Deutschland
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Die Kochertalbahn war eine normalspurige Nebenbahn im nördlichen Württemberg. Sie führte als Stichbahn von Waldenburg nach Forchtenberg und folgte zwischen Künzelsau und Forchtenberg dem Kocher. Die Strecke wurde 1892 und 1924 in zwei Teilstücken eröffnet und 1981/91 stillgelegt und anschließend zurückgebaut. Ein elektrifizierter Neubau zwischen Waldenburg und Künzelsau als Teil der Stadtbahn Heilbronn ist in Planung.
| Waldenburg (Württ)–Forchtenberg | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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| Streckennummer (DB): | 4956 | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke (DB): | 784 (bis 1981) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Kursbuchstrecke: | 323c (1946) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Streckenlänge: | 23,52 km | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Spurweite: | 1435 mm (Normalspur) | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
| Maximale Neigung: | 38 ‰ | ||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
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Geschichte

Das erste, 12,2 Kilometer lange Teilstück bis Künzelsau wurde am 1. Oktober 1892 durch die Königlich Württembergischen Staats-Eisenbahnen (K.W.St.E.) eingeweiht, am folgenden Tag dem regulären Verkehr übergeben.
Die Fertigstellung des zweiten, 11,5 km langen Teilstücks bis Forchtenberg verzögerte sich wegen der Wirtschaftslage bis zur Eröffnung unter der Deutschen Reichsbahn am 21. Juni 1924 beziehungsweise bis zur regulären Inbetriebnahme am darauf folgenden Tag.
Der beabsichtigte Lückenschluss zwischen Forchtenberg und Ohrnberg, der Endstation der Unteren Kochertalbahn, und damit die Verbindung durchs Kochertal nach Bad Friedrichshall und Heilbronn kam, vermutlich wegen des Zweiten Weltkriegs, nie zustande. Lokalen Quellen zufolge gab es auch Opposition von Ernsbacher Unternehmerseite, welche ein Abwandern der lokalen Arbeitskräfte durch Auspendeln fürchtete. Der fehlende Lückenschluss war wohl mit für das spätere Ende des Bahnbetriebs verantwortlich.
Bis in die 1970er Jahre galt die Strecke als eine der rentabelsten Nebenbahnen in Baden-Württemberg. Ende der 1970er Jahre wurde der Oberbau erneuert und Schienen und Schwellen, die teilweise noch aus dem 19. Jahrhundert stammten, ersetzt.[4]
Stilllegung
Der Schienenpersonenverkehr wurde am 30. Mai 1981 zugunsten des Nahverkehrsmodells Hohenlohekreis, eines Pilotprojektes für Omnibusnetze im ländlichen Raum, „vorläufig“ eingestellt, mit der Zusage, bei einem Scheitern des Modells diesen wieder aufzunehmen. Die Ziele des Projekt wurden verfehlt und das Modell stark abgeändert. Ein Scheitern wurde politisch nie festgestellt und damit der Schienenpersonenverkehr nicht wieder aufgenommen.[4] Die Einstellung des Güterverkehrs folgte am 15. Mai 1991.[5] Die Stilllegung wurde 24. April 1995 vom Eisenbahn-Bundesamt genehmigt und zum 1. August 1995 vollzogen.[6]
Die Strecke wurde in ihrer Gesamtlänge von Bahnbetriebszwecken freigestellt.[7.1] Die Gleise wurden zurückgebaut und zwischen Waldenburg und Künzelsau[7.1] Fuß- und Radwege auf oder neben der Trasse angelegt.
Pläne zur Reaktivierung
Eine Machbarkeitsstudie ergab 2002 ein Nutzen-Kosten-Verhältnis von unter 1,0 für eine Schienenanbindung von Künzelsau.[8] Eine Wiederinbetriebnahme des Abschnitts zwischen Waldenburg und Künzelsau als Verlängerung der Stadtbahn Heilbronn wurde erneut ab 2008 geprüft.[9] Jedoch beschloss der Hohenloher Kreistag im Jahr 2012, diese Pläne aufzugeben, weil nach Prognosen der Betrieb unwirtschaftlich wäre.[10] 2011 wurde auf dem Stadtgebiet von Künzelsau eine Freihaltetrasse für eine Regionalstadtbahn bestimmt.[11]
2017 wurde die Bürgerinitiative Wir bauen die neue Kochertalbahn unter Leitung des Bundestagsabgeordneten Christian von Stetten[12] gegründet. In der Folge wurde eine Machbarkeitsstudie zur Reaktivierung zwischen Waldenburg und Künzelsau beauftragt und im Mai 2020[13] fertiggestellt.[14.1] Eine Potenzialanalyse im Auftrag des Ministeriums für Verkehr Baden-Württemberg prognostizierte 2020 für eine Durchbindung von Künzelsau über Waldenburg nach Heilbronn im 60-min-Takt ein hohes Nachfragepotenzial von durchschnittlich 1010 Personenkilometer je Streckenkilometer pro Tag.[15] Im März 2023 wurde eine durch den Hohenlohekreis beauftrage erweiterte Machbarkeitsstudie[14.1] zur Reaktivierung der Kochertalbahn zwischen Waldenburg und Nagelsberg vorgestellt, die zu dem Ergebnis kam, dass ein Wiederaufbau der Strecke unter Einbindung von Gaisbach technisch möglich und verkehrlich und volkswirtschaftlich sinnvoll ist. Zugrundegelegt wurde eine Reaktivierung als elektrische Stadtbahn nach der Straßenbahn-Bau- und Betriebsordnung und eine gleichzeitige Elektrifizierung der Bahnstrecke Crailsheim–Heilbronn zwischen Öhringen-Cappel und Schwäbisch Hall-Hessental.[14.2][7]
Der Kreistag stimmte für eine Weiterverfolgung und die Stadtverwaltung Künzelsau übernahm in Abstimmung zwischen den Bürgermeistern der Kommunen Künzelsau, Kupferzell und Waldenburg die Koordination der Planung. 2025 vergab die Stadtverwaltung Künzelsau die Vorplanungsleistungen.[14.2][16] 2025 wurde mit dem Abschluss der Vorplanung und Festlegung der bevorzugten Trasse bis ca. Ende 2026 und dem Abschluss der Standardisierten Bewertung ca. Anfang 2027 gerechnet.[14.3]
Bahnhof Kupferzell

Das Empfangsgebäude des Bahnhofs Kupferzell entstand 1892 als erster Württembergischer Einheitsbahnhof.[17] Nach Stilllegung der Strecke wurde es von 1989 bis 1990 in das Freilandmuseum Wackershofen transloziert. Dort steht es zusammen mit dem ehemaligen Kupferzeller Lagerhaus – dem ersten genossenschaftlichen Lagerhaus Württembergs – neben einem für das Freilandmuseum eingerichteten Haltepunkt der Bahnstrecke Crailsheim–Heilbronn. Die darin befindliche historische Dienstwohnung steht seit 2000 mit Illustrationen zur Geschichte des Gebäudes und seiner Bahnanlage dem Besucher offen.
Fahrzeugeinsatz
Die Schienenbusse wurden aufgrund von Überfüllungen der vierteiligen Garnituren im Schülerverkehr durch lokbespannte Züge ersetzt. Die Züge waren meist aus sechs B3yg-Wagen gebildet.[4]
Literatur
- Albrecht Bedal (Hrsg.): Der Bahnhof aus Kupferzell. Die Geschichte eines württembergischen Stationsgebäudes und der Nebenbahn Waldenburg–Künzelsau. Hohenloher Freilichtmuseum, Schwäbisch Hall 2001, ISBN 3-9806793-3-0.
- Dieter Gräter: Die Kochertalbahn: Waldenburg–Künzelsau–Forchtenberg. Swiridoff, Künzelsau 2003, ISBN 3-89929-006-2.
- Peter-Michael Mihailescu, Matthias Michalke: Vergessene Bahnen in Baden-Württemberg. Konrad Theiss Verlag, Stuttgart 1985, ISBN 3-8062-0413-6, Waldenburg–Forchtenberg / Blaufelden–Langenburg / Weikersheim–Röttingen / Bieberehren–Creglingen, S. 151–153.
Weblinks
- Die Kochertalbahn ( vom 22. Oktober 2007 im Internet Archive) auf verkehrsrelikte.de
- Kursbuchauszug von 1944
- Waldenburg - Forchtenberg (Kochertalbahn). In: Vergessene Bahnen. Reiner Schruft, August 2010 (Streckenfotos).
- Kochertalbahn Teil 2. (...das Ende) auf YouTube (Die fahrplanmäßig letzte Fahrt eines Personenzuges).
- Streckenverlauf auf OpenStreetMap
