Kristi Noem
US-amerikanische Politikerin
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Kristi Lynn Noem, geborene Arnold (* 30. November 1971 in Watertown, Codington County, South Dakota), ist eine US-amerikanische Politikerin der Republikanischen Partei. Sie ist seit Januar 2025 Ministerin für Heimatschutz im Kabinett Trump II und wird dieses Amt voraussichtlich am 31. März 2026 niederlegen. Zuvor war sie von 2011 bis 2019 Abgeordnete im Repräsentantenhaus der Vereinigten Staaten und von 2019 bis 2025 Gouverneurin South Dakotas.


Ausbildung, Beruf und Familie
Kristi Noem ist die Tochter von Ronald Dennis Arnold (1944–1994) und dessen Frau Corinne Kay (geb. Bergan). Sie wuchs auf der Familienfarm in Hamlin County auf. Nach ihrem Abschluss an der Hamlin High School in Hayti besuchte sie 1990 zunächst das Mount Marty College in Yankton und danach von 1990 bis 1994 die Northern State University in Aberdeen. Sie verließ das College 1994 vorzeitig, um nach dem Unfalltod ihres Vaters die Familienfarm zu übernehmen. Während ihrer Zeit als Mitglied des US-Repräsentantenhauses setzte sie ihre Ausbildung fort und erwarb 2012 einen Bachelor-Abschluss in Politikwissenschaft an der South Dakota State University in Brookings. Sie war als Rinderzüchterin und Betreiberin eines Jagdgästehauses tätig, arbeitete als Restaurantmanagerin, Medienberaterin und in der Öffentlichkeitsarbeit.[1][2][3] Mit ihrem Ehemann Bryon Noem, der eine Versicherungsagentur betreibt,[4] hat sie zwei Töchter und einen Sohn. Sie leben in Castlewood.[5] Gerüchte, wonach sie und ihr umstrittener republikanischer Spitzenberater Corey Lewandowsky eine langjährige außereheliche Beziehung unterhalten sollen, wurden im Verlauf einer Anhörung Noems vor dem Repräsentantenhaus nicht beantwortet.[6]
Politische Laufbahn

Ihre politische Laufbahn begann mit der Wahl in das Repräsentantenhaus von South Dakota, dem sie von 2007 bis 2010 angehörte. Bei der Wahl 2010 wurde sie für South Dakota in das US-Repräsentantenhaus gewählt und war Vertreterin des einzigen Kongresswahlbezirks des Bundesstaates. Sie wurde insgesamt dreimal wiedergewählt, zuletzt 2016 mit 64 Prozent der Stimmen. Dieses Mandat endete am 3. Januar 2019.
Gouverneurin von South Dakota

Nach ihrer Wiederwahl 2016 kündigte sie an, 2018 für das Gouverneursamt South Dakotas zu kandidieren.[7] Sie gewann die Vorwahl der Republikaner gegen den Attorney General des Bundesstaates, Marty Jackley, mit 14 Prozentpunkten Vorsprung, nachdem Umfragen lange eine knappe Entscheidung prognostiziert hatten. In der Hauptwahl im November 2018 traf Noem auf den Demokraten Billie Sutton, einen moderaten Staatssenator und früheren Rodeoreiter, der nach einem Reitunfall querschnittsgelähmt ist. Noem gewann die Wahl mit 51 zu 47,6 Prozent der Stimmen.[8] Sie trat das Gouverneursamt South Dakotas als erste Frau am 5. Januar 2019 an. Bei den Wahlen in den Vereinigten Staaten 2022 wurde sie mit 62 % der Stimmen als Gouverneurin wiedergewählt.[9]
Im Jahr 2024 während des Präsidentschaftswahlkampfes wurde sie als potentielle Vizepräsidentschaftskandidatin von Donald Trump gehandelt;[10] die öffentliche Empörung um die Tötung ihres Hundes (s. u.) beendete jedoch ihre Hoffnung auf die Vizepräsidentschaft.[11][12]
Im Jahr 2024 äußerte sich Noem abfällig gegenüber Teilen der Einwohnerschaft ihres Bundesstaats, indem sie unter anderem ausführte, dass mexikanische Drogenkartelle mit Angehörigen indigener Stämme kriminelle Geschäfte machen und dass manche Stammesführer persönlich davon profitieren würden. Ebenfalls sei es den Indigenen gleichgültig, ob ihre Kinder erfolgreich seien. Belege für diese Behauptungen gab sie nicht an. Daraufhin wurde ihr von den Stammesräten verschiedener in South Dakota ansässiger Sioux-Stämme ein Betretungsverbot für deren Reservate ausgesprochen, was im Ergebnis bedeutete, dass sie ungefähr fünfzehn Prozent der Fläche des von ihr regierten Bundesstaats nicht mehr betreten durfte.[13][14]
In ihrem am 7. Mai 2024 erschienenen Buch No Going Back: The Truth on What’s Wrong with Politics and How We Move America Forward berichtet Noem von der Tötung mehrerer Tiere auf ihrem Bauernhof. So beschreibt Noem, dass sie eine Ziege erschossen habe, weil diese ihrem Jungen hinterhergejagt und diesen umgestoßen habe. Auch berichtet Noem davon, ihre 14 Monate alte Deutsch-Drahthaar-Hündin eigenhändig erschossen zu haben. Auch mit Hilfe eines Elektrohalsbandes habe sich der adoleszente Hund nicht zur Jagd abrichten lassen, außerdem habe er Hühner gejagt.[15] Insbesondere das Bekenntnis zur Tötung des Hundes sorgte in der amerikanischen Öffentlichkeit für erhebliches Aufsehen.[16][10][17][18] Des Weiteren behauptete Noem in einem Vorabdruck ihres Buches, dass sie Kim Jong-un getroffen habe. Wörtlich schreibt sie: „Ich erinnere mich an ein Treffen mit dem nordkoreanischen Diktator Kim Jong-un. Ich bin mir sicher, dass er mich unterschätzt hat, denn er hatte keine Ahnung von meiner Erfahrung im Umgang mit kleinen Tyrannen (schließlich war ich Kinderpastorin).“ Tatsächlich gab es kein solches Treffen;[19][20] die entsprechende Passage wurde aus dem Buch gestrichen.[21][22]
Heimatschutzministerin
Nach seinem Wahlsieg im November 2024 designierte Trump Noem zur Heimatschutzministerin.[23] Am 25. Januar 2025 wurde sie vom US-Senat in dieser Position bestätigt.[24][25]
Unter Noem wurden zahlreiche Flugzeuge der US-Küstenwache, die ursprünglich vorrangig für Such- und Rettungseinsätze vorgesehen waren, umgenutzt, um damit Migranten aus den USA zu deportieren. So verzehnfachte sich der Einsatz von Küstenwachenflugzeugen zum Ausfliegen von Migranten. Der eigentlichen Aufgabe wird unter Noem nur noch geringe Bedeutung eingeräumt, was innerhalb der Küstenwache zu Spannungen führte. Hierzu trugen auch kontroverse Befehle von Noem bei. 2026 wurde beispielsweise bekannt, dass Noem im Februar 2025 persönlich den Befehl gab, die Suchmission eines Flugzeugs, das zur Suche eines über Bord gegangenen Besatzungsmitgliedes der Küstenwache eingesetzt wurde, abzubrechen, damit dieses Flugzeug zum Deportieren von Migranten genutzt werden konnte. Der vermisste Seemann wurde nie gefunden.[26]
Im April 2025 beauftragte Noem die Sozialversicherungsbehörde Social Security Administration, eine Aufstellung von über 6000 Migranten in ein Verstorbenenverzeichnis aufzunehmen. Die darin bezeichneten Personen wurden fälschlicherweise für tot erklärt. Ihnen gingen damit ihre Sozialversicherungsnummern verloren.[27] Infolgedessen können diese Personen in den USA weder legal arbeiten noch staatliche Leistungen in Anspruch nehmen.[3][28]
Am 20. Mai 2025 antwortete Noem bei einer Anhörung vor dem Senat auf die Frage der Senatorin Maggie Hassan nach der Bedeutung von Habeas Corpus, dies sei ein Instrument, das die Regierung Trump bei ihrem umfassenden Vorgehen an der US-mexikanischen Grenze nutzen könne. Sie bezeichnete Habeas Corpus wörtlich als „ein verfassungsmäßiges Recht des Präsidenten, Menschen aus dem Land abschieben und ihre Rechte außer Kraft setzen zu können“.[29][3][30]
Im Oktober 2025 geriet Kristi Noem in Kritik, weil sie sich für 172 Millionen Dollar zwei Luxusjets für ihren Privatgebrauch erwerben ließ, die mit Steuergeldern finanziert wurden.[31][32]
Politische Kritik im Rahmen von ICE-Einsätzen

Im Januar 2026 bezeichnete sie die vom ICE-Beamten Jonathan Ross am 7. Januar 2026 in Minneapolis erschossene Renée Nicole Good als „inländische Terroristin“.[33] Der Minderheitsführer der Demokraten im Repräsentantenhaus Hakeem Jeffries bezeichnete Noem für ihre Aussagen über Good als „eiskalte Lügnerin“ (englisch stone cold liar). Auch die Demokraten Tim Walz und Jacob Frey widersprachen ihren Aussagen entschieden.[34] Wenige Stunden nach der Tötung Alex Prettis in Minneapolis stellte sich Noem hinter die beteiligten Grenzschützer und warf dem Krankenpfleger „inländischen Terrorismus“ vor; der 37-Jährige habe eine Neun-Millimeter-Pistole geschwenkt und die Einsatzkräfte damit „angegriffen“. Videoaufnahmen zeigen jedoch, dass dies eine Lüge war.[35] Der Musiker Bruce Springsteen veröffentlichte am 28. Januar 2026 die Single mit dem Titel Streets of Minneapolis.[36][37] Der Liedtext bezeichnet Stephen Millers und Kristi Noems Berichte über die Tötungen von Alex Pretti und Renée Good als „dirty lies“ (= „schmutzige Lügen“).[38][39]
Noems Auftreten in dem Fall – martialische Inszenierung, vorschnelle Schuldzuweisungen, offensichtliche Unwahrheiten – empörte selbst Waffenbefürworter und beschädigte nach Analysen das Vertrauen in ihre Amtsführung. Demokraten forderten ihren Rücktritt und selbst innerhalb der Regierung galt sie Berichten zufolge zunehmend als Belastung.[40]
Parodierung in „South Park“-Folge
Die satirische Animationsserie South Park thematisierte Noem in der 2. Folge ihrer 27. Staffel. Die Produzenten griffen das verbreitete Image der Heimatschutzministerin als „ICE-Barbie“ auf, indem sie Noem in der Folge mit Schutzweste und Squadmütze auftreten ließen: Sie lässt sich dabei nach „erfolgreichen“ ICE-Razzien vor Kamerateams und Fotografen ins Bild setzen. Hintergrund ist, dass Noem die administrative Leiterin der Heimatschutzbehörde ist und nicht Angehörige des Exekutivpersonals, das deren Einsätze durchführt. Wiederholt hat sie sich an Schauplätzen von Razzien ihrer Behörde in Outfits filmen lassen, die den Eindruck erwecken, als würde sie als zupackende Actionheldin selbst an solchen Razzien mitwirken. Auch werden in verschiedenen Szenen schönheitschirurgische Eingriffe, die Noem an sich selbst hat vornehmen lassen, aufgegriffen sowie ihr Eingeständnis laut ihren Memoiren, dass sie einen schwer erziehbaren eigenen Hund kurzerhand erschoss.[41][42]
Kristi Noem reagierte auf ihre Darstellung in der Episode auf dem Glenn Beck Podcast mit scharfer Kritik. Sie bezeichnete die Satire als „faul“ und „billig“, da dort vor allem Frauen wegen ihres Aussehens verspottet würden. Sie sagte, wenn ihre Arbeit kritisiert werden solle, dann solle dies sachlich passieren.[43][44]
Entlassung

Am 5. März 2026 informierte US-Präsident Donald Trump auf seiner Plattform Truth Social über die Entlassung Noems als Heimatschutzministerin zum 31. März 2026. Ihr Nachfolger soll der republikanische Senator Markwayne Mullin werden. Noem soll Sondergesandte für die im Außenministerium angesiedelte Trump-Initiative „Shield of the Americas“ werden, die sich mit Migration und Drogenkartellen befasst. Ihre Amtszeit war von Kontroversen geprägt: Noem geriet wegen rabiater Einsätze der Einwanderungs- und Grenzschutzbehörden, tödlicher Zwischenfälle und landesweiter Proteste in die Kritik.[45][46] In einer Senatsanhörung wurden ihr Führungsverhalten und mögliche Verletzungen von Bürgerrechten hinterfragt.[47] Dabei kam Kritik von Demokraten, aber auch von Republikanern. Insbesondere kam die 220-Millionen-Dollar-Werbekampagne zur Abschreckung illegaler Migration zur Sprache. In den Werbespots war Noem immer wieder als das Gesicht der Abschreckung zu sehen, wobei dies eher als Selbstvermarktung gesehen wurde. Noem behauptete vor dem Justizausschuss des Senats, das Budget dafür sei von Trump abgesegnet worden, Trump selbst sagte im Anschluss, er habe nicht zugestimmt.[48][49] Dies soll Medienberichten zufolge Grund der Entlassung gewesen sein.[50]
Positionen
Kristi Noem war eine Vertreterin der rechtskonservativen Tea-Party-Bewegung und engagiert sich gegen Schwangerschaftsabbrüche (Pro-Life), gegen die gleichgeschlechtliche Ehe sowie für ein weitgehend unbeschränktes Recht auf Waffenbesitz. Im Wahlkampf 2018 erklärte die National Rifle Association, die wichtigste Waffenlobby, ihre Unterstützung für Noem.[51] Als Gouverneurin verhängte sie im Zuge der COVID-19-Pandemie in South Dakota die geringsten Einschränkungen unter allen Bundesstaaten. South Dakota gehörte zu den wenigen Bundesstaaten, die keine allgemeine Ausgangssperre erließen.[52][53]
Im Februar 2019 kritisierte sie, dass die Handelskriege der Regierung von Donald Trump mit der Volksrepublik China und der Europäischen Union die Wirtschaft South Dakotas zerstört hätten, insbesondere den Agrarsektor, den laut Noem „bei weitem“ größten Wirtschaftszweig South Dakotas, obwohl der Dienstleistungssektor wertmäßig deutlich mehr zur Wirtschaftsleistung beiträgt.[54]
Während der US-Präsidentschaftswahl 2020 behauptete sie, dass diese von Wahlbetrug überschattet sei.[55] Während des Sturms auf das Kapitol in Washington 2021 verurteilte sie diesen mit den Worten „Wir alle haben das Recht, friedlich zu protestieren. Gewalt gehört nicht dazu.“ und forderte ein Ende des Sturms.[56]
Noem bestreitet den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel. 2022 antwortete sie auf die Frage, ob sie an den Klimawandel glaube, sie denke, dass sich die Wissenschaft bei dem Thema uneinig sei, und ergänzte, für sie sei es „nicht bewiesen, dass das, was wir tun, das Klima beeinträchtigt.“[57]
Im Jahr 2022 wurde ein Gesetzesvorschlag von ihr abgelehnt, der das Gebet zurück in die Schulen bringen sollte.[58][59]
Veröffentlichungen
- Not My First Rodeo: Lessons from the Heartland, Twelve 2022, ISBN 978-1538707050.
- No Going Back: The Truth on What's Wrong with Politics and How We Move America Forward, Center Street 2024, ISBN 978-1546008163.
Weblinks
- Kristi Noem auf der Website des DHS
- Kristi Noem bei History, Art & Archives (engl.)
- Kristi Noem im Biographical Directory of the United States Congress (englisch)
- Kristi Noem in der Notable Names Database (englisch)