Kreis Samter

früherer Landkreis in der preußischen Provinz Posen From Wikipedia, the free encyclopedia

Der Kreis Samter am Nordrand der preußischen Provinz Posen bestand in der Zeit von 1818 bis 1918. Das ehemalige Kreisgebiet gehört heute zur polnischen Woiwodschaft Großpolen und entspricht in etwa dem Gebiet des polnischen Nachfolgekreises Powiat Szamotulski.

Der Kreis Samter in den Grenzen von 1818 bis 1919
Verwaltungsgliederung der Provinz Posen (Stand 1919)
Regierungsbezirk Bromberg
Regierungsbezirk Posen

Größe

Der Kreis Samter hatte eine Fläche von 1093 Quadratkilometern.

Geschichte

Das Gebiet um die westpolnische Stadt Samter gehörte nach der Zweiten Teilung Polens von 1793 bis 1807 zum Kreis Obornik in der preußischen Provinz Südpreußen. Nach dem Frieden von Tilsit kam das Gebiet 1807 zum Herzogtum Warschau. Nach dem Wiener Kongress am 15. Mai 1815 fiel das Gebiet erneut an das Königreich Preußen und kam zum Regierungsbezirk Posen in der Provinz Posen.

Im Zuge der preußischen Verwaltungsreformen wurde zum 1. Januar 1818 aus dem Westteil des alten Kreises Obornik der Kreis Samter gebildet. Kreisstadt und Sitz des Landratsamtes wurde die Stadt Samter.

Als Teil der Provinz Posen wurde der Kreis Samter am 18. Januar 1871 Teil des neu gegründeten Deutschen Reichs, wogegen die polnischen Abgeordneten im neuen Reichstag am 1. April 1871 protestierten.

Am 27. Dezember 1918 begann in der Provinz Posen der Großpolnische Aufstand der polnischen Bevölkerungsmehrheit gegen die deutsche Herrschaft, und bereits am selben Tag war die Kreisstadt Samter unter polnischer Kontrolle. Am 16. Februar 1919 beendete ein Waffenstillstand die polnisch-deutschen Kämpfe, und am 28. Juni 1919 trat die deutsche Regierung mit der Unterzeichnung des Versailler Vertrags den Kreis Samter auch offiziell an das neu gegründete Polen ab.

Einwohnerentwicklung

Weitere Informationen Jahr, Einwohner ...
Jahr Einwohner Quelle
181825.321[1]
184643.067[2]
187150.436[3]
189054.498
190060.412[4]
191066.856[4]
Schließen

Von den Einwohnern im Jahre 1890 waren 72 % Polen, 24 % Deutsche und 4 % Juden. Ein Teil der deutschen Einwohner verließ nach 1918 das Gebiet.

Politik

Landräte

Wahlen

Der Kreis Samter gehörte zusammen mit den Kreisen Birnbaum, Obornik und Schwerin an der Warthe zum Reichstagswahlkreis Posen 2. Der Wahlkreis wurde bei den Reichstagswahlen zwischen 1871 und 1912 von den folgenden Kandidaten gewonnen:

Kommunale Gliederung

Die fünf Städte des Kreises waren Obersitzko, Pinne, Samter, Scharfenort und Wronke. Die (Stand 1908) 96 Landgemeinden und 67 Gutsbezirke waren zu Polizeidistrikten zusammengefasst.

Gemeinden

Schloss Gay, Sammlung Alexander Duncker

Am Anfang des 20. Jahrhunderts gehörten die folgenden Gemeinden zum Kreis:[4]

  • Bielawy bei Wronke
  • Biezdrowo
  • Binino
  • Brzoza
  • Buschewo
  • Ceradz Dolny
  • Chelmno Dorf
  • Chelmno Hauland
  • Chojno
  • Chrusty
  • Cmachowo
  • Czysciec
  • Dobrogostowo
  • Duschnik
  • Falkenried
  • Freithal
  • Galowo
  • Gluchowo
  • Gnuschin
  • Gonsawy
  • Gorgoschewo
  • Grodziszczko
  • Groß Gay
  • Groß Psarskie Hauland
  • Grünberg
  • Jasionna
  • Jastrowo
  • Kammthal
  • Karolin
  • Kazmierz
  • Kiontschin
  • Klein Gay
  • Klein Psarskie Hauland
  • Klodzisko
  • Klutschewo
  • Kobusch
  • Konin
  • Koninko
  • Konsinowo
  • Koschanowo
  • Kozmin
  • Krzeszkowice
  • Kunowo
  • Kuzle
  • Lipnica
  • Lubosin
  • Luboszesnica
  • Lubowo
  • Mieschisk
  • Mlynkowo
  • Neubrück
  • Neudorf bei Wronke
  • Neuthal
  • Niewierz
  • Nossalewo
  • Obelzanki
  • Obersitzko, Stadt
  • Oporowo
  • Orliczko
  • Ostrolesie
  • Ottorowo
  • Pakawie
  • Peterawe
  • Peterkowko
  • Piersko
  • Pierwoschewo
  • Pinne, Stadt
  • Pinne, Dorf
  • Podpniewki
  • Podrzewie
  • Popowo
  • Radlau
  • Retschin
  • Roschki
  • Rudki
  • Rudki Hauland
  • Samolentsch
  • Samter, Stadt
  • Sandhofen
  • Sarbia
  • Scharfenort, Stadt
  • Sendzin
  • Sendzinko
  • Senkowo
  • Slopanowo
  • Smilowo
  • Szcepankowo
  • Turowo Dorf
  • Turowo Hauland
  • Twardowo
  • Wielonek
  • Wierzchaczewo
  • Wierzchocin
  • Wierzeja
  • Wilczyn
  • Wilkowo
  • Witkowice
  • Wroblewo
  • Wronke, Stadt
  • Zajontschkowo
  • Zakrzewko
  • Zamorze
  • Zapust

Siehe auch

Literatur

  • Königlich Preußisches Statistisches Landesamt: Gemeindelexikon der Regierungsbezirke Allenstein, Danzig, Marienwerder, Posen, Bromberg und Oppeln. Auf Grund der Volkszählung vom 1. Dezember 1910 und anderer amtlicher Quellen. Berlin 1912, Heft IV: Regierungsbezirk Posen, S. 88–95, Kreis Samter.
  • Michael Rademacher: Posen – Landkreis Samter. Online-Material zur Dissertation, Osnabrück 2006. In: eirenicon.com.
  • Gustav Neumann: Geographie des Preußischen Staats. 2. Auflage, Band 2, Berlin 1874, S. 149–150, Ziffer 9.
  • Königliches Statistisches Büro: Die Gemeinden und Gutsbezirke des preussischen Staates und ihre Bevölkerung. Nach den Urmaterialien der allgemeinen Volkszählung vom 1. Dezember 1871 bearbeitet und zusammengestellt. Teil IV: Die Provinz Posen, Berlin 1874, S. 76–83 (Digitalisat S. 83–90).
  • A. C. A. Friederich: Historisch-geographische Darstellung Alt- und Neu-Polens. Berlin 1839, S. 571.
  • Leopold von Zedlitz-Neukirch: Der Preußische Staat in allen seinen Beziehungen. Band 3, Berlin 1837, S. 163–164, Ziffer 13.
Commons: Kreis Samter – Sammlung von Bildern
  • Kreis Samter Verwaltungsgeschichte und die Landräte auf der Website territorial.de (Rolf Jehke), Stand 17. August 2013.

Einzelnachweise

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