Kurt Hohensinner

österreichischer Behindertenpädagoge und Politiker (ÖVP) From Wikipedia, the free encyclopedia

Kurt Hohensinner (* 16. Mai 1978 in Graz) ist ein österreichischer Heilpädagoge und Politiker (ÖVP) und seit 2014 Grazer Stadtrat für Bildung, Integration und Sport.[1][2][3] Seit 2021 ist er – als Nachfolger von Siegfried Nagl, der nach der Niederlage bei der Gemeinderatswahl 2021 von allen Ämtern zurücktrat – Stadtparteiobmann der Grazer ÖVP.

Kurt Hohensinner, 2013

Herkunft und Ausbildung

Kurt Hohensinner wuchs in seiner Geburtsstadt Graz auf. Er absolvierte die Fachschule für Sozialberufe (BMS) der Caritas in Graz, die Lehranstalt für Heilpädagogik in Graz und ist diplomierter Behindertenpädagoge.[4] Er war seit 2001 Mitarbeiter im Freiwilligenmanagement der Lebenshilfe Graz und UmgebungVoitsberg und deren Koordinator.[5] Darüber hinaus absolvierte er berufsbegleitend den Gesundheits- und Sozialmanagement-Lehrgang unter der wissenschaftlichen Leitung von Klaus Zapotoczky, den er im Jänner 2011 mit einem Master of Business Administration (MBA) abschloss. Seine Master-Thesis hat den Titel Freiwilliges Engagement im Sozialbereich.[4][6]

Politischer Werdegang

Hohensinner begann seine politische Laufbahn als Obmann der Grazer Schülerunion (1996–1998) und als Landesobmann der Steirischen Schülerunion (1998–2000). Weiters fungierte er als Vorstandsmitglied der „Grazer Stadtidee“ (2000–2007), Vorstandsmitglied im AFA Graz „Akademisches Forum für Außenpolitik“ (2003–2008), Obmann der Jungen Volkspartei Graz (2005–2011) und seit 2002 als Obmann des Studentenheimbetreibers „SFS“. Seit 2003 war er Gemeinderat der Landeshauptstadt Graz, seit 2008 stellvertretender Klubobmann der Grazer Volkspartei, seit 2010 Obmann der Kommunalpolitischen Vereinigung Graz, geschäftsführender Bezirksobmann der Andritzer Volkspartei und seit 2012 geschäftsführender Klubobmann der Grazer Volkspartei.[4]

Grazer Gemeinderat

Seit 21. Jänner 2013 war Hohensinner Klubobmann der ÖVP im Grazer Gemeinderat.[7][8] Seine Arbeitsschwerpunkte als Gemeinderat waren das Schaffen besserer Rahmenbedingungen für Menschen mit Behinderungen, um ihnen ein selbstbestimmtes Leben zu ermöglichen, und diverse Angelegenheiten im Sozial- und Jugendbereich.[6]

Grazer Stadtrat

Kurt Hohensinner, 2014

Hohensinner wurde bei der Gemeinderatssitzung am 23. Jänner 2014 als Nachfolger von Detlev Eisel-Eiselsberg mit den Stimmen aller Parteien zum neuen amtierenden Stadtrat für Bildung, Integration und Sport gewählt und angelobt.[1][2][3][9] Nach der Gemeinderatswahl im Februar 2017 – die einen großen Erfolg für die ÖVP brachte[10] – übernahm Kurt Hohensinner zu seinen bisherigen Aufgaben auch die Bereiche Soziales, Senioren, Jugend und Familie[11].

Hohensinners politisches Ziel als Stadtrat ist es, Graz mit innovativen und wissenschaftlich evaluierten Konzepten sowie einer modernen Infrastruktur, die vor allem die Neugier und Motivation Lehrender und Lernender ständig am Glühen hält, zur Bildungsstadt Österreichs zu machen. Bildung soll mit Hilfe einer konstruktiven und jungen Politik in allen Lebensbereichen stattfinden. Integration kann nur über Bildung in allen Lebensbereichen gelingen. Spitzensportler brauchen für den Erfolg ein gutes Team – vom Coach bis zum Mentaltrainer. Sportsgeist bedeutet Teamgeist – auch beim Breitensport in Graz.[12]

Hohensinner ist im Zusammenhang mit seiner Funktion als Stadtrat und den damit verbundenen politischen Verantwortungen[13] besonders in folgenden Bereichen engagiert: Bildungsstrategie,[14] Schulausbau, flexible Kinderbetreuung, Sprachförderung, Integrationsarbeit, Neue Wege in der Behindertenhilfe (Personenzentrierte Begleitung), Moderne Ansätze in der Sozialpolitik, Sportförderung, Ausbau der Sportinfrastruktur,[15] Teacher’s Award sowie Projekte für das junge Graz.[16]

Stadtparteiobmann der Grazer Volkspartei

Nach der Gemeinderatswahl 2021 am 26. September gab Siegfried Nagl seinen Rücktritt als Bürgermeister bekannt.[17] Hohensinner wurde in einer Sitzung des ÖVP-Parteivorstandes am 27. September 2021 als sein Nachfolger als Stadtparteiobmann der Grazer Volkspartei designiert,[18] im März 2022 wurde er am Stadtparteitag zum Obmann gewählt.[19]

Graz-Miniaturen

Grazer Rathausminiatur mit Braille-Beschriftung

Die Tastmodelle von einer Handvoll Grazer Bauwerken

ab 2003 vor oder in diesen Gebäuden aufgestellt, gehen auf eine Initiative der damaligen ÖVP-Gemeinderäte Hohensinner und Alexander Ceh zurück.

Hohensinner brachte die Idee für die Graz-Miniaturen von einem Praktikum in den USA mit. Er hatte im Jahr 2000 im Rahmen eines Praktikums mit einer Gruppe behinderter Menschen das kalifornische Disneyland besucht. Micky Maus & Co wurden durch kleine Kunststoffpuppen, Sehenswürdigkeiten durch hölzerne Tastmodelle Sehbeeinträchtigten zum „Begreifen“ zur Verfügung gestellt.

Die Modelle sind typisch aus Bronze, detailreich und doch ohne scharfe Spitzen und Kanten ausgeführt. Vordergründig für sehbehinderte und blinde Menschen geschaffen, sind jedoch auch für Sehende attraktiv, da sie einen Blick von oben und einen raschen Überblick erlauben.

Plakat-Aktion Vorwahlkampf 2026

Negative Campaigning der VP gegen SPÖ & Grüne

Bereits im September 2025, ein Jahr vor der offiziellen Gemeinderatswahl 2026, ließ Hohensinner mit dem Negativ Campaigning der Grazer Volkspartei aufhorchen, mit dem er auf die "Baustellen" der Stadtregierung hinwies. Dabei ließ er Plakate anfertigen und verbreiten, die den Anschein erweckten, als würden diese von seinen politischen Gegnern stammen (SPÖ, Grüne). Auf den Plakaten war zu lesen: "Verkehrschaos, Parkplatzraub, Baustellenflut. Sorry, aber wir können's nicht besser Elke K. und Judith S.". Die Plakate zeigen eine vermeintliche Entschuldigung der Bürgermeisterin Elke Kahr (KPÖ) und Vizebürgermeisterin Judith Schwentner (Grüne), allerdings handelt es sich um Plakate, die von der Grazer Volkspartei stammten[27][28]. In einem Interview mit der Kleine Zeitung hat Hohensinner das Negative Campaigning als Kritik "mit Augenzwinkern" bezeichnet[29].

Adventkalender-Politikum – Aufruf zum regionalen Einkauf „Made in Belgium“

VP-Adventkalender mit belgischer Schokolade, der mit dem Appell regional einzukaufen verteilt wurde.
VP-Adventkalender mit belgischer Schokolade, der mit dem Appell, regional einzukaufen, verteilt wurde.

In der Weihnachtssaison 2025 ließ Hohensinner einen Adventkalender anfertigen und verteilen – mit seinem Porträt auf der Rückseite und dem Appell an die Bevölkerung, bei heimischen Betrieben einzukaufen[30]. Mit dieser Aktion ist Hohensinner erneut in die Kritik lokaler und bundesweiter Medien[31] geraten. Zum einen wurde der Kalender vom Wirtschaftsbund mitfinanziert, zum anderen stammte die Schokolade im Kalender nicht von heimischen Betrieben, sondern wurde aus Belgien importiert[32]. Auch bei der Gestaltung wurde nicht auf regionale Künstler oder Agenturen gesetzt, stattdessen wurde das Motiv mit Hilfe Künstlicher Intelligenz (KI) generiert. Das Motiv fällt mit zahlreichen Ungereimtheiten und Bildfehler auf:

"Die Ziffern auf den beiden zeigerlosen Uhrtürmen sind beliebig, das im Hintergrund abgebildete Grazer Rathaus hat dafür keine erkennbare Uhr, ist um mindestens zwei Fensterzeilen zu schmal, ein Stockwerk zu niedrig und auch sonst architektonisch nicht allzu akkurat repräsentiert [...] Einigen Figuren fehlen Gesichter, ein Standverkäufer hat offenbar zwei Köpfe, ein vorbei gehendes Kind besteht dafür nur aus einem Bein mit Torso [...] Dazu kommen weitere fehlende oder verdrehte Gliedmaßen und eine Reihe anderer Problemstellen"[33].

Die Grazer VP hat auf die Kritik reagiert: Es konnte österreichweit kein Unternehmen gefunden werden, das für die Vorderseite ein Graz-Motiv und ein individuelles Bild auf der Rückseite ermöglicht hätte[34]. Eine Anfrage, warum die gravierenden Bildfehler vor dem Druck nicht aufgefallen sind, blieb unbeantwortet[35].

Commons: Kurt Hohensinner – Sammlung von Bildern

Einzelnachweise

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