Kvikne
Siedlung in der Gemeinde Tynset, Norwegen
From Wikipedia, the free encyclopedia
Kvikne ist eine ehemalige Gemeinde im norwegischen Fylke (Provinz) Innlandet. Der Ort mit etwa 1000 Einwohnern liegt in der Bergregion am Ursprung des Orkla und ist als Geburtsort von Bjørnstjerne Bjørnson bekannt. Hier wurde von 1630 bis 1921 Kupfererz abgebaut und der hier gewonnene Speckstein wurde beim Bau des Nidarosdoms in Trondheim verwendet. Die 1654 erbaute Kirche erhielt im 18. Jahrhundert eine farbenprächtige Innenausstattung. Der etwa zur selben Zeit entstandene Vollan-Hof ist der Fundort eines Psalters aus dem 13. Jahrhundert und ein Informationszentrum für den Forollhogna-Nationalpark.
| Kvikne | |||
|---|---|---|---|
|
| |||
| Basisdaten | |||
| Staat | |||
| Provinz (fylke) | Innlandet | ||
| Gemeinde (kommune): | Tynset, Rennebu | ||
| Koordinaten: | 62° 35′ N, 10° 17′ O | ||
| Einwohner: | 1.092 (1965) | ||
| Fläche: | 1.153 km² | ||
| Bevölkerungsdichte: | < 1 Einwohner je km² | ||
| Höhe: | 552 moh. | ||
| Verkehr | |||
| Straße: | Riksvei 3 | ||
Kvikne kirke im Zentrum von Kvikne | |||
Die Gemeinde Kvikne wurde am 1. Januar 1966 auf zwei verschiedene Fylke aufgeteilt. Der Hauptteil kam zur Gemeinde Tynset im damaligen Hedmark, ein kleiner Teil zur Gemeinde Rennebu im damaligen Sør-Trøndelag.
Geografie

Das Kirchspiel Kvikne (952 km²) ist der nördlichste Teil der Gemeinde Tynset an der Wasserscheide zwischen Østerdalen und Trøndelag. Es liegt auf einem Gebirgsplateau auf etwa 600 Höhenmetern, das von abgerundeten, gleich hohen Bergen mit meist flachen Flanken umgegeben ist. Die höchsten Gipfel sind der Høi-Gia (1641 m) und der Låg-Gia (1452 m) im Südwesten und der Sverjesjøhøa (1240 m) im Nordosten. Die Landschaft wird durch die Orkla, die einige Kilometer hinter der westlichen Grenze zu Oppdal entspringt, und ihren Nebenflüssen zum Trondheimsfjord entwässert. Von der Wasserscheide bei Kvikneskogen erstreckt sich in nordwestlicher Richtung das Orkdalen des Flusses Orkla bzw. in südöstlicher Richtung das Tunndalen des Flusses Tunna (der bei Tynset in die Glomma mündet).[1][2]
Das Kirchspiel Innset (201 km²) ist der südöstliche Teil der Gemeinde Rennebu am Zusammenlauf von Orkla, Inna und Byna. Hier weichen die Berge zurück, um ein breites Tal zu bilden. Die Inna entspringt an der Wasserscheide im Süden und fließt parallel zur Orkla in nordwestlicher Richtung. Die Byna entwässert die westlich gelegene Gemeinde Oppdal zur Orkla.
Die ehemalige Gemeinde Kvikne bestand aus den Kirchspielen Kvikne und Innset und erstreckte sich von Norden nach Süden über ca. 40 km und von Osten nach Westen über ca. 42 km.[3.1]
Von den 1.153,4 km² Gesamtfläche[4] wird nur ein sehr geringer Teil landwirtschaftlich genutzt. Nach einer Statistik von 1900 entfielen auf Ackerland 0,4 km², auf Wiesen 9,7 km² und auf Wald 80,0 km². Der Rest wurde von Ödland, Seen und Mooren eingenommen.[3.2] Eine zeitgleiche Landvermessung ergab übrigens eine abweichende Gesamtfläche von 1.164,5 km².[5] [1]
Die vorherrschenden Gesteinsarten in Kvikne sind Schiefer, Tonglimmerschiefer und verschiedene andere kristalline Gesteine. Am Innatal und am Høi-Gia kommt stellenweise Granit vor.[3.3] Die Böden sind sand- und kieshaltig und teilweise lehmig. Der Ackerboden ist sehr dünn und trocken. Die besten Böden liegen im (tiefer gelegenen) Innset.[3.2]
Das norwegische Katasteramt Kartverket definiert den geografischen Mittelpunkt von Kvikne als 62° 34′ 56″ N und 10° 17′ 14″ O. Hier liegt auf einer Seehöhe von 551,6 Meter die Hauptkirche von Kvikne (Kvikne kirke).[6] Diese Daten wurden der Infobox zu Grunde gelegt.
Kvikne ist von Trondheim in der Luftlinie 93 km entfernt bzw. über das Straßennetz 119 km. Die Entfernung von Oslo beträgt in der Luft 298 km bzw. über die Straße 368 km.[7]
Einwohner

Die Gemeinde Kvikne (Kommunenummer 0440) wurde durch die Formannskapslovene von 1837 eingerichtet und erlitt bis zu ihrer Auflösung keinerlei Gebietsveränderungen. Mit circa einem Einwohner pro km² war sie immer sehr dünn besiedelt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts stieg durch einen Aufschwung des Bergbaus die Bevölkerung vorübergehend auf knapp 1600 Einwohner; zum Zeitpunkt der Auflösung am 1. Januar 1966 waren es 1084.
Durch die Auflösung von Kvikne änderte sich auch die Grenze des Fylke Hedmark (heute Innlandet) zum Fylke Sør-Trøndelag (heute Trøndelag), da Rennebu zu letzterem gehört. Eine weitere, geringfügige, Grenzänderung fand am 1. Januar 1970 statt, als Tynset an Rennebu ein Garlia genanntes Gebiet mit 5 Einwohnern abgab.[12]
Name
Kvikne kommt wahrscheinlich vom altnordischen Wort kvikr, was lebendig, beweglich bedeutet und die Eigenschaften von Quellton oder Treibsand ausdrückt.[13] Kvikne entstand aus der Pluralform Kviknar[3.1] und war „sehr wahrscheinlich“ der Name eines alten Bauernhofs in der Nähe der Kvikne kirke.[14]
Inset ist sicher ein Hofname, Innarsetr, nach dem Fluss Inna.[3.1]
Ein Einwohner von Kvikne wird auf Bokmål kviknedøl genannt bzw. in der Mehrzahl kviknedøler. (døl ist von dal abgeleitet, was Tal bedeutet.)[15] Ein kviknevær dagegen ist ein Einwohner von Kvikne, dem gleichnamigen Kirchspiel in Nord-Fron.[16]
Geschichte
Archäologische Funde

Archäologische Funde beweisen die kontinuierliche Besiedlung des Gebiets seit der Steinzeit, oder zumindest den regelmäßigen Besuch zum Zwecke der Jagd und des Fischfangs.[14] Der Hauptteil der Funde stammt aus der Jüngeren Eisenzeit (550–1050 n. Chr.) und aus der Umgebung des Hofs Vollan. Hier fand man Schwerter, Schildbuckel, Äxte, Messer, Pfeilspitzen, Scheren, Zaumzeugbeschläge und andere Metallgegenstände in sehr gutem Zustand zusammen mit verbrannten Knochen. Die Artefakte wurden vom Bauern G. Sand beim Pflügen entdeckt und der Trondheimer Wissenschaftlichen Gesellschaft geschenkt.[3.4]
Es gibt zahlreiche Hügelgräber, z. B. 12 dicht beieinander stehene bei Estensvollan in Kvikneskogen, wo der Überlieferung nach König Øystein eine Schlacht geschlagen haben soll. Im Ort Hogstad gibt es 21 Grabhügel, auf der Wiese Kaven unterhalb des Naaverdalen in Inset 10 bis 12.[3.4]
Specksteinbruch
Das Specksteinvorkommen im Sottdalen beim Hof Grøtli auf 853 m Seehöhe wird seit dem 5. Jahrhundert v. Chr. abgebaut.[17] Hier, wo die Sotta südlich von Kvikneskogen in die Tunna mündet, wurden mehrere C-14-Proben aus organischem Material aus Abfallgruben auf die Jahre 400 bis 300 v. Chr. datiert.[18] Die Gesteinsader hat eine freiliegende Mächtigkeit von etwa 5 Meter und ist etwa 30 Meter lang, aber teilweise überdeckt. Ein weiteres Vorkommen in 100 Schritt Entfernung ist, da grobkörniger, von schlechterer Qualität.[3.5]
Der Abbau hat zahlreiche Spuren in Form von runden Aushöhlungen hinterlassen. Während des 12. Jahrhunderts wurde hier Material für den Bau des Nidarosdoms in Trondheim entnommen.[17][13] Später, bis ins 20. Jahrhundert hinein, wurde der Steinbruch fallweise von Ortsansässigen genutzt, vor allem für Kaminöfen.[3.5]
Kvikne Kobberverk

Etwa 5 km östlich der Orkla bei Yset, über dem Tal der Ya und am Fuß des Bergs Kaltberget, liegen auf etwa 750 Meter Seehöhe Kupfererz-Vorkommen, die seit dem 17. Jahrhundert abgebaut wurden. Das Kvikne Kobberverk war eines der ersten Kupferbergwerke Norwegens und zeitweise auch das größte.[19] Der Abbau erfolgte in vier Gruben namens Gabe Gottes, Segen Gottes, Øvre Vangs und Nedre Vangs. Das Erz war mit Quarz vermischter Kupferkies und Schwefelkies (letzterer teilweise mit geringem Kupfergehalt). Die Deckschichten bestanden aus Glimmerschiefer, teilweise mit Granaten, und Hornblende.[3.6]
Nach der Überlieferung wurden die Vorkommen 1629 von dem „Alten Nils“ entdeckt, aber die Bewohner Kviknes hielten die Entdeckung geheim, da sie befürchteten, zur Fronarbeit in der Mine herangezogen zu werden und ihre Wälder und Weiden durch den Bergbau zu verlieren. Schließlich wurde der Fund doch König Christian IV. gemeldet und ab 1631 wurden die Minen im königlichen Auftrag betrieben. Am 10. Juni 1633 wurden der Statthalter und die Bischöfe des Landes angewiesen, in allen Kirchen ein Dankfest für die neue Entdeckung zu feiern, und die Mine erhielt den Namen Gabe Gottes. Für die Schmelzhütte wurden Schmelzer und Köhler aus Thüringen geholt, und 1635 stattete der König selbst den Anlagen einen Besuch ab.[3.7]
Das Gefälle in den Stollen war mit 30 ° gering und Erz und Abraum konnten mit Pferden abtransportiert werden. Um Grubenhunte auf Schienen einsetzen zu können, wurden die Stollen begradigt. Dieser Ausbau beeinträchtigte die Stabilität der Stollen und führte 1677 zu einem Erdrutsch, der die Gabe Gottes verschüttete. In den folgenden Jahren führte dieses Unglück und häufige Wechsel in der Leitung zu einer Rezession und viele Bergleute wanderten ab. Von 1696 bis 1707 wurde das Bergwerk von den ansässigen Bauern auf eigene Rechnung betrieben.[20]

Durch die Gründung einer Aktiengesellschaft unter der Leitung des Oberbergmeisters Abraham Dreier wurde neues Kapital beschafft und in neue Technologien investiert. Die alten schrägen Schächte wurden durch senkrechte vermehrt. 1707 wurde eine Radkammer zum Abpumpen des Wassers und Heben des Erzes errichtet, 1732 ein Lichtloch unterhalb der eingestürzten Gabe Gottes in 130 m Tiefe, 1736 ein Schacht von 330 m Teufe. Nach mehreren Jahrzehnten erfolgreichen Betriebs wurden die Erzvorkommen allmählich unergiebig und Erdrutsche und Wassereinbrüche häuften sich. „Als die Storofsen 1789 die Minen überflutete, war Kvikne Kobberverk nicht in der Lage, den Betrieb wieder ordnungsgemäß aufzunehmen. Auch wenn ein Teil der verbleibenden Anlagen bis 1812 weiter betrieben wurde, gilt 1789 als das Ende des Kobberverket.“[20]
In der neuen Grube Øvre Yangs wurde 1793–1812 durch den Trondheimer Bürgermeister Hans Knudtzon und dann noch einmal 1868–1870 durch eine Aktiengesellschaft in Hamar Erz abgebaut, aber ohne nachhaltigen Erfolg.[3.8]
| 1653 | 1711- 1720 | 1721– 1730 | 1731– 1740 | 1741– 1750 | 1751– 1760 | 1761– 1770 | 1771– 1780 | 1781– 1790 | 1791– 1810 |
|---|---|---|---|---|---|---|---|---|---|
| 100 | 52 | 35 | 38 | 46 | 28 | 32 | 30 | 22 | 8 |
Das Erz von Kvikne war reichhaltig; in den 150 Jahren des Betriebs wurden aus etwa 750.000 Tonnen Erz 6.690 Tonnen Kupfer gewonnen. Es enthielt allerdings auch viel Arsenkies, der beim Feuersetzen giftige Dämpfe erzeugte. Es wurden 42 Faden Brennholz benötigt, um 133 Tonnen Erz zu fördern.
Die Schmelzhütte wurde mehrmals verlegt, da sie für die Holzzufuhr auf nahe gelegenen Wald angewiesen war. Bis 1657 wurde das gesamte, etwa 15 km lange, Gebiet von Ya bis Brevad abgeholzt. Danach wurde die Hütte nach Innset verlegt (und dort durch die Überschwemmung 1789 zerstört).
Die Ortsansässigen wurden, wie sie es befürchtet hatten, zur Fronarbeit herangezogen. Eine beträchtliche Anzahl von Bergbauingenieuren und Verwaltern wurde aus Deutschland, Dänemark und Schweden angeworben. Kvikne verzeichnete daher in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts einen starken Bevölkerungszuwachs. Im heutigen Yset an der Mündung der Ya in die Orkla (wo auch die erste Schmelzhütte lag) entstand eine Bergarbeitersiedlung, die Kvikneplassen oder einfach Plassen genannt wurde.[20]
Røstvangen

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden neue Kupferkiesvorkommen in Kvikne entdeckt; diesmal im Süden der Gemeinde, in Østerdalen in der Nähe des Sees Stugusjøen, auf 900 bis 1200 Meter Seehöhe. Der Aufschluss begann 1902, der Abbau zwei Jahre später. 1907 wurden mit einer Belegschaft von 5 bis 80 Mann 647 m³ Kupfererz abgebaut. 1908 lief nach der Gründung der Aktiengesellschaft A/S Røstvangen der reguläre Betrieb an. Außer einer großen Aufbereitungsanlage wurden für die Stromversorgung ein Wasserkraftwerk und eine 22 km lange Seilbahn zur Rørosbahn gebaut.[21][1]
Das Eidsvossen Kraftverk an der Orkla in der Nähe von Yset wurde zwischen Frühjahr 1915 und April 1917 errichtet, wobei bis zu 60 (meist auswärtige) Bauarbeiter und zwei Vorarbeiter beschäftigt wurden. Da der Wasserzufluss unbeständig war, wurde der Fluss mit einem fünf Meter hohen Damm gestaut und das Wasser über ein Verteilerbecken und einen 300 Meter langen Kanal zum Kraftwerk geleitet.[22]
Im besten Jahr 1917 waren in Røstvangen 260 Arbeiter beschäftigt und 500 Menschen lebten in einer neu entstandenen Siedlung: „Es gab eine Schule, ein Geschäft, ein Café, ein Gemeindehaus, eine Bäckerei […] Eine Theatergruppe, ein Blasorchester, ein Fußballverein und Tanzveranstaltungen sorgten für soziale Aktivitäten.“[23]
Der Betrieb endete 1921 abrupt, als die Gesellschaft mit der bis dahin größten Insolvenz Norwegens endete.[23]
Wirtschaft und Verkehr

Kviknes wichtigster Wirtschaftszweig ist die Landwirtschaft, vor allem die Viehzucht mit Almwirtschaft und die damit verbundene Molkereiwirtschaft.[24] Auf den „ausgezeichneten Bergweiden“[1] werden im Sommer vor allem Schafe und Rinder gehalten. Während die Bauernhöfe auf 300 bis 700 Meter Seehöhe liegen, reichen die Almweiden bis zu 1200 Meter Seehöhe hinauf.[3.10]
Amund Helland erwähnt in seiner Landesbeschreibung Norwegens für das Jahr 1891 einen Bestand von fast 2000 Rentieren, deren Halter aus Finnland stammten.[3.11] Und: „Vor längerer Zeit wurden einige der besten Almen an Leute aus Trondheim verkauft, ebenso wie fremde Viehherden im Sommer zur Weidehaltung aufgenommen werden.“[3.12]
Der Ackerbau war schon immer unbedeutend. Ackerland gibt es nur am Unterlauf der Orkla und das Klima macht den Getreideanbau unsicher. Durch das Abholzen der Wälder, „die früher groß und üppig waren“,[2] für den Kupferbergbau hat sich auch das Mikroklima geändert: „Es heißt, dass früher, als es noch Wald im Kirchspiel gab, so viel Getreide angebaut wurde, dass fast jedes Jahr etwas für den Verkauf an die Nachbargemeinden übrig blieb.“[3.2]
Im 21. Jahrhundert hat der Anbau der Mandelkartoffel (mandelpotet) eine gewisse Bedeutung erlangt. Diese Kartoffelsorte mit gelber bis hellbrauner Schale und langen, gekrümmten Knollen ist eine Spezialität der Bergregionen und eine wohlschmeckende Beilage zu Lammbraten.[24]
Sowohl die zahlreichen Seen im Østerdalen als auch die (kleineren) Flüsse Inna, Sverja und Ya sind fischreich und hauptsächlich mit Forellen und Rotaugen besetzt.[3.2]

Trotz der vorgenommenen Rodungen ist die Forstwirtschaft noch ein wichtiger Wirtschaftszweig.[13] Die Kvikne-Wald genannte Landschaft im äußersten Süden des Kirchspiels Kvikne ist weitläufig, aber nur spärlich bewaldet.[1] Der Wald im Kirchspiel Innset ist von besserer Qualität. Unter den Bäumen dominieren Kiefern, Fichten und Birken; stellenweise findet man Eschen, Ebereschen und Weiden.[3.5]
An der Orkla wird in den Kraftwerken Litjefossen und Ulset Strom mit einer Gesamtleistung von 110 MW erzeugt.[13] Das Innerdalen im Kirchspiel Innset wurde 1981 für den Stromausbau überflutet. Die Proteste dagegen waren in den Jahren 1979–1981 sehr heftig; sie sind Thema des Dokumentarfilms Prognose Innerdalen (1981, Regie: Oddvar Einarson).
Die Gemeinde hat sich durch einige Attraktionen auch touristisch einen Namen gemacht, allerdings vor allem bei den Inländern. In Kvikne befindet sich einer der Eingänge zum 2001 eingerichteten Forollhogna-Nationalpark östlich des Orklatales. Westlich des Tales liegt das Gebiet Knutshø, das Teil der Schutzgebiete von Dovrefjell ist. Beide Berggebiete sind leicht zugänglich. Im Ort stellt ein „Outdoor-Zentrum“ Infrastruktur für Wanderer, Fischer und Jäger bereit. „Mehr als 70 Fischgewässer, neben der Orkla, sind mit einem Angelschein zugänglich.“[24] Einige Kulturdenkmäler ergänzen das Angebot.
Kvikne wird in Nord-Süd-Richtung vom Riksvei 3 durchzogen, der wichtigsten Straße für den Fernverkehr zwischen Oslo und Trondheim. Die Straße biegt bei Tynset in das Tunndalen ein und folgt anschließend dem Orkdalen.
Sehenswürdigkeiten
Kvikne Kirke

Die Kirche, der amtliche Mittelpunkt der ehemaligen Gemeinde, wurde nach zweijähriger Bauzeit 1654 geweiht und ersetzte eine frühere Stabkirche an derselben Stelle. Die Kvikne Kirke ist eine Kreuzkirche mit dem Chor im östlichen Querschiff und einem zentralen Dachreiter. Sie ist als Blockhaus errichtet und auf der Außenseite mit geteerten Brettern verkleidet. Das Gebäude wurde im 18. Jahrhundert im Osten durch eine Sakristei und im Westen durch einen Glockenturm erweitert. Es steht seit dem 7. Dezember 2000 (gemeinsam mit dem umliegenden Friedhof) unter Denkmalschutz (Kulturminne-Id 84864).[14]
Das Innere der Kirche ist gut erhalten und bemerkenswert dekorativ. Ein Rankendekor aus den 1730er Jahren schmückt die Wände und ein Monogramm von König Christian VI. ist an der Decke angebracht. Die Einrichtung stammt größtenteils aus dem 17. Jahrhundert.[14] Die Bänke, die Platz für 230 Personen bieten,[25] haben Wangen und Türen und sind verziert. Über dem Chorgitter ist ein Kruzifix angebracht, das aus der romanischen Zeit um 1200 stammt.[26] Die Empore im nördlichen Querschiff ist mit Abbildungen der Apostel geschmückt.

Der Altaraufsatz und die Kanzel stammen aus dem Jahr 1633 und sind aufwendig geschnitzt und verziert. Der Altar zeigt das Abendmahl, darüber die Kreuzigung und zuoberst den auferstandenen Christus. Er wird von Hermen und Säulen und Altarflügeln mit Apostelabbildungen flankiert. Geschnitzte Statuen der Apostel bewohnen auch die Rundbögen an der Kanzel.[14]
Die alte Kirche wurde kurz vor dem Neubau abgerissen (vielleicht 1649) und ihr Material wurde wahrscheinlich wiederverwendet.[3.4] Ein Indiz dafür sind Stabkirchenbretter im Urnes-Stil, die in den Dachboden der neuen Kirche eingebaut wurden.[27]
Die in verschiedenen Quellen genannte und auf 1739 datierte Renovierung der Kirche[3.4][13] wird durch die Beschreibung des Denkmalamtes nicht belegt.[14]
In der Nähe der Kvikne Kirke liegen die größten Höfe des Ortes, wie Bjørgen, Moen und Volden.[2] Der Pfarrhof, also der dem Pfarrer als Lebensgrundlage übergebene Bauernhof, wechselte in der Vergangenheit mehrmals. 1578 diente Bjørgan als Pfarrhof, 1652 Veen, um 1800 wiederum Bjørgan (das inzwischen neu erbaut worden war). Auch Skogstad und Frenstad könnten im 16. Jahrhundert Pfarrhäuser gewesen sein.[14] Seit 1860 dient Moen (früher Mor geschrieben), das in unmittelbarer Nähe der Kirche liegt, als Pfarrhof.[3.13]
Bjørgan Prestegård

Bjørgan Prestegård wurde 1780 erbaut und war bis 1860 der Pfarrhof der Gemeinde Kvikne. Hier wurde am 8. Dezember 1832 der Dichter Bjørnstjerne Bjørnson geboren, während sein Vater als Pfarrer tätig war. Der spätere Nobelpreisträger verbrachte hier seine ersten fünf Lebensjahre und manche Kritiker betonen den prägenden Einfluss dieser Zeit auf Bjørnsons spätere Bondefortellinger (Bauernromane). Bjørnson besuchte Bjørgan als Erwachsener noch zweimal, 1869 und 1897.
Als 1917 der Hof abgerissen werden sollte, wurde er auf Initiative von Tilla Valstad durch private Mäzene erworben und 1919 dem Staat als Geschenk übergeben. Im Jahr 1932 wurde vor dem Gebäude ein Gedenkstein für Bjørnstjerne Bjørnson enthüllt.
Das Gebäude wurde 2010 restauriert und wird seit 2006 vom Nordøsterdalsmuseet verwaltet. Das Innere, ein Bjørnson gewidmetes Museum, kann zur Zeit (2026) wegen Neugestaltung nicht besichtigt werden.[28]
Vollan Gård

Der Hof Vollan Gård stammt aus der Anfangszeit des Kupferbergbaus in Kvikne; er war zeitweise Pfarrhaus und sein Grundbesitz erstreckte sich in seinen Blütezeiten über mehrere Kilometer. Eine Besonderheit ist die für norwegische Bauernhäuser unübliche Hofkapelle.[29]
Der Hof wurde von dem aus Deutschland stammenden Lorenz Lossius (1590–1654) auf gepachtetem Krongut erbaut, nachdem dieser 1635 im Kvikne Kobberverk als Schichtmeister und „Prober“ angestellt worden war. Sein Sohn Christopher Lossius († 1683) übernahm am 14. Juli 1672 den Pachtvertrag. Christophers Schwiegersohn Peder Rambech (1684–1764) erwarb Vollan Gård 1724, als der König aus Geldnot mehrere Krongüter verkaufen musste.
Der einzige Sohn von Peder, Anders Rambech (1715–1780), erbte das Grundstück mit 25 Gebäuden, wovon die meisten im schlechten Zustand waren. Er ließ 1767 alle baufälligen Häuser abreißen, während er das von Lossius um 1640 erbaute Hauptgebäude (Lossiuslåna) renovierte und vergrößerte. Anders und seine Frau blieben kinderlos und ein Neffe der Frau erbte den Hof.[30]

Zwei Generationen danach war der Hof im Besitz von Anders Rambech Knoff (1816–1905), „der für alle Zeiten als der große Baumeister von Vollan in Erinnerung bleiben wird.“ 1838 ließ er einen 50 Meter langen Stall mit Glockenturm errichten, 1842 an den „Alten Flügel“ einen „Neuen Flügel“ anbauen, 1850 die Kapelle und 1872 einen Stall und eine Scheune. Da der neue Flügel den alten überragte, erhöhte er den alten Flügel, ohne dessen Inneres zu verändern. Er zog eine Fassade mit Blindfenstern hoch und über dem bestehenden Dach ein neues ein. „All diese Bauarbeiten, zusammen mit schlechtem Geschäftssinn und einer Vorliebe für ‚Feste und gutes Trinken‘, führten dazu, dass Vollan 1862 öffentlich versteigert werden musste.“[30]
Die folgenden, mehrmals wechselnden, Eigentümer richteten einen Molkereibetrieb ein und hielten einen großen Viehbestand. Später wurden auch Sommergäste aufgenommen und die Jagd- und Fischereirechte verpachtet. 1909 wurde der Grundbesitz geteilt und damit wurde Vollan Gård auf den heutigen Umfang geschrumpft.
Der Hof wurde 1969 von der Gemeinde Tynset erworben. Nach umfangreicher Renovierung dient er heute als Museum der lokalen Geschichte und als Veranstaltungsort. Hier finden regelmäßig „Vollan-Tage“ und ein „Forellenfischer-Festival“ statt. Vollan war Drehort für den Spielfilm Secondløitnanten (1993, Regie Hans Petter Moland, Hauptrolle Espen Skjønberg), in dem der Titelheld 1940 gegen die Wehrmacht Widerstand leistet. Im ehemaligen Stall von Vollan befindet sich das Kvikne Nasjonalparksenter, ein Informationszentrum zu den benachbarten Naturschutzgebieten.[29]
Bergbauarchäologie

Die stillgelegten Bergwerke und ihre Anlagen, von denen einige unter Denkmalschutz stehen, sind für Besucher zugänglich.[19] Da das Kvikne Kobberverk – im Gegensatz zu anderen ehemaligen Kupferminen – nach 1800 kaum noch betrieben wurde, verleihen ihm die sichtbaren Überreste „einen hohen Wert als historisches Dokument der ältesten Bergbauzeit des Landes. […] Das Bergbaugebiet bildet eine Kulturlandschaft, die teilweise von verwitterten gelben Erzhalden und Bergwerken geprägt ist.“[20] Außer den Ruinen von Gebäuden und Kanalanlagen können auch noch einige kleinere Stollen begangen werden.
Die gut erhaltene Aufbereitungsanlage in Nåverdalen (Kirchspiel Innset) stammt aus der Abbauzeit 1868–1870. Sie wurde 1959 unter Denkmalschutz gestellt und 1997 zum Kulturdenkmal des Jahres in Rennebu gewählt.[20]
Von der Røstvangen Gruve sind noch die Mauern der Gebäude vorhanden.[23] Das für diese Grube errichtete Eidsfossen Kraftverk wurde nach der Stilllegung der Mine im verkleinerten Umfang weiter betrieben. Einige Bauern kauften die Anlage, die von 1932 bis zum Ende der 1950er Jahre Kvikne mit Strom versorgte. Der Staudamm wird von der Gesellschaft Kraftverkene i Orkla (KVO) als technisches Kulturdenkmal erhalten und ist für Besucher zugänglich.[22]
Auch die Specksteinbrüche in Sottdalen können besichtigt werden.[18]
Kvikne Psalter

Diese Sehenswürdigkeit, die aus Kvikne stammt und nach Kvikne benannt wurde, wird seit 1881 in der Universitätsbibliothek Oslo aufbewahrt (Ms. 8° 102). Es handelt sich um eine Handschrift der Psalmen Davids in lateinischer Sprache, die im 19. Jahrhundert in Vollan Gård aufgefunden wurde.[30] Das beidseitig beschriebene Pergament ist stark abgenutzt; einige Blätter wurden mit Nadel und Zwirn geflickt, andere Blätter von steiferer und schlechterer Qualität nachträglich eingefügt. Viele Blätter haben Löcher, die beim Beschreiben übersprungen werden mussten.[31]
Das Pergamentbündel wurde zwischen zwei dicken Holzdeckeln gebunden. Da der Einband keinen Rücken hat, ist die Bindetechnik gut nachvollziehbar. Auf dem Deckel sind einige Wörter eingeritzt, die als Kvikna Kyrkja a mik (Die Kirche von Kvikne gehört mir) gelesen wurden. Bemerkenswert ist, dass für die Inschrift eine Mischung lateinischer Buchstaben und nordischer Runen verwendet wurde.[31]
„The inscriptions with letters and runes may indicate that people had a developed awareness of what they wanted to achieve with the texts they wrote. Runes were often used for short and spontaneous messages, letters more for longer texts that were to be in force for a long time. But there are always exceptions.“[32]
Sverre Flugsrud (Universitätsbibliothek Oslo) datiert das Psalter ins 13. Jahrhundert. Es ist nicht sicher, ob es in Norwegen geschrieben wurde, aber es gehörte wahrscheinlich vom Mittelalter bis ins 19. Jahrhundert den Priestern der Kirche von Kvikne.[31]
Persönlichkeiten

- Anders Rambech (1767–1836), Beamter und Politiker
- Bjørnstjerne Bjørnson (1832–1910), Dichter und Politiker
- Arnt Hansen (1832–1889), Bäckermeister, Begründer von Norwegens ältester Bäckerei Baker Hansen
- Karl Mikael Bratbost (1861–1904), Opernsänger
- Vilhelm Koren (1921–2016), Industriedesigner
Literatur
- Bjørn Ivar Berg: Kvikne kobberverk. In: Bjørn Ivar Berg (Hrsg.): Bergverk i Norge. Kulturminner og historie. Fagbokforlaget, Bergen 2016, ISBN 978-82-45020-88-5.
- Arne Dag Østigaard, Ragnar Støren, Mikael Grøtli: Kongens kopperverk. ‚Queckne Kaaberwerck‘ på 1600–tallet. Arne Dag Østigaard, Tynset 2008, ISBN 978-82-99356-95-4.
- Mikael Grøtli: Kvikne. Gårds- og slektshistorie. Kvikne bygdeboknemnd, Kvikne 2001, ISBN 82-99606-10-1.
- Olav Trygve Hagen (Hrsg.): Kvikne. Ei bygdebok. In Kommission bei Bokcentralen, Oslo.
- Band 1: Bygdesoga. 1952.
- Band 2: Gardsbruk, koparverk. 1951.
- Kvikne herred. In: Amund Helland: Norges land og folk. IV. Hedemarkens Amt. Andel del. Aschehoug, Kristiania 1902, Seite 636 bis 656 (Digitale Version bei Projekt Runeberg).
Weblinks
- Kvikne. Interaktive Karte. bei Norgeskart
- Privat betriebene Website von Kvikne
- Kulturminner. Kulturdenkmäler in Kvikne
- Eingang in den Nationalpark: Kvikne. bei Forollhogna nasjonalpark
- Ms.8° 102 Psalterium Kvikne-Psalter: Digitalisiert in der Nasjonalbiblioteket
