Kuntersweg
Altstraße zwischen Brenner und Bozen
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Der Kuntersweg war eine im 14. Jahrhundert angelegte Altstraße im Südtiroler Eisacktal. Durch ihn wurde der Verkehrsweg zwischen Bozen und dem Brenner deutlich verbessert. Der zuvor genutzte Weg hatte von Bozen (265 m) zunächst nach Lengmoos auf dem Ritten (1150 m) geführt und die Sohle des Eisacktals erst bei Kollmann (500 m) erreicht. Der neue Kuntersweg durch das schluchtartige untere Eisacktal zwischen Kardaun und Kollmann ersparte den Reisenden diesen mühsamen Auf- und Abstieg.[1] Die unternehmerisch beachtliche Bauleistung der Neutrassierung wertete die Brennerstrecke enorm auf und begünstigte die Entwicklung Bozens zur bedeutendsten Handelsstadt Tirols.[2] „Verlierer“ dieser Entwicklung waren der Marktort Gries und vor allem die alte Landeshauptstadt Meran.[3]


Geschichte

Errichtung durch Heinrich Kunter
Ursprünglich oblag der Bau der wichtigen Handels- und Durchgangsstraßen dem Reich; dieses war aber nicht immer in der Lage, diese Aufgaben zu erfüllen. So trat der deutsche König Albrecht von Habsburg 1305 die Zoll-, Straßen- und Verkehrshoheit für das Gebiet der Grafschaft Tirol seinen Vettern, den Söhnen Meinhards II., als Reichslehen ab.[4]
Heinrich Kunter bekam am 22. September 1314 gemeinsam mit seiner Frau Kathrein vom Landesfürsten Graf Heinrich von Tirol das Recht, durch die Eisackschlucht von Bozen bis Klausen einen (Saum-)Weg herzustellen, dafür einen Wegzoll zu erheben und daran zwei Tavernen zu betreiben.[5]
Heinrich Kunter starb 1317; seine Witwe betrieb die Geschäfte des Kunterweges weiter. Heinrich von Tirol erließ im Jahr 1328 eine Verordnung, die den Erben Heinrich Kunters alle Rechte am Kuntersweg zusprach.[6]
Ausbau zum Fahrweg
Nach dem Tod von Kathrein Kunter wurde der Kuntersweg 1344 an Friedrich Mautner von Burghausen verkauft. Dieser verkaufte ihn am 29. März 1346 um 220 Mark Berner an den Bozner Arnold Jaudes. Dieser befreite den Weg von jeglichem Zoll und gründete eine Stiftung zur dessen Instandhaltung.[7] Es gelang nicht, den Kuntersweg auf privater Basis auf Dauer instand zu halten. Der Weg wurde um 1480 unter dem Landesfürsten Erzherzog Siegmund dem Münzreichen mittels Sprengungen so ausgebaut, dass er auch mit Fuhrwerken befahren werden konnte.[8]
Die Zollhäuser

Am 22. September 1484 hob Erzherzog Siegmund die Zollfreiheit wieder auf und ließ in Kollmann ein Zollhaus[9] errichten.[10] Dieses erhielt 1591 die heutige auffallende Bemalung mit einem weiß-roten Schachbrettmuster. Im Laufe des 16. Jahrhunderts wurde das Zollamt um eine Poststation ergänzt. 1829 wurden beide Einrichtungen aufgehoben, und das Gebäude gelangte in privaten Besitz. Seit dem 19. Jahrhundert ist es unter dem Namen Schloss Friedburg bekannt.[11][12] Das landesfürstliche Zollhaus in Kollmann besteht bis heute und wurde von 1979 bis 1982 in Zusammenarbeit mit dem Südtiroler Landesdenkmalamt restauriert.[13]
Auch in Kardaun am Südende des Kunterswegs gab es einst ein Zollhaus. 1487 ist hier der Bozner Bürger Hans Permetin als zollner im Kunttersweg bezeugt.[14] Dieses wurde 1760 an einen Privaten verkauft.
Der Kuntersweg heute
Literatur
- Norbert Mumelter: Der Kuntersweg. Gemeinde Karneid, Bozen 1986.
- Eduard Widmoser: Südtirol A–Z, 3. Band (Kr–N), Südtirol-Verlag, Innsbruck 1988, S. 57–58.
- Bruno Mahlknecht: Bozen durch die Jahrhunderte. Band 4. Athesia Spectrum, Bozen 2007, Der einstige Kuntersweg, S. 30–42.
Weblinks
- Veröffentlichungen zum Kuntersweg im Opac der Regesta Imperii