Kula (Manisa)

Bezirk und Stadt in der Provinz Manisa, Türkei From Wikipedia, the free encyclopedia

Kula (Antike: Katakekaumene) ist eine Stadtgemeinde (Belediye) im gleichnamigen Ilçe (Landkreis) der Provinz Manisa in der türkischen Ägäisregion und gleichzeitig eine Gemeinde der 2012 geschaffenen Büyükşehir Belediyesi Manisa (Großstadtgemeinde/Metropolprovinz). Die im Stadtlogo vorhandene Jahreszahl (1866) dürfte auf das Jahr der Ernennung zur Stadtgemeinde (Belediye) hinweisen. Seit der Gebietsreform 2013 ist die Gemeinde flächen- und einwohnermäßig identisch mit dem Landkreis.

Schnelle Fakten Basisdaten, Struktur und Verwaltung (Stand: 2024) ...
Kula

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Kula (Manisa) (Türkei)
Kula (Manisa) (Türkei)

Panorama der Felsformation Yanıkyöre bei Kula
Basisdaten
Staat: Turkei Türkei
Provinz (il): Manisa
Koordinaten: 38° 33′ N, 28° 39′ O
Höhe: 720 m
Fläche: 917 km²
Einwohner: 42.952[1] (2025)
Bevölkerungsdichte: 47 Einwohner je km²
Telefonvorwahl: (+90) 236
Postleitzahl: 45 170
Kfz-Kennzeichen: 45
Struktur und Verwaltung (Stand: 2024)
Gliederung: 60 Mahalle
Bürgermeister: Hikmet Dönmez (CHP)
Postanschrift: 4 Eylül Mah.
Yunus Emre Cad. No: 96
45170 Kula
Website:
Landkreis Kula
Einwohner: 42.952[1] (2025)
Fläche: 917 km²
Bevölkerungsdichte: 47 Einwohner je km²
Kaymakam: Talha Altuntaş
Website (Kaymakam):
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Geographie

Geographische Lage innerhalb der Provinz Manisa

Geographische Lage

Kula liegt im westlichen Zentrum der Ägäisregion in der Republik Türkiye. Des Weiteren liege es an der Ostgrenze der Provinz Manisa und grenzt östlich extern an die Provinz Usak. Im Norden von Kula grenzen die Stadtgemeinden Köprübaşı, Demirci und Selendi, im Westen beziehungsweise Süden grenzen die Stadtgemeinden Salihli und Alaşehir.[2]

Stadtgemeindegliederung

Die Stadtgemeinde Kula gliedert sich in 60 Mahalle, davon gehören sieben zum Stadtgemeindezentrum und die restlichen 53 befinden sich in ländlichen Siedlungen.[3]

Geologie

Kula liegt in einem schüsselförmigen Vulkanfeld des umgeben von Hügeln ist. Durch historische Verwerfungen verfügt Kula über mehrere (inaktive) vulkanische Hügel und Berge: unter anderem im Südosten der Umur Baba Dağı (deutsch Umur Baba Berg) mit 1.554 Metern Höhe; im Norden Yağcı Dağı (deutsch Yağcı Berg) mit 1.511 Metern; im Süden Aldede Tepe (deutsch Aldede Hügel) mit 951 Metern und Bakacak Tepe (deutsch Bakacak Hügel) mit 909 Metern uvm.[2]

Die Gegend von Kula ist bekannt durch die Erdpyramiden vulkanischen Ursprungs namens Yanıkyöre, weshalb die Gegend von einigen auch das Kappadokien der Ägäisregion genannt wird.[4]

Seit der Erdbebenaufzeichnung habe Kula ein hohes Maß an seismischen Aktivitäten und erlitt seit 1900 sechs starke Erdbeben, womit sich durchschnittlich zirka alle 20–25 Jahre ein starkes Erdbeben ereignet. Durchschnittlich ereignen sich in und um Kula zirka 7.400 Erdbeben pro Jahr, wovon die meisten für die Menschen nicht spürbar sind (Mikroerdbebenstärke <2,0).[5]

Die Forscher der Eskişehir Osmangazi Universität entdeckten 2024 in der Region Kula mit 15 Seismometern acht Magmakammern in Tiefen von 5 bis 30 Kilometern unterhalb der Erdoberfläche. Davon befindet sich eine große Magmakammer fünf Kilometer unter der Erdoberfläche, die sich in Richtung Erdoberfläche bewegt und bereits auf die Geothermie der umliegenden Region einwirkt. Laut Forschern liege der letzte Vulkanausbruch der Region Kula zirka 4.700 Jahre zurück, aber durch ein tektonisches Beben könnte die erforschte naheliegende Magmakammer aktiviert werden, also bestehe ein hohes Risiko von erneuten Vulkanaktivitäten, womit kontinuierliche Überwachung nötig sei.[6]

Klima

Das Klima von Kula ist wechselhaft, es liegt zwischen dem Cs-Klimate und dem Kontinentalklima, aufgrund seiner Gebirgsmassiven. Es ist allgemein regnerisch und mild, wobei in manchen Jahreszeiten ist es kalt und trocken.[2]

Geschichte

Die Geschichte von Kula reicht bis 15.000 vor Christus zurück und es war unter anderem eine Siedlung in der Nähe der lydischen Stadt Sardes. Zwischen dem 7. und 11. Jahrhundert lag Kula unter der Herrschaft des Byzantinischen Reiches und gehörte zum byzantinischen Opsikion. Nach Ankunft der Seldschuken im Laufe des 11. Jahrhunderts besiedelten Turkvölker Kula.[7] Die Herrschaft über Kula wechselte zwischen den Byzanztinern und den Rum-Seldschuken, unter anderem zwischen dem 13. und 14. Jahrhundert.[8] Das Kula Gebiet stand unter anderem 1233 unter seldschukische Herrschaft und 1306 eroberten die Byzanztiner mit dem Söldner Roger de Flor Kula zurück.[7][8]

Anatolische Beyliks um 1330

Im 14. Jahrhundert eroberte der Sohn Çağsadan Mehmed Bey des Oghusen Yakub Bey Germiyanoğlu, 1. Beylikherrscher von Germiyan, Kula. Im weiteren Verlauf des 14. Jahrhunderts schlug sich der Sohn Süleyman Şah von Çağsadan Mehmed Bey beim Zwist in der Nachbarschaft zwischen den Hamidoğulları und Karamanlı auf die Seite der Hamidoğulları, woraufhin zu einer Entfremdung zu einem seiner größten Nachbarbeylik der Karamanlı führte. Aufgrund des Konflikts schloss Süleyman Şah unter Druck ein Abkommen mit den Osmanen, indem er seine Tochter Devlet Hatun mit dem Sohn Bayezid I. des osmanischen Sultans Murad I. vermählte, worunter er unter anderem als Mitgift für die Vermählung seiner Tochter die Städte Kütahya, Tavşanlı, Simav und Emet an die Osmanen übergab. Danach zog sich der Beylikherrscher von Germiyan, Süleyman Şah, in sein Kasaba Kula zurück und erhob es zum Hauptort seines Beyliks.

Der Beylikherrscher von Germiyan, Süleyman Şah, verstarb 1388 und sein Beyliknachfolger/Sohn Yakup Bey wollte die abgegebenen Städte zurückerobern, was zur Folge hatte Bayezid I., zu der Zeit zum osmanischen Sultan aufstieg, annektierte das Beylik Germiyan samt seinem Hauptort Kula in das Osmanische Reich. Nach der Schlacht bei Ankara um 1402, die mit einem Sieg von Tamerlan gegen die Osmanen endete, übergab dieser Tamerlan die Ländereien des Beyliks Germiyan an Süleyman Şah Sohn Yakup Bey zurück. Nach osmanischer Geschichtsschreibung ging der Bey Yakup II. 1428 in die osmanische Hauptstadt Edirne und vermachte das Beylik Germiyan samt Kula an den osmanichen Sultan Murad II.; Bey Yakup II. verstarb im Folgejahr.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Waffenstillstand von Moudros aus dem Jahr 1918 kamen im Zerfall des osmanischen Reiches 1919 griechische Invasoren der Megali Idea und wollten die anatolische Ägäisregion besetzen, dabei wurde Kula im Juni 1920 vom griechischen Generalleutnant Konstantinos Nider besetzt. Im Griechisch-Türkischen Krieg zwischen 1919 und 1922 wurde Kula nach der Schlacht von Dumlupınar im August 1922 im Folgemonat durch den osmanischen Offizier Fahrettin Altay der türkischen Nationalbewegung von der griechischen Besatzungsmacht endgültig befreit.[8]

Bevölkerung und Politik

Bevölkerungsentwicklung

Kula hatte zur Volkszählung 1927 29.637 Einwohner, davon entfielen auf die Stadt (Şehir) 8.683 und auf die 90 Dörfer/Ortschaften 20.954 Einwohner.

Ende 2020 lebten durchschnittlich 734 Menschen in jedem Mahalle, 10.751 Einw. im bevölkerungsreichsten (4 Eylül Mah.).

Verwaltungsstatus

Kula entwickelte sich im 14. Jahrhundert zum Hauptort des anatolischen Beyliks Germiyan. Im 15. Jahrhundert unter der osmanischen Herrschaft von Murad II. gehörte Kula zum osmanischen Sandschak von Kütahya des Eyâlets Hüdavendigâran an und somit galt Kula als Unterbezirk von Kütahya. Auf Vorschlag wurde Kula 1852 umgemeindet in das Sandschak von Saruhan des Eyâlets Aidin; später nach Reformierung in Vilâyet Aydın umbenannt.[8] 1866 erhielt Kula während des osmanischen Reiches den Verwaltungstatus eines Kaza, also dem Vorläufer des İlçe der Republik Türkiye.[9]

(Bis) Ende 2012 bestand der Landkreis neben der Kreisstadt aus den beiden Stadtgemeinden (Belediye) Gökçeören und Sandal sowie 52 Dörfern (Köy) in zwei Bucaks, die während der Verwaltungsreform 2013 in Mahalle (Stadtviertel/Ortsteile) überführt wurden. Die sieben existierenden Mahalle der Kreisstadt blieben erhalten, während die Mahalle der anderen Belediye vereint und zu je einem Mahalle reduziert wurden. Durch Herabstufung dieser Belediye und der Dörfer zu Mahalle stieg deren Zahl auf 60 an. Ihnen steht ein Muhtar als oberster Beamter vor.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kula ist ein altes Zentrum der Erzeugung von handgewebten Teppichen und Decken.[7] Die dort hergestellten Gebietsteppiche waren vor allem durch die Dominanz der aprikosengelben Farbe charakterisiert.

Teppich
Kula Halıları (deutsch Kula Teppiche)[10]
Vulkankegel in Kula
Kula-Salihli Geopark (deutsch Geopark Kula-Salihli) – UNESCO Global Geopark (seit 2013)
inklusive Vulkankegel, erstarrte Lavafelder, Thermalquellen
Sport
In den 2010er Jahren wurden vereinzelte U-Länderspiele des internationalen U16-Fußball-Nachwuchsturniers Ege Kupasi (englisch Aeagan Cup) der Türkischen Fußball Föderation in Kula ausgespielt,[7][11] in deren Kula İlçe Stadi (deutsch Landkreis Kula Stadion) mit einer Zuschauerkapazität von 800 Plätzen.[12]
Grünflächen
Kula besitzt etwa 25.000 Hektar Waldfläche, worin es vor allem mit Eichen, Rot- und Schwarzkiefern bepflanzt ist. Die Waldflächen von Kula befinden sich vor allem in den Mahalle von Eroğlu, Başıbüyük, Bebekli und Encekler.[2]

Wirtschaft und Infrastruktur

Kula hat 960 Arbeitgeber.[9]

Unternehmen
In Kula ist der 1969 gegründete Mineralwassererzeuger Kula Maden Suyu (deutsch Kula Mineralwasser) ansässig.
Versorgung
Kula enthält ein staatliches Krankenhaus, vier Familiengesundheitszentren und 16 Apotheken.[9]
Verkehr
Durch Kula durchquert die Europastraße 96 (E 96), die Kula in Richtung Südwesten mit Izmir beziehungsweise Nordosten mit Sivrihisar der Provinz Eskişehir verbindet.[2] Auf der E 96 liegt der nächstgelegende Flughafen von Kula etwa 80–90 Kilometer östlich entfernt, der Flughafen Uşak mit geringem Flugverkehrsaufkommen.
Im Südwesten über die Nachbarstadtgemeinden Salihli und Alaşehir ist Kula mit der Hochgeschwindigkeitsstrecke Ankara–Izmir und der Bahnstrecke Izmir–Afyonkarahisar verbunden.[2]
Bildung
Kula besitzt zwei Vorschulen, 17 Grundschulen, 13 Mittelschulen, sieben Lyzeen und eine Fachoberschule unter der Ägide der Manisa Celal Bayar University, womit sie insgesamt über 7.000 Schüler bilden.[9]
Landwirtschaft
Der Obst-, Weizen- und Tabakanbau sind wichtige Wirtschaftsfaktoren von Kula.[7]
Commons: Kula – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

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