Kurt Priemel

Direktor des Frankfurter Zoos (1908–1938) From Wikipedia, the free encyclopedia

Karl Otto Kurt Priemel (* 22. Juli 1880 in Freiburg in Schlesien (heute Świebodzice); † 22. Februar 1959 in Frankfurt am Main[1][2]) war Zoologe, Direktor des Frankfurter Zoos und erster Vorsitzender der Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents.

Kurt Priemel auf einer Gedenktafel im Frankfurter Zoo
Kurt Priemel als Direktor des Frankfurter Zoos (Zeichnung)
Aktie der Neuen Zoologischen Gesellschaft vom 31. Oktober 1872

Ausbildung und Berufsanfänge

Priemel besuchte die Schule in Liegnitz und studierte im Anschluss in Breslau und Bern Naturwissenschaften mit den Schwerpunkten Geologie und Paläontologie.[3] 1899 wurde er Mitglied des Corps Silingia Breslau.[4] 1906 wurde er mit seiner Arbeit Die Braunkohlenformation des Hügellandes der preußischen Oberlausitz an der Universität Bern zum Dr. phil. promoviert.[5]

Seine erste berufliche Station hatte Priemel am Naturhistorischen Institut in Görlitz, welches er im April 1907 für die Rolle als wissenschaftlicher Assistent am Frankfurter Zoo verließ.[6]

Zoodirektor in Frankfurt

Bereits ein Jahr später, am 1. April 1908, wurde Priemel wissenschaftlicher Direktor des Frankfurter Zoos.[7] Seit 1909 war er zudem Mitglied der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung und später Mitglied im Verwaltungsrat.[8] Nach dem Ausscheiden von Verwaltungsdirektor Victor Goering zum 1. Oktober 1913 wurde Priemel zum alleinigen Direktor des Frankfurter Zoos berufen.[9] 1915 ging der Träger des Zoos, die Neue Zoologische Gesellschaft, Konkurs und der Zoo kam in die Trägerschaft der Stadt Frankfurt. Diesen und weiteren Widerständen zum Trotz verhinderte Priemel die Schließung des Frankfurter Zoos während des Ersten Weltkriegs.[6][10]

Während seiner dreißigjährigen Dienstzeit setzte Priemel im Frankfurter Zoo durch die Erweiterung der Anlagen sichtbare Akzente. So gab es ab 1924 ein Kino, in dem Naturfilme gezeigt wurden. 1928 war das renovierte Aquarium eines der modernsten der Welt. Eine Sensation war 1929 ein Gorilla im Zoo, kurz darauf wurde das Affenhaus eröffnet, in dem es auch Orang-Utans zu sehen gab.

1935 wurde Priemel zum ersten Präsidenten des neu gegründeten Internationalen Verbands der Direktoren Zoologischer Gärten gewählt.[11] 1936 wurden die Gitterkäfige im Frankfurter Zoo für Elefanten und Nashörner durch weitläufige Freianlagen abgelöst. Außerdem errichtete er mit Philipp Schilling die erste Lehr- und Schauanlage für Vogelschutz nach Berlepschem Muster.[12]

Aus gesundheitlichen Gründen[13] trat Priemel zum 1. April 1938[14] in den Ruhestand. Er siedelte nach Garmisch-Partenkirchen über, von wo er, angeblich mit einer gewissen Verbitterung über die Umstände seiner Pensionierung,[15] die weiteren Entwicklungen in der Zoowelt aufmerksam verfolgte.

Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents

Nach dem Ersten Weltkrieg sahen rund 50 Biologen, Tierärzte und engagierte Amateure die Möglichkeit, dem Aussterben des Wisents mit Hilfe von Zoos entgegenzuwirken. Im August 1923 gründeten sie unter der Leitung Priemels in Berlin die Internationale Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents, deren Ziele die planmäßige Zucht und Wiederauswilderung des Wisents in Schutzgebieten war.[16] Damals lebten ca. 54 bis 56 reinrassige Wisente in zoologischen Gärten und privaten Gehegen, von denen 12 nicht miteinander verwandt waren,[17] während die wildlebenden Tiere ausgerottet waren. Im Gegensatz zu Lutz und Heinz Heck, die eine Kreuzung von Wisenten und amerikanischen Bisons vornahmen, war Priemel ein Verfechter einer systematischen, aber konsequenten Reinzucht der Wisente. Priemel kritisierte das Vorgehen der Heck-Brüder, hatte damit aber wenig Erfolg.[18]

1923 schrieb Priemel: „Alle Arbeit für den großen und herrlichen Gedanken des Naturschutzes muß Stückwerk bleiben, wenn sie nicht auf dem Boden der Internationalität gedeiht. Naturschutz ist heute nicht nur eine unabweisbare Forderung unserer Zeit, sondern er ist auch eine Wissenschaft geworden, die sich zur allgemeinen Anerkennung durchgerungen hat.

Die Gesellschaft führte als erstes Herdbuch für Wildtiere das Zuchtbuch für Wisente, das auf die jahrelange Arbeit von Priemel und Ludwig Zukowsky, dem wissenschaftlichen Mitarbeiter des Tierparks Carl Hagenbeck, zurückgreifen konnte. In diesem Zuchtbuch wurden Daten zu jedem Wisent notiert, um einen internationalen Austausch zuchtfähiger Tiere zu ermöglichen und so der Inzucht entgegenzuwirken. Nach 1945 übernahm der Warschauer Zoo die Führung des Zuchtbuches.

Das durch Priemel initiierte Zuchtbuch der Wisente und die Gründung der Internationalen Gesellschaft zur Erhaltung des Wisents dienen heute noch als Vorbild für ein Vorgehen zur Rettung von Tierarten, die vom Aussterben bedroht sind. Der Wisent gilt heute als nicht mehr bedrohte Tierart.[19][20][21]

Natur- und Artenschutz

Priemel setzte sich zeitlebens für den Schutz bedrohter Arten und der Natur ein. So beteiligte er sich in den 1920er Jahren an der Bestrebung, das Enkheimer Ried zum Naturschutzgebiet zu erklären. Außerdem schrieb Priemel mehrere Gutachten, in denen er sich für die Unterschutzstellung des hessischen Gebietes Kühkopf-Knoblochsaue einsetzte. Ebenso wirkte Priemel an der Gründung der Arbeitsgemeinschaft für Naturschutz mit und war Ehrenmitglied der Vogelkundlichen Beobachtungsstation Untermain.[12]

Ehrungen

Für seine Verdienste um die Erhaltungszucht des Wisents wurde Priemel 1953 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen.[22]

Familie

Priemel hatte einen Sohn, Gero Priemel (1913–2002), Regisseur und Drehbuchautor, sowie eine Enkelin, Heli von Westrem (geb. Priemel). Diese soll Elvis Presley 1959 in Bad Nauheim kennen gelernt haben, wie sie selbst in einem ihrer Bücher schreibt. Sie soll eine über normale Freundschaft hinausgehende Beziehung zu Presley gepflegt haben, was allerdings offiziell dementiert wurde.[23]

Werke

Ein Auszug der Werke Priemels, absteigend sortiert nach Erscheinungsjahr:

  • Priemel, K. (1942). Der Klippspringer in Freileben und Gefangenschaft. Der Zoologische Garten. Neue Folge. Bd. 14.
  • Priemel, K. (1938). Internationaler Zusammenschluss in der wissenschaftlichen Tiergärtnerei. Bijdragen tot de Dierkunde. 27(1), 437–440.
  • Priemel, K. (1937). Dem Tiergärtner Professor Dr. Gustav Brandes zur Vollendung des 75. Lebensjahres. Der Zoologische Garten. Neue Folge. Bd. 9, Nr. 3/4, 97–100.
  • Priemel, K. (1934). Ein Rundgang durch den Frankfurter Zoo. Zoo-Verlag, Frankfurt.
  • Priemel, K. (1930). Die Giraffengazelle. Der Zoologische Garten. Neue Folge. Bd. 3.
  • Pinner, E. &, Priemel, K. (1927). Tierskizzen aus dem Frankfurter Zoo.
  • Priemel, K. (1923). Maßnahmen zur Erhaltung des Wisents. Zoologica palaearctica. Bd. 1, Nr. 1, 1–8.
  • Priemel, K. (1923). Eine Rettungsaktion für den Wisent. Die Umschau vereinigt mit Naturwissenschaftliche Wochenschrift und Prometheus, J. H. Bechold (Hrsg.), 27 Jg., Heft 34, 538–539.
  • Priemel, K. (1922). Gedenken über die Möglichkeit der Erhaltung des Wisents. Deutsche Jäger Zeitung, Band 80, Nr. 20, 289–292.
  • Priemel, K. &, Werner-Rades, H. (1918). Ein Rundgang durch den Zoologischen Garten der Stadt Frankfurt a. M. im vierten Kriegsjahr.
  • Priemel, K. (1914). Aus dem Leben eines Schimpansen. Bericht über die Senckenbergische naturforschende Gesellschaft, 7–13.
  • Priemel, K. (1911). Führer durch den Zoologischen Garten Frankfurt a. M., Hauser (in verschiedenen Ausgaben).
  • Priemel, K. (1909). Die heutigen Aufgaben der Tiergärten. Der Zoologische Garten, Bd. 50, Nr. 12, 354–366.
  • Priemel, K. (1907). Die Braunkohlenformation des Hügellandes der Preussischen Oberlausitz. Ernst & Sohn, Berlin.

Einzelnachweise

Literatur

Related Articles

Wikiwand AI