Kurt Sindermann
sächsischer KPD-Landtagsabgeordneter in der Weimarer Republik
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Kurt Alfred Sindermann (* 13. März 1904 in Dresden; † 30. März 1945 in Radeberg) war ein deutscher Politiker (SPD, KPD) und von 1929 bis 1933 sächsischer Landtagsabgeordneter. Während des Nationalsozialismus war er im kommunistischen Widerstand aktiv. Als Gestapo-Spitzel verriet er andere Widerstandskämpfer, die anschließend zum Tode verurteilt und hingerichtet wurden. Kurz vor Kriegsende 1945 wurde Sindermann von der SS erschossen. Er war der Bruder des bekannten DDR-Politikers Horst Sindermann.
Familie und berufliche Herkunft
Kurt Sindermann wurde als Sohn des damals bekannten sächsischen SPD-Politikers und -Funktionärs Karl Sindermann geboren. Nach dem Besuch der Volksschule absolvierte er eine Lehre zum Eisenschiffbauer und war danach als Schlosser sowie als Steuermann eines Elbschiffes tätig.
Politischer Werdegang
Im Alter von 16 Jahren schloss sich Sindermann zunächst der Sozialistischen Arbeiterjugend (SAJ) an und wurde wenig später auch Mitglied der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (SPD). Man kann davon ausgehen, dass diese politische Überzeugung zunächst von seinem Vater ausging, der damals SPD-Fraktionsvorsitzender in der Sächsischen Volkskammer war und dem rechten Parteiflügel angehörte.
Nach dem frühen Tod seines Vaters 1922 radikalisierte sich Kurt Sindermann rasch und wandte sich der kommunistischen Bewegung zu. So wurde er zunächst Anfang 1923 Mitglied der Kommunistischen Jugend Deutschlands (KJD) sowie später der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD). 1925 wurde Sindermann Leiter des KJVD in Ostsachsen. Er bewährte sich aus Sicht der KPD-Leitung und wurde von Februar bis November 1927 auch mit der Leitung des RFB in Ostsachsen betraut.[1] Das Verhältnis zwischen dem RFB und der Mutterpartei KPD in Dresden war zu dieser Zeit stark zerrüttet, Sindermann sollte die Vorfeldorganisation der Partei wieder stabilisieren und der Parteilinie unterordnen.[2]
Von November 1927 bis zum März 1929 schickte ihn die KPD auf die Internationale Lenin-Schule nach Moskau. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland kandidierte er 1929 erfolgreich für den Sächsischen Landtag und wurde dessen Abgeordneter in der 4. und 5. Wahlperiode bis 1933. Nach Funktionen in Ostsachsen wurde Sindermann 1930 Unterbezirksleiter der KPD in Chemnitz. Dort war er maßgeblich an der Ausschaltung von abweichlerischen KPO-Gruppen beteiligt. Sindermann gehörte zu den jungen, rasch aufgestiegenen Funktionären, die eine radikale, hauptsächlich gegen die Sozialdemokraten gerichtete Politik der KPD-Führung um Ernst Thälmann durchsetzte.[3]
Widerstandskämpfer und Gestapo-Spitzel
Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten und dem Parteienverbot wurde Sindermann zur Organisation der illegalen Arbeit der KPD zunächst in seine Heimatstadt Dresden geschickt, dann nach Wuppertal, wo er jedoch schon kurz nach seiner Ankunft im Juni 1933 verhaftet wurde. Nach langer Untersuchungshaft wurde er am 31. Oktober 1934 vom Volksgerichtshof wegen „Vorbereitung zum Hochverrat“ zu drei Jahren Zuchthaus verurteilt.
Im Anschluss an die Verbüßung der Haftstrafe wurde Sindermann nicht entlassen, sondern zunächst im KZ Sachsenhausen eingesperrt, später ins KZ Buchenwald überstellt. Zum 50. Geburtstag von Adolf Hitler aufgrund einer Amnestie im April 1939 entlassen, wurde er schon zum Kriegsbeginn im September 1939 wieder verhaftet und erneut nach Buchenwald gebracht.
Nach seiner Freilassung und Rückkehr nach Dresden Ende 1940 wurde Sindermann wiederholt verhaftet und verhört. Er war wahrscheinlich regelmäßigen Misshandlungen ausgesetzt und wurde psychisch zermürbt. Hinzu kam, dass auch seine Frau Anni Sindermann (1912–1990)[4] aufgrund ihrer Aktivitäten viele Jahre in Justiz- und Konzentrationslager-Haft verbrachte.
Im April 1943 warb ihn die Dresdner Gestapo als V-Mann an, wodurch er endgültig frei kam. Im Sommer 1943 kam Sindermann in Verbindung mit einer Gruppe von Dresdner Kommunisten um Herbert Blochwitz und Kurt Schlosser. Weil bereits das Gerücht kursierte, Sindermann sei ein Gestapo-Spitzel, stellte die Gruppe ihre Arbeit ein. Doch Sindermann berichtete der Gestapo umfassend, in der Folge kam es zu zahlreichen Verhaftungen.[5] Herbert Blochwitz, Kurt Schlosser, Arthur Weineck und Otto Galle wurden in Dresden zum Tode verurteilt und hingerichtet, Arno Lade beging nach der Verhaftung Suizid.
Während Sindermann der Gestapo zuarbeitete, baute er gleichzeitig seine Widerstandstätigkeit aus, die er der Gestapo gegenüber zu einem großen Teil verbarg. Nachdem er über Georg Schumann in Verbindung zu dem Berliner Widerstandskämpfer Anton Saefkow gekommen war, offenbarte er sich diesem und berichtete von seinem Verrat an der Gruppe um Herbert Blochwitz.[6] Die einstigen KPD-Genossen vertrauten Sindermann nicht mehr. Später wurde Sindermann zum Teil auch zu Unrecht verdächtigt, weitere Widerstandskämpfer verraten zu haben wie Wilhelm Grothaus, mit dessen Festnahme er jedoch nachweislich nichts zu tun hatte.
Als im Juni/Juli 1944 die Gestapo ein weitverzweigtes Widerstandsnetzwerk zerschlug, das als „Nationalkomitee Freies Deutschland“ (NKFD) firmierte, wurde auch Sindermann verhaftet. In den Verhörprotokollen erscheint er als ein psychisch gebrochener Mann.[7] Zu einem Prozess in Dresden kam es jedoch nicht mehr.
Todesumstände zu Kriegsende
Die genauen Todesumstände von Sindermann sind nicht bekannt. Kurz vor Kriegsende am Karfreitag, 30. März 1945, erschossen ihn offenbar SS-Angehörige im Arbeitserziehungslager Radeberg.
Sindermann hat einen gemeinsamen Grabstein mit seiner Frau Anni Sindermann in der Gräberanlage für Opfer des Faschismus und Verfolgte des Naziregimes auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde.
Literatur
- Carsten Voigt: Kurt Sindermann. Als kommunistischer V-Mann in den Fängen der Dresdner Gestapo. In: Christine Pieper, Mike Schmeitzner, Gerhard Naser: Braune Karrieren. Dresdner Täter und Akteure im Nationalsozialismus. Sandstein Verlag, Dresden 2012, S. 92–98.
- Hermann Weber, Andreas Herbst: Deutsche Kommunisten. Biographisches Handbuch 1918 bis 1945. 2., überarbeitete und stark erweiterte Auflage, Dietz, Berlin 2008, ISBN 978-3-320-02130-6 (Online).