Konrad Großberger

SS-Obersturmführer und Mitarbeiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien From Wikipedia, the free encyclopedia

Konrad Großberger (* 2. April 1908 im südmährischen Essekle; † 15. Mai 1988 in Wien) war ein österreichischer SS-Obersturmführer und Mitarbeiter der Zentralstelle für jüdische Auswanderung in Wien.

Leben

Konrad Großberger war das älteste von sechs Kindern. Sein Vater war Postbeamter in Znaim. Infolge des Zusammenbruchs der k. u. k. Monarchie und der Staatsgründung der Tschechoslowakei übersiedelte die Familie nach 1918 nach Wien. Die Familie wohnte unter ärmsten Verhältnissen am Floridsdorfer Spitz.

Nach dem Schulbesuch war Großberger als Hilfsbediensteter bei der Post angestellt. Nach einer längeren Phase der Arbeitslosigkeit wurde er 1927 Infanterist beim österreichischen Bundesheer, allerdings bereits nach zwei Jahren als untauglich ausgeschieden. Danach arbeitete er in einer landwirtschaftlichen Maschinenfabrik, später als Matrose bei der Ersten Donau-Dampfschifffahrtsgesellschaft.

Großberger trat zum 15. September 1926 in die NSDAP ein (Mitgliedsnummer 52.022),[1] war zunächst Mitglied der Hitlerjugend (HJ), dann der SA und schließlich der SS. 1930 erhielt er eine 24-stündige Arreststrafe, nachdem er mit zwei Gesinnungsgenossen einen jüdischen Studenten in Floridsdorf überfallen hatte.[2]

1935 setzte sich Großberger nach Deutschland ab, wo er zunächst im SS-Lager bei Bayreuth stationiert war. 1936 erwarb er die deutsche Staatsbürgerschaft und arbeitete bis 1938 im Rang eines Oberscharführers im NSDAP-Flüchtlingshilfswerk in Berlin. Nach dem „Anschluss“ kehrte er nach Wien zurück und wurde Büroangestellter in der NS-Vermögensverkehrsstelle. Ab Herbst 1939 war er in der Zentralstelle für jüdische Auswanderung mit der Dienstführung betraut. Zu seinen Aufgaben zählten die Personalsachbearbeitung, die Regelung des Parteienverkehrs und die sportliche Ertüchtigung der im Wachdienst stehenden Männer. Nach einer Zwischenstation in Berlin wechselte er in die Zentralstelle in Prag. 1944 war Großberger in Den Haag stationiert, wo er als Befehlshaber der SIPO und des SD für die besetzten niederländischen Gebiete zuständig zeichnete und die dortigen Deportationen leitete. Ende 1944 wurde er nach Prag zurückversetzt.

Zu Kriegsende geriet Großberger in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Entlassung tauchte er 1946 in Steyr unter falschem Namen unter. Ein Kripo-Einsatz sollte Großberger stellen, scheiterte aber. Im Herbst 1948 wurde er zur Fahndung ausgeschrieben. 1954 gelang seine Verhaftung, bei der zwei Schusswaffen sichergestellt wurden. Nach zwei Wochen wurde Großberger gegen Gelöbnis freigelassen. 1955 meldete er sich nach Deutschland ab. Das gegen Großberger laufende Strafverfahren wurde 1957 im Zuge der NS-Amnestie eingestellt, durch die ca. 500.000 Personen österreichweit amnestiert wurden.[3] Vermutlich kehrte er nach diesem Zeitpunkt nach Österreich zurück.[4]

Einzelnachweise

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