Konrad Hagius
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Konrad Hagius (auch Conradus Hagius Rinteleus; * Mitte des 16. Jahrhunderts, vermutlich in Rinteln; † 1616) war ein deutscher Komponist und Lautenist der späten Renaissance. Hagius gehört zu jener Generation von Musikern um 1600, deren Tätigkeit durch häufige Ortswechsel geprägt war. Seine Laufbahn illustriert die Mobilität von Hofmusikern im Heiligen Römischen Reich und die Verbreitung italienischer Musikstile nördlich der Alpen.
Leben und Werk
Über Herkunft und Lebensdaten von Konrad Hagius ist nur wenig Sicheres überliefert. Sein Geburtsjahr lässt sich lediglich indirekt aus einer Altersangabe in einer Quelle von 1595 erschließen.[1] Als Herkunftsort wird in der Forschung häufig Rinteln angenommen, da er sich in Drucken als „Hagius Rinteleus“ bezeichnete. Ein Studium ist für Königsberg anzunehmen, wo Hagius als Student nachweisbar ist. Über seine Ausbildung im Einzelnen liegen keine gesicherten Angaben vor.
Ab 1586 stand Hagius im Dienst von Johann Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg, dessen Residenz sich in Düsseldorf befand. Für diesen Hof veröffentlichte er 1589 eine Sammlung von Psalmen auf Texte von Caspar Ulenberg. Diese Drucke stellen einen der frühesten gesicherten Nachweise seiner Tätigkeit dar.
Spätestens um 1600 ist Hagius als Musiker am Hof von Friedrich I. von Württemberg in Stuttgart belegt. Er gehörte dort zur Hofkapelle und war sowohl als Sänger als auch als Komponist tätig.[2] Nach Stuttgart ist Hagius in Heidelberg nachweisbar, bevor er wieder zurück nach Stuttgart ging. Später wird er als Kapellmeister und Hofkomponist bei der Holsteinisch-Schwanenbergischen Hofkapelle genannt, gemeint ist wohl das Musikensemble der Grafen von Holstein-Schauenburg.[3.1] Seine Tätigkeit ist im Zusammenhang mit der internationalen Ausrichtung der württembergischen Hofmusik zu sehen, die zahlreiche auswärtige Musiker beschäftigte. Hagius starb 1616; der Ort seines Todes ist nicht bekannt.
Das Œuvre des Sängers Konrad Hagius umfasst vor allem geistliche und weltliche Vokalmusik. Besonders hervorzuheben sind seine Psalmvertonungen (1589), die im Kontext der katholischen Reformbewegung stehen und auf Texten von Caspar Ulenberg basieren. Nach Ansicht Bertha Antonia Wallners haben diese Psalmvertonungen ihr Vorbild in dem in den späten 1560er Jahren von Claude Goudimel herausbrachten, ähnlichen Werk.[3.1]
Weiterhin bemerkenswert ist seine fünfzehnstimmige Motette, die von fünfzehn Violen begleitet wurde und die als Tafelmusik vorgesehen war. Diese Komposition erschien 1602 am Stuttgarter Hof und entsprach im „glänzenden Venetianerstil“ der Art des Musizierens, die in diesen Jahren dort besonders beliebt war.[3.2] Stilistisch zeigt seine Musik Einflüsse der italienischen Madrigalkultur, die im deutschen Raum der späten Renaissance zunehmend rezipiert wurde. Seine Werke sind in zeitgenössischen Drucken überliefert und in internationalen Quellenverzeichnissen nachgewiesen.
Werke
- Neuen Tricinien … mit schönen Texten unterlegt, also dass sie nicht allein lieblich zu singen, sondern auch auff Instrumenten zu gebrauchen sind, Frankfurt a. M. 1604.[3.3]
- Newe künstliche Musicalische Intraden etc., zu vier, fünf und sechs Stimmen, Abraham Wagenmann, Nürnberg 1617.[4]
- Psalmen Davids. Psalmen Davids wie die hiebevor unter allerley Melodeyen in Teutsche Gesang-reimen, durch den Hern Casparum Ulenbergium bracht: Nachmals aber fur die gemeine Jugent einfeltig mit vier Stimmen gesetzt, und jtzundt widerumb auffs New mit Fleisz ubersehen und Corrigiert, auch die beygefuegte Lobsaenge des Alten und Newen Testaments desz obgedachten Ulenbergij, mit vier Stimmen hinzugeordnet. durch Cunradum Hagium Rintelejum Westphalum. Cornelius Sutor, Ursel [Oberursel, Taunus] 1606.
Literatur
- Die Musik in Geschichte und Gegenwart. 2. Auflage, Personenteil, Bd. 8. Kassel u. a. 2002, S. 395.
- Gesa zur Nieden u. a. (Hrsg.): Musicians’ Mobilities and Music Migrations in Early Modern Europe. Bielefeld 2016.