Korporal
militärischer Dienstgrad unterschiedlicher Streitkräfte
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Korporal (von lat. corpus bzw. corporis für der Körper, engl. corporal, frz. caporal) ist in vielen Streitkräften der unterste Rang der Unteroffiziere. In der Bundeswehr ist der Korporal ein Dienstgrad für Mannschaften. In der Schweiz, in Belgien und in Luxemburg wird dieser Rang auch bei der Feuerwehr verwendet. In früheren deutschen Heeren wurde der unterste Unteroffiziersdienstgrad ebenfalls zeitweise mit Corporal bezeichnet.
Deutschland
| Korporal | |
|---|---|
Dienstgradabzeichen[1][2][3][A 1] | |
| Dienstgradgruppe | Mannschaften[4] |
| NATO-Rangcode | OR-4[5] |
| Dienstgrad Heer/Luftwaffe | Korporal[4] |
| Dienstgrad Marine | Korporal[4] |
| Abkürzung (in Listen) | Korp/K[6] |
| Besoldungsgruppe | A 6 nach BBesO[7] |
Korporal ist ein am 15. September 2021 eingeführter Dienstgrad der Bundeswehr in der Dienstgradgruppe der Mannschaften.[4]
Geschichte
Im Rahmen der Personalentwicklung der Bundeswehr zur „Modernisierung der Laufbahnen“ wurde die Neukonzeption der Laufbahnen der Mannschaften des Truppendienstes gebilligt und die Einführung der neuen Dienstgrade Korporal und Stabskorporal als Spitzendienstgrad für Mannschaften beschlossen. Es wird sich zunächst um ein Pilotprojekt handeln.[8] Die ersten Korporale der Bundeswehr wurden am 1. Dezember 2021 in diesen Dienstgrad befördert.[9] Das Ziel der Einführung der mit einem höheren Sold verbundenen Dienstgrade ist es, die Laufbahn der Mannschaften attraktiver zu machen. Bis April 2022 sollten 1400 Korporale und Stabskorporale ernannt werden.[10]
Befehlsbefugnis und Dienststellungen
In der Bundeswehr ist der Korporal ein Mannschaftsdienstgrad.[4][11] Auf Grund der Zugehörigkeit zur Dienstgradgruppe der Mannschaften könnten Korporale auf Grundlage des § 4 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund des Dienstgrades“) der Vorgesetztenverordnung niemandem allein auf Grund ihres Dienstgrades Befehle erteilen.[12][13] Wie alle Mannschaftsdienstgrade können sich Korporale daher auch in Notlagen nicht selbst zu Vorgesetzten gemäß § 6 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund eigener Erklärung“) der Vorgesetztenverordnung erklären.[14]
Korporale besetzen besonders anspruchsvolle Dienstposten, die eine besondere Erfahrung benötigen. Dazu zählen beispielsweise Verwendungen als Instandsetzer auch komplizierter technischer Systeme (Bordwaffen, Funkgeräte, optische und elektronische Aufklärungsmittel, Drehflügler usw.), in Stäben als besonders qualifizierte Stabsgehilfen oder als Bediener technischer Systeme auf Kommandobrücken oder Gefechtsständen. Korporale werden auch als Ausbilder, Truppführer oder (dann aber meist nur übergangsweise nach § 5 („Vorgesetztenverhältnis auf Grund besonderer Anordnung“) der Vorgesetztenverordnung) Gruppenführer eingesetzt. Auf Grund ihrer Erfahrung, die meist der Erfahrung von Unteroffizieren entspricht, sind Korporale in Stäben häufig mit Aufgaben betraut, die erhebliches Fachwissen und eine hohe Verantwortung bedingen. Auf Grund dieser und ähnlicher Dienststellungen und Aufgabenbereiche können Korporale in den in der Vorgesetztenverordnung aufgezählten Fällen und in den dort genannten Grenzen allen dienstlich oder fachlich unterstellten Soldaten Befehle erteilen.[12][15]
Ernennung
Maßgebliche gesetzliche Grundlagen für die Ernennung zum Korporal enthält die Soldatenlaufbahnverordnung (SLV) und ergänzend die noch zu ändernde Zentrale Dienstvorschrift (ZDv) 20/7. Zum Korporal können Soldaten auf Zeit und beorderte Reservisten der Laufbahnen der Mannschaften ernannt werden.[A 2] Soldaten können 7 Jahre nach Eintritt in ein Dienstverhältnis der Bundeswehr zum Korporal ernannt werden.[A 3] Voraussetzung ist ferner in der Regel eine Dienstzeit von mindestens einem Jahr im Dienstgrad Oberstabsgefreiter.[16][17][18][A 4] Das Bundesministerium der Verteidigung hat angekündigt, die Beförderungen hauptsächlich nach dem Prinzip der Bestenauswahl und nicht überwiegend nach Dienstalter durchzuführen.[8] Das Bundesministerium plant darüber hinausgehend, anfänglich nur Bewerber zu berücksichtigen, die mindestens drei Jahre als Soldat auf Zeit im Dienstgrad des Oberstabsgefreiten gedient haben und die sich noch mindestens zu einer Restdienstzeit von drei Jahren verpflichten bzw. bereits verpflichtet haben.[A 5][19]
Besoldung
Soldaten auf Zeit im Dienstgrad Korporal werden nach der Bundesbesoldungsordnung (BBesO) mit A 6 besoldet. Damit steht der Korporal in der Eingangsbesoldungsgruppe des Dienstgrads Stabsunteroffizier, ohne aber wie dieser in Besoldungsgruppe A 7 aufsteigen zu können.[7][20] Ein Freiwillig Wehrdienst Leistender erhält stattdessen Wehrsold nach dem Wehrsoldgesetz (WSG), ein Reservistendienst Leistender Leistungen nach dem Unterhaltssicherungsgesetz (USG).
Dienstgradabzeichen
Das Dienstgradabzeichen für Korporale zeigt einen breiten Schrägstreifen auf beiden Schulterklappen bzw. für Marineuniformträger auf den Oberärmeln.[A 7][1][21][2]
Äquivalente, nach- und übergeordnete Dienstgrade
Den Dienstgrad Korporal führen sowohl Heeres-, Luftwaffen- als auch Marineuniformträger. In den Streitkräften der NATO ist der Korporal zu allen Dienstgraden mit dem NATO-Rangcode OR-4 äquivalent.[5]
In der Laufbahngruppe der Mannschaften ist der Korporal im Sinne der entsprechend noch zu ergänzenden ZDv 20/7 über dem rangniedrigeren Oberstabsgefreiten und unter dem ranghöheren Stabskorporal eingeordnet.[18]
| Niedrigerer Dienstgrad[22] | Höherer Dienstgrad[22] | |
| Oberstabsgefreiter | Korporal | Stabskorporal |
Dienstgradgruppe: Mannschaften – Unteroffiziere o.P. – Unteroffiziere m.P. – Leutnante – Hauptleute – Stabsoffiziere – Generale | ||
Österreich
Bundesheer
— Korporal — | |
|---|---|
Anzug 75 / 03 | Rockkragen | Tellerkappe | |
| Dienstgradgruppe | Chargen |
| NATO-Rangcode | OR-3 |
| Dienstgrad Heer/Luftwaffe | Korporal |
| Dienstgrad Marine | keiner |
| Abkürzung (in Listen) | Kpl |
| Besoldungsgruppe | ... |
Im österreichischen Bundesheer ist Korporal ein Chargendienstgrad (Verwendungsgruppe MZCh). Er entspricht annähernd den Dienstgraden Hauptgefreiter oder Stabsgefreiter in der deutschen Bundeswehr (also keineswegs dem deutschen Korporal!). Der Korporal kann im Frieden Kommandantenaufgaben von Trupp-Stärke bis eventuell Gruppen-Stärke übernehmen. In Auslandseinsätzen wird er auf Englisch als Corporal (Cpl) bezeichnet.
Die Rangabzeichen des Bundesheeres der 2. Republik orientieren sich an den bis 1918 gebräuchlichen alt-österreichischen Kragendistinktionen, variieren diese jedoch, besonders auffällig bei den Unteroffizieren (Wachtmeister bis Vizeleutnant). Das Kragenabzeichen des Korporals kommt allerdings dem damaligen Muster sehr nahe. Seit 1965 sind die Rangsterne der Gesellschaftsuniform in feinerer Ausführung.[23] Dazu eine weiß-graue Schulterspange mit Schuber, wie alle Chargen.
Soldaten, die in der Ausbildung zum Unteroffizier (HUAK) oder zum Offizier (EF) stehen, tragen eine eigene Version des Dienstgrades mit silberfarbenem Querbalken am Oberrand. Diesen gibt es nur für den Dienstanzug 75/03.
Geschichte
Österreich-Ungarn (bis 1918)
In der k.u.k. Armee zählte der Korporal noch zu den Unteroffizieren (und legte dementsprechend das gelb-schwarze Unteroffiziersportepee an). Im frühen 19. Jahrhunderts existierte zusätzlich die Dienststellung des Zugs-Corporals, die den vier dienstältesten der 12 Korporale einer Kompanie oblag. Am 25. Jänner 1857 entstand aus der Funktion die Charge des Zugsführers.
Der Korporal führte von Mai 1848 bis Mitte Jänner 1850 zwei weißtuchene Horizontalstreifen als Kragendistinktion, dann zwei weiße, sechsspitzig Kragensterne. Diese waren übereinander angeordnet und bestanden zunächst aus Tuch, seit 1901 aber aus Zelluloid. Der Zugs-Corporal ähnlich, doch zusätzlich ein gelbseidenes, gezackt dessiniertes Börtchen nahe des Kragenrands (das Börtchen wie jenes des Feldwebels ab 1857).
Volkswehr der 1. Republik (1918–1920)
Nach dem Ende der Habsburgermonarchie gerieten alle bisherigen Rangabzeichen in Fortfall. Erst am 2. April 1919 wurden neue Abzeichen verfügt. Diese bestanden, ähnlich wie bei der deutschen Reichswehr, aus am linken Ärmel zu tragenden blauen Streifen. Bei den Chargen und Unteroffizieren saßen die Rangabzeichen auf dem linken Oberärmel und waren meist winkelförmig, mit der Spitze nach oben. Entsprechend führte der Korporal einen solchen Winkel. Mit der Spitze nach unten wiesen nur die Abzeichen des Gefreiten (ein Winkel) und des Gagisten ohne Rangklasse (vier Winkel); den Offiziersstellvertreter kennzeichneten indes vier horizontale Streifen. Offiziere führten die Rangabzeichen auf dem Unterärmel, in einer Kombination aus schmalen, mittelbreiten und breiten Streifen.[24]
Bundesheer der 1. Republik (1920–1938)
Mit dem Wehrgesetz vom 18. März 1920 schlug die Geburtsstunde des Bundesheeres der 1. Republik, in das man am 1. Oktober 1920 die Bataillone der Volkswehr überführte.[25] Am 5. Mai 1920 wurden neue Rangabzeichen („Dienstzeichen“) verordnet.[26] Diese waren nun auf beiden Unterärmeln zu tragen und bestanden aus Horizontalborten, wobei auf der obersten eine kreisrunde „Kriegerschleife“ saß, ähnlich dem Elliotsauge der k. u. k. Marine. Für Offiziere waren die Abzeichen silbern, für Chargen und Unteroffiziere dunkelgrün. Der Korporal, nun bis 1923 „Schwarmführer“ genannt, führte anfangs eine dunkelgrüne Borte, ab Wiedereinführung der Gefreiten-Charge (19. Mai 1923) aber zwei Borten, mit einem 1 cm breiten Intervall.[27][28]
Ab dem 11. September 1923 bis zum 31. Mai 1933 folgten die Rangabzeichen weitestgehend dem Vorbild der deutschen Reichswehr. Den Korporal kennzeichneten zwei, mit der Spitze nach unten weisende, silberne Winkel.[29] Abweichend von der deutschen Praxis, wurde dass Abzeichen nicht nur am linken, sondern auch am rechten Oberarm getragen.[30] Das Abzeichen entsprach damals jenem des deutschen Gefreiten (dieser besaß erst ab Oktober 1936 nur noch einen Rangwinkel, der Obergefreite dann zwei statt drei, weil zeitgleich der deutsche Oberschütze seinen bisherigen Rangwinkel mit einem Rangstern getauscht hatte).
Mit dem 1. Juni 1933 erfolgte der Wechsel zu alt-österreichischen Kragendistinktionen (bis 1938).[31] Bei den 1936 offiziell enttarnten Luftstreitkräften (amtlich: Fliegertruppe) folgten die Rangabzeichen, zumindest bei den Offizieren, indes den Ärmeldistinktionen der k. u. k Kriegsmarine bis 1918. Die Ärmelwinkel der Chargen, inklusive des Korporals, waren allerdings blaufarbig und wiesen mit der Spitze nach oben.[32]
Überführung in die Wehrmacht (1938)
Nach dem „Anschluss“ Österreichs an das Deutsche Reich wurde das Bundesheer zum 14. März 1938 in die Wehrmacht überführt. Bei der endgültigen Festlegung der neuen Dienstgrade stufte man die Korporale meist als Obergefreite ein.[33]
| Niedrigerer Dienstgrad Gefreiter |
Dienstgrad |
Höherer Dienstgrad Zugsführer |
| Einordnung: Rekruten – Chargen – Unteroffiziere – Offiziere Alle Dienstgrade auf einen Blick: Bundesheer-Dienstgrade | ||
Schweiz
— Korporal — | |
|---|---|
Dienstanzug Schulterklappe | |
| Dienstgradgruppe | Unteroffiziere |
| NATO-Rangcode | OR-4 |
| Dienstgrad Heer/Luftwaffe | Korporal |
| Dienstgrad Marine | keiner |
| Abkürzung (in Listen) | Kpl |
| Besoldungsgruppe | CHF 10.-/Tag |
In der Schweizer Armee ist der Korporal (kurz: Kpl) der niedrigste Unteroffiziersgrad (NATO-Rangcode: OR-4). Er steht eine Rangstufe über dem Mannschaftsdienstgrad Obergefreiter.
Bis zur Armeereform XXI (mit Wirkung zum 1. Januar 2004) erfüllte er die Funktion des Gruppenführers. Seitdem diese Funktion vom Wachtmeister übernommen wird, ist der Korporalsrang Fachspezialisten ohne Führungsfunktion vorbehalten.
Den Rang des Korporals gibt es außerdem noch bei der Feldpost, was darauf zurückzuführen ist, dass die Ausbildung eines Feldpostkorporals wesentlich kürzer dauert als die eines regulären Gruppenführers. Auch bei der ABC-Abwehr aller Truppengattungen gibt es den Rang des Korporals noch. Dabei werden Soldaten nach einer speziellen Unteroffiziersschulung zu Korporalen befördert. Das Dienstgradabzeichen zeigt bei der Schweizer Armee einen einfachen Winkel auf den Achselschlaufen.
In Auslandeinsätzen wird er auf Englisch als Corporal (Cpl) bezeichnet.
| Niedrigerer Grad Obergefreiter |
Unteroffiziersgrad Korporal |
Höherer Grad Wachtmeister |
| Einordnung: Mannschaften – Unteroffiziere – Höhere Unteroffiziere – Subalternoffiziere – Hauptleute – Stabsoffiziere – Höhere Stabsoffiziere – Oberbefehlshaber der Armee Alle Grade auf einen Blick: Grade der Schweizer Armee | ||
Andere Streitkräfte

Die Stellung des Korporals wird unterschiedlich definiert, meist im NATO-Rangcode OR-3 oder OR-4 (other rank), wobei OR-3 meist ein Mannschaftsdienstgrad (enlisted rank) ist, während OR-4 häufig schon zu den Unteroffizieren (non-commissioned officer) gezählt wird.
Frankreich
In Frankreich erfolgt die Beförderung zum Caporal (OR-3) nach Bestehen eines gesonderten Lehrgangs, dieser und auch der Caporal-chef (OR-4) gehören zu den Mannschaften.
Großbritannien, Vereinigte Staaten
In Großbritannien und den Vereinigten Staaten erfolgt die Beförderung zum Corporal (OR-4) ebenfalls nach Bestehen eines gesonderten Lehrgangs. Corporals zählen bereits als Unteroffiziere.
Niederlande
In den Niederlanden wird man Korporaal (OR-3) nach einer längeren Dienstzeit im Mannschaftsrang.
Polen
In den polnischen Streitkräften gibt es die folgenden vergleichbaren Dienstgrade in der Laufbahngruppe der Unteroffiziere:
- kapral (OR-3, „Korporal“), abgekürzt kpr., historisch abgeleitet vom ital. caporale für der Befehlende
- starszy kapral (OR-4, „Oberkorporal“), abgekürzt st.kpr., wörtlich älterer Korporal
Vatikanstadt
In der Päpstlichen Schweizergarde gibt es ebenfalls den Rang des Korporals sowie den des Vizekorporals.
Frühere deutsche Streitkräfte
Preußische Armee
In der preußischen Armee stand der „Corporal“ einer bis zu 30 Mann starken Korporalschaft vor, bei der Kavallerie einem Beritt. Mehrere Korporalschaften bzw. Beritte bildeten einen Zug oder Offizierberitt. Der Corporal rangierte zwischen dem Gefreiten und dem Sergeanten bzw. Feldwebel; er war der niederste Unteroffiziersdienstgrad. Die Bezeichnung Corporal wurde um 1850 in „Unteroffizier“ gewandelt.
Freikorporal wurden bis 1807 die (adligen) Offiziersanwärter genannt.
Als preußisches Äquivalent zum Vizekorporal in den Armeen anderer deutscher Partikularstaaten wurde um 1810/1811 die Dienststellung des Vizeunteroffiziers eingeführt.
Bayerische Armee
In der Bayerischen Armee gab es den Dienstgrad bis 1872 und wurde dann, gemäß preußischem Vorbild, in Unteroffizier umbenannt. Daneben gab es noch die Dienststellung des Vizekorporals, die jedoch 1872 entfiel.
Rangabzeichen des Korporals war seit 1802 eine weiße oder gelbe Krageneinfassung aus Wollborte (der Knopffarbe folgend) sowie eine waagerechte Woll-Litze in selber Farbe, dazu das weiß-blaue Unteroffiziersportepee. Ab 1872 folgten die Abzeichen dem preußischen Muster, mit gewissen bayerischen Varianten (Löwenknöpfe, blau-weiße bzw. blau-silberne Troddeln und Tressen).
Armeen der übrigen deutschen Partikularstaaten bis 1918
Der Dienstgrad Korporal bzw. Brigadier existierte auch in den Heeren der übrigen deutschen Partikularstaaten. In der württembergischen Armee entsprach ihm der Dienstgrad Obermann. Bis zur deutschen Reichsgründung 1871 und der Anpassung an die preußischen Standards in den frühen 1870er Jahren fiel die Gestaltung der Rangabzeichen jedoch unterschiedlich aus.
Zu Beginn des 19. Jahrhunderts folgten viele Staaten dem französischen Vorbild (zwei schräg aufgesetzte Wollborten auf den Unterärmeln), nach den Befreiungskriegen orientierte man sich häufig an Preußen (Einfassung des Kragens und der Ärmelaufschläge mit Metalltresse). Mit Wiederaufflammen des preußisch-habsburgischen Dualismus seit 1848 übernahmen viele der mittel- und süddeutschen Staaten die Rangabzeichen der Armee Österreichs (Korporal: zwei Kragensterne aus weißem Tuch). Nach 1871 legten die meisten Staaten (wieder) die preußischen Rangabzeichen an.
Das Herzogtum Braunschweig wechselte wegen der offenen Thronfolgefrage erst während der preußischen Regentschaft über das Herzogtum Braunschweig von der traditionellen schwarzen Uniform zur blauen preußischen im Jahr 1886 (Offiziere) bzw. 1892 (Mannschaften). Bis dahin trug der Korporal auf dem Ärmel zwei Tressenwinkel nach britischem Vorbild (die Offiziere hatten bis dahin Rangabzeichen gemäß österreichischem Vorbild angelegt).
„Fremdvölkische“ Schutzmannschaften der Wehrmacht und SS (1941–1945)
Während des Zweiten Weltkriegs war Korporal ein Dienstgrad in einigen der von den deutschen Besatzern im Hinterland der Ostfront aufgestellten Schutzmannschaften (Schuma). Die Mannschaften wurden unter der einheimischen, „fremdvölkischen“ Bevölkerung angeworben. Der Korporal rangierte mit dem Unterfeldwebel der Wehrmacht und stand zwischen dem Vizekorporal (Unteroffizier) und dem Vizefeldwebel (Feldwebel).[34]
Zur im Sommer 1942 eingeführten schwarzen Uniform bestand das Rangabzeichen des Korporals aus zwei Horizontalbalken mit einem auf seiner Spitze stehenden Winkel darüber. Das Abzeichen war oberhalb des Ärmelaufschlags aufgenäht und war einheitlich in silbergrauer Tresse oder Borte ausgeführt.[35] Bei den Schuma der Sicherheitspolizei entfielen die Ärmelwinkel und -balken. Stattdessen war der Rang anhand der Kragenspiegel erkennbar. Beim Korporal verlief ein silbergrauer Längsstreifen entlang der Vorderkante der Kragenpatte, dahinter ein Winkel, dessen beiden Schenkel parallel zur Vorder- und Unterkante der Patte verliefen. Gleiches galt ab Frühjahr 1943 für die geschlossenen Einheiten der Ordnungspolizei.[36]
Beispiele verschiedener Länder
Nachstehend sind Rangbezeichnungen, die semantisch auf Corporal zurückführbar sind, beispielhaft dargestellt.
Siehe auch
Literatur
- Wolfgang Böhler: Uniform-Effekten 1939–1945: Dienstgrade und Laufbahnabzeichen von Achsenmächten, Alliierten und Neutralen., Motorbuch Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03020-6.
- Dieter Deuster: Deutsche Polizei-Uniformen 1936–1945.Motorbuch Verlag, Stuttgart 2009, ISBN 978-3-613-03105-0.
- David G. Chandler, Ian Beckett (Hrsg.): The Oxford History of the British Army. Oxford University Press, Oxford u. a. 2003, ISBN 0-19-280311-5 (englisch).
- Jérôme Bodin: Les officiers français. Grandeur et misères, 1936–1991. Librairie Académique Perrin, Paris 1991, ISBN 2-262-00747-0, (franz.).
- Andrew Mollo: Uniforms of the SS. Band 5. Windrow & Greene, London 1992, ISBN 978-1-872004-62-4 (englisch).
- Harold W. Nelson (Hrsg.): The Army. Army Historical Foundation u. a., Arlington VA u. a. 2001, ISBN 0-88363-101-6 (englisch).
- Georg Ortenburg, Ingo Prömper: Preussisch-deutsche Uniformen. Von 1640–1918. Orbis-Verlag, München 1991, ISBN 3-572-08785-6.
- Erwin Steinböck: Österreichs militärisches Potential im März 1938, Oldenbourg Wissenschaftsverlag, München 1988, ISBN 978-3486548518
- Erwin Steinböck: Die Uniformierung der Soldaten des Bundesheeres (Das Bundesheer der Ersten Republik, Teil 2), in: Militaria Austriaca, Bd. 9, hrsg. von der Gesellschaft für österreichische Heereskunde, Wien 1992, S. 34–84
- Rolf M. Urrisk(-Obertynski): Die Uniformen des österreichischen Bundesheeres 1918-1938, H. Weishaupt Verlag, Graz 1993, ISBN 3-900310-93-9
- Rolf M. Urrisk(-Obertynski): Die Uniformen des österreichischen Bundesheeres 1952-1995, H. Weishaupt Verlag, Graz 1994, ISBN 3-7059-0012-9
Weblinks
Anmerkungen
- Links: Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Heeresuniformträger der Pioniertruppe. Mitte: Dienstgradabzeichen auf der Schulterklappe der Jacke des Dienstanzuges für Luftwaffenuniformträger. Rechts: Ärmelabzeichen am Hemd, dunkelblau eines Marineuniformträgers (Verwendungsreihe 10er Seemännischer Dienst)
- Da die Soldatenlaufbahnverordnung den Wechsel von Korporalen in andere Laufbahnen ermöglicht, gibt es aber auch Soldaten anderer Laufbahnen, die den Dienstgrad Korporal führen.
- Aktive Soldaten können in der Praxis nach 7 Jahren Dienstzeit zum Korporal ernannt werden. Für Reservisten gilt entsprechend, dass die Beförderung erst 7 Jahre nach Eintritt in ein entsprechendes Dienstverhältnis erfolgen kann. Reservisten und aktive Soldaten werden insoweit gleichgestellt, als dass die Ernennung in diesen Dienstgrad für Reservisten nicht früher erfolgt als für Soldaten, die in einem anderen Wehrdienstverhältnis „verblieben sind“. Reservisten werden also in dieser Hinsicht so behandelt, als ob sie ununterbrochen in der Bundeswehr gedient hätten. Die Dienstzeit fällt für Reservisten jedoch insgesamt meist wesentlich kürzer aus, da jeweils nur relativ wenige Tage Wehrdienst beispielsweise in Form von Wehrübungen vor Ernennung in einen höheren Dienstgrad abzuleisten sind.
- ZDv 20/7 auf Grundlage § 49 der Soldatenlaufbahnverordnung (Verordnung über die Laufbahnen der Soldatinnen und Soldaten (Soldatenlaufbahnverordnung – SLV). 28. Mai 2021 (Online [PDF; abgerufen am 9. September 2021] Soldatenlaufbahnverordnung vom 28. Mai 2021 (BGBl. I S. 1228); ersetzt V 51-1-27 v. 19.3.2002 I 1111 (SLV 2002)).
- Entsprechende ähnliche Voraussetzungen gelten für Bewerber in einer Laufbahn der Reserve.
- Aus Platzgründen verkürzte Bilduntertitel. Gemeint sind jeweils Heeresuniformträger, Luftwaffenuniformträger und Marineuniformträger. Die neben der Aufschiebeschlaufe für Heeresuniformträger abgebildete jägergrüne Flachlitze deutet auf einen Soldaten der Panzergrenadiertruppe, der Infanterie oder der Spezialkräfte hin. Neben den hier auf den Schulterklappen aufgeschoben abgebildeten Aufschiebeschlaufen für die Feldbluse im fünffarbigen Flecktarnmuster gibt es noch etliche weitere Dienstgradabzeichentypen, die im Artikel →„Dienstgradabzeichen der Bundeswehr“ ausführlicher dargestellt werden.
- In der Anordnung des Bundespräsidenten über die Dienstgradbezeichnungen und die Uniform der Soldaten werden für Marineuniformträger die Ärmelabzeichen beschrieben. Für einige Anzugarten für Marineuniformträger sind jedoch nach Zentraler Dienstvorschrift 37/10 Schrägstreifen auf beiden Schulterklappen wie für Heeres- und Luftwaffenuniformträger vorgesehen.




