Kotuku Tibble
neuseeländischer Filmemacher, Fernsehmoderator und Programmmacher sowie Pädagoge und Sportkommentator
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Leben, Ausbildung und Lehrtätigkeit
Te Teira Morehu Kōtukutuku Michael Tibble (genannt Kōtuku Tibble) wurde am 11. November 1963 geboren. Sein Whakapapa (māorischer Stammbau) ist u. a. mit den Stämmen der Ngāti Porou, Ngāti Raukawa, Ngāti Tuwharetoa, Te Whānau-ā-Apanui verbunden. Zwei seiner berühmtesten Vorfahren waren die Māori-Dichterin und Stammesälteste Rihi Puhiwahine und der aus Deutschland eingewanderte Johann Maximilian Goethe, der seinen Namen zu John Gotty anglisierte.[1] Der Familienüberlieferung nach war Gotty ein Verwandter Johann Wolfgang v. Goethes, möglicherweise durch eine Liaison mit Lili Schönemann über einen Sohn, Antonio Schönemann, der als Gottys Vater gilt.[2]
Kōtuku Tibble war eines von zehn Kindern, die in Johnsonville und Feilding von seiner Mutter Olive, einer Förderlehrerin am örtlichen Jungencollege Hato Paora, und seinem Vater Waho, einem Polizisten, großgezogen wurden. Tibble besuchte das Hato Paora College, bevor er 1989 ein Lehramtsstudium an der Waikato University abschloss. Nachdem er in Hamilton unterrichtet hatte, kehrte er 1992 als Leiter der Māori-Studien an das Hato Paora College zurück.[3] Im Laufe seiner 28-jährigen Lehrkarriere hatte Tibble viele Rollen inne: vom leitenden Dozenten der Unitec Universität in Auckland bis zum tumuaki tuarua (stellvertretender Schulleiter) an der Māori-Immersionsschule von Auckland Marae Te Wharekura o Hoani Waititi. Tibble war als leidenschaftlicher Lehrer bekannt, der Lieder, Reime und Rap schrieb, um seine Schüler für Te Reo zu begeistern. Viele seiner Lieder wurden zum Standardrepertoire an Schulen und in Maraes (Versammlungshäusern).[3]
Seine pädagogischen Fähigkeiten gewannen einen größeren Verbreitungsrahmen als Tipple Anfang des Jahrhunderts verstärkt im Medienbereich tätig wurde, wo er u. a. als Berater, Programmgestalter und Moderator auf nationaler Ebene in Erscheinung trat.
2016 erlitt er einen Herzinfarkt. Er wurde bereits für tot angesehen, überlebte jedoch und entschied sich, seine verbleibende Energie und Lebenszeit noch stärker in den Dienst der Māori-Kultur zu stellen.
Er starb am 24. September 2017 und hinterließ seine Frau Karen Te o Kahurangi Waaka und seine Tochter Hinetauira.[4]
Als Medienpersönlichkeit
Tibble setzte sich auch in den neuseeländischen Medien für den Einbezug der Māori-Sprache Te Reo und eine stärkere Präsenz māorischer Regisseure, Schauspieler, und Sprecher ein. Er war Sprachberater für Te Reo für verschiedene neuseeländische Fernsehprogramme.[4]
Im Jahr 2000 zog er nach Auckland, wo er zusammen mit Quinton Hita sein Fernsehdebüt als Co-Moderator der Sendung Manu Tīoriori gab.[5] Mit der Reality-Show bereiste das Duo das Land, um die Māori-sprachige Popgruppe Aaria bekannt zu machen.[6] Die Band schaffte es 2001 zweimal in die Top 20 der neuseeländischen Musikcharts.[3]
Von 2004 bis 2012 arbeitete Tibble für das Te Kāea Programm als Reporter. Als Skriptwriter war er von 2005 bis 2009 für Kupuhuna tätig;[5] von 2006 be 2010 beteiligte er sich zudem im Podium von Te Pae Hihiri als Diskutant.[5] Als Kommentator wirkte er von 2008 bis 2013 für Rīki NRL und ebenfalls für Riiki ARL. Als begeisterter Sportfan war er beim Rugby World Cup (Rugby Weltmeisterschaften) 2011 einer der neuseeländischen Fernsehkommentatoren.[3]
Als Filmemacher
Tibble produzierte eine Reihe von Dokumentar- und Geschichtsfilmen mit māorischen und inter-kulturellen Themen.
Tibbles Dokumentarfilm Te Kati: The Goethe Mystery geht einer alten Familienüberlieferung nach, der zufolge ein Vorfahr, Johann Maximilian Goethe (ca. 1809–1893), der seinen Namen in John Gotty änderte und von seinen māorischen Freunden ‘Te Kati’ genannt wurde, eine Zeit in Auckland verbracht hatte, bevor er sich in Whanganui niederließ, wo er ein Hotel betrieb. Anfang der 1840er Jahre heiratete Goethe/Gotty Rihi Puhiwahine Te Rangi-hirawea; die Söhne der beiden wurden zu Vorfahren innerhalb von Māori Hapus (Großfamilie), wie dem Tipples.
In seinem Film interviewt Tibble neuseeländische Germanisten und Kulturwissenschaftler wie Julian Rosenberg ebenso wie Mitglieder seiner eigenen Großfamilie und andere Nachkommen von Gotty. Die Kamera begleitet Tibble schließlich auf eine Forschungsreise nach Frankfurt, M. und Weimar, wo er den Goethestätten mit māorischen Gesängen (Waiata) und Gebeten (Karakia) seine Referenz erweist. Auch deutsche Akademiker, wie der damalige Leiter des Goethe-Instituts Frankfurt, Günther Schwinn-Zür, und Passanten werden zur Familiengeschichte des Dichters und zur Bedeutung Johann Wolfgang v. Goethes in der deutschsprachigen Kulturgeschichte befragt. Ohne sich auf genetische Verwandtschaft festzulegen, wird in Tibbles Film das geistige Band mit dem Weimarer Dichter besonders hervorgehoben. Tibble hielt die Dokumentation für seinen wohl wichtigsten Film; zum 10-jährigen Jubiläum des Senders Māori-TV wurde er erneut ausgestrahlt.[7]
Zu weiteren von Tibble produzierten Filmen zählen u. a. die fürs Fernsehen produzierten Serien Taniwha Rau (2013–2015), Kōwhao Rau (2010–2013); und Mataora (2015).[5]
Über Tibbles Leben und Werk wurde ein Kurzfilm für In Memoriam 2017 produziert.[5]
Links
- Te Kati: The Goethe Mystery (2015) https://www.maoriplus.co.nz/movie/te-kati-the-goethe-mystery/play