Kralenriede
Stadtteil von Braunschweig
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Kralenriede ist ein Stadtteil im Norden von Braunschweig in Niedersachsen mit etwa 3.900 Einwohnern[1]. Entstanden ist die Siedlung auf ehemaligem Militärgelände und wurde nach dem gleichnamigen Bach benannt, der vom heutigen Sandwüstenweg nach Nordwesten zur Schunter floss.
Kralenriede Stadt Braunschweig | |
|---|---|
| Koordinaten: | 52° 18′ N, 10° 33′ O |
| Höhe: | 75 m |
| Einwohner: | 3851 (31. Dez. 2024)[1] |
| Eingemeindung: | 1934 |
| Postleitzahl: | 38108 |
| Vorwahl: | 0531 |
Lage Kralenriedes im Braunschweiger Stadtgebiet
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Baudenkmal Verwaltungsgebäude Niedersächsische Motorenwerke im Gewerbegebiet Steinriedendamm | |
Geographie
Geographische Lage und Zugehörigkeit
Der Stadtteil liegt auf einer für das nördlich von Braunschweig gelegene Flachland typischen Geest, die früher durchgehend bewaldet war.
Im Südosten wird das Gebiet von der aus dem Querumer Forst heranfließenden Kehrbeeke begrenzt, die auf Höhe des Studentenwohnheims in die Schunter mündet.
Im Süden grenzt Kralenriede an die Schuntersiedlung, im Westen – getrennt durch die Schunteraue – an Rühme und die Vorwerksiedlung, im Norden an Bienrode sowie im Osten an Querum und den Querumer Forst.
Kralenriede gehört zum Stadtbezirk 330 (Nordstadt-Schunteraue)[2] und bildet unter der Nr. 45 einen eigenen statistischen Bezirk[3].
Gewässer und Naturraum
In der etwa 75 m ü. NHN gelegenen Mitte der mit Rühmerberge bezeichneten ehemals bewaldeten Dünen entsprang die namensgebende Kralenriede. Diese floss geradlinig nach Nordwesten ab.[4] Der Verlauf ist in der Schunteraue unterhalb des Sportplatzes noch erkennbar.
Kralenriede wird im Süden, Westen und Nordwesten von der Schunter umflossen und ist in einigen Bereichen als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen.[5]
Geschichte
Frühzeit
Der Fund eines bronzezeitlichen Absatzbeils[6] in der heutigen Siedlung deutet auf eine frühgeschichtliche Nutzung des Geländes hin.
Militärische Nutzung und Siedlungsentstehung
Die frühste verzeichnete Bebauung des Gebietes erfolgte während des Ersten Weltkriegs im Bereich westlich des Bastholzes und diente bis 1921 der militärischen Nutzung. Zunächst im Rahmen einer 1915 erbauten Munitionsfabrik mit Munitionsdepot, nach Kriegsende dann zur Zerlegung von Munition.[7]
Noch im gleichen Jahr begann eine Umnutzung dieser Gebäude zu privaten Wohnhäusern. Durch staatliche Unterstützung wurden bis 1923 von der Freiland-Siedlungsgesellschaft 54 Reihenhäuser aus den Fabrikhallen gebaut und weitere Gebäude wie Ställe und Waschhäuser errichtet.[7] In diesem Zuge wurde das Gebiet 1922 offiziell zu einem Teil der Gemeinde Querum und gehörte nicht mehr nur zur Forstgemarkung Querum.[6]
Durch Enteignungen von Gebieten in Bienrode wurden 1924 65,8 ha Ackerfläche im Bereich des späteren Siedlungsgebietes Sandwüste durch das Reichswehrministerium zum neuen Exerzierplatz der Stadt Braunschweig gemacht, die erste Nutzung als solcher erfolgte ab 1926.[7][8]
1934 wurde Kralenriede schließlich nach mehreren erfolglosen Versuchen in die Stadt Braunschweig eingemeindet.[9]
Auf dem Flurstück Bastholz, angrenzend an eine Luftnachrichtenkaserne, wurden 1938/39 13 Wohnhäuser mit 68 Wohnungen gebaut, welche von Offizieren und Verwaltungsbediensteten bewohnt wurden.[8]
Entwicklung nach 1945
Nachdem die Häuser neben der Luftnachrichtenkaserne bei Luftangriffen 1944 teilweise zerstört wurden, fand 1945 eine Umnutzung in private Wohnhäuser statt. Außerdem wurden sechs weitere Häuser gebaut.[8] Heute ist dieser Bereich als Bastholzsiedlung bekannt.
Das Gebiet des Exerzierplatzes wurde nach Ende des Zweiten Weltkriegs schließlich auch umgenutzt, es entstand 1946 der „Kleingartenverein Sandwüste“. Da zu dieser Zeit jedoch Wohnungsnot herrschte, wurden einige Gartenhäuser auch als Wohnhäuser genutzt. In den Jahren 1954 bis 1964 wurden um dieses Gebiet herum weitere Straßen zur Bebauung mit Wohnhäusern erschlossen.[7]
Sehenswürdigkeiten
Auf dem Gelände des ehemaligen Exerzierplatzes wurde 1960 ein 40 m hoher Berg aus 67.300 m3 Bauschutt, einem großen Teil der Trümmer des Braunschweiger Schlosses, aufgeschüttet.[7] 2005 wurden dort im Rahmen der Rekonstruktion der Schlossfassade nach verwendbaren Trümmerteilen gesucht.[10] Heute liegt dieser Berg, allgemein als Rodelberg bekannt, inmitten eines Landschaftsschutzgebietes und ist größtenteils zugewachsen. An die Entstehung und Geschichte erinnert ein Gedenkstein.
Fast im Zentrum des Stadtteils gelegen findet sich zudem der 1940/41 errichtete und mittlerweile als Denkmal anerkannte Luftschutz-Hochbunker Kralenriede.[11]
Im Gewerbepark Steinriedendamm befindet sich das 1935 bis 1940 erbaute ehemalige Verwaltungsgebäude der Niedersächsischen Motorenwerke, was heute als Baudenkmal geschützt ist.[12]
Wirtschaft und Ortsstruktur
An Industrie waren schon früh die im Süden von Kralenriede gelegenen Werkstätten der 1946 gegründeten Lutz GmbH vertreten, in denen bis zur Einstellung der Produktion Fahrradmotoren zusammengebaut wurden.[9]
Heute befinden sich in Kralenriede mehrere Gewerbegebiete, darunter das Gewerbegebiet Bastholz im Nordosten und der Gewerbepark Steinriedendamm im Südwesten. Letzterer verfügt über eine mittlerweile ungenutzte Gleisanbindung an die Bahnstrecke Braunschweig–Wieren.
Im Südosten haben das Fraunhofer-Institut für Schicht- und Oberflächentechnik sowie das Wilhelm-Klauditz-Institut für Holzforschung ihren Hauptsitz am Riedenkamp. An dieser Straße liegt auch das Studierendenwohnheim „An der Schunter“ des Studierendenwerks OstNiedersachsen mit knapp 500 Wohnplätzen.[13]
Im Nordosten befindet sich der Braunschweiger Standort der Landesaufnahmebehörde Niedersachsen.[14]
Der Stadtteil umfasst mehrere Wohnstraßen mit Wohnblocks, Einfamilien- und Reihenhäusern. Diese sind rund um den Michelfelderplatz, den Bereich des Kleingartenvereins Kralenriede e.V. und im Norden an das Gewerbegebiet Bastholz angrenzend gelegen.
Außerdem sind eine Grundschule, ein Kindergarten, der Schützenverein Sandwüste 1959 e.V., der SV-Kralenriede 1922 e.V. sowie der FamilienSportVerein Braunschweig e.V. (1949 gegründet als Bund für freie Lebensgestaltung e.V.) im Stadtteil ansässig.
Verkehr
Die Hauptverkehrsader des Stadtteils ist der Bienroder Weg, der auf Höhe des Gewerbegebiets in den Steinriedendamm mündet. An der Kreuzung zur Forststraße kreuzt der Steinriedendamm die Bahnstrecke Braunschweig–Wieren.
Kralenriede ist durch die Buslinien 416, 436 und 464 an die Innenstadt und die umgebenden Orte angebunden.[15] Die Autobahn A2 grenzt im Norden den Ort vom Flughafen Braunschweig-Wolfsburg ab. Jedoch existiert keine direkte Verbindung zwischen der A2 und dem Stadtteil, die nächste Auf- und Abfahrt liegt am Flughafen.
Wappen

Kralenriede besitzt kein eigenes Ortswappen, sondern ist im Wappen des Stadtbezirks Schunteraue vertreten. In ihm vereinigen sich die fünf Siedlungen Schuntersiedlung, Kralenriede, Bastholzsiedlung, Sandwüste und Michelfelder-Siedlung.
Das Wappen zeigt daher auf der einen Hälfte fünf blaue Wellenbalken auf goldenem Grund, was die Siedlungen im Bereich der Schunter symbolisiert. Die zweite Hälfte zeigt ein goldenes Eichenblatt auf blauem Grund. Dieses steht für die Auenlandschaft. Das Wappen wurde von Peter Ohst entworfen und erstmals in der Chronik zum 50-jährigen Bestehen der Schuntersiedlung veröffentlicht.[16]
Namensherkunft
Die namensgebende Kralenriede enthält die Endung -riede, die so viel wie „Rinnsal, kleiner Bach“ bedeutet und sowohl im Querumer Forst wie auch bis Gifhorn sehr häufig vorkommt. Die historischen Belege des Namens von 1730 lauten Crahl Rye bzw. Krahl Rie.[17] Der Sprachwissenschaftler Herbert Blume schließt nicht aus, dass Krahl von einem Familiennamen, möglicherweise dem des Grundeigentümers, herrühren könnte, favorisiert jedoch das Kompositum krâlen, das im Grimmschen Wörterbuch für „grell tönen, lärmen“ verzeichnet ist. Demnach bedeutet Kralenriede „rauschender Bach“. Die Übertragung des Bachnamens auf das umliegende Waldgebiet ist im Querumer Forst auch bei den Namen Steinriede und Tannenriede sowie andernorts bei der Eilenriede zu beobachten.


