Kriegenbrunn
Gemarkung und statistischer Bezirk von Erlangen, Bayern, Deutschland
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Kriegenbrunn (fränkisch: Grehbrunn[2]) ist ein Gemeindeteil der kreisfreien Stadt Erlangen (Mittelfranken, Bayern).[3] Der Statistische Bezirk 62 wird ebenfalls Kriegenbrunn genannt, ebenso gibt es eine Gemarkung Kriegenbrunn, die in der Fläche deckungsgleich ist mit der ehemaligen Gemeinde Kriegenbrunn.
Kriegenbrunn Kreisfreie Stadt Erlangen | |
|---|---|
| Koordinaten: | 49° 33′ N, 10° 57′ O |
| Höhe: | 299 (283–304) m |
| Fläche: | 4,89 km² |
| Einwohner: | 1155 (2021)[1] |
| Bevölkerungsdichte: | 236 Einwohner/km² |
| Eingemeindung: | 1. Juli 1972 |
| Postleitzahl: | 91056 |
| Vorwahl: | 09131 |
Der Statistische Bezirk 62 (Kriegenbrunn) und die Gemarkung Kriegenbrunn in Erlangen
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Kriegenbrunn Panorama Luftbild (2019) | |
Geographie
Gemarkung
Die Gemarkung Kriegenbrunn hat eine Fläche von 4,483 km². Sie ist in 930 Flurstücke aufgeteilt, die eine durchschnittliche Flurstücksfläche von 4820,85 m² haben.[4][5]
Statistischer Bezirk
Der Statistischen Bezirk 62 (Kriegenbrunn) hat eine Fläche von 4,889 km² und umfasst die Gemarkung Kriegenbrunn, den nördlichen, unbewohnten Teil der Gemarkung Hüttendorf und den südlichen Teil der Gemarkung Frauenaurach mit dem Gewerbegebiet Frauenaurach.
Lage
Das Kirchdorf liegt auf einer Hochebene zwischen Regnitz und Mittlerer Aurach. Diese Ebene wird auch Römerreuth genannt. Der Sage nach sollen hier die Römer eine Niederlage erlitten haben. Im Norden führt die Bundesautobahn 3 am Ort vorbei, im Osten liegt die Schleuse Kriegenbrunn des Main-Donau-Kanals. Die Kreisstraße ER 2 führt die A 3 unterquerend nach Frauenaurach (1 km nördlich) bzw. nach Hüttendorf (1,7 km südlich). Die Kreisstraße ER 6 führt zur Staatsstraße 2244 (1,7 km nordwestlich). Eine Gemeindeverbindungsstraße führt nach Niederndorf (2,5 km westlich).[6]
Geschichte
Frühgeschichte
Spuren erster Besiedlung, sind Klingen, Schaber und Pfeilspitzen aus der Jungsteinzeit. Diese wurden aus Feuersteinknollen gefertigt. Knollen dieser Art findet man in Kriegenbrunn an drei verschiedenen Plätzen. Diese Knollen entstanden vor ca. 80 Millionen Jahren.
Der nächste Nachweis einer Besiedelung ist ein Sippengrab aus der Hallstattzeit im Regnitzgrund (Krähenholz). In diesem Grab wurden damals sieben Personen bestattet. Dies war um ca. 600 v. Chr. Weitere Funde aus dieser Zeit sind Keramikscherben sowie Glasperlen und ein eventuell weiteres Grab. Dies muss aber noch erforscht werden. Weitere Scherbenfunde aus dem 8. Jahrhundert belegen die Anwesenheit von Menschen, dies dürfte auch die Zeit der Entstehung von Kriegenbrunn sein.
Ortsname
Der Ortsname hat sich mehrfach gewandelt. Zuerst wurde das Dorf „Chriec gen Bronnen“ genannt, später „Krieg am Bronnen“, dann „Kriegenbronn“ und schließlich seit Mitte des 17. Jahrhunderts „Kriegenbrunn“. Das Bestimmungswort des Ortsnamens ist der Personenname Kriego.[7]
Ortsgeschichte
Die erste Nennung erfolgte im Jahre 1132 im Zusammenhang mit der Klostergründung von Heilsbronn. Damals wurde ein „Egino von Chriegenbronnen“ als Zeuge in der Stiftungsurkunde des Klosters genannt. Die Herren von Kriegenbrunn waren damals als Ministeriale zur Verwaltung des Lehens eingesetzt. Zu diesem gehörten damals auch Frauenaurach und Hüttendorf.
Im 15. Jahrhundert bestand Kriegenbrunn aus etwa 20 Anwesen. Eines gehörte dem Egidienkloster Nürnberg, der Rest unterstand dem Kloster Frauenaurach, das ab 1549 in das brandenburg-kulmbachischen Klosteramt Frauenaurach umgewandelt wurde. Im Dreißigjährigen Krieg wurde Kriegenbrunn verwüstet. Es wurde in der Folgezeit von österreichischen Exulanten wieder aufgebaut, seit 1671 gab es wieder eine Dorfordnung.[8]
Von 1797 bis 1810 unterstand Kriegenbrunn dem Justiz- und Kammeramt Erlangen. 1810 kam der Ort an das Königreich Bayern. Im Rahmen des Gemeindeedikts wurde Kriegenbrunn dem 1811 gebildeten Steuerdistrikt Frauenaurach zugewiesen.[9] Mit dem Zweiten Gemeindeedikt entstand die Ruralgemeinde Kriegenbrunn. Sie war in Verwaltung und Gerichtsbarkeit dem Landgericht Herzogenaurach zugeordnet und in der Finanzverwaltung dem Rentamt Erlangen (seit 1919 Finanzamt Erlangen).[10] Am 12. Juli 1827 wurde die Gemeinde an das Kreis- und Stadtgericht Erlangen abgetreten.[11] Ab 1862 gehörte Kriegenbrunn zum Bezirksamt Erlangen (1938 in Landkreis Erlangen umbenannt). Die Gerichtsbarkeit lag beim im gleichen Jahr gebildeten Stadt- und Landgericht Erlangen (1879 in das Amtsgericht Erlangen umgewandelt). 1964 hatte die Gemeinde eine Gebietsfläche von 4,827 km².[12] Am 1. Juli 1972 wurde Kriegenbrunn im Rahmen der Gebietsreform in Bayern nach Erlangen eingemeindet.[13][14]
Baudenkmäler
In Kriegenbrunn gibt es 13 Baudenkmäler:[15]
- Bruckweiherstraße 2: Ehemaliges Pfarrhaus
- Bruckweiherstraße 4: Filialkirche St. Johannes der Täufer
- Bruckweiherstraße 8: Bauernhaus
- Eginoplatz 3: Bauernhaus
- Kriegenbrunner Straße 1: Gasthaus Zur Linde
- Kriegenbrunner Straße 15: Ziegelsteineinbau
- Mansfeldstraße 1: Ehemaliges Gemeindehaus
- Römerreuthstraße 4, 12: Bauernhäuser
- Wallensteinstraße 4: Fachwerkstadel
- Wallensteinstraße 5: Ehemaliges Gasthaus Goldener Fuchs
- Wallensteinstraße 14: Bauernhaus
- Steinkreuz bei Kriegenbrunn
Einwohnerentwicklung
| Jahr | 1818 | 1840 | 1852 | 1855 | 1861 | 1867 | 1871 | 1875 | 1880 | 1885 | 1890 | 1895 | 1900 | 1905 | 1910 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| Einwohner | 282 | 303 | 308 | 299 | 275 | 287 | 277 | 287 | 287 | 274 | 250 | 260 | 257 | 258 | 276 |
| Häuser[16] | 57 | 50 | 52 | 49 | 48 | 46 | |||||||||
| Quelle | [9] | [17] | [18] | [18] | [19] | [20] | [21] | [22] | [23] | [24] | [25] | [18] | [26] | [18] | [27] |
| Jahr | 1919 | 1925 | 1933 | 1939 | 1946 | 1950 | 1952 | 1961 | 1970 | 1987 | 2007 | 2021 | |||
| Einwohner | 263 | 271 | 283 | 279 | 411 | 425 | 423 | 385 | 566 | 889 | 1321 | 1155 | |||
| Häuser | 53 | 57 | 68 | 197 | |||||||||||
| Quelle | [18] | [28] | [18] | [18] | [18] | [29] | [18] | [12] | [30] | [31] | [1] | ||||
Religion
Kriegenbrunn ist seit der Reformation evangelisch-lutherisch geprägt und nach St. Matthäus (Frauenaurach) gepfarrt. St. Johannes der Täufer ist eine Filiale von Frauenaurach. Die Katholiken sind nach St. Xystus (Büchenbach) gepfarrt.[32]
Infrastruktur
Kriegenbrunn liegt an der mittlerweile eingestellten Bahnstrecke Erlangen-Bruck-Herzogenaurach. Es hatte einen eigenen Bahnhof und Güterbahnhof. Nach aktueller Planung (2017)[veraltet] soll auf selber Strecke die Stadt-Umland-Bahn Erlangen verlaufen.
Das Kraftwerk Franken II, welches von 1967 bis 2001 in Betrieb war, brachte der bis 1972 selbstständigen Gemeinde erhebliche Steuereinnahmen.
Bildergalerie
- St.-Johannis-Kirche, 2012
- Gasthaus Zur Linde, 2012
- Wallensteinföhre und Kriegerdenkmal für die Gefallenen des Ersten Weltkrieges, 2011
- Transportschiff beim Verlassen der 1970 erbauten Schleuse Kriegenbrunn des Main-Donau-Kanals, 2011
- Ehemaliger Bahnhof Kriegenbrunn an der auf diesem Abschnitt stillgelegten Bahnstrecke Erlangen-Bruck–Herzogenaurach, 2010
Literatur
- Johann Kaspar Bundschuh: Kriegenbrunn. In: Geographisches Statistisch-Topographisches Lexikon von Franken. Band 3: I–Ne. Verlag der Stettinischen Buchhandlung, Ulm 1801, DNB 790364301, OCLC 833753092, Sp. 212 (Digitalisat).
- Dorothea Fastnacht: Erlangen: ehemaliger Stadt- und Landkreis (= Historisches Ortsnamenbuch von Bayern, Mittelfranken. Band 7). Kommission für bayerische Landesgeschichte, München 2015, ISBN 978-3-7696-6869-8, S. 181–186.
- August Gebeßler: Stadt und Landkreis Erlangen (= Bayerische Kunstdenkmale. Band 14). Deutscher Kunstverlag, München 1962, DNB 451450949, S. 108–135.
- Bertold Frhr. von Haller: Kriegenbrunn. In: Christoph Friederich, Bertold Frhr. von Haller, Andreas Jakob (Hrsg.): Erlanger Stadtlexikon. W. Tümmels Verlag, Nürnberg 2002, ISBN 3-921590-89-2, S. 439 f. (online).
- Georg Paul Hönn: Kriegenbrunn. In: Lexicon Topographicum des Fränkischen Craises. Johann Georg Lochner, Frankfurt und Leipzig 1747, OCLC 257558613, S. 267 (Digitalisat).
- Hanns Hubert Hofmann: Höchstadt-Herzogenaurach (= Historischer Atlas von Bayern, Teil Franken. I, 1). Kommission für Bayerische Landesgeschichte, München 1951, DNB 452071143, S. 149 (Digitalisat).
Weblinks
- Kriegenbrunn in der Ortsdatenbank von bavarikon, abgerufen am 22. November 2021.
- Kriegenbrunn in der Topographia Franconiae der Uni Würzburg, abgerufen am 15. September 2025.
- Kriegenbrunn im Geschichtlichen Ortsverzeichnis des Vereins für Computergenealogie, abgerufen am 15. September 2025.

